23. Juni 2026, 19:35

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Jagd

Italien: Papst Leo XIV. kritisiert Jagdreform DDL 1552

Auf einen Brief der Partnerorganisation LIPU nennt der Papst die geplante Lockerung des Jagdrechts eine Frage von grosser sozialer und moralischer Bedeutung.

Redaktion Wild beim Wild — 23. Juni 2026

Während der italienische Senat über die umstrittene Jagdreform DDL 1552 berät, hat sich Papst Leo XIV. kritisch geäussert.

Auf einen Brief der Vogelschutzorganisation LIPU antwortete er, das Thema sei eine «Frage von grosser sozialer und moralischer Bedeutung», und betete dafür, dass «die legitimen Wünsche der LIPU in Erfüllung gehen».

Was geschehen ist

Die LIPU-BirdLife Italia hatte aus Assisi, während ihrer Versammlung, einen Brief an den Papst gerichtet. Über das vatikanische Staatssekretariat liess Leo XIV. wenige Tage später antworten. Er betonte die Neutralität des Heiligen Stuhls gegenüber gesetzgeberischen Fragen einzelner Staaten, bekundete aber «Wertschätzung für die Sensibilität und die Arbeit» zugunsten der Natur. LIPU-Präsident Alessandro Polinori sprach von einer mächtigen Emotion und einer grossen Überraschung. Das Schreiben fällt ins Jahr des achthundertsten Todestags des heiligen Franziskus, des Schutzpatrons der Tiere.

Worum es beim Gesetz geht

Der Gesetzentwurf DDL 1552, auch DDL Malan genannt, weitet das Jagdrecht in Italien deutlich aus. Vorgesehen sind unter anderem die Erweiterung der als lebende Lockvögel nutzbaren Arten von sieben auf 47, was die Rückkehr zum Fang wildlebender Vögel bedeuten würde, sowie eine Verlängerung der Jagdzeiten bis nach Sonnenuntergang. Hinzu kommen die Ausweitung der Jagd auf Schutzgebiete und Küstenabschnitte, eine Schwächung des bislang verbindlichen Gutachtens der Umweltbehörde ISPRA und der Verlust des besonderen Schutzes für den Wolf. Die EU-Kommission hatte Rom bereits im Dezember 2025 auf Unvereinbarkeiten mit der Vogelschutz- und der Habitat-Richtlinie hingewiesen. Wild beim Wild hat die Reform mehrfach dokumentiert, etwa im Beitrag «Massive Jagdreform in Italien: Ein Angriff auf Wildtiere».

Ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Italiens Jagdpolitik läuft bereits, unter anderem wegen Ausnahmen für geschützte Arten und des Einsatzes von Bleimunition in Feuchtgebieten.

Der Senat stimmt zu

Am 23. Juni 2026 nahm der Senat die Reform mit 80 zu 56 Stimmen bei zwei Enthaltungen an. Der Text geht nun an die Abgeordnetenkammer. Damit ist das Gesetz aber noch nicht endgültig verabschiedet: Stimmt die Kammer Änderungen zu, kehrt der Entwurf zurück an den Senat. Erst wenn beide Kammern denselben Text tragen, ist die Reform definitiv verabschiedet, danach prüft Staatspräsident Sergio Mattarella die Verfassungsmässigkeit vor der Unterzeichnung.

Dass sich ein Papst überhaupt zu einer nationalen Jagdgesetzgebung äussert, ist bemerkenswert. Frühere Päpste hielten sich beim Naturschutz auffallend zurück. Leo XIV. wählte zwar vorsichtige, diplomatische Worte und vermied jede direkte Aufforderung an die Regierung, doch die Botschaft war eindeutig: Der prominenteste moralische Akteur des Landes stellte sich an die Seite der Vogelschützer. Beeindruckt hat es die Mehrheit in Rom nicht. Der Appell des Papstes, der Protest zahlreicher Verbände und die Warnungen aus Brüssel haben die Annahme im Senat nicht aufgehalten. Die Erfahrung bestätigt sich damit erneut: Mehrheiten, die ein solches Gesetz vorantreiben, lassen sich von moralischen Appellen selten aufhalten. Entschieden ist der Kampf gegen die «legge sparatutto» damit aber nicht, die zweite Kammer hat das letzte Wort noch vor sich. Zum Hintergrund der rechtlichen Debatte rund um die Jagd siehe auch unser Dossier Jagdgesetz.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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