Tödlicher Jagdschuss in Italien
Ein Hobby-Jäger schiesst auf ein Wildschwein – und trifft seinen Kollegen tödlich. Tierschutzorganisationen fordern Aufklärung, strengere Regeln und sehen den Vorfall als Weckruf für eine Reform der Jagdgesetze in Italien.
Ein weiterer «tragischer Irrtum» auf der Hobby-Jagd
Ein Schuss, wieder ein tragischer Irrtum auf der Hobby-Jagd: In der piemontesischen Provinz Cuneo hat ein Hobby-Jäger Ende September auf ein Wildschwein gezielt und versehentlich seinen 46-jährigen Jagdkollegen getroffen.
Der Mann, Landwirt und Vater zweier Kinder, starb noch am Unfallort. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, die Jagdwaffe wurde beschlagnahmt.
Hunderte Tote bei Jagdunfällen in Italien
Der Fall steht nicht allein: Nach italienischen Medienberichten sind allein in diesem Jahr bereits mehrere Menschen bei Jagdunfällen ums Leben gekommen. Über die letzten zwanzig Jahre summieren sich laut Berichten hunderte Tote bei Jagdunfällen in Italien und tausende Verletzte. Jagdkritische Organisationen sehen darin ein strukturelles Problem: zu lockere Regeln, zu wenig Kontrolle und teils unzureichende Ausbildung. Die Debatte über die Sicherheit bei Treib- und Ansitzjagden flammt wieder auf.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Für die Ermittler steht fest: Es handelt sich um einen klassischen Fall von «omicidio colposo», fahrlässiger Tötung. Um zu klären, ob der Schütze seine Sorgfaltspflichten verletzt hat, werden Ballistikgutachten, Zeugenaussagen und Jagdprotokolle ausgewertet. Dabei geht es um Fragen wie: War das Ziel klar erkennbar? Gab es einen sicheren Kugelfang? Wurde aus zu grosser Distanz geschossen?
Fahrlässige Tötung wird in Italien mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet, bei grober Fahrlässigkeit kann der Strafrahmen auf bis zu zwölf Jahre steigen. Ausserdem drohen Waffen- und Jagdverbote sowie Schadensersatzforderungen durch Angehörige des Opfers.
Tierschützende verlangen Konsequenzen
Besonders ungewöhnlich: Die AIDAA, eine Tierschutzorganisation, will Anzeige erstatten, obwohl diesmal nicht ein Tier, sondern ein Mensch ums Leben kam. «Es geht uns um Transparenz und um die Frage, ob Hobby-Jagden dieser Art noch zeitgemäss sind», erklärte der Verein. Er fordert schärfere Sicherheitsregeln, Einschränkungen an Wochenenden und eine umfassende Neuordnung des Jagdrechts.
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