2. April 2026, 10:29

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Jagd

Treibjagd im Willbrigwald – Angst, Blut und die Täter

Der Willbrigwald im Kanton Luzern liegt still an diesem Samstagmorgen. Vögel zwitschern, der Wind bewegt die Bäume. Ein Bild von Frieden. Doch diese Idylle wird gleich zerreissen, von Schüssen, Schreien und Blut.

Redaktion Wild beim Wild — 29. Oktober 2025

Zwischen den Sträuchern steht eine Frau, Ronja Stöckli, Kommunikationsbeauftragte des militanten Verbandes Jagd Schweiz.

Orange-schwarze Tarnjacke, Doppelschrotflinte in der Hand, der Jagdhund hechelnd an ihrer Seite.

Sie wartet. Wartet auf ein Tier, das nichts Böses ahnt. Ein Tier, das gleich zum Opfer wird.

Dann beginnt das Spektakel: Treiber brüllen durch den Wald, Hunde hetzen, Hörner dröhnen. „Hey, hey, hey!“ hallt es zwischen den Bäumen. Was für Hobby-Jäger ein Ritual ist, bedeutet für alle Wildtiere und Vögel Todesangst. Sie fliehen panisch, schlagen sich durch Dickicht, suchen verzweifelt nach einem Ausweg und rennen doch nur in die Gewehrläufe der Wartenden.

Die Hobby-Jäger wissen: Viele dieser Schüsse töten nicht sofort. Tiere schleppen sich schwer verletzt davon, brechen stunden- oder tagelang leidend zusammen. Manchmal hört man sie schreien, so wie jenes Reh, das Stöckli selbst bei einer Nachsuche fand: Es versuchte noch aufzustehen, ehe es mit einem gellenden Schrei zusammenbrach. Ein Schrei, den sie nie vergessen hat, und doch hindert er sie nicht daran, weiter auf die Hobby-Jagd zu gehen, wie sie der NZZ erzählte. Ihr Mann musste das Tier mit einem Messer erlegen.

Täter mit Traditionsbrüchen

Ein Reh wird an diesem Tag erlegt. Man legt ihm einen Tannenzweig ins Maul, den sogenannten „letzten Bissen“. Man spricht von Respekt. In Wahrheit ist es nichts als eine groteske Inszenierung: Erst jagt man ein Tier in Panik und Tod, dann schmückt man es mit Symbolen, als sei es Teil einer feierlichen Zeremonie.

„Weidmannsheil!“, rufen die Kollegen, Schulterklopfen, Hornstösse. Währenddessen liegt ein Lebewesen tot im Gras, die Augen weit aufgerissen. Danach die „rote Arbeit“: Bauch aufschlitzen, Organe herausreissen, Blut auf dem Fell. Die Täter nennen es Tradition. Wer genauer hinsieht, erkennt: Es ist Blutrausch, als Folklore verbrämt.

Wir essen, also jagen wir. – Ronja Stöckli

Jagd als Hobby – Tiere als Opfer

Hobby-Jäger verstecken sich hinter Schlagworten wie „Naturschutz“ und „Bestandsregulierung“. Doch in Wahrheit ist es ein Hobby, eine Selbstinszenierung im Wald. Man trifft sich zum geselligen Beisammensein, marschiert in Jagdkluft durch die Natur, spielt den grossen Regulator und feiert sich am Ende des Tages für ein getötetes Tier.

Dass es sich um fühlende Lebewesen handelt, um Mütter, Jungtiere, Sozialverbände, wird verdrängt. Dass jedes Reh, jeder Fuchs, jedes Wildschwein in Angst und Panik stirbt, ist nebensächlich. Wichtig ist, dass die Täter ihre Tradition pflegen, ihre Flinten hegen und ihre Macht über Leben und Tod zelebrieren, wieder jegliches wildökologisches Wissen. Nicht nur die Fuchsjagd ist laut Studien und Fallbeispielen an Inkompetenz nicht zu überbieten.

  • Erläuterungen und Quellenangaben Link
  • Wissenschaftliche Literatur: Studien Rotfuchs
  • Jäger verbreiten Krankheiten: Studie
  • Jagd fördert Krankheiten: Studie
  • Hobby-Jäger in der Kriminalität: Die Liste
  • Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig: Artikel
  • Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot: Artikel
  • Niederjagd und Wildkrankheiten: Artikel

Die Natur braucht keine Täter

Die Behauptung, die Hobby-Jagd sei notwendig, weil laut Ronja Stöckli, Wölfe und Bären fehlen, ist ein Zirkelschluss: Hobby-Jäger haben diese natürlichen Feinde selbst ausgerottet und ihre Lebensräume zerstört und präsentieren sich nun als Ersatz-Raubtier. Dabei zeigen ganze Ökosysteme, dass sie sich selbst regulieren, wenn man sie lässt. Wölfe, Luchse, Füchse, natürliche Prozesse, sie sorgen für Balance. Bären sind zudem zu 90 % Vegetarier. Einmal mehr liefert auch Ronja Stöckli, stellvertretend für alle 30’000 Hobby-Jäger in der Schweiz ein Zeugnis, wie sektiererisch und miserabel sie ausgebildet sind.

Was die Natur nicht braucht, sind Hobby-Jäger, die aus tierquälerischer Tradition oder Lust am Töten Gewehre tragen. Sie braucht keine Treibjagden, keine Hörner, keine Blutrituale. Sie braucht Schutz und Respekt vor dem Leben.

Tradition ist keine Rechtfertigung für Leid

Am Ende des Tages liegt im Willbrigwald ein totes Reh, geschmückt mit Zweigen, während die Hobby-Jäger ihre Hüte an die Brust drücken. Für sie ist es ein Ritual. Für das Tier war es der letzte Atemzug in Panik und Schmerz.

Die Jagd im Willbrigwald entlarvt, was sie ist: kein Naturschutz, kein Privileg, sondern ein blutiges Hobby auf Kosten der Wehrlosen. Täter in Tarnjacken inszenieren sich als Hüter der Natur und hinterlassen doch nur Leere, Angst und Tod.

Die Wahrheit ist einfach: Die Natur braucht keine Hobby-Jäger. Aber die Tiere brauchen endlich Schutz vor den Inkompetenten.

Wildfleisch ist kein sauberes Naturprodukt, sondern oft mit Schwermetallen, Parasiten, Bakterien und Giftstoffen belastet. Hinzu kommt: Es stammt von Tieren, die unter Panik und Qual getötet wurden, was eine miserable Fleischqualität garantiert.

Hobby-Jäger betonen gerne, ihr Fleisch sei „ehrlich“. Doch wie ehrlich ist ein Produkt, das von Tieren stammt, die in Panik gehetzt, angeschossen und oft qualvoll getötet wurden? Im Todeskampf schütten die Tiere Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die den gesamten Organismus überschwemmen. Das Fleisch eines gehetzten Rehs hat mit „natürlich und gesund“ nichts mehr zu tun, es ist das Resultat von Angst und Gewalt.

Wer wirklich gesund und nachhaltig leben will, sollte weder Jagdfleisch noch Fleisch aus Massentierhaltung essen. Denn ob im Schlachthof oder im Wald: Das Ergebnis bleibt gleich, Tierleid auf dem Teller, bei den Hobby-Jägern auch Aas.

Dossier: Jagd und Tierschutz

Mehrwert:

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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