Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere
In der Debatte um die Jagd stossen unterschiedlichste Interessen aufeinander, die auch auf emotionaler Ebene diskutiert werden. Umso wichtiger ist ein Blick auf die Fakten, mit denen man messen kann, wie sich die Hobby-Jagd auf Wildtiere und Hobby-Jäger auswirkt.
Die Auswirkungen einer intensiven Bejagung gehen weit über die direkte Tötung hinaus.
Wissenschaftliche Langzeitstudien dokumentieren Veränderungen bei Zu- und Abwanderung, Scheu und Fressverhalten, ökologischem Gleichgewicht, Krankheitsausbreitung, Aktivitätsrhythmus, Lebensraumnutzung, Familienstrukturen und Fortpflanzungsraten. Neben der Hobby-Jagd beeinflussen auch Nahrungsverfügbarkeit, Klima, Krankheiten, Territorien und natürliche Feinde die Populationsdynamik. Im Folgenden werden die wichtigsten wissenschaftlich dokumentierten Effekte zusammengefasst, ergänzt durch Studien zu einzelnen Tierarten.
Wer tiefer in die politischen Zusammenhänge einsteigen will, findet in unserem Dossier zur Jagd in der Schweiz die umfassendste Materialbasis.
Effekt 1: Tiere unter Dauerstress
In Anwesenheit von Hobby-Jägern schalten Wildtiere in einen permanent wachsameren Verhaltensmodus. Wildbiologen haben dies beispielsweise bei Elchen in Kanada beobachtet. «Menschen werden als Gefahr gesehen», erklärt Prof. Ilse Storch, Leiterin des Lehrstuhls Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
In der Wissenschaft spricht man von einer «Landscape of Fear», einer Landschaft der Angst, in der selbst Tiere an der Spitze der Nahrungskette wie Rothirsche, Wildschweine oder Füchse leben. «Wildtiere entscheiden sich eher zu hungern, als sich aktiv in eine Gefahr zu begeben», sagt Dr. Konstantin Börner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Das heisst: Sie bleiben lieber in Deckung, als im offenen Feld nach Nahrung zu suchen.
Die physiologischen Folgen sind messbar. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Güldenpfennig et al. 2021, Scientific Reports) mass bei Wildschweinen auf Drückjagden erhöhte Cortisolwerte in allen Proben. Santos et al. (2018) zeigten bei Rothirschen in Südwesteuropa, dass Faktoren des Jagdmanagements die Haupttreiber der Stresshormon-Variation waren, noch vor Umweltbedingungen und individuellen Merkmalen. Pedersen et al. (2024, Wildlife Biology) wiesen nach, dass Schneehasen, die mit Hunden bejagt wurden, einen 6,5-fach höheren Cortisolspiegel aufwiesen als solche, die ohne Hunde erlegt wurden.
Dabei spielt die Jagdmethode eine entscheidende Rolle. Tajchman et al. (2024, BMC Veterinary Research) fanden bei Mouflons, Rothirschen und Wildschweinen, die durch ruhige Pirschjagd ohne Treiber oder Hunde bejagt wurden, keine signifikant erhöhten Langzeitstresswerte in Haarproben. Die Autoren schliessen daraus, dass Pirschjagden das Wohlbefinden von Schalenwild weniger belasten als intensive Treibjagden. Das unterstreicht die Befunde zu Drückjagden und Hundehetze: Je invasiver die Methode, desto gravierender die physiologische Reaktion.
Durch die Hobby-Jagd sind viele Wildtiere scheuer und ängstlicher geworden, als sie es in unbejagten Gebieten wären, berichtet auch Wildtierökologin Storch. Eine systematische Übersichtsarbeit zu «Human-induced fear in wildlife» (Grigsby et al. 2023, Biological Conservation) wertete 81 Studien aus und dokumentierte: Menscheninduzierte Angst verändert Aktivitätsmuster, Physiologie, Fitness und Habitatnutzung bei Wildtieren grundlegend.
Darimont et al. (2009, PNAS) zeigten in einer Meta-Analyse, dass menschliche Hobby-Jäger Wildtierpopulationen schneller verändern als jeder andere Evolutionsfaktor, der je bei Wildtieren beobachtet wurde.
Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Hobby-Jagd mit Wildtieren macht
Effekt 2: Lebensraumverlust durch erzwungene Verhaltensänderung
Aus Angst vor Hobby-Jägern haben viele Wildtiere ihren natürlichen Lebensraum dauerhaft verlassen. «Sie meiden freie Felder und leben verstärkt im Schutz des Waldes», sagt Biologe Börner. Dabei können sie einschätzen, wann es besonders gefährlich wird. Bei einer Rehpopulation in Europa haben Forschende beobachtet, dass sich der Rückzug in den Wald während der Jagdsaison verstärkt. «Auf freien Feldern verschieben sich die Aktivitätsphasen insbesondere beim Hirsch dann in die störungsarme Nacht», berichtet Börner.
Eine umfangreiche Meta-Analyse von 76 Studien (Gaynor et al. 2018) kommt zu dem Ergebnis, dass Wildtiere unter dem Einfluss von Menschen ihre Nachtaktivität signifikant erhöhen. Das Ergebnis war über Kontinente, Lebensräume, Arten und menschliche Aktivitäten hinweg konsistent. Eine Folgestudie (Gaynor et al. 2025, Proceedings of the Royal Society B) wertete Raumnutzungsdaten aus Schutzgebieten vor und während der COVID-19-Schliessungen aus und belegt kausal, dass Wildtiere wie Wölfe und Bergziegen menschliche Infrastruktur konsistent meiden und dass dieser Rückzug reversibel ist, wenn der menschliche Druck nachlässt.
Corlatti & Ciuti (2025, Wildlife Biology) zeigen in einer aktuellen Übersichtsarbeit, dass die Reaktionen von Wildtieren auf Menschen entlang eines Kontinuums von Vermeidung über Toleranz bis Anziehung verlaufen. In Systemen, in denen der Mensch primär als Prädator auftritt – also durch Hobby-Jagd – verschieben sich die Reaktionen stark in Richtung Vermeidung. Bei Alpenmurmeltieren (Zenth et al. 2025, Wildlife Biology) beeinflusste ausschliesslich die Hobby-Jagd, nicht die Freizeitnutzung, die Verhaltenstoleranz gegenüber menschlicher Störung.
Die Hobby-Jagd trägt also wesentlich dazu bei, dass Wildtiere in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden und ihnen weniger Lebensraum zur Verfügung steht. «Ohne Bewegungsfreiheit und genetischen Austausch wird die Gesundheit der Tiere gefährdet», sagt Börner.
Effekt 3: Fehlende Wintermortalität durch Fütterung
Das Jagdgesetz, nicht nur in Deutschland, schreibt vor, Wildtiere im Rahmen der Hege «in Notzeiten» zu füttern, weshalb einige Hobby-Jäger im Winter Futter im Wald platzieren. Das Problem: «Durch Futtergaben wird die natürliche Wintermortalität ausgeschaltet», erklärt die Wildtierökologin Ilse Storch.
Die Winterzeit ist für Wildtiere normalerweise ein natürlicher Selektionsprozess. Die Starken überleben, die Schwachen sterben. So wird die Population einmal im Jahr natürlich ausgedünnt. Die Fütterung wirkt diesem Prozess entgegen, wie eine Studie aus Tschechien zur Populationsdynamik bei Wildschweinen zeigt. Fanden Futtergaben von Mais und Abfallgetreide in Kombination mit starkem Eichen- und Buchenwachstum statt, kam es im Folgejahr sogar zu einem deutlichen Anstieg der Wildschweinpopulation.
Das Problem: Je mehr Tiere über den Winter kommen, desto mehr müssen im Folgejahr erlegt werden, um die räumlichen Kapazitäten nicht zu sprengen. Laut Jahresbericht des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD) ist seit den 1990er-Jahren die Zahl der erlegten Tiere beim Rehwild signifikant gestiegen, bei Dam- und Rotwild hat sie sich fast verdoppelt. Neuere DJV-Verbandsdaten bestätigen diesen Trend: Die Wildschweinabschüsse stiegen von rund 120’000 in den 1980er-Jahren auf fast 800’000 Tiere jährlich in den 2020er-Jahren. Ursache dafür ist nicht nur die Winterfütterung, aber sie ist ein wesentlicher Faktor.
