Das Wallis steht seit Jahren in der Schweiz – neben Graubünden – als Skandalkanton in der Kritik, geprägt von Vorwürfen von Filz, mafiösen Strukturen und Vetternwirtschaft.
Die Bilanz 2025/2026 listet auf, wie viele Wölfe identifiziert und wie viele «reguliert» wurden.
Vom 1. September 2025 bis zum 31. Januar 2026 24 Wölfe massakriert. Im Kanton Graubünden wurde 2025 bei 35 Wölfen ein Blutbad veranstaltet.
Hinter diesen Zahlen stehen Familienverbände, die gezielt zerstört werden, und Jungtiere, die als austauschbare Bestandsziffern behandelt werden. Wenn ein Kanton gleich mehrere Rudel vollständig zur Abschussfreigabe ausruft und parallel dazu in weiteren Rudeln systematisch Jungtiere schiessen lässt, ist das kein Management, sondern eine Kampagne zur Schwächung und Zerschlagung der Population.
Dass gleichzeitig von «Koexistenz» und «Druckentlastung» die Rede ist, wirkt zynisch. Ein System, das ausgerechnet die jüngsten und verletzlichsten Tiere zum regulären Ziel erklärt, verabschiedet sich von jedem Anspruch, Wildtiere als fühlende Lebewesen zu betrachten. Die Behörde zählt erlegte Wölfe, als würde es sich um Lagerbestände handeln, nicht um soziale, lernende Individuen in komplexen Rudelstrukturen.
Jungtiere als Hauptopfer – Ethik auf den Kopf gestellt
Besonders verstörend ist, dass Jungtiere nicht nur in problematischen Rudeln mit wiederholten Rissen getroffen werden, sondern im Rahmen einer «Basisregulierung» auch in Rudeln, die keine gravierenden Schäden verursacht haben. Damit werden junge Wölfe getötet, bevor sie überhaupt die Chance hatten, zu lernen, wie ihr Rudel mit Nutztieren und Landschaft umgeht. Genau diese Lernprozesse sind jedoch entscheidend, damit Konflikte langfristig abnehmen.
Eine Ethik, die ihren Namen verdient, würde Jungtiere als rote Linie definieren: Wer sich an ihnen vergeht, verletzt nicht nur das Individuum, sondern die Zukunft der ganzen Population. Die Walliser Praxis kehrt dieses Prinzip um: Jungtiere werden zur bevorzugten Zielgruppe, weil sie sich am einfachsten treffen lassen und statistisch schnell «Erfolg» liefern. Hier von Regulierung zu sprechen, verschleiert, dass das Fundament jeder moralischen Verantwortung – Schutz der Schwächsten – bewusst ignoriert wird.
Professionalisierte Jagdstrukturen im Dienst des Abschusses
Mit Berufswildhütern und Hobby-Jagdgruppen schafft der Kanton eine jagdzentrierte Infrastruktur, deren Hauptaufgabe nicht der Schutz, sondern der effiziente Abschuss ist. Wenn staatliche Stellen Hobby-Jäger zur «Unterstützungstruppe» aufwerten, einseitig auf den Abschuss ausgerichtet ausbilden und öffentlich loben, verschmelzen hoheitlicher Auftrag und Hobby-Jagd zu einer Allianz mit einem gemeinsamen Ziel: Möglichst viele Wölfe zu töten, möglichst reibungslos, möglichst geräuschlos.
Die Sprache im offiziellen Bericht von «Entnahmen», «Basisregulierung» und «vollständiger Umsetzung» dient als technokratische Tarnung dieser Realität. Hinter jedem dieser Worte steht ein getötetes Tier, oft ein Jungtier, und ein Rudel, dessen soziale Struktur zerstört wird. Die Normalisierung dieser Praxis ist gefährlich: Was heute als Ausnahme begründet wird, etabliert sich morgen als Standard.
