Warum darf man mit über 45 Jahren noch jagen?
Wenn die Hobby-Jagd zur Gefahr für alle wird – und die Politik weiterhin zuschaut.
Wieder ein tödlicher Schuss – und wieder war alles «ein Unfall».
Ein 83-jähriger Hobby-Jäger nimmt am Sonntag, dem 19. Oktober 2025, an einer Treibjagd im französischen Département Lot-et-Garonne teil. Wenig später ist ein 64-jähriger Mann tot – getroffen von einer Kugel. Ein tragischer «Unfall», heisst es. Doch wie viele dieser Unfälle braucht es noch, bis jemand die Frage stellt, die sich längst aufdrängt: Warum darf man mit über 80 Jahren noch mit einer tödlichen Waffe durch den Wald laufen? Wenn ein erfahrener Hobby-Jäger trotz Organisation tödlich verunglücken kann, wie sicher sind dann andere Waldbesucher?
Die grösste Altersklasse bei den Hobby-Jägern sind 65+, jene mit Alters-, Denk-, Seh-, Konzentrations- und Reaktionsschwächen sowie Ausbildungs- und Trainingsdefiziten. Ab dem 45. Lebensjahr steigt die Zahl der Unglücke für Menschen und Tiere dramatisch an. Alle 29 Stunden passiert in der Schweiz ein Unfall wegen der Hobby-Jägerei. Die erschreckenden Meldungen über Jagdunfälle und tödliche Straftaten mit Jägerwaffen zeigen: Es wird höchste Zeit für die Abschaffung der Hobby-Jagd! Gäbe es bei der Polizei oder im Militär regelmässig dermassen viele Geschädigte, würde wohl kaum jemand von verantwortungsvollem Umgang bei der Jagdausübung sprechen. Und was man wirklich liebt, tötet man nicht.
Keine Altersgrenze – keine Kontrolle – kein Verantwortungsbewusstsein
In Frankreich, wie in vielen anderen europäischen Ländern, gilt: einmal Jagdschein – immer Jagdschein. Das Gesetz legt ein Mindestalter für den Jagdschein fest, aber nicht, ab wann man aufhören müsste.
Keine Pflichtuntersuchung, keine Seh- oder Hörtests, keine Überprüfung der Reaktionsfähigkeit. Ein 83-Jähriger darf weiter schiessen, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Das wäre, als dürfte man mit 83 Jahren noch einen Lkw fahren, ohne Führerscheinprüfung, ohne TÜV, ohne medizinische Kontrolle. Nur dass der Lkw in diesem Fall eine Waffe ist – und der öffentliche Raum ein Wald, den alle nutzen. Die Strasse ist ein zwingend genutzter öffentlicher Raum mit ständiger Kontrolle – Prüfungen, Punktesystemen, Alkoholtests usw. Die Hobby-Jagd dagegen ist Freizeit, freiwillig. Wer daran teilnimmt, darf andere nicht gefährden.
Der Mythos der „Erfahrung“
Jägerverbände argumentieren gern mit «Erfahrung». Doch Erfahrung ersetzt keine körperliche Eignung.
Mit zunehmendem Alter sinken Sehschärfe, Reaktionszeit und motorische Kontrolle. Das ist keine Beleidigung, sondern Biologie. Und in einer Treibjagd, wo sich Menschen, Tiere und Hunde gleichzeitig bewegen, genügt ein einziger Fehler – und jemand ist tot.
Erfahrung kann in solchen Situationen nicht schützen, sie kann im schlimmsten Fall sogar Selbstüberschätzung fördern.
Jagen ist kein Grundrecht
Niemand wird gezwungen, mit über 80 Jahren noch zu jagen. Die Hobby-Jagd ist keine Pflicht, kein öffentlicher Dienst, kein Beitrag zum Gemeinwohl – sie ist ein Hobby.
Wer sich dafür entscheidet, mit einer Schusswaffe in der Öffentlichkeit aktiv zu sein, trägt Verantwortung – für sich und andere.
Dazu gehört:
- Regelmässige medizinische Eignungstests,
- eine klare Altersgrenze,
- und eine ehrliche Debatte darüber, ob bewaffnete Freizeitaktivitäten in gemeinsam genutzten Wäldern überhaupt noch zeitgemäss sind.
Der Wald gehört allen – nicht nur den Hobby-Jägern
Wandernde, Jogger, Reiter, Familien – sie alle teilen sich denselben Lebensraum. Doch nur eine Gruppe läuft dort mit Gewehren herum. Und nur für sie gibt es kaum Auflagen.
Wenn ein Hobby-Jäger durch Altersgebrechen oder mangelnde Wahrnehmung andere gefährdet, ist das keine Privatsache. Es ist ein gesellschaftliches und tierschützerisches Problem. Viele Wildtiere werden nur angeschossen und leiden immense Qualen dadurch.
Der Wald ist kein Jagdrevier einzelner, sondern öffentlicher Raum. Jeder Mensch, jedes Tier sollte sich dort sicher fühlen dürfen – ohne Angst vor einem Schuss aus zittrigen Händen.
Zeit zu handeln: Altersgrenze jetzt!
Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Die Hobby-Jagd braucht endlich dieselben Sicherheitsstandards wie jede andere gefährliche Tätigkeit.
Die Forderung der IG Wild beim Wild:
- Medizinische und psychologische Eignungsprüfung alle fünf Jahre ab dem 45. Lebensjahr,
- Verbot der aktiven Hobby-Jagd ab 65 Jahren,
- Entzug des Jagdscheins, wenn die gesundheitliche Eignung nicht mehr gegeben ist.
- Abschaffung der Hobby-Jagd.
Wer mit 83 Jahren noch auf Tiere zielt, riskiert nicht nur tierisches, sondern auch menschliches Leben. Diese Freiheit mag traditionell wirken – sie ist aber gefährlich. Eine Gesellschaft, die solche Risiken duldet, schützt nicht ihre Natur, sondern ihre Gewohnheiten. Der Wald ist kein Schiessstand. Er ist Lebensraum – für alle.
Es ist höchste Zeit für die Abschaffung der Hobby-Jagd! Tödliche Schusswaffen gehören nicht in die Hände von senilen Hobby-Jägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können! Hobby-Jäger repräsentieren alles, was in der Welt falsch läuft.
Hobby-Jäger leben Speziesismus. Speziesismus ist vergleichbar mit Rassismus und Sexismus, und das ist keine Kultur oder Tradition.
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