Die waidmännische Bejagung der Wildschweine
Die Hälfte aller im Sommer erlegten Wildschweine sind säugende Muttertiere. Die «waidmännische» Bejagung ist eine Illusion.
Säugende Muttertiere werden erlegt
Ist lange Vergangenheit, oder hat es die überhaupt nie gegeben? Der durch viele kritische Veröffentlichungen bekannte Schweisshundeführer Seeben Arjes äusserte sich schon vor 20 Jahren dahingehend, dass nach seinen Beobachtungen die Hälfte aller im Sommer in den Feldern erlegten Sauen säugende Muttertiere sind.
Klimatische Veränderungen verbessern das Nahrungsangebot, riesige Mais- und Rapskulturen bereichern es kurzfristig, und das Kirren ist vielerorts noch nicht restriktiv geregelt. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist aber auch die politisch forcierte völlig undifferenzierte und damit kontraproduktive Bejagung dieser hochentwickelten Tierart. Die Hobby-Jagd scheitert als Populationskontrolle.
Intensivierung der Hobby-Jagd scheitert
Die von der Politik forcierte Intensivierung der Schwarzwildjagd, die seit etwa 15 Jahren nach und nach sämtliche Tierschutznormen abgebaut und dazu sämtliche noch intakten Sozialstrukturen im Bestand zerschossen hat, ist nicht mehr als ein Rohrkrepierer.
Die Entwicklung der Zahl der jährlich getöteten Wildschweine steigt trotz grösster jagdlicher Anstrengungen kontinuierlich: Von durchschnittlich 477’000 erlegten Wildschweinen pro Jahr vor zehn Jahren auf 625’000 im Jagdjahr 2020/21. Der aktuelle Bestand dürfte nach den Berechnungen von Wildtierschutz Deutschland bei etwa 1,5 bis 1,7 Millionen Tieren liegen.
Empfehlungen
Wildtierschutz Deutschland empfiehlt: zentrale, bundesweite Koordinierung eines Schwarzwild-Bestandsmanagements, Einführung von Schonzeiten für alle Altersklassen vom 1. Januar bis 30. September, Vollschonung von adulten Sauen, konsequente strafrechtliche Verfolgung nicht waidgerechter Jagdausübung, sowie begleitende Forschung zur Verabreichung von Kontrazeptiva. Mehr zum Thema Tierschutzprobleme der Hobby-Jagd und Wildtiere.
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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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