Effekt 4: Gestörte Fortpflanzungsprozesse
Die Hobby-Jagd selbst trägt dazu bei, dass sich Wildtiere schneller vermehren. Studien zeigen eindeutig, dass Wildschweine, Hirsche und andere Wildtiere unter Jagddruck ihre Fortpflanzungsrate erhöhen, etwa indem sie sich schon in jüngerem Alter fortpflanzen. Je stärker sie gejagt werden, desto mehr Nachwuchs zeugen sie.
Bei Braunbären konnten schwedische Forscher beobachten, dass sie als Reaktion auf die Bejagung die Betreuungszeit ihrer Jungen verändern. Einige verlängern sie, um länger mit ihren Jungen unter Schutz zu stehen. Andere Bärenmütter verkürzen die Betreuungszeit, um sich schneller wieder fortzupflanzen und so dem Jagddruck entgegenzuwirken, wie Quarks, das Wissenschaftsmagazin des WDR, berichtet.
Gosselin et al. (2015, Proceedings of the Royal Society B) dokumentierten einen weiteren indirekten Effekt: Bei Braunbären in Skandinavien führte die Bejagung zu erhöhtem Männchenwechsel in den Territorien, was sexuell selektiven Infantizid (SSI) auslöste. Neue dominante Männchen töten die Jungtiere ihrer Vorgänger, um die Weibchen schneller wieder paarungsbereit zu machen. 95 Prozent der Jungtiermortalität während der Paarungszeit war auf SSI zurückzuführen.
Effekt 5: Evolutionäre Veränderungen durch selektive Bejagung
Die Hobby-Jagd greift in die Evolution ein. Weil Hobby-Jäger systematisch die grössten, stärksten und auffälligsten Individuen einer Population entnehmen, entsteht ein Selektionsdruck, der den natürlichen Kräften entgegenläuft. Die Konsequenz: Populationen verändern sich genetisch in eine Richtung, die biologisch unerwünscht ist.
Coltman et al. (2003, Nature) wiesen in einer 30-jährigen Studie an Dickhornschafen (Ovis canadensis) nach, dass Körpergewicht und Horngrösse der Widder durch die Trophäen-Hobby-Jagd signifikant abnahmen. Die Hobby-Jäger erschossen bevorzugt Tiere mit den grössten Hörnern und damit die genetisch «wertvollsten» Individuen, bevor diese ihren Fortpflanzungserfolg maximieren konnten. Pigeon et al. (2016) bestätigten diese Befunde in einer Folgestudie.
Darimont et al. (2009, PNAS) zeigten in einer Meta-Analyse: Menschliche Hobby-Jäger verändern Wildtierpopulationen schneller als jeder andere Evolutionsfaktor, der je bei Wildtieren beobachtet wurde. Die phänotypischen Veränderungsraten bei bejagten Populationen waren bis zu 300 Prozent höher als bei natürlicher Selektion.
Leclerc et al. (2019, Nature Communications) wiesen bei skandinavischen Braunbären nach, dass Hobby-Jäger gezielt bestimmte Verhaltensmerkmale selektieren: Mutigere, weniger scheue Bären werden häufiger erlegt. Das Ergebnis: Die Population wird über Generationen scheuer und ängstlicher, was ihr Verhalten und ihre Raumnutzung grundlegend verändert.
Lassis et al. (2023, Evolutionary Applications) modellierten, wie geschützte Gebiete durch die Abwanderung von Tieren in bejagte Populationen einen genetischen Rettungseffekt («genetic rescue») bieten können. Dieser Effekt wird jedoch durch hohe Jagdraten untergraben, weil einwandernde Tiere erschossen werden, bevor sie sich fortpflanzen können.
Mehr dazu: Hobby-Jagd beeinflusst die Evolution von Braunbären und Studie zum «Super-Jäger»
Effekt 6: Verwundung und «Crippling Loss»
Nicht jeder Schuss tötet. Ein erheblicher Anteil bejagter Tiere wird angeschossen, aber nie gefunden. Diese sogenannte «Crippling Loss» ist ein systematisch unterschätztes Tierschutzproblem.
Kuhlmann et al. (2017, Ecological Indicators) entwickelten den Begriff «Crippling Ratio» als Mass für jagdbedingte Verwundungen und wiesen bei Kurzschnabelgänsen nach, dass pro erlegtem Tier bis zu ein weiteres Tier verwundet, aber nicht geborgen wurde.
