2. April 2026, 06:47

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Dachs Schweiz: Ökosystem-Ingenieur im Fadenkreuz

Der Dachs ist der grösste Marderartige der Schweiz. Er lebt in Familiengruppen, gräbt komplexe Bauanlagen, belüftet den Waldboden und reguliert Insektenpopulationen. Trotzdem werden jedes Jahr rund 3’000 Dachse von der Hobby-Jägerschaft geschossen und über 3’500 weitere enden als Fallwild auf Schweizer Strassen. Ein Tier, das niemand verwerten will und das die Hobby-Jägerschaft selbst als «keine begehrte Trophäe» bezeichnet, wird weiterhin aus Gewohnheit getötet.

Steckbrief

Der Europäische Dachs (Meles meles) gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und ist deren grösster Vertreter in Mitteleuropa. Er erreicht eine Körperlänge von bis zu 90 Zentimetern (davon rund 15 Zentimeter Schwanz) und wiegt je nach Jahreszeit zwischen 10 und 18 Kilogramm. Im Herbst fressen sich Dachse eine mehrere Kilogramm schwere Fettschicht an, von der sie während der Winterruhe zehren. Sein markantestes Merkmal ist die schwarzweisse Gesichtszeichnung: Zwei breite, schwarze Streifen ziehen sich von der Nase über die Augen bis zu den Ohren. Die Oberseite des Körpers ist silbergrau, die Unterseite schwarz. Sein gedrungener Körperbau mit den kurzen, kräftigen Beinen und den langen Krallen an den Vorderpfoten verrät seine Lebensweise als Baumeister.

Biologie und Sozialstruktur

Der Dachs ist einer der sozialsten unter den Marderartigen. Er lebt in Familiengruppen, sogenannten Klans, die aus 2 bis 20 Tieren bestehen können und gemeinsam einen Bau bewohnen (Stadtwildtiere Schweiz). Dachspaare bleiben ein Leben lang zusammen. Im zeitigen Frühjahr wirft die Fähe (das Weibchen) meist 2 bis 3 Junge, selten bis zu 6. Die Jungen kommen blind und weiss zur Welt. Die schwarzen Gesichtsstreifen bilden sich erst in den späteren Lebensmonaten. Eine Besonderheit der Dachsbiologie ist die Keimruhe: Die befruchtete Eizelle nistet sich erst nach einer Verzögerung von mehreren Monaten in der Gebärmutter ein, so dass die Geburt immer ins Frühjahr fällt.

Die Population wächst langsam. Nach Bestandseinbrüchen, etwa durch Seuchen, braucht der Dachs viele Jahre zur Erholung. In freier Wildbahn werden Dachse selten älter als 10 Jahre; in Gefangenschaft können sie bis zu 15 Jahre alt werden.

Der Dachsbau: Ein Generationenprojekt

Die Bauanlagen des Dachses gehören zu den beeindruckendsten Tierbauten der Schweizer Fauna. Ein Dachsbau kann über Jahrzehnte, in manchen Fällen über Jahrhunderte benutzt und von jeder Generation erweitert werden. Ein in England untersuchter Bau umfasste 50 Kammern und 178 Eingänge, verbunden durch insgesamt 879 Meter Tunnel (Wikipedia, Europäischer Dachs). Die Baue reichen bis zu 5 Meter in die Tiefe. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs seinen Wohnkessel mit trockenem Laub, Moos oder Farnkraut aus und legt in einiger Entfernung eigene Latrinen an, um den Bau sauber zu halten (Waldwissen.net, Dachs im Kanton Luzern).

Diese Bauanlagen sind nicht nur für Dachse von Bedeutung. Füchse, Kaninchen und zahlreiche Insektenarten nutzen verlassene oder Nebenkammern von Dachsbauten als Unterschlupf. Der Dachs ist damit ein Ökosystem-Ingenieur, dessen Bautätigkeit anderen Arten zugutekommt.

