Hobby-Jäger am Kops-Stausee vermisst
Auto in 50 Metern Tiefe gefunden – Fahrer weiterhin vermisst.
Nach dem ungewöhnlichen Unfall eines 72-jährigen Hobby-Jägers am Kops-Stausee bei Galtür dauert die Suche nach dem Vermissten weiter an.
Das Fahrzeug des Mannes konnte inzwischen in rund 50 bis 53 Metern Tiefe lokalisiert werden. Von dem Lenker selbst fehlt jedoch weiterhin jede Spur.
Der Unfall ereignete sich am 2. Oktober 2025, als der Hobby-Jäger mit seinem Geländewagen über die Staumauer des Kops-Stausees fuhr. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei öffnete der Mann den Schranken zur Mauerüberfahrt mit einem Schlüssel und verlor kurz darauf aus bislang ungeklärten Gründen die Kontrolle über sein Fahrzeug. Das Auto stürzte über eine steile Böschung und versank im kalten Wasser des Hochgebirgssees.
Ein nachfolgender Hobby-Jäger bemerkte die Scheinwerferlichter des versinkenden Fahrzeugs und alarmierte sofort die Einsatzkräfte. Feuerwehr, Wasserrettung, Bergrettung und Polizei leiteten daraufhin eine grossangelegte Suchaktion ein. Die Suche gestaltete sich von Beginn an schwierig: Der Stausee ist bis zu 60 Meter tief, die Sicht unter Wasser beträgt kaum einen halben Meter, und die Temperaturen liegen nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt.
Taucher und Sonarteams der Wasserrettung versuchten in den folgenden Tagen, das Fahrzeug zu orten. Am 7. Oktober gelang es schliesslich, das Wrack mithilfe moderner Sonartechnik in etwa 53 Metern Tiefe zu lokalisieren und mit einer Boje zu markieren. Die Bergung soll fortgesetzt werden, sobald die technischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Bedingungen unter Wasser sind extrem anspruchsvoll. Man sieht oft nicht einmal bis zum Ende der Greifarme, erklärte ein Sprecher der Wasserrettung gegenüber ORF Vorarlberg. Auch ferngesteuerte Tauchroboter stossen wegen der geringen Sichtweite und der Trübung des Wassers an ihre Grenzen.
Die Polizei Vorarlberg bestätigte, dass die Ermittlungen zum Unfallhergang weiterlaufen. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es bislang nicht.
Der Kops-Stausee liegt auf über 1’800 Metern Seehöhe im Montafon und ist ein beliebtes Ausflugs- und Jagdgebiet. Der Zugang zur Staumauer ist in der Regel nur berechtigten Personen erlaubt.
Für die Familie und Freunde des Vermissten bleibt die Ungewissheit gross. Die Einsatzkräfte hoffen, das Fahrzeug in den kommenden Tagen bergen und damit auch Klarheit über das Schicksal des Hobby-Jägers schaffen zu können. Laut der Statistik tödlicher Jagdunfälle auf wildbeimwild.com kommt es immer wieder zu schweren Unglücken bei der Hobby-Jagd.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.
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