Fuchsjagd in England: Tradition vs. Tierschutz
Ist die Jagd harmlose Tradition oder blutrünstiges Spektakel? In England kommt es vor allem an Weihnachten immer wieder zu handfestem Streit. Ändert die Regierung das Gesetz?

Die Fuchsjagd wurde in England und Wales verboten, als das Jagdgesetz am 18. Februar 2005 in Kraft trat, drei Monate nachdem es am 18. November 2004 die königliche Zustimmung erhalten hatte. Die Meute folgt seitdem einer Duftspur.
Dennoch steigt der Druck auf die Regierung, die traditionelle Hobby-Jagd grundsätzlich zu verbieten. Die Tierschutzorganisation League Against Cruel Sports forderte, das Gesetz wie versprochen zu verschärfen und Freiheitsstrafen einzuführen.
Die Reiter in ihren roten Jacken und ihre Hundemeuten ziehen vor allem am «Boxing Day», dem zweiten Weihnachtstag, zahlreiche Schaulustige an. In den vergangenen Jahren kam es an verschiedenen Orten, vor allem in Südengland, aber auch zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern.
Hunderte Verstösse gegen das Jagdverbot
Tierschützerinnen und Tierschützer warfen der Hobby-Jägerschaft vor, mithilfe von Schlupflöchern doch echte Tiere zu jagen. Sie führten Hunderte Zwischenfälle allein seit August an.
Das zuständige Umweltministerium schloss sich dieser Sicht an. «Diese Regierung wurde mit dem Mandat gewählt, die ehrgeizigsten Tierschutzpläne seit einer Generation einzuführen, und genau das werden wir tun», sagte ein Sprecher. «Wir setzen uns für ein Verbot der Fährtenjagd ein, die als Deckmantel für die grausame Tötung von Füchsen und Hasen genutzt wird.»
Hobby-Jägerschaft wirft Regierung Klassenkampf vor
Die Hobby-Jägerschaft wies die Vorwürfe strikt zurück. Es gebe nur wenige, ungewollte Verstösse. Ihre Vertretung, die Countryside Alliance, warnte, weitere Gesetzesänderungen seien «völlig ungerechtfertigt». Die Menschen gingen einer legalen Aktivität nach, die die ländliche Gemeinschaft stärkten und dringend benötigte Einnahmen in Dorfläden und Pubs brächten. Die sozialdemokratische Regierungspartei Labour verrenne sich in einem Klassenkampf, den die wenigsten Menschen im Land unterstützten, sagte Alliance-Chef Tim Bonner.
Das Beispiel England zeigt, wie ähnlich die Argumentationsmuster der Jagdlobby international funktionieren: Traditionen werden als Legitimation herangezogen, wirtschaftliche Argumente überhöht und jede Reform als Angriff auf die ländliche Bevölkerung gerahmt.
Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet
HOBBY-JÄGER-RADAR
Auf der Spur versteckter Tierschutzvergehen, Wilderei und/oder Kriminalität? Melden Sie uns Verdachtsfälle! Helfen Sie beim grossen Hobby-Jäger-Radar.

Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →