2. April 2026, 07:34

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Murmeltier Schweiz: Eiszeitrelikt und Massenabschuss

Das Alpenmurmeltier ist ein Überlebenskünstler der Eiszeit und das drittgrösste Nagetier Europas. Es lebt in Familienverbänden, hält bis zu sieben Monate Winterschlaf und warnt seine Kolonie mit schrillen Pfiffen vor Gefahren. Touristinnen und Touristen lieben es. Die Hobby-Jägerschaft schiesst es zu Tausenden: Allein im Kanton Graubünden werden jährlich 3’000 bis 6’000 Murmeltiere erlegt. Schweizweit sind es rund 5’000 bis 8’000 Tiere. Der Klimawandel setzt dem Hochgebirgsbewohner bereits messbar zu. Dennoch darf jede Hobby-Jägerin und jeder Hobby-Jäger während der Hochjagd bis zu acht Murmeltiere schiessen, mit Spezialbewilligung sogar 20 weitere.

Steckbrief

Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota), in der Schweiz auch «Mungg» oder «Murmunda» genannt, gehört zur Familie der Hörnchen (Sciuridae) und ist nach dem Biber und dem Stachelschwein das drittgrösste Nagetier Europas. Es erreicht eine Körperlänge von 40 bis 60 Zentimetern (ohne Schwanz) und ein Gewicht von 3 bis 8 Kilogramm, wobei das Gewicht zwischen Sommer und Winter um bis zu 50 Prozent schwankt. Im Herbst, vor dem Winterschlaf, wiegen ausgewachsene Tiere am meisten. Das Fell ist oberseits graubraun bis gelbbraun, die Unterseite heller. Das Murmeltier hat kräftige Grabpfoten, kurze Ohren und grosse, dunkle Augen.

Biologie und Sozialstruktur

Das Murmeltier ist eines der sozialsten Nagetiere der Alpen. Es lebt in Familienverbänden von bis zu 20 Individuen, bestehend aus einem dominanten Elternpaar, den Jungtieren des laufenden Jahres und den Nachkommen der Vorjahre (Wikipedia, Alpenmurmeltier). Die Jungtiere werden erst im dritten Jahr geschlechtsreif und bleiben bis dahin, manchmal auch länger, im Familienverband. Dieser Zusammenhalt hat einen lebenswichtigen Grund: Im Winterschlaf wärmen sich die Familienmitglieder gegenseitig, was den Energieverbrauch senkt und die Überlebenschance erhöht. Einzeltiere oder kleine Gruppen haben deutlich geringere Überlebensraten.

Murmeltiere sind ausschliesslich tagaktiv. Sie können nachts nicht sehen und sind daher auf die Tageslichtstunden für die Nahrungsaufnahme angewiesen. Bei Gefahr warnen sie ihre Kolonie mit einem durchdringenden Pfiff. Bei Bedrohung aus der Luft (Steinadler) ertönt ein einzelner, langer Pfiff; bei bodengebundenen Gefahren (Fuchs, Mensch) eine Serie kurzer Pfiffe (Wikipedia, Alpenmurmeltier).

Der Winterschlaf: Sechs bis sieben Monate auf Sparflamme

Der Winterschlaf des Murmeltiers ist eine der extremen physiologischen Leistungen unter den europäischen Säugetieren. Von Ende September bis März oder April verharren die Tiere in ihren bis zu sieben Meter tiefen Winterbauen. Die Körpertemperatur sinkt von 39 auf rund 7 Grad Celsius, der Herzschlag fällt von 100 auf 2 bis 3 Schläge pro Minute, und die Atempausen dehnen sich auf mehrere Minuten aus (SAC, Fatale Siesta). Die Tiere verlieren in dieser Zeit bis zu 50 Prozent ihres Körpergewichts. Vor dem Einschlafen verschliessen sie alle Zugänge ihres Baus von innen mit Erde, Steinen und Nistmaterial.

Diese Überlebensstrategie funktioniert nur, wenn die Tiere im Sommer ausreichend Fettreserven anlegen können. Genau hier wird der Klimawandel zum Problem.

