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Hobby-Jäger erschiesst seltenes Albino-Reh

Ein Hobby-Jäger hat ein seltenes Albino-Reh erschossen. Der Abschuss des geschützten Tieres sorgt für Empörung bei Tierschutzorganisationen.

Redaktion Wild beim Wild · 26. Oktober 2022
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«Tarnkleid»

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Bei Häutligen im Kanton Bern konnte man bis vor kurzem einem weissen Reh begegnen.

Nun wurde das Tier von einem ausländischen Hobby-Jäger erschossen. Der Wildhüter ist ausser sich. 

Es lockte viele neugierige Wanderinnen und Wanderer an: Zwischen Konolfingen und Wichtrach lebte in den letzten Monaten ein seltenes Albino-Reh. Nun aber ist das schneeweisse Tier tot, wie die «Berner Zeitung» unter Berufung auf die Aussagen eines Lesers berichtet. Dieser stiess bei einem Waldspaziergang auf ein Auto mit dem Kennzeichen von Bosnien-Herzegowina. «Dann hetzte ein Hund über den Weg, es fiel ein Schuss, und ich konnte es nicht fassen», wird der Mann zitiert. Wenige Meter weiter lag das weisse Reh auf dem Boden – erschossen. Wutentbrannt habe er den Hobby-Jäger zur Rede gestellt, erzählt der Leser weiter. Dieser habe ihm in gebrochenem Deutsch erklärt, dass er über das nötige Patent verfüge und er in diesem Wald jagen dürfe. 

Laut Wildhüter Fritz Dürig anerkennt der Kanton Bern grundsätzlich die Jagdprüfung aus Bosnien-Herzegowina; mit dieser könnten hierzulande Jagdpatente oder entsprechende Gästekarten erworben werden. Auch wenn ein Albino-Reh juristisch gesehen ein Reh wie jedes andere sei, verurteilt Dürig den Abschuss scharf: «Der Mann hat jedes Feingefühl vermissen lassen und der Jägerwelt keinen Dienst erwiesen», sagt Dürig zur «Berner Zeitung». Bereits in der jagdlichen Ausbildung lerne man, dass ein Albino-Tier nicht geschossen werde – «aus Respekt vor dieser Laune der Natur». 

«Weisse Rehe sind eine grosse Seltenheit», sagt ein anderer Wildhüter. Das lässt sich am besten daran zeigen, dass in seinem Gebiet als Wildhüter erst ein einziges Vollalbino- und drei Teilalbino-Rehe aufgetaucht sind. Und das in 33 Jahren.

Vor den Hobby-Jägern müssen die weissen Rehe sich übrigens nicht fürchten. Denn das bringe eine grosse Portion Pech mit sich, sagt der Wildhüter: «In Jägerkreisen sagt man, dass man nur noch ein Jahr zu leben hat, wenn man ein weisses Reh schiesst.»

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Rolle und Kritik der Hobby-Jäger beleuchten wir Ausbildung, Macht und Selbstbild der Hobby-Jäger. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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