Bei der Bogenjagd sind die Verwundungsraten besonders hoch. Ditchkoff et al. dokumentierten in einer kontrollierten Studie an 80 radiotelemetrierten Weisswedelhirschen, dass 50 Prozent der von Bogenjägern getroffenen Tiere nicht geborgen wurden. Ähnliche Verwundungsraten (31 bis 58 Prozent) wurden in Studien aus Georgia, Indiana, Michigan, New Jersey und Wisconsin bestätigt.
Gentsch et al. (2018, European Journal of Wildlife Research) untersuchten die Cortisolreaktion von Wildhuftieren auf verschiedene Jagdmethoden und stellten fest, dass die Hetze mit Hunden signifikant höhere Stresswerte auslöst als die Ansitzjagd. Auch Ereignisse nach dem Schuss – etwa die Dauer bis zur Nachsuche, die Lage der Verletzung und das Verhalten der Nachsucheteams – beeinflussten die Stressbelastung erheblich.
Verwundete Tiere, die nicht gefunden werden, erleiden oft einen langsamen Tod durch Infektion, Hunger oder Erschöpfung. Diese Tiere tauchen in keiner Abschussstatistik auf. Die tatsächliche Zahl der durch die Hobby-Jagd getöteten Tiere liegt daher systematisch höher als offiziell gemeldet.
Effekt 7: Bleivergiftung durch Jagdmunition
Die Verwendung bleihaltiger Munition durch Hobby-Jäger verursacht eine grossflächige Umweltkontamination, die Wildtiere, Nutztiere und Menschen betrifft. Jährlich werden allein in der EU rund 44’000 Tonnen Blei durch die Hobby-Jagd und den Schiesssport in die Umwelt eingebracht.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) schätzt, dass mindestens 135 Millionen Vögel jährlich durch die direkte Aufnahme von Bleischrot gefährdet sind. Weitere 14 Millionen Vögel, darunter Greifvögel und Aasfresser, sind durch die sekundäre Aufnahme von Bleifragmenten in ihren Beutetieren betroffen. Pain et al. (2019, Ambio) dokumentierten in einer umfassenden Übersichtsarbeit, dass Bleivergiftung in Europa jährlich über eine Million Wasservögel tötet und bei weiteren drei Millionen subletale Vergiftungen verursacht. Das internationale Symposium «Lead, a borderless poison» (Gorizia, November 2025) beziffert die jährliche Sterblichkeit aktuell auf 2,3 Millionen Vögel in der EU – eine signifikant höhere Schätzung, die neue Erhebungsmethoden berücksichtigt.
Seit dem 15. Februar 2023 ist die Verwendung von Bleischrot in Feuchtgebieten EU-weit verboten. Im Februar 2025 hat die EU-Kommission einen weitergehenden Verordnungsentwurf zur habitatweiten Beschränkung von Bleimunition vorgelegt (Pain et al. 2025, Ambio). Die ECHA empfiehlt ausserdem, einen EU-Höchstwert für Blei in Wildfleisch einzuführen, vergleichbar dem Grenzwert für Fleisch von Nutztieren (0,1 mg/kg). Sonne et al. (2023, Eco-Environment & Health) fordern einen vollständigen Ausstieg aus Bleimunition im Sinne eines One-Health-Ansatzes: Die fortgesetzte Verwendung von Bleimunition bedroht die Biodiversität, die menschliche Gesundheit und untergräbt Nachhaltigkeitsziele.
Dänemark hat als erstes Land weltweit ein vollständiges Verbot aller Bleimunitionstypen für die Hobby-Jagd beschlossen (ab April 2024). In Grossbritannien haben England, Schottland und Wales 2025 ein Verbot von Bleimunition im Freien angekündigt. In der Schweiz gibt es bislang kein entsprechendes Verbot.
Effekt 8: Verwaiste Jungtiere und zerstörte Sozialstrukturen
Die Hobby-Jagd tötet nicht nur das Zielindividuum. Sie greift in Sozialstrukturen ein und hinterlässt verwaiste Jungtiere. Bei Arten mit starker Mutter-Kind-Bindung – etwa bei Rehen, Hirschen, Bären, Wölfen und Wildschweinen – kann der Verlust eines Elterntieres für abhängige Jungtiere den Tod bedeuten.