Nahrung

Murmeltiere sind fast ausschliesslich Vegetarier. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blüten, Blätter, Wurzeln und Samen. Bevorzugte Nahrungspflanzen sind Alpenklee (Trifolium alpinum) und Alpen-Mutterwurz (Ligusticum mutellina), die besonders reich an Omega-6-Fettsäuren sind. Professor Walter Arnold von der Vetmeduni Wien hat nachgewiesen, dass Murmeltiere aus diesen Pflanzen ein spezielles Speicherfett bilden, das ihnen erlaubt, während des Winterschlafs tiefere Körpertemperaturen zu tolerieren und weniger Gewicht zu verlieren (SAC, Fatale Siesta). Pro Tag müssen sie rund 500 Gramm Nahrung aufnehmen, etwa 10 Prozent ihres Körpergewichts. Das Zeitfenster dafür ist kurz: Nur fünf Monate im Jahr stehen für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung.

Lebensraum: Ein Hochgebirge unter Druck

Eiszeitrelikt in schrumpfendem Habitat

Das Murmeltier ist ein typisches Eiszeitrelikt. Während des Pleistozäns bewohnte es das europäische Tiefland. Mit der Erwärmung nach der letzten Eiszeit zog es sich in die Hochlagen der Alpen zurück. Heute lebt es auf alpinen Rasenflächen zwischen rund 1’400 und 3’000 Metern Höhe, mindestens 400 Meter oberhalb der Baumgrenze (SAC, Fatale Siesta; Wikipedia). Im Kanton Graubünden, dem Hauptlebensraum des Murmeltiers in der Schweiz, stehen rund 3’000 Quadratkilometer alpiner Rasenfläche zur Verfügung (Südostschweiz, 2017).

Der Klimawandel als existenzielle Bedrohung

Der Klimawandel trifft das Murmeltier auf doppelte Weise. Erstens: Sommerhitze. Murmeltiere haben keine Schweissdrüsen und geraten bereits bei Temperaturen ab 20 Grad Celsius in Hitzestress (SAC, Fatale Siesta; Spektrum der Wissenschaft, 2024). An heissen Tagen bleiben sie immer länger in ihren kühlen Bauen, was die verfügbare Fresszeit verkürzt. Die Folge: geringere Fettreserven vor dem Winterschlaf. Weniger Fett bedeutet ein höheres Risiko, den sechsmonatigen Winterschlaf nicht zu überleben.

Zweitens: fehlende Schneeisolation. Die Schneefallperiode in den Alpen hat sich verschoben. Früher war eine geschlossene Schneedecke ab November die Regel. Heute bleibt der Boden oft bis zum Jahreswechsel schneefrei. Boden ohne isolierende Schneedecke kühlt rascher aus. Die Murmeltiere im tiefen Winterschlaf müssen dann mehr Körperwärme produzieren, was zusätzliche Energie und Fettreserven kostet (Spektrum der Wissenschaft, 2024; Der Pragmaticus, 2024).

Professor Walter Arnold, der Murmeltiere im Avers (GR) seit Jahren untersucht, hat festgestellt, dass die Tiere hitzebedingt vor dem Winterschlaf immer weniger Fettreserven anlegen (SAC, Fatale Siesta). Der Österreichische Tierschutzverein warnt: «Alpenmurmeltiere können sich immer schlechter an Umweltveränderungen anpassen. Ein Tier, das bereits ums Überleben kämpft, darf nicht zusätzlich unter Freizeitjagd leiden» (Österreichischer Tierschutzverein, 2026).

Studien der Vetmeduni Wien zeigen zudem, dass das Alpenmurmeltier als Eiszeitrelikt eine sehr geringe genetische Vielfalt aufweist. Isolierte Populationen sind anfälliger für Krankheiten und können sich schlechter an Umweltveränderungen anpassen (Tierschutzverein Österreich, 2026).

