Justiz & Kriminalität

Lederindustrie verliert Rechtsstreit

Duden erweitert Eintrag zu Leder nach Gesprächen mit PETA

Nachdem der Verband der deutschen Lederindustrie (VDL) den veganen Handtaschenhersteller Nuuwai wegen der Verwendung der Bezeichnungen „Apfelleder“ und „veganes Leder“ verklagt hatte, gab das Landgericht Hannover heute seine Entscheidung in der Sache bekannt: Entgegen der Ansicht des VDL seien die Begriffe weder irreführend noch wettbewerbswidrig. Die vorsitzende Richterin ließ in der mündlichen Verhandlung klar und deutlich erkennen, dass es keinerlei Irreführung zum tierischen Leder geben würde, weil allgemein bekannt sei, dass der Begriff „vegan“ nicht mehr nur in der Lebensmittelindustrie angewandt würde. Zudem trage Nuuwai das Label „PETA-Approved Vegan“ einer bekanntermassen den Veganismus vertretenen Organisation.

Wir freuen uns über die Entscheidung des Gerichts. Tierfreie Lederalternativen auf der Basis von Äpfeln, Kork oder Polyurethan (PU) sind der Lederindustrie ein Dorn im Auge, da sie mittlerweile eineimmer beliebtere Alternative zu Tierhäuten darstellen. Veganes Leder ist oftmals deutlich ökologischer und vor allem tierfreundlich“, so Johanna Fuoß, Fachreferentin für Bekleidung und Textil bei PETA. „Auch Streitereien über Begrifflichkeiten können den Verbraucher nicht darüber hinwegtäuschen, dass für tierisches Leder jährlich mehr als 1,3 Milliarden Rinder, Ziegen und Schafe qualvoll getötet werden.

Leder aus Äpfeln, Kork und Co. gewinnt an Popularität

PETA reagierte auf diesen Angriff der Lederindustrie und bat Hersteller von Wörterbüchern darum, die Definition von Leder zu erweitern. Immer mehr Verbraucher und Unternehmen entscheiden sich für vegane Lederalternativen – dies sollte sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch widerspiegeln. Als erstes Wörterbuch hat der Duden die Änderung bereits in seinem Onlinewörterbuch veröffentlicht.

In der Automobil-, Bekleidungs-, Schuh- und Polsterindustrie sind Lederarten, die auf pflanzlichen oder synthetischen Materialien basieren, bereits fest verankert. Das Marktforschungsunternehmen Grand View Research (GVR) fand heraus, dass die vegane Lederindustrie auch weiterhin stark wachsen und im Jahr 2025 über 85 Milliarden Dollar wert sein wird. Innovative Unternehmen produzieren das vegane Leder beispielsweise auf der Basis von Ananasfasern und Pilzen oder benutzen Hefezellen, um reines Kollagen wachsen zu lassen – ganz ohne Tierleid.

Lederproduktion schadet Tieren, Menschen und der Umwelt

PETA weist darauf hin, dass Leder kein Abfallprodukt aus der Fleischindustrie ist, sondern es sich bei der Lederbranche um einen eigenständigen Industriezweig handelt. Dort werden Tiere in überfüllte Ställe gesperrt und haben keinerlei Möglichkeit, ihr natürliches Verhalten auszuleben. Zudem markieren Arbeiter beispielsweise Rinder mit schmerzhaften Brandzeichen, stutzen ihnen die Schwänze, kürzen ihre Hörner und kastrieren sie – all das oftmals ohne Betäubung oder Schmerzmittel. Anschliessend werden sie auf Transportern zusammengepfercht und ins Schlachthaus transportiert. Dort erfolgt die Betäubung häufig nicht ordnungsgemäss, sodass manchen Tieren die Haut bei lebendigem Leib vom Körper geschnitten wird.

Hinzu kommt, dass zum Beispiel in Indien und Bangladesch sowohl Menschen als auch die Umwelt erheblich durch die Lederproduktion belastet werden, da hochgiftige Chemikalien wie Chrom und Formaldehyd zum Einsatz kommen, um die Verwesung der Tierhäute zu verhindern. Diese werden oft ungefiltert in der Natur entsorgt.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

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