Die RSPCA (Knowledgebase) dokumentiert: Wenn Hobby-Jäger die Jungtiere geschossener Weibchen nicht finden und erlösen, sind diese auf sich allein gestellt. Je nach Alter verhungern, verdursten oder erfrieren verwaiste Jungtiere. Der Verlust der Mutter ist bei vielen Arten ein erheblicher Stressfaktor, und selbst wenn verwaiste Individuen die akute Phase überleben, können Veränderungen in Physiologie und Verhalten ihre Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen.
Bei Wölfen haben Cassidy et al. (2023, Frontiers in Ecology and the Environment) anhand langer Datensätze aus mehreren US-Nationalparks gezeigt, dass anthropogene Todesursachen, insbesondere legale Abschüsse, die Rudel-Persistenz und die Reproduktion im Folgejahr deutlich reduzieren. Der Abschuss eines Alpha-Tieres kann ein ganzes Rudel destabilisieren.
Bei Braunbären dokumentierten Frank et al. (2018, Journal of Animal Ecology) anhand der skandinavischen Population, dass überlebende Bären die freigewordenen Streifgebiete erschossener Artgenossen teilweise übernehmen. Diese räumliche Reorganisation kann unbeabsichtigte Konsequenzen für die Populationsdynamik haben und den Managementzielen zuwiderlaufen.
Corlatti & Ciuti (2025, Wildlife Biology) fassen in einer aktuellen Übersichtsarbeit zusammen: Die indirekten Effekte der Hobby-Jagd auf Wildtierpopulationen – von Verhaltensänderungen über Stressphysiologie bis zur Destabilisierung von Sozialstrukturen – sind oft gravierender als die direkten Entnahmen und werden in der Managementpraxis systematisch unterschätzt.
Mehr dazu: Studie zeigt: Wolfsabschüsse führen oft zu mehr Rissen von Nutztieren und Zehn Jahre alte Studie, immer noch ignoriert: Warum stabile Rudel weniger Nutztiere reissen
Publikationen nach Tierart
Waschbären
Robel R.J., Barnes N.A. & Fox L.B. Raccoon populations: Does human disturbance increase mortality? Transactions of the Kansas Academy of Science Vol. 93, No. 1/2 (1990), pp. 22–27
Asano M. et al. Reproductive characteristics of feral raccoons (Procyon lotor) in Hokkaido/Japan
Beasley JC, Rhodes OE. Effects of culling on mesopredator population dynamics
Waschbär-Spulwurm und Baylisascariasis: nur 50 Fälle weltweit
Goldschakale
Füchse
Baker PJ et al. Effect of British hunting ban on fox numbers
Goszczyński J. Population dynamics of the red fox in central Poland
Kaphegyi T. Untersuchungen zum Sozialverhalten des Fuchses (Vulpes vulpes L). Dissertationsarbeit
Williams N.F. (2025) Causes and Implications of Fox Population Dynamics in Central England. Dissertation, Bournemouth University. Bestätigt kompensatorische Reproduktionseffekte nach Bejagung: Fuchspopulationen gleichen Verluste durch erhöhte Nachwuchsraten rasch wieder aus.
Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur zum Rotfuchs
Mehr dazu: Dossier: Der Fuchs in der Schweiz und Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet
Wildschweine
Mehr Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine
Steiner W. Schwarzwild: Evolution durch Jagd
Tack J. Wild Boar Population Trends in Europe
Csanyi S. Wild boar population dynamics & management Hungary
Croft S. et al. Review of existing models on spatial distribution and density of wild boar
Servanty S. et al. Factors affecting wild boar reproduction under hunting pressure
Mehr dazu: Afrikanische Schweinepest: Was die Seuche für Wildschweine und Hobby-Jagd bedeutet
Elche
Rehe
Trembay J-P et al. Ecological impacts of deer overabundance on temperate and boreal forests
Fred Kurt: Das Reh in der Kulturlandschaft. Ökologie, Sozialverhalten, Jagd und Hege. Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-09397-2, S. 83.
Alpenmurmeltiere
Zenth F., Giari C., Morocutti E. et al. (2025) Hunting, but not outdoor recreation, modulates behavioural tolerance to human disturbance in Alpine marmots Marmota marmota. Wildlife Biology 2025: e01397
Gämsen und Steinböcke
Coltman D.W. et al. (2003) Undesirable evolutionary consequences of trophy hunting. Nature 426: 655–658 (Dickhornschafe; die beschriebenen Selektionsmechanismen sind auf Steinböcke mit Trophäenjagd übertragbar)
Pigeon G. et al. (2016) Intense selective hunting leads to artificial evolution in horn size. Evolutionary Applications 9: 521–530
Hinweis: Für Gämsen und Steinböcke in der Schweiz fehlen bislang eigene Populationsstudien zu Jagdeffekten auf Stressphysiologie oder Verhaltensänderung. Dieser Abschnitt wird bei Vorliegen neuer Daten aus alpinen Langzeitstudien ergänzt.