Mehr dazu: Dossier: Jagd und Biodiversität

Die Bejagung: Massenabschuss als Tradition

Rechtliche Lage

Das Murmeltier ist nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 1) eine jagdbare Art. Es wird hauptsächlich während der Hochjagd in den Patentjagd-Kantonen bejagt. Die Schonzeit erstreckt sich in den meisten Kantonen auf die Wintermonate und die Fortpflanzungszeit. In Graubünden darf jede Hobby-Jägerin und jeder Hobby-Jäger während der 21-tägigen Hochjagd 8 Murmeltiere erlegen. Mit einer Spezialbewilligung, die bei hohem Bestand lokal erteilt wird, kommen weitere 20 Tiere hinzu (Südostschweiz, 2017). In Deutschland ist das Murmeltier zwar jagdbar, hat aber eine ganzjährige Schonzeit und wird faktisch nicht bejagt.

Die Dimension des Abschusses

Die Abschusszahlen des Murmeltiers in der Schweiz sind aussergewöhnlich hoch. BirdLife Schweiz nannte für ein Jahr 5’735 erlegte Murmeltiere und kommentierte: «Weshalb 5’735 Murmeltiere geschossen werden, ist wenig verständlich» (BirdLife Schweiz, Jagdstatistik). Gemäss Wikipedia lag die schweizweite Jagdstrecke 2009 bei 8’300 Tieren und sank bis 2015 auf 5’100. Den Hauptanteil (72 Prozent) macht der Kanton Graubünden mit jährlich rund 4’300 erlegten Tieren aus (Wikipedia, Alpenmurmeltier). Hinzu kommen rund 500 Tiere, die allein in Graubünden von der Wildhut geschossen werden (Südostschweiz, 2017). Im Wallis werden jährlich rund 600 Murmeltiere erlegt.

In Kriegszeiten wurden in Graubünden bis zu 12’000 Murmeltiere pro Jahr geschossen. Diese historische Dimension zeigt, dass die Murmeltierjagd ihren Ursprung in der Nahrungsbeschaffung in Notzeiten hat. Diese Notzeiten sind vorbei. Heute wird das Murmeltier aus Tradition und als Freizeitvergnügen bejagt.

Kein vernünftiger Grund

Das Murmeltier verursacht im engeren Sinne keine Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Es lebt oberhalb der Baumgrenze, wo weder Ackerbau noch Obstbau stattfinden. Der einzige regelmässig genannte Konflikt betrifft Alpweiden: Lämmer können in Murmeltierbaue fallen und sich die Beine brechen, Bauern straucheln über die Löcher. Im Wallis wurden Einzelfälle dokumentiert, in denen Landwirte Murmeltierbaue ausräucherten und zuschütteten (Südostschweiz, 2017). Diese Konflikte sind real, aber lokal begrenzt und mit einfachen Massnahmen (Markierung der Baue, Umzäunung kritischer Stellen) zu lösen.

Dass jährlich Tausende Murmeltiere geschossen werden, weil vereinzelt Lämmer in Baue fallen, ist unverhältnismässig. Die Murmeltierjagd ist keine Schadenverhütung, sondern Folklorejagd im Hochgebirge, vergleichbar mit der Schneehase- und Schneehuhn-Jagd.

Mehr dazu: Dossier: Jagdmythen

Ökologische Bedeutung: Schlüsselart der alpinen Ökosysteme

Nahrungsgrundlage für den Steinadler

Das Murmeltier ist die wichtigste Beutetierart des Steinadlers in den Alpen. Ein einzelnes Steinadlerpaar schlägt während der Brutsaison bis zu 70 Murmeltiere; diese machen bis zu 80 Prozent der Beute aus (Wikipedia, Alpenmurmeltier). Ohne Murmeltiere wäre der Steinadler in weiten Teilen der Alpen nicht überlebensfähig. Auch Kolkrabe, Baummarder und Rotfuchs erbeuten Jungtiere. Das Murmeltier ist damit eine Schlüsselart, die eine ganze Kette von Beutegreifern im alpinen Ökosystem ernährt.