Bürokratisierte Koexistenz als Feigenblatt
Bemerkenswert ist die Zahl von 13’390 Arbeitsstunden, die 2025 in Wolfsmanagement und -regulierung geflossen sind, gegenüber 16’400 Stunden im Jahr 2024. Parallel wurden im Rahmen der Programmvereinbarung 2025–2028 des Bundes 3,2 Vollzeitstellen zur Unterstützung der Dienststelle geschaffen. Rechnet man mit konservativen Vollkosten von 60 bis 80 Franken pro Stunde, verschlingt das Wolfsmassaker im Wallis allein 2025 zwischen 0,8 und gut 1 Million Franken Steuergelder, ohne dass der Kanton diese Summe in seiner Bilanz transparent ausweist. Der Abschuss eines Wolfes kostet den Steuerzahler in der Schweiz immer rund 35’000 Franken. In einem Kanton, in dem Filz, Vetternwirtschaft und Mafia‑Vorwürfe inzwischen zum politischen Markenzeichen geworden sind, überrascht es kaum, dass auch beim Wolf Transparenz und Ethik hintanstehen. Der administrative Apparat wächst, die Regulierung wird professionalisiert, doch die zentrale Frage bleibt: Arbeiten diese Stellen an langfristigen Lösungen im Herdenschutz, an Kommunikation und Konfliktprävention oder hauptsächlich an Dossiers, Bewilligungen und Abschussorganisation? Die Bilanz legt den Schwerpunkt klar auf Letzteres.
Der bürokratische Aufwand dient vor allem dazu, das Massaker zu organisieren, zu dokumentieren und gegenüber Öffentlichkeit und Politik zu rechtfertigen. «Koexistenz» wird zur Floskel, die jedes Jahr mit neuen Abschusszahlen gefüllt wird.
Statt konsequent in Herdenschutz, Weideführung, Beratung und strukturelle Anpassungen zu investieren, wird der Wolf zum Problembär gemacht, der mit administrativ präzise geplanten Schüssen «unter Kontrolle» gehalten werden soll. Die eigentlichen Fragen, welche Landwirtschaft wir im steilen Berggebiet fördern, wie Tierhaltung an Beutegreifer angepasst werden kann und wie viel Hobby-Jagd in einem modernen Rechtsstaat Platz hat, bleiben unbeantwortet.
Ein politisches Massaker, kein Naturmanagement
Am Ende steht ein Befund, der sich nicht weichzeichnen lässt: Wenn ganze Rudel ausgelöscht, Jungtiere planmässig getötet und Abschusszahlen als Erfolgsmeldung präsentiert werden, handelt es sich nicht um proaktive Regulierung, sondern um ein politisch gewolltes Massaker. Der Wolf wird zur Projektionsfläche für ungelöste Strukturprobleme der Berglandwirtschaft und zur Zielscheibe einer Jagdpolitik, die wissenschaftliche und ethische Mindeststandards unterläuft.
Weder die Rolle von Direktzahlungen und Standortpolitik noch die Verantwortung der Bewirtschaftungsformen für Konflikte mit Beutegreifern werden diskutiert: Der Wolf übernimmt die Rolle des Sündenbocks, den man mit technischem Vokabular («Basisregulierung», «vollständige Umsetzung») aus dem System rechnet.
Ein wirklich zeitgemässer Umgang mit Beutegreifern müsste genau umgekehrt aussehen: maximaler Schutz für Jungtiere, Rudelstrukturen als zentrale Ressource für konfliktarme Koexistenz, Herdenschutz und Bewirtschaftung im Fokus und eine klare Begrenzung jagdlicher Macht. Alles andere ist keine Ethik, sondern die Legitimierung von Gewalt gegenüber den Verletzlichsten.
Aus jagdkritischer Sicht zeigt diese Bilanz, wie die Logik der Jagd in den staatlichen Umgang mit Wildtieren einsickert: Wildtiere werden zu Beständen, Konflikte zu Dossiers, Regulierung zu Abschussplänen. Eine echte Debatte über Koexistenz im Alpenraum müsste dagegen bei der Frage ansetzen, welche Landwirtschaft wir fördern wollen, welchen ökologischen Wert wir Beutegreifer zugestehen und wie viel Hobby-Jagd eine moderne Gesellschaft, die sich auf Wissenschaft und Tierschutz beruft, überhaupt noch akzeptieren will.
In dieser Gesamtschau ist es gut vertretbar, zu schreiben, dass aus dem Wallis seit Jahren überproportional viele schlechte Nachrichten kommen, von Baupfusch bis Hochwasserschutz, und sich ein Muster zeigt: mangelnde Verantwortung, Filz, verschleppte oder verpfuschte Infrastruktur- und Schutzprojekte, während gleichzeitig beim Wolf mit grosser Härte durchregiert wird.
Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/