Braunbären
van der Walle J. et al. Hunting regulation favors slow life histories in brown bear
Leclerc M et al. Hunters select for behavioral traits in a large carnivore
Gosselin J. et al. (2015) The relative importance of direct and indirect effects of hunting mortality on the population dynamics of brown bears. Proceedings of the Royal Society B 282: 20141840
Frank S.C. et al. (2018) Sociodemographic factors modulate the spatial response of brown bears to vacancies created by hunting. Journal of Animal Ecology 87: 247–258
Hobby-Jagd beeinflusst die Evolution von Braunbären
Mehr dazu: Dossier: Der Braunbär in der Schweiz und 20 Jahre Bären in der Schweiz
Wölfe
Der grosse böse Wolf hat Angst vor dir
Wolf: Herdenschutz laut Studie effektiver als Abschuss
Wolf Reintroduction Changes Ecosystem in Yellowstone
Studie zeigt: Wolfsabschüsse führen oft zu mehr Rissen von Nutztieren
Wölfe können Menschenleben retten
Schafverluste stärker durch Schutzmassnahmen und Schafzahl beeinflusst als durch Wolfspopulationsgrösse (Frontiers in Ecology and Evolution 2022)
Hohe Überlebensraten erklären 20 Jahre schnelle Ausbreitung der Wölfe in Deutschland (IZW Berlin)
Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zur Gefährdung der Wolfspopulation
Knauer F., Rauer G., Musil I. Beutezusammensetzung und Rissverhalten von Wölfen (Vetmeduni Wien 2016)
Cassidy K.A. et al. Human-caused mortality triggers pack instability in gray wolves (Frontiers in Ecology and the Environment 2023)
Gezielte Entnahme begünstigt Packauflösung und geringere Reproduktion, besonders in kleinen Populationen (Scientific Reports 2024)
Fuller T.K. et al. (2003) Sustainability thresholds und Harvest-Einfluss auf Populationswachstum
Hohe Erlegungsraten auf Durchzügler reduzieren genetische Vernetzung und erfolgreiche Ansiedlung (US Forest Service)
Transboundary effects: Erlegung in benachbarten Management-Gebieten zeigt additive Effekte auf Überlebensraten (Journal of Applied Ecology)
Hobby-Jagd kann Bewegungsmuster und damit Nutztierschäden indirekt beeinflussen (Wildlife Biology)
PVA-Modelle: Hobby-Jagd, Habitat-Zerschneidung und Seuchenzüge gemeinsam prognostizieren Persistenz (Biological Conservation)
Mehr dazu: Dossier: Herdenschutz in der Schweiz und Walliser Wolfsbilanz: Zahlen eines Massakers
Allgemeine Publikationen zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd auf Wildtiere
Gaynor K.M. et al. The influence of human disturbance on wildlife nocturnality (Meta-Analyse, Science 2018)
Gaynor K.M. et al. (2025) The influence of human presence and footprint on animal space use in protected areas. Proceedings of the Royal Society B
Corlatti L. & Ciuti S. (2025) Indirect effects of hunting on wildlife. Wildlife Biology 2025: e01691 (Übersichtsarbeit)
Grigsby D.M. et al. (2023) Human-induced fear in wildlife: A review. Biological Conservation 286: 110252
Güldenpfennig J. et al. (2021) An approach to assess stress in response to drive hunts using cortisol levels of wild boar. Scientific Reports 11: 16514
Santos J.P.V. et al. (2018) The importance of intrinsic traits, environment, and human activities in modulating stress levels in a wild ungulate. Ecological Indicators 89: 706–715
Tajchman K. et al. (2024) Impact of stalking hunt season on long-term stress in big game. BMC Veterinary Research