Ökosystem-Ingenieur

Die Grabtätigkeit des Murmeltiers hat weitreichende Auswirkungen auf die alpine Landschaft. Seine ausgedehnten Bauanlagen belüften den Boden, fördern die Durchmischung von Bodenschichten und schaffen Mikrohabitate für Insekten, Reptilien und Pflanzen. Der Auswurf aus den Bauen bildet kleine Hügel, die als Wärmespeicher und Keimstellen für Pionierpflanzen dienen. Verlassene Baue werden von anderen Arten als Unterschlupf genutzt. Das Murmeltier ist damit ein Ökosystem-Ingenieur, dessen Aktivität die alpine Biodiversität fördert.

Was sich ändern müsste

  • Drastische Reduktion der Abschusszahlen: Jährlich 5’000 bis 8’000 Murmeltiere zu schiessen, ist angesichts des zunehmenden Klimadrucks nicht zu rechtfertigen. Die Abschussquoten pro Patent (8 Tiere plus 20 mit Spezialbewilligung) sind wildbiologisch nicht begründet. Die Kantone müssen die Abschusskontingente massiv senken und die Spezialbewilligungen abschaffen.
  • Wissenschaftsbasiertes Monitoring: Es gibt keine verlässlichen Gesamtbestandszahlen für das Murmeltier in der Schweiz. Die Hobby-Jägerschaft schiesst aus einem «undefinierten Bestand» (Südostschweiz, 2017). Ein nationales Monitoring auf Basis standardisierter Bauzählungen ist Voraussetzung für jede seriöse Jagdplanung.
  • Berücksichtigung des Klimawandels in der Jagdplanung: Die Abschusspläne müssen den zunehmenden Klimastress berücksichtigen. Wenn eine Art durch Hitzestress, verkürzte Fresszeiten und reduzierte Fettreserven bereits unter Druck steht, darf sie nicht zusätzlich durch Massenabschüsse dezimiert werden.
  • Schutz der Alpweiden vor Vergandung: Die Verwaldung aufgegebener Alpweiden reduziert den Lebensraum des Murmeltiers. Die alpine Weidewirtschaft muss erhalten und gefördert werden, nicht nur aus landwirtschaftlichen, sondern auch aus naturschutzfachlichen Gründen.
  • Einschränkung der Freizeitstörung: Wanderinnen und Wanderer, die Murmeltiere stören, verkürzen deren Fresszeit und reduzieren die Fettreserven. Wildruhegebiete in Murmeltierkerngebieten, verbunden mit Leinenpflicht für Hunde und Wegegeboten, sind dringend nötig.
  • Verbot von Murmeltier-Jagdreisen als Freizeitangebot: In Österreich werden organisierte Murmeltier-Jagdreisen als Erlebnisangebote vermarktet. Der Österreichische Tierschutzverein hält dies für «nicht verantwortbar». In der Schweiz darf eine solche Kommerzialisierung der Tötung von Wildtieren nicht Einzug halten.

Argumentarium

«Das Murmeltier ist nicht gefährdet und kann deshalb bejagt werden.» Dass eine Art aktuell nicht auf der Roten Liste steht, bedeutet nicht, dass ihre Bejagung sinnvoll oder notwendig ist. Der Klimawandel setzt dem Murmeltier messbar zu: reduzierte Fettreserven, verkürzte Fresszeiten, verschlechterte Schneeisolation im Winter. Studien der Vetmeduni Wien zeigen eine geringe genetische Vielfalt, die die Anpassungsfähigkeit einschränkt. Dass die Rote Liste das Murmeltier (noch) nicht als gefährdet einstuft, liegt am Fehlen aktueller Bestandsdaten, nicht an einer gesicherten Populationsstabilität.

«Die Murmeltierjagd hat in Graubünden Tradition.» Tradition ist kein Argument für Massenabschüsse. In Kriegszeiten wurden 12’000 Murmeltiere pro Jahr geschossen, weil die Bevölkerung Nahrung brauchte. Diese Notlage besteht seit über 80 Jahren nicht mehr. Heute werden Tausende von Murmeltieren geschossen, weil die Kontingente es erlauben. BirdLife Schweiz fragt zu Recht: «Weshalb werden 5’735 Murmeltiere geschossen?» Die Antwort ist: weil man es kann, nicht weil man es muss.