Nahrung und ökologische Funktion

Der Dachs ist ein opportunistischer Allesfresser mit einer starken Vorliebe für Regenwürmer. Daneben frisst er Insekten, Larven (insbesondere Engerlinge), Schnecken, Mäuse, Früchte, Beeren, Nüsse und Feldfrüchte (Waldwissen.net, Kanton Aargau). Er ist kein aktiver Jäger, sondern ein Sammler, der den Boden wühlend und grabend nach Nahrung durchsucht. Rund drei Viertel seiner Gesamtnahrung besteht aus pflanzlichen Bestandteilen (Umweltberatung Luzern).

Die ökologische Funktion des Dachses wird in der öffentlichen Debatte systematisch ausgeblendet. Durch seine Grabtätigkeit belüftet er den Waldboden, fördert die Durchmischung von Bodenschichten und trägt zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Als Vertilger von Engerlingen, Mäusen und Schnecken wirkt er als natürlicher Schädlingsregulator in der Land- und Forstwirtschaft. Sein Nutzen für das Ökosystem ist erheblich, wird aber nie in die Kosten-Nutzen-Rechnung der Hobby-Jagd einbezogen.

Die Bejagung: Tradition ohne Begründung

Rechtliche Lage

Der Dachs ist nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 2) eine jagdbare Art. Er wird der sogenannten Niederjagd zugerechnet, zusammen mit dem Rotfuchs, dem Stein- und dem Baummarder. Die Jagdzeit wird von den Kantonen festgesetzt und variiert stark. In manchen Kantonen wird der Dachs bis zu 6 Monate im Jahr bejagt (Eidgenössische Jagdstatistik). Die Schonzeit während der Jungenaufzucht dauert in der Regel vom 16. Januar bis zum 15. Juni, doch auch hier gibt es kantonale Abweichungen.

Die Dimension des Abschusses

Gemäss Eidgenössischer Jagdstatistik werden in der Schweiz jährlich rund 3’000 Dachse erlegt. Hinzu kommen über 3’500 Dachse, die als Fallwild registriert werden, hauptsächlich Verkehrsopfer (Jagdstatistik, Wildtier Schweiz/BAFU). Die Gesamtmortalität durch menschliche Einwirkung liegt damit bei über 6’500 Tieren pro Jahr. Die Hobby-Jagd ist damit nach dem Strassenverkehr die zweithäufigste Todesursache des Dachses in der Schweiz.

Besonders auffällig: In einzelnen Kantonen explodieren die Abschusszahlen periodisch. Im Kanton Baselland stiegen die Abschüsse in kurzer Zeit von einem langjährigen Durchschnitt von 80 bis 200 Tieren auf über 350 Tiere pro Jahr (BZ Basel, 2017). Der kantonale Jagdverwalter erklärte dazu: «Wie viele Dachse erlegt werden, liegt im Engagement der Jäger», und räumte ein, dass Dachse «keine begehrte Trophäe» seien und «nicht verwertet werden» könnten. Sie landeten «im Normalfall vollständig in der Kadaversammelstelle» (BZ Basel, 2017). Im Kanton Graubünden zahlte die Gemeinde Laax eine Kopfgeldprämie von 40 Franken für jeden erlegten Dachs (IG Wild beim Wild, 2020).

Im Kanton Genf, wo seit 1974 die Hobby-Jagd abgeschafft ist, wurden im Jagdjahr 2022/23 lediglich 4 Dachse durch professionelle Wildhüterinnen und Wildhüter erlegt (IG Wild beim Wild, Jagdstatistik 2022). Im Kanton Schaffhausen mit seinen 805 Hobby-Jägern waren es im gleichen Zeitraum 109 Dachse. Dieses Verhältnis zeigt exemplarisch: Der Dachs wird nicht erschossen, weil es nötig ist, sondern weil er sich zufällig im Revier befindet und die Hobby-Jägerschaft nach Abschüssen sucht.

