14. Juni 2026, 16:16

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Jagd

Trophäen in Böhmen, Abschüsse im Elsass, Kadaver auf Instagram: Dominik Feusi und die Hobby-Jagd als Weltanschauung

Der Plagiatsskandal um den «Nebelspalter»-Vize-Chefredaktor Dominik Feusi hat eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Wer aber verstehen will, was dieser Mann wirklich repräsentiert, muss sich nicht mit dem gestohlenen Nahost-Kommentar beschäftigen. Die eigentliche Geschichte steht auf seinem öffentlichen Instagram-Profil. Dort dokumentiert Feusi seit Jahren, dass Hobby-Jagd für ihn kein lokales Brauchtum ist, sondern ein internationaler Lifestyle auf Kosten der Tierwelt.

Redaktion Wild beim Wild — 31. Mai 2026
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Ein Post vom 4. Oktober 2023 zeigt einen toten Rehbock, der neben einem Gewehr auf dem Boden liegt.

Die leeren Augen des Tieres starren ins Nichts. Feusi schreibt dazu: «I am always thankful when everything was right and I had the chance to shoot an animal. It is like becoming part of this huge cicle of nature.» Hashtags: #jagd #hunting #nature #chasse #switzerland.

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Foto: Instagram @Feusl

Das ist keine Bescheidenheit. Das ist die klassische Hobby-Jagd-Ideologie in Reinform: die eigene Tötungshandlung als spirituelle Naturverbundenheit verklären, den Tod eines Tieres als persönliche Erfüllung inszenieren und das Ganze mit dem Nimbus des «Kreislaufs der Natur» adeln. Was in diesem Weltbild fehlt, ist das Tier selbst. Es existiert als Projektionsfläche für die Bedürfnisse des Schützen, nicht als empfindungsfähiges Lebewesen.

Jagdtourismus als Programm

Feusi jagt nicht nur zuhause. Sein Profil zeigt eine geografische Ausdehnung, die das Wort «Jagdtourist» schlicht zutreffend macht.

Im Mai 2024 postet er aus Mašovice im westböhmischen Plzeňský Kraj, Tschechien. Feusi lächelt neben einem erlegten Rehbock in einem Getreidefeld. Caption: «Mein erster Rehbock in Böhmen, angepirscht über das offene Feld.» Hashtags: #jagd #bohemia #hunting #pirsch.

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Foto: Instagram @Feusl

Im November 2023 meldet er sich aus dem Elsass und den Vogesen in Frankreich. Orangefarbene Jagdweste, Hut, Selfie vor Herbstwald. «Grüsse aus dem Wald. Immer schön, auf der #jagd zu sein.» #chasse #hunting #deerhunting #alsace.

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Foto: Instagram @Feusl

In der Schweiz jagt er regelmässig, dokumentiert mit Gewehr-Nahaufnahmen, Ansitz-Egoperspektiven und Trophäenfotos. Im Oktober 2024 postet er die Eröffnung der Rehjagd mit Blick über den Gewehrlauf ins Unterholz: «Rehjagd eröffnet.» #meateater. Im November 2024 hält er in Schwarz-Weiss seinen vorletzten Jagdtag fest: «Grüsse aus dem Wald, zweitletzter Jagdtag.»

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Foto: Instagram @Feusl

Das ist kein lokaler Hobby-Jäger, der seinen Wald kennt und pflegt. Das ist Jagdtourismus über Ländergrenzen hinweg, bei dem das Revier als Kulisse für den nächsten Abschuss dient.

«Ready for the next deer»: Die Waffe als Lifestyle-Objekt

Ein Post vom 6. November 2024 zeigt eine geöffnete gravierte Doppelflinte aus der Nahperspektive, zwei eingelegte Patronen (RWS Rottweil 12/70), herbstlicher Waldboden im Hintergrund. Caption: «Ready for the next deer.» Hashtags: #hunting #stalking #outdoors #nature #arms.

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Foto: Instagram @Feusl

«The next deer». Nicht «ein Reh», nicht «Wild» als Teil eines Ökosystems. «The next deer» wie das nächste Item auf einer Liste. Die Sprache verrät die Haltung: das Tier als nächstes Ziel in einer Serie, die Waffe als Requisit in einem kuratierten Bild. Das ist nicht Jagdkultur. Das ist Jagd als Statussymbol.

