Tierklappe statt Gewehr: Protest in Hilterfingen
Während in der Schweiz jedes Jahr tausende Wildtiere im Namen der „Bestandesregulierung“ erschossen werden, setzt ein kleines Pilotprojekt am Thunersee ein ganz anderes Zeichen für Mitgefühl und Verantwortung gegenüber Tieren.

Die erste Tierklappe der Schweiz, eröffnet am Samstag oberhalb des Schlosses Hünegg in Hilterfingen, zeigt: Es gibt Wege, Tiere zu schützen, ganz ohne Gewalt.
Die Stiftung Tierklappe bietet mit ihrer neuen Einrichtung Tierhalterinnen und Tierhaltern in Notsituationen eine anonyme Abgabemöglichkeit für Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nagetiere. Statt Tiere auszusetzen oder ihrem Schicksal zu überlassen, können sie hier sicher abgegeben werden. Eine Kamera, ein Ventilator und ein Solarpanel sorgen für Sicherheit und Komfort. Nach der Abgabe werden die Tiere untersucht, gepflegt und nach zwei Monaten zur Adoption freigegeben.
Was auf den ersten Blick wie eine kleine lokale Initiative wirkt, ist in Wahrheit ein gesellschaftliches Signal: Die Tierklappe steht für Mitgefühl und Verantwortung, nicht für Kontrolle und Töten. Sie erinnert daran, dass Tiere keine Wegwerfobjekte sind, weder auf der Weide noch im Wald.
Verantwortung statt Rechtfertigung
Während Hobby-Jäger ihr Handwerk oft mit dem Argument der „Verantwortung gegenüber der Natur“ rechtfertigen, zeigt die Tierklappe, was echte Verantwortung bedeutet: Helfen, bevor es zu spät ist. Die Stiftung, finanziert ausschliesslich durch Spenden, will nicht nur Tiere aufnehmen, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten. Sie ruft dazu auf, die Bedürfnisse von Kleintieren ernst zu nehmen, jene Tiere also, die weder Trophäen noch Schlagzeilen bringen.
„Die Tierklappe ist kein Freipass zur Verantwortungslosigkeit, sondern eine Alternative zum Wegsehen“, heisst es auf der Website der Stiftung. Genau diese Haltung fehlt vielerorts im Umgang mit Wildtieren. Denn auch in den Wäldern wird Tierleben oft leichtfertig beendet, unter dem absurden Vorwand der Hobby-Jäger, sie seien „zu viele“ oder „krank“.
Eine Gesellschaft im Widerspruch
Die Eröffnung der Tierklappe wirft damit ein grelles Licht auf einen gesellschaftlichen Widerspruch: Warum setzen wir uns für das Wohl von Kaninchen ein, während Rehe, Füchse oder Wildschweine weiterhin abgeschossen werden, oft sogar aus Freizeitgründen? Warum fördern wir Projekte zur Tierrettung, während Jagdverbände weiterhin die Tötung von Tieren als „Hege“ verkaufen?
Tierschutz hört nicht bei Haustieren auf. Er beginnt mit der Einsicht, dass jedes Tier Schmerz, Angst und Lebenswillen kennt, egal ob im Käfig oder im Wald.
Ein Symbol für Wandel
Die Hilterfinger Tierklappe ist ein leises, aber starkes Symbol: Sie steht für ein neues Verhältnis zwischen Mensch und Tier, das auf Empathie statt Herrschaft basiert.
Vielleicht ist sie nur eine kleine Holzbox am Waldrand. Aber sie sendet eine klare Botschaft in eine Gesellschaft, die Tiere zu oft nach ihrem Nutzen beurteilt: Es geht auch anders.
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