Kuhlmann K. et al. (2017) Crippling ratio: A novel approach to assess hunting-induced wounding of wild animals. Ecological Indicators 80: 242–246
Gethöfer F., Siebert U. Current knowledge of the Neozoa Nutria and Muskrat in Europe
Comte S. et al. Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm
Prof. Reichholf: Warum Jagd? Folgen des Jagens für Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften
Darimont C et al. Human predators outpace other agents of trait change (PNAS 2009)
Wildtierschutz Deutschland: Fakten zur Jagd Allgemein
Bleimunition: Weiterführende Quellen
ECHA: Lead in shot, bullets and fishing weights
BirdLife: Lead ammunition finally banned from wetlands across the EU
Vulture Conservation Foundation: EU bans the use of lead ammunition in wetlands
Pain D.J. et al. (2019) Effects of lead from ammunition on birds and other wildlife: A review and update. Ambio 48: 935–953
Pain D.J. et al. (2025) EU regulation: An unprecedented opportunity to protect wildlife and human health from lead in hunting ammunition. Ambio (aktuellster Überblick zum EU-Gesetzgebungsprozess)
Sonne C. et al. (2023) The environmental threats from lead ammunition. Eco-Environment & Health 2(1): 16–17
Katzner T.E. et al. (2024) Lead poisoning of wildlife from ammunition: a global perspective on regulations and actions. Ambio
Internationales Symposium «Lead, a borderless poison» (Gorizia, November 2025): Aktuelle Schätzung 2,3 Millionen Vogeltode jährlich in der EU durch Bleimunition
Immunokontrazeption: Humane Alternativen zur Hobby-Jagd
Es gibt eine wachsende öffentliche Nachfrage nach Wildtiermanagern, die von traditionellen, tödlichen Kontrollmethoden abrücken und zu effektiveren, humanen, nicht-tödlichen Methoden übergehen. PZP-Immunkontrazeption (Porcine Zona Pellucida) und GonaCon-Impfstoffe bieten wissenschaftlich erprobte Alternativen.
Verhütungsmittel für Möwen als Lösung für städtische Probleme
Belgien: Verhütende Körner sollen Taubenpopulation kontrollieren
Thailand führt einen Verhütungsplan zur Kontrolle der Elefantenpopulation ein
Fertility Control for Wildlife: A European Perspective (Massei et al. 2022)
Wildlife Contraception (Wild Animal Suffering Research)
New trends in immunocastration and its potential to improve animal welfare (Ahmed et al. 2022)
US-Städte setzen Technologie zur Geburtenkontrolle gegen Rattenbefall ein
Wildschweine sollen in Rom sterilisiert werden
Spanien: Reduzierung der Wildschweinbestände dank Impfung
Wildtiermanagement in Genf: Verhütung statt Abschuss
Genehmigung für die Erprobung des immunokontrazeptiven Impfstoffs «GonaCon» in Italien (Gazzetta Ufficiale 2022)
Mehr dazu: Dossier: Genf und das Jagdverbot und Dossier: Argumentarium für professionelle Wildhüter
Zur Psychologie der Jagd: Was die Forschung zeigt
Was bewegt Menschen dazu, zu jagen, und welche psychologischen Effekte hat das Töten von Tieren auf die Jäger selbst? Diese Frage ist wissenschaftlich wenig erforscht, gewinnt aber angesichts gesellschaftlicher Debatten über die Legitimität der Hobby-Jagd an Bedeutung. Im Folgenden werden empirische Befunde zusammengefasst – ohne Verallgemeinerung und ohne Gleichsetzung von Jagd mit Kriminalität oder Pathologie, die wissenschaftlich nicht haltbar wäre.
