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Jagd

Dominik Thiel: Wolfsjagd auf Staatskosten

Dr. Dominik Thiel leitet das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. Er erlegt Eichhörnchen zum Spass, reist in ein kriegsführendes Land zur Wolfsjagd und gibt das alles als Weiterbildung aus. Zwei Jahre nach dem Skandal sitzt er immer noch im Amt. Das ist kein Einzelfall. Das ist ein System.

Redaktion Wild beim Wild — 19. März 2026

Im Februar 2024 reiste Amtsleiter Dominik Thiel gemeinsam mit einem Wildhüter nach Russland: fünf bezahlte Arbeitstage, genehmigt von Regierungsrat Beat Tinner.

Die offizielle Begründung: Man wolle die Lappjagd studieren, jene Treibjagdmethode, bei der Wölfe mit aufgehängten Stofflappen eingekesselt und dann erschossen werden. In Westeuropa sei der Wolf geschützt, also müsse man für solche «Erkenntnisse» nach Russland.

Das Ergebnis der «Studie»: vier erlegte Wölfe in drei Tagen. Pro Natura, die Grünen St. Gallen, die Gruppe Wolf Schweiz und die IG Wild beim Wild waren sich einig: Das ist keine Weiterbildung, das ist Trophäenjagd. Und tatsächlich gilt Wolfsjagd in Russland international als Trophäenjagd, wie auch die CITES-Importdaten für die Schweiz belegen, wo 2024 Wolfs-Trophäen aus Russland und Bulgarien mit dem Zweckcode «H» (Hunting trophy) verzeichnet sind.

Dominik Thiel: Wolfsjagd auf Staatskosten, ein Amtsleiter als Sicherheitsrisiko für den Wildtierschutz
CITES Comparative Tabulation Report 2024

Eichhörnchen, Wyoming und zwei Jahre Aktenverweigerung

Was erst durch den SRF-Bericht zwei Jahre später ans Licht kam, ist noch bezeichnender: Zum «Einschiessen» in Russland schoss Thiel zum Vergnügen ein graues Eichhörnchen mit dem Kleinkaliber aus einem Baum und liess sich dabei stolz grinsend fotografieren. Das hat, wie wildbeimwild.com festhielt, «nichts mit Jagd, Respekt, Wissenschaft, Ethik oder Tierschutz zu tun».

Die sechstägige Lappjagd in der Republik Udmurtien kostete rund 1’750 Franken pro Person, zuzüglich 1’100 Franken pro erlegtem Wolf, Trophäenpräparation inklusive.

Drei Monate nach der Russland-Reise plante Thiel eine weitere «Weiterbildung», diesmal nach Wyoming, USA. Tinner strich die Arbeitstage. Thiel buchte sie als Ferien und fuhr trotzdem. Und der Kanton St. Gallen? Verweigerte SRF über zwei Jahre die Akteneinsicht, bis ein Gerichtsentscheid zur Herausgabe zwang. Wer nichts zu verbergen hat, führt keine mehrstufigen Rechtskämpfe gegen Medienschaffende.

Ein Amt mit Dossier

Die Russland-Affäre ist kein Ausrutscher, sie ist ein weiterer Eintrag in einem langen Dossier. Wildbeimwild.com dokumentiert seit Jahren die fragwürdige Amtsführung unter Thiel:

  • Rechtswidrige Wolfsabschüsse: Eine Abschussgenehmigung für einen Wolf im Kanton St. Gallen wurde als rechtswidrig eingestuft
  • Wolfsmanagement ohne Wissenschaft: Das Amt arbeitet nach Einschätzung von Fachleuten nicht evidenzbasiert
  • Bewusste Entindividualisierung von Wölfen: Thiel lehnt Namen für Wölfe ab, «das würde Emotionen schüren», und besteht auf nüchternen Nummern wie M75
  • Jagdausbildung als Legitimation für Hobby-Jäger: Das Amt modernisiert die Jagdausbildung, unter Leitung eines Mannes, der Wölfe in Russland jagt
  • Schweigen bei Wilderei: Auf Fragen zu Wilderei im Kanton reagierte Thiel ausweichend

Interessenkonflikt als Amtsprinzip

Thiel ist nicht nur Amtsleiter, er ist ein Hobby-Jäger. Wer gleichzeitig die Jagdbehörde leitet und selbst aktiv auf Wölfe schiesst, kann kein neutraler Verwalter des öffentlichen Wildtierschutzes sein. Die Psychologie dahinter ist simpel: Wer Tiere als Beute betrachtet, verwaltet sie als Ressource, nicht als schützenswertes Leben.

Tinner verteidigte die Reise, statt sie zu sanktionieren. Vier tote Wölfe als Qualitätsmerkmal einer Dienstreise, das sagt alles über die Haltung dieser Behörde gegenüber dem Schweizer Wildtierschutz.

Steuerzahler finanzieren Jagdkultur

Thiel bezahlte die Reisekosten zwar selbst, die fünf Arbeitstage jedoch auf Kosten der Steuerzahler. Fünf bezahlte Amtstage für eine Trophäenjagd in einem Land, das zum Zeitpunkt der Reise völkerrechtswidrig die Ukraine angriff und unter westlichen Sanktionen stand. Das ist nicht nur ein ethisches, sondern auch ein aussenpolitisches Problem.

Regierungsrat Tinner hat die Reise zwar im Nachhinein als «nicht mehr bewilligungswürdig» bezeichnet, Konsequenzen hatte das keine. Thiel ist weiterhin im Amt, weiterhin zuständig für Wolfspolitik im Kanton St. Gallen.

Was das mit der Schweiz zu tun hat

Die CITES-Daten zeigen: Trophäenjagd ist kein Randphänomen. Die Schweiz importierte 2024 Trophäen von Elefanten, Giraffen, Bergzebras, Geparden und Wölfen, alles mit Wildentnahme-Nachweis, alles als Jagdtrophäen deklariert. Solange Behörden von aktiven Trophäenjägern geleitet werden, ist strukturelle Unabhängigkeit eine Illusion.

Ein Amt für Natur, Jagd und Fischerei, das von einem Mann geleitet wird, der Wölfe in Russland jagt und Eichhörnchen zum Spass schiesst, ist kein Naturschutzamt. Es ist eine Jagdbehörde mit Naturschutz-Etikett.

Mehr zum Thema: wildbeimwild.com/dominik-thiel

Dossier Jagdverwaltung St. Gallen:

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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