Jagdmethoden und Tierschutz

Die Dachsjagd erfolgt in der Schweiz überwiegend als Ansitzjagd am Bau in der späten Dämmerung und in der Nacht. In einigen Kantonen ist auch die Nachtjagd auf Dachse erlaubt. Der Kanton Zürich hat eine Nachtjagd auf Füchse und Dachse eingeführt. In manchen Revieren werden Dachse nach wie vor mit Bauhunden (Dackeln, Terriern) bejagt, die in den Bau geschickt werden, um die Tiere herauszutreiben. Der Schweizer Tierschutz STS fordert ein gesamtschweizerisches Verbot der Baujagd, da sie für beide beteiligten Tierarten mit extremer Angst verbunden sei und den Tatbestand der Tierquälerei erfülle (STS, Jagd in der Schweiz).

Der Bau ist für den Dachs ein Rückzugsort, in den unter natürlichen Bedingungen keine Feinde eindringen. Die Baujagd zerstört dieses elementare Sicherheitsbedürfnis. Dass Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger Hunde in den Bau eines wehrhaften, bis zu 18 Kilogramm schweren Tieres schicken, ist ethisch nicht zu rechtfertigen und führt regelmässig zu schweren Bissverletzungen bei den eingesetzten Hunden.

Mehr dazu: Tierschutzproblem: Wildtiere verenden qualvoll wegen Hobby-Jäger

Die Tollwut-Geschichte: Wie der Dachs zum Kollateralschaden wurde

Begasung und Bestandszusammenbruch

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde der Dachsbestand in der Schweiz massiv dezimiert, nicht weil er selbst an Tollwut erkrankt war, sondern weil er in denselben Bauen lebte wie der Rotfuchs, der als Hauptüberträger der Tollwut galt. Im Rahmen der Tollwutbekämpfung wurden Fuchsbaue mit Gas behandelt. Da Dachs und Fuchs häufig gemeinsame Bauanlagen nutzen, starben die Dachse als Kollateralschaden in grosser Zahl (Kanton Aargau, Umweltberatung Luzern).

Die Tollwut gilt in der Schweiz seit 1999 als ausgerottet. Besiegt wurde sie nicht durch die Begasung und nicht durch die Hobby-Jagd, sondern durch tierfreundliche Impfköder, die grossflächig ausgelegt wurden. Die schweizerische Tollwutzentrale hat ausdrücklich festgehalten, dass eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen zur Tollwutbekämpfung nicht möglich und sogar kontraproduktiv ist (IG Wild beim Wild, 2020). Der Dachs zahlte also einen hohen Preis für eine Bekämpfungsstrategie, die sich als falsch erwies.

Die Erholung

Nach dem Zusammenbruch durch die Tollwutbekämpfung hat sich der Dachsbestand in den letzten Jahrzehnten langsam erholt. Die steigende Jagdstrecke und die zunehmende Zahl überfahrener Dachse deuten auf einen Bestandsanstieg hin (Kanton Aargau). Eine exakte Bestandszählung ist beim Dachs aufgrund seiner nächtlichen Lebensweise nicht möglich. Dass die Hobby-Jägerschaft den Bestandsanstieg nun als Rechtfertigung für steigende Abschüsse nutzt, ist zynisch: Sie hat ihn durch die Begasung erst dezimiert und will ihn nun, da er sich erholt hat, erneut bejagen.

Das Schadenargument: Aufgebauscht und unverhältnismässig

Landwirtschaftliche Schäden

Das Hauptargument für die Dachsjagd lautet: Der Dachs verursacht Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere an Mais, Weintrauben und Beerenkulturen. Zudem wühlt er in Gärten und kann durch seine Grabtätigkeit Böschungen oder Hanglagen destabilisieren. Diese Schäden sind real, aber in ihrem Ausmass bescheiden und lokal begrenzt.

