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Jagd

Angeschossene Sechsjährige: Hobby-Jäger vor Gericht

Da bei Hobbyjagden immer wieder Menschen verletzt oder getötet werden, fordert Tierschutzorganisationen anlässlich des Prozessauftakts, die Hobbyjagd endlich gesetzlich zu verbieten.

Redaktion Wild beim Wild — 15. September 2021

Ein sechsjähriges Mädchen wurde im Landkreis Greiz in einer nahegelegenen Kleingartenanlage angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Schuss aus Erntejagd trifft Kind

Axel Gerd J. hatte im Juli 2018 gemeinsam mit 6 Hobby-Jägern an einer Erntejagd in einem Rapsfeld teilgenommen. Dabei warten Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger während der Erntearbeit, dass ihnen aufgescheuchtes Wild vor die Flinte kommt.

Der Wildtierkiller musste sich erstmals am Dienstag, den 14.9.2021, am Amtsgericht Gera verantworten. Das Mädchen wurde in einer nahen Gartenanlage von dem Schuss in der Hüfte getroffen. Das Projektil hat das Kind am linken Arm getroffen, dann die Hüfte durchbohrt – Lebensgefahr, Notoperation!

Mädchen war zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen

Der Jagdunfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen, hiess es von der Staatsanwaltschaft. Das Mädchen sei durch die schweren Verletzungen noch heute stark eingeschränkt und müsse Schmerzmittel nehmen.

Wie viele Menschen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobby-Jagd endlich verboten wird? Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schiesswuetige Hobby-Jäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Es wird höchste Zeit, dass die Politik eingreift.

Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA

Rund die Hälfte der Deutschen lehnt Hobby-Jagd ab

Die Hobby-Jägerschaft tötet mehr als fünf Millionen Wildtiere jährlich in Deutschland; es ereignen sich auch immer wieder schwere Jagdunfälle. Eine repräsentative Forsa-Umfrage von 2018 bestätigt, dass mit 49 Prozent rund die Hälfte der Bevölkerung die Hobby-Jagd ablehnt. Den mehr als 390’000 Hobby-Jagenden in Deutschland stehen nur etwa 1’000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstmitarbeitende, gegenüber.

Hobby-Jagd ist aus wildbiologischer Sicht unnötig

Anerkannte Fachleute bestätigen, dass die Hobby-Jagd aus ökologischer Sicht nicht notwendig ist. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge müssen beispielsweise Wölfe nicht durch menschliche Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren. Der Kanton Genf – in dem die Hobby-Jagd seit über 40 Jahren verboten ist – ist nur ein Beispiel dafür. Hier reguliert sich die Natur in erster Linie selbst. Die Folge: eine hohe Artenvielfalt und gesunde, stabile Wildtierpopulationen.

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