Jagdmotivation: Studien aus Nordamerika und Nordeuropa zeigen, dass Hobby-Jäger unterschiedliche Motivationsprofile aufweisen: Nahrungsbeschaffung, Naturerlebnis, soziale Bindung und – bei einem Teil der Befragten – die Freude am Töten selbst («harvest motivation»). Letztere Gruppe zeigt in Befragungsstudien eine höhere Toleranz gegenüber Tierleid und eine stärkere Identifikation mit Dominanz über die Natur. Diese Befunde stammen aus Selbstauskunftsstudien und sind nicht auf alle Jäger verallgemeinerbar. (Why Men Trophy Hunt: Showing Off and the Psychology of Shame, Psychology Today; Psychologisch-Soziologische Unterschiede zwischen Hobbyjägern und Nichtjägern)
**Jagd, Jugend und psychische
Mehr dazu: Der Hobby-Jäger im 21. Jahrhundert
Publikationen über die Auswirkungen der Gewalt auf Hobby-Jäger
- Solothurner Regierung verteidigt Tierquälerei
- Amygdala and violence (Suchübersicht)
- Den Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalt in der Familie verstehen: Das bioökologische Systemmodell
- Kindheit ohne Gewissen (Der Spiegel)
- Warum manche Menschen mörderisch böse werden (Die Welt)
- Violence as a source of pleasure or displeasure is associated with specific functional connectivity with the nucleus accumbens (Frontiers in Human Neuroscience)
- Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei (PETA)
- Jagdfieber
- Serial Killers Have Under-Developed Brains, Says New Study (IBTimes)
- Wenn Kinder Tiere quälen: So sollten Eltern reagieren
- Why Men Trophy Hunt: Showing Off and the Psychology of Shame (Psychology Today)
- «Töten kann Spass machen» (NZZ)
- Hunting and Illegal Violence Against Humans and Other Animals
- Hobby-Jäger besser verstehen
- Interview: Petra Klages mit dem Serienmörder Frank Gust (PETA)
- Psychologisch-Soziologische Unterschiede zwischen Hobbyjägern und Nichtjägern
- Anatomie der menschlichen Destruktivität (Erich Fromm)
- Hat der einen Schuss? (Die Zeit)
- Die Leidenschaft des Jägers (Paul Parin)
- Hunting and Illegal Violence Against Humans and Other Animals: Exploring the Relationship (ResearchGate)
- New York State statistics show link: hunters and molesters
- Ohio data confirms hunting/child abuse
- Michigan stats confirm hunting, child abuse
- Häusliche Gewalt durch Waffen verhindern (Südostschweiz)
- Cazadores deportivos: ¿Mentes criminales?
- Jagd und Jäger: Psychoanalyse
- Ein Forscher findet in den Gehirnen von Serienmördern ein bestimmtes Muster (NZZ)
- Das Gehirn
- Hobby-Jäger und ihr Muster im Gehirn
- Dugré J.R., Potvin S. & Turecki G. (2025) The dark sides of the brain: A systematic review and meta-analysis of neural correlates of human aggression. Neuroscience & Biobehavioral Reviews
- Fritz M., Pfabigan D.M. & Lamm C. (2023) Neurobiology of Aggression: Recent findings from structural and functional imaging. Current Psychiatry Reports
- Seidenbecher T. et al. (2024) A case-control voxel- and surface-based morphometric study of amygdala volume in aggressive individuals. Brain Structure and Function
- Yildirim B.O. & Derntl B. (2019) Neural correlates of empathy deficits in violent offenders: Evidence from fMRI. Social Cognitive and Affective Neuroscience
- Decety J., Chen C., Harenski C. & Kiehl K.A. (2017) Psychopathy and reduced amygdala response to others‘ pain: A neuroimaging investigation. Journal of Abnormal Psychology
- Fitzgerald D.A. et al. (2020) Violence exposure and neural desensitization: Amygdala and insula responses under repeated affective stimuli. NeuroImage
- Anderson N.E., Harenski C.L. & Kiehl K.A. (2018) Neural consequences of killing in combat: Amygdala modulation and emotional blunting. Neuropsychologia
- Porcelli A.J. et al. (2022) Neural processing of emotional stimuli in slaughterhouse workers: Evidence for desensitization in limbic circuits. Psychoneuroendocrinology
- McNamee R.L. et al. (2021) Affective numbing in high-violence occupations: Amygdala and insula attenuation during empathy tasks. Human Brain Mapping
- Bekoff M. & Pierce J. (2019) Empathy for animals and its neural substrates: A review of convergent evidence. Animal Sentience
Mehr dazu: Psychologie der Jagd im Kanton St. Gallen
Verwandte Dossiers
- Jagd in der Schweiz: Faktencheck, Jagdarten, Kritik
- Dossier: Der Braunbär in der Schweiz
- Dossier: Der Luchs in der Schweiz
- Dossier: Der Fuchs in der Schweiz
- Dossier: Die Wildkatze in der Schweiz
- Dossier: Herdenschutz in der Schweiz
- Dossier: Genf und das Jagdverbot
- Dossier: Argumentarium für professionelle Wildhüter
- Walliser Wolfsbilanz: Zahlen eines Massakers
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