«Dankbar für die Natur» und was das bedeutet

Im Oktober 2024 postet Feusi ein Trophäenfoto aus der Schweiz. Jagdkleidung, nebliger Berghang, neben ihm ein frisch erlegtes Reh. Er lächelt. Caption: «Dankbar für die Natur.» #jagd #hunting #meat #nature. 93 Likes.

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Foto: Instagram @Feusl

«Dankbar für die Natur» ist in der Hobby-Jagd-Sprache eine feste Formel zur moralischen Selbstentlastung: Wer dankbar ist, meint es gut. Wer «Natur» sagt, schützt sie. Was auf dem Bild zu sehen ist, widerlegt den Text: ein toter Körper, ein lächelnder Schütze, eine Waffe. Die Natur kommt als Hintergrundkulisse vor, nicht als schützenswertes System.

Ein Post vom 15. Juni 2025 macht dieses Verhältnis zur Natur noch sichtbarer: Eine dichtbesetzte Betonwand, flankiert von Weinregalen, Reihe um Reihe aufgemontierte Hirsch- und Rehschädel mit Gehörn. Feusis Kommentar: «Hunting trophies arranged at the wall.» Hashtags: #hunting #trophies #deer #switzerland.

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Foto: Instagram @Feusl

Der Tag, an dem alles zusammenfällt

Es gibt ein Detail, das die Jagd- und die Plagiatsgeschichte untrennbar verbindet und das bisher nirgends so klar herausgearbeitet wurde.

Am 2. Oktober 2024 postet Feusi eine Egoperspektive aus dem Schweizer Wald, Gewehr im Anschlag, Blick ins Unterholz. Caption: «Rehjagd eröffnet.» Am 3. Oktober 2024, einen Tag später, erscheint im «Nebelspalter» jener Artikel, den er zu rund 90 Prozent aus dem britischen «Telegraph» abgeschrieben hat.

Trophäen in Böhmen, Abschüsse im Elsass Dominik Feusi und die Hobby Jagd als Weltanschauung
Foto: Instagram @Feusl

Feusi hat gegenüber dem «Blick» selbst erklärt, wie es dazu kam: An jenem Tag habe der «Nebelspalter» dringend noch eine Geschichte gebraucht, und er sei alleine für die Website verantwortlich gewesen. Also übersetzte er einen fremden Text, strich die Quellenangaben und publizierte ihn unter eigenem Namen.

Was Feusi nicht sagte, sein Instagram aber zeigt: Er war mutmasslich auf der Jagd. Nicht im Bundeshaus. Nicht an seinem Schreibtisch. Im Wald, mit dem Gewehr.

Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte. Nicht das Plagiat als isolierter Fehler eines überarbeiteten Journalisten, sondern ein Hobby-Jäger, der seinen Jagdtag wichtiger nimmt als seinen Beruf, eine gestohlene Geschichte schnell nachschiebt, um die Lücke zu füllen, und dabei einen grundlegenden journalistischen Betrug begeht. Die Hobby-Jagd hat den Journalismus verdrängt. Nicht einmal, sondern strukturell.

3’513 Posts, ein Thema: Die Inszenierung des Tötens und Essens

Dominik Feusis Instagram-Profil umfasst über 3’500 Beiträge. Ein roter Faden zieht sich durch Jahre: die systematische Dokumentation von erlegten Tieren und ihrem anschliessenden Verzehr. Rehböcke frisch abgeschossen, Rehkeulen roh auf dem Schneidebrett, gegrillte Rehrippen mit dem Hashtag #eatyourmeat, Trophäenwände voller Schädel, dazwischen Schwartenmagen, Käsekrainer, Culatello di Zibello, gepökelter Schinken, Wurstwaren jeder Art.

Das ist kein gelegentlicher Food-Account. Es ist eine jahrelang durchgehaltene Selbstinszenierung, in der das Töten und das Essen von Tieren zum Zentrum einer öffentlichen Identität gemacht wird. Die Hashtags sind aufschlussreich: #hunting #eatyourmeat #venison #jagd #meat #trophies. Kein Wort über Nachhaltigkeit, Ökologie oder Tierwohl. Töten als Lifestyle, Essen als Statement.

