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Jagd

CDU-Politiker schwänzt Bundestag für Jagdschein

Ein CDU-Abgeordneter fehlt wiederholt im Bundestag, um seinen Jagdschein zu machen. Der Fall wirft Fragen zur Prioritätensetzung auf.

Redaktion Wild beim Wild — 21. Januar 2022

Der Magdeburger Bundestagsabgeordnete Tino Sorge (CDU) hat an mehreren Sitzungstagen im Parlament gefehlt und sich in dieser Zeit zum Wildtierkiller ausbilden lassen.

Das räumte Sorge nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur ein. «Rückblickend würde ich Kollisionen wie diese nach Möglichkeit vermeiden», teilte er auf Anfrage mit. Die Ausübung seines Abgeordnetenmandats sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen, sagte Sorge. Der 46-Jährige ist seit Dezember gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und war zuvor bereits im Gesundheitsausschuss aktiv.

Herr Sorge erhält jeden Monat 10.012,89 Euro von den Steuerzahlenden, um seinen Pflichten als Bundestagsabgeordneter nachzukommen. Stattdessen lauert er offenbar lieber wehrlosen Tieren im Wald auf. Wir fordern Tino Sorge auf, seinen Jagdschein zurückzugeben, um sich künftig mit voller Kraft seinen politischen Aufgaben zu widmen. Er muss sich entscheiden: Jagd oder Mandat – wenn er es bevorzugt, als Hobbyjäger Tiere zum Spass zu töten, muss er sein Bundestagsmandat unverzüglich niederlegen. Menschen, die das Töten von Tieren zu ihrer ‚Freizeitbeschäftigung‘ machen, sind als Volksvertretung ohnehin fragwürdig.

Peter Höffken, Fachreferent bei PETA

Offenbar sind Prioritäten falsch justiert

Wer sich bei Plenarsitzungen entschuldigt, um einem blutigen Hobby nachzugehen, offenbart ein schlechtes Urteilsvermögen. Das Fehlen des Magdeburger Abgeordneten sorgte parteiintern für Kritik, die nach seinem Aufstieg zum gesundheitspolitischen Sprecher neu aufkeimte. CDU-Landeschef Sven Schulze habe noch als Generalsekretär im Herbst 2020 ein «ernstes Gespräch» mit Sorge geführt, heisst es in Parteikreisen. Schulze bestätigte, dass er nach einem Hinweis aus Berlin ein solches Gespräch geführt hat. Die Inhalte sollen aber intern bleiben. «Was Tino Sorge gemacht hat in der Zeit, dafür ist er als Abgeordneter selber verantwortlich», sagte Schulze.

Laut den Plenarprotokollen hat sich Sorge für die Sitzungen des Bundestags am 11. sowie 16. bis 18. September 2020 entschuldigt. Der zweiwöchige Intensivkurs fand ab dem 11. September an der Jagd- und Naturschule in Schönebeck (Salzlandkreis) statt. Die Stadt liegt im Wahlkreis des CDU-Politikers. Am 18. September stand im Parlament das Krankenhauszukunftsgesetz auf der Tagesordnung.

Sorges Abwesenheit im Bundestag fiel unmittelbar in die Zeit nach der zweimonatigen Sommerpause des Parlaments. «Dass der Jagdkurs teilweise an Sitzungstagen stattfinden musste, ist auf eine Verschiebung seitens der Organisatoren zurückzuführen», teilte Sorge mit. Ursprünglich sei der Kurs für die sitzungsfreie Zeit terminiert gewesen.

Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Gunnar Schellenberger (CDU) wollte den Vorfall nicht kommentieren, bezeichnete es aber grundsätzlich als „Unding“, wenn private Hobbys über die Abgeordnetentätigkeit gestellt würden. „Für mich steht die parlamentarische Arbeit an erster Stelle. Eine solche Haltung empfehle ich auch jedem anderen Abgeordneten“, sagte er.

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