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Jagd

Blaue Reflektoren gegen Wildunfälle nutzlos

Effizienter sei es, die Autofahrer zu warnen, wenn sich ein Tier der Strasse nähert. Vereinzelt würden solche Systeme schon eingesetzt.

Redaktion Wild beim Wild — 24. Oktober 2018

Die inzwischen weitverbreiteten blauen Reflektoren am Strassenrand können die Zahl von Wildunfällen laut einer Studie nicht verringern. Bei einer Untersuchung auf 150 Teststrecken hätten sich die Reflektoren als wirkungslos erwiesen, sagte der Göttinger Waldökologe Christian Ammer.

Zahl der Wildunfälle steigt weiter

«Die Ausgaben für die inzwischen weit verbreiteten Wildwarnreflektoren kann man sich jedenfalls sparen», sagte auch der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann. Bundesweit seien rund 275’000 Kollisionen gemeldet worden. Bei den Kollisionen wurden zehn Menschen getötet und fast 3’000 verletzt.

Wildwarnreflektor
Wildwarnreflektor

Schweiz: 20’000 verunfallte Tiere pro Jahr

Dank Präventionsmassnahmen passieren immer weniger Unfälle auf unseren Strassen. Nicht so bei Wildunfällen: Die Zahl der Unfälle mit Tieren ist auch auf Schweizer Strassen seit Jahren gleichgeblieben. Die Hobby-Jägerschaft ist mitverantwortlich für die vielen Wildunfälle. Schweizweit kollidiert durchschnittlich jede Stunde ein Auto mit einem Reh, Tendenz steigend.

Tiere ignorieren Reflektoren

Für ihre Studie haben die Göttinger Forscher zusammen mit Kollegen von der Universität Zürich etwa 10’000 Stunden Videomaterial ausgewertet. «Dabei wurden etwa 1’600 Begegnungen zwischen Tieren und Fahrzeugen dokumentiert», sagte Waldökologe Ammer. «Für das Verhalten der Tiere spielte es keine Rolle, ob sich an den Strecken blaue Wildreflektoren befanden oder nicht.»

Technische Verbesserungen als Lösung?

Möglich und wirksam wären dagegen technische Verbesserungen an den Fahrzeugen, sagte Unfallforscher Brockmann. Infrage komme zum Beispiel der Einbau von Infrarot-Sensoren. «Wenn Wild am Strassenrand steht, würden solche Geräte die Fahrer durch akustische Signale warnen», sagte Brockmann.

Hobby-Jäger widersprechen der Studie

Fallwild Bern

Der Amateur-Hobby-Jäger Daniel Ammon hat die Reflektoren im Kanton Bern eingeführt. Er wettert: «Die Ergebnisse dieser Studie decken sich überhaupt nicht mit unseren Erfahrungen.» Laut Statistik sind im Kanton Schaffhausen in den vergangenen Jahren jedoch nicht weniger Rehe verunfallt – im Gegenteil!

Doch auch Pro Natura hat ihre Zweifel an der Wirksamkeit. «Sie können kurzfristig schon wirken. Über einen längeren Zeitraum hinweg gewöhnen sich die Tiere jedoch an das Warnsignal und reagieren kaum mehr», sagt Jan Gürke von Pro Natura. Effizienter sei es, die Autofahrer zu warnen, wenn sich ein Tier der Strasse nähert. Mehr zu Wildtieren und zur Biodiversität.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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