«Murmeltiere richten Schäden auf Alpweiden an, weil Lämmer in die Baue fallen.» Vereinzelte Vorfälle rechtfertigen keinen Massenabschuss von Tausenden Tieren über ganze Regionen hinweg. Die betroffenen Stellen können markiert, umzäunt oder gemieden werden. Das Murmeltier lebt seit der Eiszeit auf alpinen Rasen, lange bevor Schafe dort geweidet wurden. Sein Baurecht ist älter als jede Alpwirtschaft.

«Murmeltiere sind häufig, ein Abschuss von 5’000 bis 8’000 Tieren schadet dem Bestand nicht.» Niemand weiss, wie gross der Bestand tatsächlich ist. Der kantonale Jagdverwalter von Graubünden spricht selbst von einem «undefinierten Bestand». Ein Abschuss in dieser Grössenordnung ohne Bestandszahlen ist kein nachhaltiges Wildtiermanagement, sondern ein Blindflug. Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Sterblichkeit im Winterschlaf erhöht und die Reproduktionsrate senkt, was die kumulativen Effekte der Bejagung verstärkt.

«Das Murmeltier wird als Wildfleisch verwertet, der Abschuss hat also einen Zweck.» Die Verwertung als Wildfleisch ist bei einem kleinen Teil der Abschüsse der Fall, ändert aber nichts an der fehlenden wildbiologischen Notwendigkeit der Massenentnahme. Der Abschuss eines Tieres wird nicht dadurch gerechtfertigt, dass man es anschliessend isst. Der vernünftige Grund muss vor dem Abschuss bestehen, nicht danach.

Quicklinks

Beiträge auf Wild beim Wild:

Verwandte Dossiers

Quellenangaben

  • Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch (Abschussdaten Murmeltier)
  • Wikipedia: Alpenmurmeltier (Marmota marmota)
  • BirdLife Schweiz: Die aktuelle Jagdstatistik und das revidierte Jagdgesetz (birdlife.ch)
  • Südostschweiz (2017): Pro Jahr schiessen Bündner 3’000 bis 6’000 Murmeltiere
  • SAC Schweizer Alpen-Club: Fatale Siesta, Murmeltiere und Klimawandel (sac-cas.ch)
  • Spektrum der Wissenschaft (2024): Im Klimawandel wird es den Murmeltieren zu heiss
  • Der Pragmaticus (2024): Die letzten Sommer der Murmeltiere
  • Österreichischer Tierschutzverein (2026): Das Alpine Murmeltier, ein stiller Überlebenskünstler
  • Arnold, W. et al.: Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Vetmeduni Wien (Langzeitstudien Murmeltier Avers/GR)
  • EU-Forschungsprojekt ARC (2016): Adaptive responses to climate change, 22-jährige Studie an Murmeltieren
  • Stadtwildtiere Deutschland: Artporträt Alpenmurmeltier
  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)

Unser Anspruch

Das Murmeltier ist das Tier, das die Alpen lebendig macht. Sein Pfiff gehört zur Klangkulisse des Hochgebirges wie das Läuten der Kuhglocken. Es ist Touristenattraktion, Postkartenmotiv und Sympathieträger. Gleichzeitig wird es in der Schweiz zu Tausenden geschossen, Jahr für Jahr, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Im Kanton Graubünden darf eine einzelne Hobby-Jägerin oder ein einzelner Hobby-Jäger bis zu 28 Murmeltiere pro Jagdsaison erlegen. Diese Kontingente stammen aus einer Zeit, in der Murmeltiere der Nahrungsbeschaffung dienten. Heute sind sie das Relikt einer Folklorejagd, die weder wildbiologisch noch ethisch begründet ist. Der Klimawandel setzt dem Murmeltier bereits messbar zu. Die Hitze verkürzt seine Fresszeit, die fehlende Schneeisolation gefährdet seinen Winterschlaf, die genetische Verarmung reduziert seine Anpassungsfähigkeit. In dieser Situation Tausende Tiere pro Jahr zu schiessen, aus einem Bestand, den niemand zählt, ist das Gegenteil von Wildtiermanagement. Es ist Ressourcenverschwendung, getarnt als Tradition. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.