Jagdmesse Dortmund: Bedrohte Vögel im Visier
Naturschützer kritisieren, dass auf der Jagdmesse "Jagd & Hund" weiterhin Reisen angeboten werden, bei denen der Abschuss möglichst vieler seltener Zugvögel entlang ihrer Zugrouten im Mittelpunkt steht.
Kritik an der Jagdmesse Bedrohliche Vogelarten im Visier der Hobby-Jäger
Wie das Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, finden sich im diesjährigen Ausstellerkatalog mindestens ein Dutzend Firmen, die in Halle 7 weiterhin Arten zum Abschuss anbieten, die in Deutschland gefährdet sind.
Massenabschüsse auf gefährdete Zugvögel
So bietet das Jagdbüro Vojvodinasume (Stand D15) Reisen nach Serbien an, bei denen Hobby-Jäger gegen Entgelt auf Turteltauben, Knäkenten, Wachteln und andere Vogelarten schiessen können. Wenige Meter weiter (Stände F18 und C52) verkaufen Mitbewerber «Flugwildjagden» auf Turteltauben und Wachteln in Bulgarien. Direkt daneben (Stand B58) bietet eine Firma aus Baden-Württemberg Vogeljagden in Montenegro an, bei denen unter anderem Bekassinen und Singdrosseln erlegt werden können. Die Firma Blaser Safaris (Stand E02) hat unter anderem den Abschuss von Bekassinen und Singvögeln in Frankreich im Programm.
Knäkenten, Bekassinen und Turteltauben werden in der aktuellen Roten Liste der Brutvögel in Deutschland als «vom Aussterben bedroht» bzw. «stark gefährdet» eingestuft. Wachteln werden in Kategorie V (Vorwarnliste) geführt. Ein Teil der mitteleuropäischen Populationen dieser Arten zieht im Herbst nachweislich auch über Osteuropa und den Balkan. Die Hobby-Jagd gefährdet die Biodiversität dieser Arten massiv.
26’300 Euro für Massenabschüsse auf Korsika
Die Firma Premium Jagd aus Dortmund (Stand D25) wirbt für bezahlte Massenabschüsse von Zugvögeln in Frankreich und Serbien, wo Kunden das Töten von Dutzenden Wachteln pro Tag ermöglicht wird. «Selbst durchschnittliche Schützen können mit einer Tagesausbeute von etwa 20 Stück rechnen. Für erfahrene Hobby-Jäger ist die Ausbeute oft wesentlich höher», so die Firma auf ihrer Website. Kunden, die möglichst viele Tiere in kurzer Zeit töten wollen, müssen dafür tief in die Tasche greifen. So zahlt eine Gruppe von 6 bis 12 Hobby-Jägern für eine mehrtägige Vogeljagd auf Korsika rund 26’300 Euro. Darin sind Abschüsse von täglich 500 Drosseln, Schnepfen sowie anderen Arten enthalten.
Wer auf Island Papageientaucher und Robben abschiessen möchte, wird von den Reiseagenturen Malepartus und Fabrig (Stände B12 und B58) bedient. «Werden bewusst geschützte Vögel erlegt, werden pro Vogel 200 EUR berechnet», so der vielsagende Warnhinweis auf der Homepage von Malepartus. Der Atlantische Papageientaucher wird in der weltweiten Roten Liste der IUCN als «Vulnerable» eingestuft.
Messe als Heuchelei entlarvt
Die Messe wirbt auf ihrer Seite im Internet damit, ein «internationaler Trendsetter und Taktgeber für die Verbesserung des Artenschutzes und einer ethisch einwandfreien Jagdkultur» zu sein. Das Komitee gegen den Vogelmord bezeichnet das als Heuchelei. Auch die Gatterjagd-Angebote auf der Messe sorgen für Empörung.
«Die Hobby-Jagd auf gefährdete Zugvögel hat mit verantwortlicher oder nachhaltiger Jagd nichts zu tun, sondern schadet dem Artenschutz. An den Standgebühren dieser Aussteller klebt das Blut von in Deutschland und Europa bedrohten Arten», so Komitee-Geschäftsführer Alexander Heyd.
Die Vogelschützerinnen und Vogelschützer appellieren an die Messe Dortmund GmbH, endlich Konsequenzen zu ziehen und die entsprechenden Firmen von der Messe auszuschliessen. Mehr zum Tierschutzproblem der Hobby-Jagd und den Jagdmythen.
LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!
Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →