2. April 2026, 06:44

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

Windkraftanlagen und Wildtiere: Saubere Energie im Konflikt

Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Wildtiere sind Gegenstand anhaltender Untersuchungen und Diskussionen.

Redaktion Wild beim Wild — 1. März 2024

Bis 2050 sollen Windkraftanlagen der Schweiz 4’000 Gigawattstunden Strom liefern, laut Energiestrategie 2050 des Bundes bis 10 % des Schweizer Strombedarfs. Derzeit produzieren gemäss Bundesamt für Energie (BFE) rund 40 Grossanlagen gut 140 GWh Windstrom oder 0,3 % des Stroms.

Die Schweiz ist kein Windland

Windkraftanlagen machen in Europa hauptsächlich in Küstennähe Sinn. Aber auch dort gibt es Hinweise, dass die Offshore-Windparks die Meeresfauna schädigen, insbesondere Wale und Delfine. Anderstwo sind es meist hochsubventionierte Landschaftsverschandlungen, die der Stromzahler bezahlen muss. In der Rhone-Ebene im Wallis gibt es günstige Windverhältnisse oder auf dem Mont-Crosin im Berner Jura. Andernorts stehen die bis zu 210 Meter hohen Anlagen die meiste Zeit still und produzieren ausser Kosten nichts Schönes.

Gemeinden mit der höchsten Stromproduktion aus Windkraftanlagen in Megawattstunden (MWh) für den Zeitraum: 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2023.

  1. Villeret BE: 35’228 MWh
  2. Courtelary BE: 26’672 MWh
  3. Saint-Imier BE: 21’640 MWh
  4. Muriaux JU: 17’226 MWh
  5. Martigny VS: 13’653 MWh
  6. Cormoret BE: 10’065 MWh
  7. Airolo TI: 9’376 MWh
  8. St-Brais JU: 9’212 MWh
  9. Obergoms VS: 6’770 MWh
  10. Andermatt UR: 5’299 MWh

Windkarten zeigen, dass die Schweiz ein Gebiet mit den schwächsten Winden in ganz Europa ist. Bei einer Dunkelflaute, wenn also kein Wind weht und es neblig ist, müssen zum Beispiel Gaskraftwerke in die Bresche springen, sofern 2050 keine Kernkraftwerke mehr zur Verfügung stehen sollten.

Hohe Kosten, wenig Nutzen

Der Unterhalt solcher Windkraftanlagen ist nicht ohne. Windräder können viel Strom gegen die Vereisung benötigen (Nufenen), der oft mit Generatoren bereitgestellt werden muss. Es werden Kabelstrassen verlegt, Transformatoren, Hochspannungsleitungen, riesige Betonfundamente gelegt, Kranstellflächen gelegt und riesige Waldgebiete gerodet. Es besteht sogar Lebensgefahr bei jeglicher Annäherung der Windräder. Solche Industrieanlagen sind kein geeignetes Biotop mehr für Wildtiere.

Am Ende kann es ein Nullsummenspiel bis negativ für die Gemeinden und die Steuerzahler ohnehin sein, laut einer Recherche von infosperber.ch. Ohne Wind produzieren die Windturbinen nichts, egal, wie viele es sind.

Wer profitiert, sind die Landbesitzer, meist Landwirte oder Bürgergemeinden und die grossen Player im Energiesektor, die Unsummen an Subventionen (vom Steuerzahler) erhalten (trotz Milliardengewinne). Die Windkraft-Betreiber-Lobby verdient sich eine goldene Nase auf Kosten der Allgemeinheit.

«Falsche Angaben sind beinahe schon ein fester Bestandteil in der Geschichte der Schweizer Windkraft», sagt die Moderatorin eines SRF-Beitrags. Die Stadt Lausanne hat in der Planungsphase die deklarierte Energieleistung fälschlicherweise einfach um 60 % raufgesetzt, bei ihrem Projekt im Weiler Chalet-à-Gobet.

Die industrielle Windkraft eroberte Frankreich und hinterlässt eine verwüstete Landschaft sowie eine empörte Bevölkerung. Frankreich hat die Windkraftmanie am 8.3.2024 gestoppt.

