Pyrenäen: Prozess wegen illegaler Bärentötung durch Hobby-Jäger
Ein französischer Hobby-Jäger muss sich wegen des illegalen Erschiessens der Bärin Caramelles in einem Naturschutzgebiet in den Pyrenäen vor Gericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das Töten eines geschützten Tieres vor. In dem Prozess, in dem 15 weitere Hobby-Jäger angeklagt sind, geht es zugleich um Nichtbeachtung der Jagdregeln.
Einer der Hobby-Jäger erklärte vor Gericht, dass die Markierung des Jagdgebietes schlecht zu erkennen sei. «Es ist ihre Pflicht, zu wissen, wo genau die Hobby-Jagd erlaubt ist», gab Staatsanwalt Olivier Mouysset zurück. Die Wildschwein-Hobby-Jäger waren im November 2021 teilweise in ein Schutzgebiet in der Nähe des Mont-Valier eingedrungen.
Bärenmutter griff Hobby-Jäger an
Der Hauptangeklagte hatte zunächst zwei Bärenjungen entdeckt und war dann von der Bärenmutter angegriffen worden. Sie verletzte ihn an den Beinen und zog ihn mehrere Meter weit über den Boden. Der Mann musste per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden.
«Er war Selbstverteidigung. Hätte er nichts machen sollen? Er hat sein Leben gerettet», betonte kurz vor Prozessauftakt Jean-Luc Fernandez, Vorsitzender des örtlichen Jagdverbands.
18 Umweltverbände, darunter One Voice, Sea Shepherd und die Ligue de Protection des Oiseaux, treten als Nebenkläger auf. «Sie wollen, dass die Regeln respektiert werden, damit die Umwelt keinen Schaden nimmt», sagte die Anwältin Julie Rover. «Bären sind vom Aussterben bedroht, und der Tod eines Weibchens ist schlimm», fügte sie hinzu. Der Prozess endet am 19.3.2025, der Termin für die Urteilsverkündung ist bisher nicht bekannt. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 150’000 EUR. Mehr zu Kriminalität im Umfeld der Hobby-Jagd.
Unzulässige Funkfrequenzen und fehlende Forstaufsicht
Die örtliche Jagdvereinigung argumentiert, dass die Treibjagd auf Wildschweine dort offiziell erlaubt gewesen sei. Allerdings verlangt das Gesetz, dass bei solchen Jagden ein Vertreter des Forstamts anwesend ist – an diesem Tag jedoch war keiner vor Ort.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Die Hobby-Jäger sollen unzulässige Funkfrequenzen genutzt haben, um sich abzusprechen. Ein Verstoss, der ebenfalls vor Gericht verhandelt wird. Das Tierschutzproblem der Hobby-Jagd zeigt sich auch in der mangelnden Einhaltung von Schutzgebieten.
Bären waren in den französischen Pyrenäen zu Beginn der 90er Jahre nahezu ausgestorben. Die derzeitige Population geht auf wieder angesiedelte Bären aus Slowenien zurück. Ihre Zahl nimmt stetig zu, 2023 wurden 83 Bären gezählt. Wie Studien belegen, scheitert die Hobby-Jagd als Populationskontrolle.
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