Was Feusi dabei konsumiert und dokumentiert, ist medizinisch klar eingestuft. Die WHO/IARC klassifiziert verarbeitetes Fleisch, also gepökeltes, geräuchertes und fermentiertes Fleisch wie Würste und Schinken, als Gruppe-1-Karzinogen: krebserregend für den Menschen. Das ist dieselbe Evidenz-Kategorie wie Tabakrauch und Asbest.

Die Hobby-Jagd-Lobby verkauft Wildfleisch seit Jahren als gesunde, natürliche Alternative zu Industriefleisch. Was Feusis Profil zeigt, ist das Gegenteil dieser Erzählung: massiver Konsum von verarbeitetem Fleisch und rotem Wild, kombiniert mit der Tötung von Tieren als Freizeitvergnügen, dokumentiert mit dem Hashtag #eatyourmeat. Nicht Naturverbundenheit. Konsum als Identität.

Lebensraum aufwerten? Das Gegenteil ist wahr

Die Hobby-Jagd-Lobby wiederholt gebetsmühlenartig, Hobby-Jagd schütze den Lebensraum und sei notwendig für das «Gleichgewicht» der Wildtierpopulationen. Feusis Instagram-Profil zeigt, was dahintersteckt.

Ein Mann, der in Tschechien seinen «ersten Rehbock in Böhmen» schiesst, im Elsass auf Hirsche ansitzt und in der Schweiz die Rehjagd «eröffnet», interessiert sich nicht für Lebensraumaufwertung. Er interessiert sich für den nächsten Abschuss. Das Revier ist nicht Heimat, die er kennt und schützt, sondern Ressource, die er aberntet, und zwar grenzüberschreitend.

Jagdtourismus ist das Gegenteil von Lebensraumschutz. Er bringt ortsfremde Schützen in Reviere, die sie weder kennen noch langfristig verantworten. Er reduziert Wildtierpopulationen nicht nach ökologischen Kriterien, sondern nach dem Kriterium des besten Schusserlebnisses. Mehr zur wissenschaftlichen Einordnung dieser Mythen findet sich in unserem Dossier zur Hobby-Jagd.

«Jäger von Wild»: Das Autorenprofil als Dokument

Das alles wäre eine Privatsache, stünde es nicht auf der offiziellen Autorenseite seines Arbeitgebers. Der «Nebelspalter» beschreibt Feusi öffentlich als «Historiker, Schwyzer und Jäger, sowohl von Wild wie von guten Stories». Seine Hobby-Jäger-Identität war kein Geheimnis. Sie war Teil seiner professionellen Selbstdarstellung als Bundeshausjournalist, gleichwertig neben seiner akademischen Ausbildung aufgeführt.

Dominik Feusi
Screenshot Nebelspalter

Ein Bundeshausjournalist, dessen Verlag ihn als aktiven Hobby-Jäger und internationalen Jagdtouristen vermarktet, ist kein unabhängiger Beobachter der Bundespolitik. Er ist ein Interessenvertreter mit Pressekarte. Der Interessenkonflikt war nicht versteckt. Er war Programm.

Ein Milieu, das sich selbst entlarvt

Der Fall Feusi ist kein Betriebsunfall. Er ist das konsequente Ergebnis eines Milieus, das Meinung über Handwerk, Ideologie über Integrität und Vernetzung über Unabhängigkeit stellt. Was sein Instagram-Profil über Jahre dokumentiert, ist die Ideologie der Hobby-Jagd in ihrer unverstelltesten Form: Tiere töten als spirituelle Erfüllung, Kadaver als Lifestyle-Content, internationale Reviere als Konsumgut, und die WHO-klassifizierte Krebsgefahr als stolz inszenierten Speiseplan.

Wer das versteht, versteht auch den «Nebelspalter». Und wer den «Nebelspalter» versteht, versteht, warum ein seriöser Bundeshausjournalist wie Fabian Schäfer das Haus verliess, bevor Feusi auch nur einen Tag gearbeitet hatte.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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