Wildtiere als Verlierer

Wälder sind die letzten Rückzugsgebiete für Wildtiere und deren Schutz die Kernaufgabe der IG Wild beim Wild. Diese in der stark zersiedelten Schweiz seltenen Naturräume müssen auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Avifauna, Schmetterlinge, Insekten usw. durch Kollisionen mit den Rotoren von Windkraftanlagen geschädigt werden können. Ein Experte der Vogelwarte hat an nur zwei Tagen im Juni 2022 ganze 86 erschlagene Vögel im Windpark Gotthard gefunden, schreibt die IG Wald ohne Windturbinen.

Die Schweiz ist beim Artenschutz das Schlusslicht Europas. Mehr als ein Drittel der Arten und die Hälfte aller Lebensräume sind bedroht. Schmetterlinge, Insekten, Fledermäuse, Vögel und Co. leiden unter den Windparks.

Wälder und Waldränder sind unverzichtbare Lebensräume für Wildtiere in unserer bereits intensiv genutzten Kulturlandschaft. Sie sind aus Gründen des Arten- und Naturschutzes von Windenergieanlagen ohne Wenn und Aber freizuhalten, fordert die IG Wild beim Wild.

Tiere wie Rehwild, Rotfuchs, Feldhase oder Rebhuhn leiden schon genug unter dem Lebensraumverlust und der Feindseligkeit durch die Hobby-Jägerschaft. Windkraftanlagen sind Vergrämungsmaschinen für die Fauna. Erstaunlicherweise erzeugt laut einer polnischen Studie ein grosser Windpark im Lebensraum bei den Rehen eine höhere Stressbelastung als ein Lebensraum mit der dauerhaften Anwesenheit von Wölfen!

Im Januar 2022 wird bekannt, dass im Berner Jura ein Steinadler verendet ist, nachdem das Tier in eine Windturbine geflogen war. Durch den Tod eines Adlers ist die ganze Population im Schweizer Jura gefährdet!

Modellprojekt La Haute Borne im Kanton Jura

Insbesondere auf Migrationsrouten der Vögel sind Windparks katastrophal, zum Beispiel oberhalb von Delsberg im Gebiet La Haute Borne im Kanton Jura. La Haute Borne ist ein Hotspot für die vorbeiziehende und brütende Avifauna auf kontinentaler Ebene. Doch genau in der Gegend soll jetzt ein Modellprojekt für den Kanton Jura entstehen, mit später angedachten 30 Windturbinen mit einer Höhe von 210 Metern.

Gesundheitliche Auswirkungen

Viele Menschen, die im Umkreis dieser sich drehenden Giganten leben, werden krank. Durch den Feinstaub-Abrieb der Windkraftanlagen werden unglaubliche Mengen Mikroplastik bzw. Carbonfaser die Luft, Boden und Grundwasser kontaminieren.

Manche Menschen berichten von Symptomen wie Müdigkeit, Depression, Schlaflosigkeit, Tinnitus, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Schuld daran soll der gepulste Infraschall sein. Infraschall schwächt die Herzkraft, erklärt der Herzchirurg Christian-Friedrich Vahl das Wind-Turbinen-Syndrom (WTS) in einer Forschungsarbeit.

In St-Brais im Kanton Jura klagt zum Beispiel Pascale Hofmeyer: «Ich habe Hörprobleme, Kopfschmerzen und Schmerzen im Brustkorb.» In der Schweiz gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand. In den USA gilt ein Mindestabstand von 2,5 km; in England wurde 2010 per Gesetz beschlossen, dass für WKA über 150 m Höhe der Mindestabstand 3’000 m betragen muss.

Fazit: Alternativen zur Windkraft

Die französische Regierung plant den Bau von insgesamt 14 neuen Atomkraftwerken der neuen Generation bis 2050. Das Wichtigste für die Grünen in Finnland sei ein «Stopp der Klimakrise», und hierbei «können wir auf Atomkraft nicht ganz verzichten». Kernenergie liefert konstant Strom, gerade auch im Winter.

Für die Schweiz reichen zwei neue grosse Kernkraftwerke. Laut Experten könnten mit an Gebäuden und auf Dächern montierten Solarstromanlagen im Jahr rund 67 Terawattstunden Strom erzeugt werden, was den aktuellen Jahresstromverbrauch der Schweiz von knapp 60 Terawattstunden übersteigen würde.

Update 7.3.2024: Der Ständerat rüttelt am 2017 beschlossenen Verbot des Baus neuer Atomkraftwerke. Er hat am 6.3.2024 ein Postulat angenommen, das fordert, zur Sicherung der Stromversorgung den Neubau von AKWs als «mögliches Szenario» zu prüfen.

Fakten und Studien

Weiterführende Artikel

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden