Bad Dürkheim: Jäger hetzt Hund wiederholt auf verängstigtes Wildschwein
Ein Whistleblower wies PETA auf schockierende Videoaufnahmen in einem Forst im Landkreis Bad Dürkheim hin: Auf den mutmasslich im April entstandenen Aufnahmen ist zu sehen, wie ein „Jagdhund“ ein Wildschwein attackiert, das entweder angeschossen wurde oder durch die Jagd bereits stark geschwächt war. In seiner Panik versuchte das Wildschwein Schutz in Bodenkuhlen oder unter einem umgefallenen Baumstamm
Ein Whistleblower wies PETA auf schockierende Videoaufnahmen in einem Forst im Landkreis Bad Dürkheim hin: Auf den mutmasslich im April entstandenen Aufnahmen ist zu sehen, wie ein «Jagdhund» ein Wildschwein attackiert, das entweder angeschossen wurde oder durch die Hobby-Jagd bereits stark geschwächt war.
In seiner Panik versuchte das Wildschwein Schutz in Bodenkuhlen oder unter einem umgefallenen Baumstamm zu suchen und brach dabei immer wieder erschöpft zusammen. Der mutmassliche Schweisshundeführer stachelt den Hund während der anscheinend minutenlangen Attacke fortwährend an, «reinzubeissen» und «sie zu holen». Wegen des Verdachts auf Verstösse gegen das Tierschutzgesetz sowie mehrere Ordnungswidrigkeitstatbestände hat PETA vergangene Woche bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal (Pfalz) Strafanzeige gegen den bislang unbekannten Täter erstattet. Die Tierrechtsorganisation fordert, dem Mann den Jagdschein zu entziehen und die Hobby-Jagd gänzlich zu verbieten, da solche Vorfälle keine Ausnahme sind.
«Es ist kaum vorstellbar, wie sehr das Tier in seiner Panik und vor Schmerzen gelitten haben muss. Der Vorfall ist jedoch nur ein weiterer Beweis dafür, wie grausam es bei der Hobby-Jagd zugeht. Für viele sogenannte Waidmänner ist diese Tierquälerei anscheinend sogar ein Kick, da sie ein Machtgefühl spüren, wenn sie über Leben und Tod entscheiden. Dass der Hobby-Jäger dem Leiden des Wildschweines so lange zugesehen und den Hund sogar noch angestachelt hat, ist erschreckend. Wir fordern eine harte Bestrafung», so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA.
Pflichten als Hobby-Jäger in Bad Dürkheim massiv vernachlässigt
Da das Wildschwein im Video bereits verletzt zu sein scheint, geht PETA davon aus, dass es sich bei den gefilmten Szenen um eine sogenannte Nachsuche in Bad Dürkheim handelt. Die kurzzeitig sichtbare orangefarbene und jägerübliche Signalkleidung deutet darauf hin, dass sich der Vorfall nach einer Hobby-Jagd oder einer jagdlichen Schweisshundeausbildung ereignete. Ihre Pflichten als Hobby-Jäger haben die Beteiligten dabei massiv vernachlässigt: Immer wieder ist im Video zu hören, wie der Hund angestachelt wird. Keiner der Beteiligten versucht, den Hund zurückzurufen oder die Attacken auf anderem Wege zu unterbinden. Am Ende kann das Wildschwein kaum noch stehen, geschweige denn laufen. Nur durch einen weiteren Hundebiss bäumt es sich nochmals auf, um danach unmittelbar wieder zusammenzubrechen. Solche Fälle dokumentieren das systemische Tierschutzproblem der Hobby-Jagd.
Ähnlicher Fall 2019 endete mit empfindlicher Strafe
Es ist nicht das erste Mal, dass PETA Videomaterial von Wildschweinjagden zugespielt bekommt, bei denen eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstossen wird. Ein ähnlicher Fall in Sachsen-Anhalt endete vergangenes Jahr mit einer empfindlichen Geldbusse für einen Hobby-Jäger, der bei einer Drückjagd in Hohengöhren-Damm ein Wildschwein unnötig leiden liess. Das Tier wurde sieben bis acht Mal angeschossen und versuchte mindestens eine halbe Stunde lang, sich unter Todesqualen in Sicherheit zu bringen. Der Hobby-Jäger stand unbeteiligt daneben, statt das Tier zu erlösen. Im November 2019 attackierten und bissen mehrere «Jagdhunde» bei Gelnhausen (Hessen) mindestens zehn Minuten lang ein Wildschwein – erst dann schritt ein Hobby-Jäger ein. Auch hier hat PETA Strafanzeige erstattet.
PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Hobby-Jagd aus. Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit verursachen Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger unvorstellbares Leid. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Innereien flüchten die Tiere, leiden unter den Verletzungen oft tagelang und sterben qualvoll, wenn sie bei der Nachsuche nicht gefunden werden. Mehr zu den Jagdmythen auf wildbeimwild.com.
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