Wenn die Hobby-Jagd zur Gefahr für Haustiere wird
In der französischen Region Nièvre steht ein ungeheuerlicher Fall von Jagdtragödie vor Gericht: Eine 14-jährige Turnierstute, Altesse de la Serre, wurde tot auf einer Koppel aufgefunden, das Ergebnis eines Jagdgeschosses, das zunächst ein Wildschwein traf und danach durch die Schulter der Stute hindurchging und sie tödlich verwundete.
Fünf Hobby-Jäger stehen nun vor dem Strafgericht und müssen sich unter anderem wegen „Jagd auf fremdem Privatgrund ohne Zustimmung des Besitzers“ sowie „Jagd in Verletzung des gesetzlichen Jagdplans“ verantworten.
Der Schütze selbst wird zudem wegen „unfreiwilliger Verletzung des Lebens oder der körperlichen Unversehrtheit eines Haustiers“ angeklagt.
Die Tatsache, dass ein Projektil aus einer Jagdwaffe über ein Wildschwein hinweg eine gezielte Nutztierhaltung traf, zeigt das gravierende Risiko, das von der unkontrollierter Hobby-Jagd ausgeht. Für die Besitzerin war es ein Albtraum-Szenario: Die Pferdestute, ein national erfolgreiches Turnierpferd im Wert von rund 30’000 €, lag plötzlich tot in ihrem Gelände.
Die Hobby-Jagd wird oft als Freizeitvergnügen oder Tradition verkauft, doch dieser Fall reiht sich in eine Serie von Situationen ein, in denen der Schutz von Wildtieren, Nutztieren und Menschen eindeutig hinter den Interessen der Jagdgesellschaften zurücksteht. Eine Jägerfreigabe, einfach in nahezu beliebigem Gelände, erzeugt unverantwortliche Gefahren.
Dass fünf Hobby-Jäger überhaupt angeklagt werden, zeigt, dass hier ein kontrolliertes Eingreifen nötig war. Der Vorfall verdeutlicht: gesetzliche Regelungen reichen nicht aus, wenn sie nicht mit effektiver Überwachung und Konsequenzen verknüpft sind.
Was dieser Fall für die Jagd- und Tierschutzdebatte bedeutet
Für die Tierschutzbewegung, und insbesondere für kritische Stimmen der Jagdindustrie wie jene der IG Wild beim Wild, ist dieses Ereignis ein Mahnmal: Wenn schon Nutztiere nicht sicher sind, wie steht es dann um Wildtiere, die einer weit weniger geschützten Position unterliegen?
Wildtiere werden gezielt bejagt, doch der „Beifang“, also die unbeabsichtigte Betroffenheit von Haustieren, Nutztieren, Menschen, ist eine weitverbreitete Konsequenz. Diese Tragödie verdeutlicht, wie weit die Aushöhlung von Sicherheitsgrenzen durch Freizeitjagd bereits fortgeschritten ist.
Forderungen – und das müssen wir laut und deutlich sagen
- Sofortige Verschärfung der Sicherheitsregeln: Hobby-Jäger dürfen nicht in Wohn‐ oder Nutztiernähe so operieren wie in tiefen Wäldern. Mindestabstände, strengere Lizenzprüfungen und eine klare Haftungspflicht müssen gelten.
- Unabhängige Überwachung: Es reicht nicht, dass einzelne Hobby-Jäger oder Verbände Kontrollen durchführen. Eine staatlich unabhängige Instanz muss Jagdpraktiken, Unfallstatistiken und Schäden regelmässig veröffentlichen.
- Ersatzleistung und Haftung für Betroffene: Nutztiere, deren Leben oder Gesundheit durch Jagdgeschosse beeinträchtigt werden, müssen Anspruch auf Ersatz und Ausgleich haben. Ein 30’000 € Turnierpferd zeigt die Dimension.
- Weniger Jagdflächen – mehr Wildtier-Schutzräume: Freiheit für Hobby-Jäger darf nicht automatisch Einschränkung für Wildtierlebensräume und für Nutztierbetriebe bedeuten. Es muss Gebiete geben, in denen keine Jagd betrieben wird, um Sicherheit und Naturschutz zu gewährleisten.
Der Fall von Altesse de la Serre ist kein tragischer Einzelfall, er ist symptomatisch für ein System, das die Hobby-Jagd als Recht und Freizeit definiert, statt als privilegierte Ausnahme im Sinne einer nachhaltigen Wildtierverwaltung und eines echten Tierschutzes. Wenn bereits das wertvolle Haus- und Nutztier nicht sicher ist, wie viel Schutz bleibt dann für Wildtiere, deren Interessen in vielen Regionen ohnehin marginalisiert werden?
Dieser Fall verdeutlicht die Probleme des Zusammenlebens zwischen Hobby-Jägern und dem Rest der Gesellschaft, die völlig ignoriert werden. Ein Hobby-Jäger ist jemand, der eine Waffe trägt und der Definition nach eine Gefahr darstellt. Dennoch sehen wir jedes Jahr eine sehr hohe Anzahl von Jagdunfällen mit Opfern, darunter auch Hunderte Menschen.
Für die IG Wild beim Wild ist klar: Der Fokus muss verschoben werden, weg von der Jagd-Freizeitindustrie und hin zu einer konsequenten Verantwortung gegenüber Tieren aller Kategorien. Und auch dieser Fall muss Anlass sein, endlich konkret zu handeln.
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