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Tierwelt

Fischereiverband fordert dringlich mehr Schutz für Schweizer Fische

Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) schlägt Alarm angesichts einer zunehmend prekären Situation einheimischer Fischbestände.

Redaktion Wild beim Wild — 14. September 2025

Neueste Untersuchungen und Daten belegen, dass viele Schweizer Gewässer an ihre ökologischen Grenzen stossen. Der Verband fordert bundeseinheitliche und verstärkte Schutz- und Bewirtschaftungsmassnahmen.

Was sagen die Zahlen?

  • Rund 72,6 % der untersuchten Gewässerabschnitte – vor allem Flüsse und kleinere Fliessgewässer – befinden sich laut jüngstem Monitoring in einem schlechten ökologischen Zustand. Bei diesen Abschnitten sind die Fischbestände vielfach reduziert, oft ist die Vielfalt der Fischarten deutlich eingeschränkt.
  • Die Fische in vielen Gewässern sind nicht mehr in der natürlichen Artenmischung vorhanden: Etwa die Hälfte der untersuchten Gewässer weist noch die ursprünglichen Fischarten auf; in der anderen Hälfte fehlen solche Arten, die dort eigentlich heimisch sind.
  • Besonders betroffene Arten sind kälteliebende Fische wie Forellen oder Äschen. Diese reagieren empfindlich auf steigende Wasser­temperaturen und Sauerstoffmangel. Beispiele: Im Hitzesommer 2018 kam es zu einem Massensterben von Äschen im Rhein bei Schaffhausen, als die Wassertemperatur über 27 °C stieg.
  • Artenvielfalt: Die einheimische Fischfauna besteht aus 86 Fischarten plus Rundmäulern; hinzu kommen etwa 4 nicht näher heimische Fischarten.
  • Gefährdung: Rund ein Fünftel der ursprünglichen einheimischen Fischarten ist vollständig verschwunden. Von denen, die noch vorkommen, gelten etwa drei Viertel als potenziell gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Ursachen des Rückgangs

  1. Klimawandel & Temperaturanstieg
    • Mehr Hitzesommer führen zu wärmeren Gewässern; das wirkt sich negativ auf Sauerstoffgehalt und Lebensräume aus. Viele Fische können sich unter solchen Bedingungen nicht mehr wohlfühlen, geschweige denn erfolgreich laichen.
    • Forellen und Äschen, die kühles Wasser benötigen, werden besonders stark zurückgedrängt.
  2. Verbauung und Fragmentierung der Gewässer
    • Wasserkraftanlagen, begradigte Flussabschnitte, fehlende Durchgängigkeit für Fischwanderung setzen den Populationen zu. Die Habitate sind oft unterbrochen, was die genetische Durchmischung und Verbreitung erschwert.
  3. Wasserqualität & Belastungen
    • Landwirtschaftlicher Nährstoffeintrag (z. B. Dünger), Abwasser­rückstände und chemische Belastung wirken sich negativ aus; Algenblüten bei warmem Wetter verstärken Sauerstoffprobleme.
  4. Niedrigwasser & Wasserentnahmen
    • In Trockenperioden sinkt der Wasserstand in Flüssen; kleinräumige Fliessgewässer leiden besonders. Restwassermengen sind nicht überall ausreichend, um Fische und Kleinlebewesen zu erhalten.

Bestehende Massnahmen

  • Es gibt rechtliche Grundlagen auf Bundesebene: Fischerei­gesetzgebung, Gewässerschutzgesetz sowie spezifische Verordnungen, die sowohl Schutz als auch Nutzung regeln.
  • Projekte wie das Wiederansiedlungs­konzept Atlantischer Lachs Schweiz (2021–2025) zielen darauf ab, wandernde Arten wieder in Flusssysteme zurückzubringen.
  • Renaturierung von Flussabschnitten zeigt positive Effekte auf Fischfangraten: In vier Kantonen war die Entwicklung in renaturierten Abschnitten besser als in Bereichen ohne solche Massnahmen.

Wo besteht dringender Handlungsbedarf?

Der Fischereiverband fordert:

  • Strengere gesetzliche Massnahmen und deren konsequente Umsetzung, insbesondere bezüglich Schonzeiten, Mindestgrösse und Regelung von Fischbesatz.
  • Ausbau der Renaturierungsprogramme, Rückbau von Verbauungen und Förderung der Gewässerdurchgängigkeit.
  • Schutz von Rückzugsräumen für Fischarten, speziell in kühleren Höhenlagen oder Tiefen, sowie Sicherung von Restwasser auch in niederschlagsarmen Perioden.
  • Verbesserung der Wasser­qualität, z. B. durch Reduktion von Nährstoffeinträgen aus Landwirtschaft und Abwasser; strengere Kontrolle von Schadstoffen.
  • Klimaanpassungsstrategien für Gewässerökosysteme, um mit steigenden Temperaturen umzugehen.

Die Fakten sind eindeutig: Ein Grossteil der Schweizer Fliessgewässer ist ökologisch stark belastet. Viele Fischarten gelten als gefährdet, und ohne verstärkte Schutzmassnahmen drohen irreversible Verluste. Es liegt nun in der Verantwortung von Bund, Kantonen und Gemeinden, zusammen mit den Fischereiakteuren und Naturschutzorganisationen rasch und wirkungsvoll zu handeln, damit die Gewässer lebendig bleiben – und Fische nicht nur Erinnerung sind.

Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) fordert ebenfalls, den Eintrag von sogenannten PFAS-Chemikalien drastisch zu reduzieren, um die Gesundheit von Fischen und Gewässern zu schützen. PFAS sind synthetische Stoffe, die extrem langlebig sind und sich in der Umwelt sowie in Organismen anreichern.

Untersuchungen in der Schweiz und Europa zeigen, dass PFAS in Flüssen, Seen und Grundwasser nachweisbar sind. Sie stammen aus industriellen Anwendungen, Beschichtungen, Löschschäumen und Konsumgütern. Laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind PFAS wegen ihrer Persistenz und Bioakkumulation ein wachsendes Problem für Wasserlebewesen.

Diese Chemikalien sind praktisch nicht abbaubar und gelangen in die Nahrungsketten. Gerade Fische sind stark betroffen, weil sie PFAS aus dem Wasser aufnehmen und speichern. Bei empfindlichen Arten wie Forellen, Äschen oder Felchen können PFAS unter anderem das Immunsystem schwächen und die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Die Schweiz prüft derzeit verschärfte Grenzwerte und Verbote für einzelne PFAS. Auf EU-Ebene läuft ein Verfahren zur weitgehenden Beschränkung aller PFAS. Fachleute fordern, dass die Schweiz diesen Prozess unterstützt und eigene nationale Regelungen verschärft.

Der SFV verlangt neben strikteren Grenzwerten auch eine bessere Überwachung von Industrieabwasser, eine Sanierung belasteter Standorte und Investitionen in Technologien zur PFAS-Elimination in Kläranlagen. Gleichzeitig müsse die Forschung zur Wirkung von PFAS auf Fische und andere Wasserlebewesen intensiviert werden.

Wenn wir unsere Flüsse und Seen für kommende Generationen erhalten wollen, müssen PFAS an der Quelle gestoppt werden. Gesunde Fische brauchen sauberes Wasser – ohne Ewigkeitschemikalien.

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