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Jagd

Hobby-Jäger überfallen während einer Treibjagd ein Dorf

Am 31. Oktober flüchtete ein Hirsch in der französischen Gemeinde Longpont (Aisne) verzweifelt vor Hobby-Jägern und suchte Schutz im Hinterhof eines Restaurants.

Redaktion Wild beim Wild — 4. November 2025

Eine Szene, die sinnbildlich zeigt, was die Hobby-Jagd in Wahrheit bedeutet: Hetze, Panik, Kontrollverlust.

Doch statt Selbstkritik kam die altbekannte Beruhigungspille des Jagdverbandes: „Die Jagd ist reguliert.“ Ein Satz, der alles sagen soll und nichts erklärt.

Während einer Treibjagd am Nachmittag suchte das verfolgte Tier Zuflucht im Dorf. Die Polizei musste gerufen werden, die Hunde wurden zurückgepfiffen und das Tier durfte diesmal entkommen. Ein kurzer Moment von Menschlichkeit in einem System, das sonst kaum Gnade kennt.

Doch kaum war der Hirsch in Sicherheit, entbrannte ein Streit: Der Jagdgegner Michaël, Mitglied der Bewegung AVA – Abolissons la Vénerie Aujourd’hui (Jagd heute abschaffen), war fassungslos.

Selbst im Garten jagten die Hunde den Hirsch. Die Hobby-Jäger mussten die Polizei rufen, weil sie wussten, dass wir filmten. Sonst hätten sie es getötet.

Er berichtet von Hobby-Jägern, die Privatgrundstücke betraten, und von gefährlichen Situationen: Einer seiner Kollegen sei beim Filmen fast angefahren worden. So viel also zur „geregelten Jagd“.

Wenn Vorschriften zum Feigenblatt werden

Der Jagdverband Aisne beeilte sich, den Vorfall zu beschwichtigen. Sprecher Nicolas Voyard lobte die Reaktion der Jäger und erklärte:

„Wenn ein Tier in ein Dorf eindringt, wird es verschont, die Hunde entfernt und das Gebiet gesichert. Jeder hat seine eigene Meinung, aber die Jagd ist geregelt.“

Diese Floskel „die Jagd ist geregelt“ ist das Lieblingsmantra der Jagdlobby. Sie soll Seriosität und Kontrolle suggerieren, während in der Realität immer wieder Tiere panisch in Dörfer flüchten, Hunde wildern und Spaziergänger gefährdet werden.

Doch Regulierung ist kein moralischer Freifahrtschein. Wenn das Regelwerk dazu dient, Gewalt gegen Tiere zu legalisieren, dann schützt es nicht, es verschleiert.

Der Mythos von Ordnung in der Hetzjagd

Der Vorfall in Longpont zeigt, wie dünn die Fassade der sogenannten „Hegejagd“ geworden ist. In Wahrheit handelt es sich um eine hochproblematische Freizeitbeschäftigung, die unter dem Deckmantel von „Tradition“ und „Regulierung“ operiert.

Dass Hobby-Jäger erst dann Zurückhaltung zeigen, wenn die Kamera läuft oder die Polizei eintrifft, sagt mehr über das System aus als jedes Jagdgesetz.

Wenn ein Tier in Todesangst Zuflucht zwischen Autos, Mauern und Menschen sucht, dann ist das kein Unfall, sondern der direkte Effekt einer Praxis, die Wildtiere in permanenten Ausnahmezustand versetzt.

Ethik ist keine Meinung

„Jeder hat seine Meinung“, sagt der Jagdverband. Doch Ethik ist keine Meinung. Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie „geregelt“ ist.

Das Mantra der Regulierung dient dazu, Kritik zu entwaffnen. Es soll suggerieren, dass das Töten von Wildtieren eine Frage der Organisation sei, nicht des Gewissens. Doch kein Formular, kein Paragraf, kein Jagdgesetz kann den Schuss in den Wald moralisch rechtfertigen.

Die Wahrheit ist: Solange Tiere vor Menschen fliehen müssen, solange Blut und Angst Teil eines Hobbys sind, bleibt die Jagd ein Anachronismus, egal, wie „reguliert“ sie sich nennt.

Fazit: Wenn Flucht zur letzten Freiheit wird

Das Reh von Longpont überlebte, dank Zufall, Zivilcourage und öffentlicher Aufmerksamkeit. Doch es steht symbolisch für das, was täglich geschieht: Tiere, die fliehen, weil Menschen sich das Töten schönreden. „Reguliert“ ist hier nichts ausser der Ausrede.

Die Natur braucht keine Gewehre, um im Gleichgewicht zu bleiben, nur Ruhe vor denen, die glauben, sie kontrollieren zu müssen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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