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Jagd

Diese Pervertierung hat mit der Jagd nichts zu tun

In der Sologne, einem malerischen Gebiet in Frankreich, haben sich vorwiegend reiche Industriellen und Manager der französischen Unternehmen die Jagdgebiete und Wälder angeeignet.

Redaktion Wild beim Wild — 3. Februar 2025

Jean-Baptiste Forray untersucht in seinem Buch «Les Nouveaux seigneurs» die Verknüpfung von Macht, Reichtum und Hobby-Jagd, die in der Region einen elitären und gewissermassen geschlossenen Kreis bildet.

Im Topmanagement von Axa werden neue Mitarbeiter gefragt: «Gehen Sie jagen?» Sie verstehen zügig, dass es besser ist, ja zu sagen. Für einige grosse Chefs ist die Hobby-Jagd neben den Hochschulen und der Freimaurerei eines der drei grossen Netzwerke, die zählen.

Eliten und ihre Jagdschlösser in der Sologne

In der zwei Stunden von Paris entfernten Sologne, einem Land der Wälder und Teiche, gibt es zahlreiche Schlösser und Herrenhäuser, die sich in den Händen von Baronen aus der Industrie, dem Showbusiness und dem Luxus befinden. Im Herbst laden die Bouygues, Dassaults, Wertheimers, Seydoux und Tranchants Politiker und Fernsehstars zur Hobby-Jagd auf Hirsche oder Wildschweine ein. Eine verzehrende Leidenschaft, die manchmal bis zum Exzess geht.

Um sich zu schützen, sind grosse Anwesen von 4’000 Kilometern Maschendrahtzaun umgeben, der die Wildtiere in die Falle lockt. Unter den Wachtürmen, dem Stacheldraht und den Überwachungskameras wird das Wild in Panik versetzt und zum Ziel von Tontaubenschiessen, ohne dass es ein Entkommen gibt. Ein klares Tierschutzproblem.

35’000 Wildenten pro Saison aufgezogen und abgeschossen

Im Herzen der Sologne liegt etwa ein grosses Privatgrundstück, wo an den Teichen pro Saison 35’000 Wildenten aufgezogen werden. Wenn dann eine Jagdgesellschaft anrückt, schiessen sie die Vögel mit halb automatischen Waffen ab. Auf 16 Teilnehmer kommen über 4’000 Enten und 15’000 Schuss Munition. Auch Wildschweine werden an solchen Wochenenden zu Hunderten erledigt.

In der Sologne quellen die Tiefkühltruhen über. Es existieren zahlreiche spezialisierte Verarbeiter und Restaurants, jedoch lässt sich der Konsum von Wild nicht endlos steigern. Das führt zu traurigen Vorfällen. Häufig landen geschossene Tiere in einem mit Kalk versiegelten Loch. Nach einem Jagdwochenende finden sich an den Raststätten in Richtung Paris immer wieder Fasane und andere Wildvögel im Mülleimer.

Hobby-Jagd als «Pornojagd» kritisiert

Die Hobby-Jagd ist nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt für die Superreichen. Gleichzeitig kritisieren Anwohner und traditionelle Hobby-Jäger die übermässige Privatisierung und Kommerzialisierung der Hobby-Jagd, die mittlerweile in einer Art «Pornojagd» mündet. Die Zäune, die das Wild einsperren, sind ein Symbol für Macht und Exklusivität. Auch die Psychologie der Hobby-Jagd spielt hier eine zentrale Rolle.

Auf einem dieser Anwesen, das zum Vermögen eines grossen französischen Industriellen gehört, zahlt man für drei Jagdtage mit Führer 14’800 €. Das ist allerdings der Preis ohne Unterkunft. Die kommt noch obendrauf. Je nachdem, was man sich so wünscht.

Das Wild kann sich wegen der Zäune nicht mehr frei bewegen. Die gewisse Chancengleichheit, bei der das Tier ja wenigstens theoretisch seinem Hobby-Jäger entkommen könnte, ist also dahin. Ausserdem verstossen die Zäune gegen die Errungenschaft der Französischen Revolution, nach der das Wild eben nicht mehr dem Adel, sondern allen gehört. Auf dem Privatgelände gelten Sonderregeln: Die Besitzer können jagen, wann sie wollen, ohne saisonale Einschränkungen. Leute aus der Region erzählen auch, wie die Wildtiere angefüttert werden. Majestätische Hirsche oder Rehe stehen hinter den Zäunen wie Kühe, sie sind ganz offensichtlich an Menschen gewöhnt. Wildschweine fressen Mais, der ihnen serviert wird. All das bricht mit grundlegenden Prinzipien. Die Hobby-Jagd scheitert als Populationskontrolle auf ganzer Linie.

Hobby-Jäger, Umweltschützer und Einheimische wehren sich. Die Sologne, die lange Zeit im Schatten der Mächtigen stand, träumt nun laut von der Abschaffung der Privilegien. Der Protest gegen diese Entwicklung hat zu neuen Gesetzen geführt, die bis 2027 Änderungen wie den Abbau der Zäune fordern.

Das Buch «Les Nouveaux Seigneurs» lüftet den Schleier über den Separatismus der Ultrareichen vor dem Hintergrund des Tierleids.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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