Fuchsjagd: Blutsport oder Vergnügen in England?
Wenige Traditionen in Grossbritannien sorgen für so leidenschaftlichen Streit wie die Fuchsjagd. Einen «Blutsport» sehen die Gegner darin - Befürworter weisen das brüsk zurück.

Jahrhundertelang ein vertrautes Bild in britischen Landstrichen.
Seit 2005 verboten – doch immer noch praktiziert
Auch in diesem Jahr werden bald wieder die Jagdclubs ausschwärmen. Doch statt einem Fuchs rast die Meute einer Geruchsspur hinterher – die Hetzjagd auf lebende Tiere ist seit 2005 in England verboten. Tierschützenden aber geht das nicht weit genug. Sie fordern schärfere Gesetze: «Die Fuchsjagd ist ein brutaler Blutsport, der in die Geschichtsbücher gehört», sagt Chris Luffingham von der Organisation League Against Cruel Sports.
Das Problem: Indem die abgerichteten Hunde einer künstlichen Fuchsspur folgen, stöbern sie immer wieder echte Füchse auf – und hetzen sie entgegen der Gesetze zu Tode.
Selbst um den Buckingham-Palast streunen Füchse
Die Befürwortenden halten dagegen: Seit dem Verbot hätten Clubs 250’000 Tage mit legalem Trail Hunting verbracht, und nur bei einem Bruchteil sei es zu Verstössen gekommen. Ausserdem könnten Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger helfen, die «Überpopulation» an Füchsen zu reduzieren – ein Jägerlatein, das wissenschaftlich widerlegt ist.

Demnach ist jede Fuchsjagd ein klarer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz, weil es am vernünftigen Grund mangelt. Es gibt seit mehr als 30 Jahren mindestens 18 wildbiologische Studien, die beweisen: Fuchsjagd reguliert nicht und taugt auch zur Seuchenbekämpfung nichts.
Doch die Hobby-Jägerschaft steht mittlerweile heftig unter Druck. Während der jüngsten Saison enthüllte der Sender ITV, dass führende Mitglieder eines Jagdclubs zugegeben hatten, Trail Hunting diene nur dazu, die tatsächliche tödliche Hobby-Jagd auf Wildtiere zu verschleiern.
Als Konsequenz hat nun unter anderem die Organisation National Trust, die zahlreiche Naturschutzgebiete betreut, die Erlaubnis zum Trail Hunting ausgesetzt. Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass Tierschutz und Tradition in Grossbritannien um die Deutungshoheit ringen.
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