Der Kanton Aargau hält fest, dass der Dachs «ähnlich wie Wildschweine» Wildschäden anrichten könne. Doch der Vergleich mit dem Wildschwein ist irreführend: Während Wildschweine grossflächig Äcker umpflügen können, beschränken sich die Dachsschäden auf kleinräumiges Wühlen und punktuellen Frass. Ein Dachs entfernt sich bei seinen nächtlichen Streifzügen selten mehr als 1’600 Meter von seinem Bau (Waldwissen.net, Dachs im Kanton Luzern). Seine Schäden sind damit örtlich klar eingrenzbar und mit einfachen, tierfreundlichen Mitteln zu verhindern.

Tierfreundliche Alternativen

Bodennahe, zweilitzige Elektrozäune um Mais- oder Beerenfelder halten Dachse zuverlässig fern. Diese Schutzmassnahme ist kostengünstig, sofort wirksam und macht den Abschuss überflüssig. Weitere Vergrämungsmittel wie Geruchsstoffe, Lichtblitze oder Bewegungssensoren können im Siedlungsgebiet eingesetzt werden. Dass die Hobby-Jägerschaft dennoch den Abschuss als erste und häufig einzige Massnahme propagiert, liegt nicht an fehlenden Alternativen, sondern am Selbstverständnis einer Jagdkultur, die in der Tötung von Tieren die Standardlösung für jedes Problem sieht.

Was das Schadenargument verschweigt

Die ökonomischen Schäden durch Dachse stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten und dem Leid, das die Bejagung verursacht. Der ökologische Nutzen des Dachses als Bodenbelüfter, Samenverbreiter und natürlicher Schädlingsregulator wird in keiner kantonalen Schadensberechnung berücksichtigt. Wenn ein Dachs Engerlinge und Mäuse vertilgt, spart das der Landwirtschaft Kosten für Pflanzenschutzmittel. Wenn er den Waldboden durchgräbt und belüftet, profitiert die Waldverjüngung. Diese positiven Leistungen werden nie bilanziert, weil sie das Narrativ des «Schadenstifters» untergraben würden.

Mehr dazu: Warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert

Der Dachs und seine Beutegreifer: Natürliche Feinde statt Flintenschüsse

Die einzigen natürlichen Feinde des Dachses sind Wolf, Luchs, Braunbär und der Mensch (Umweltberatung Luzern). In weiten Teilen der Schweiz fehlen die drei erstgenannten nach wie vor. Die Rückkehr des Wolfes könnte langfristig auch die Dachspopulationen auf natürliche Weise mitregulieren, doch der Dachs steht nicht im Fokus der Wolfsbeute. Sein Hauptfeind ist und bleibt der Strassenverkehr: Über 3’500 Dachse sterben jährlich auf Schweizer Strassen.

Die Fragmentierung der Landschaft durch Strassen und Siedlungen ist für den Dachs eine grössere Bedrohung als jeder landwirtschaftliche Konflikt. Jungtiere, die auf der Suche nach einem eigenen Revier Strassen überqueren, sind besonders gefährdet. Wildtierkorridore und Unterführungen, wie sie für Rothirsche geplant werden, nützen auch dem Dachs, werden aber in den Wildtiermanagement-Konzepten selten für kleinere Arten mitgedacht.

Mehr dazu: Studien über die Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Was sich ändern müsste

  • Abschaffung der Niederjagd auf den Dachs: Ein Tier, das keine Trophäe liefert, nicht verwertet wird und in der Kadaversammelstelle endet, darf nicht bejagt werden. Die Dachsjagd hat keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes (TSchG, Art. 4). Was im Kanton Genf mit 4 professionellen Abschüssen pro Jahr funktioniert, muss als Massstab gelten.
  • Gesamtschweizerisches Verbot der Baujagd: Die Baujagd mit Hunden auf Dachs und Fuchs ist eine archaische Jagdform, die den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt. Der Schweizer Tierschutz STS fordert ein Verbot. Diese Forderung muss gesetzlich umgesetzt werden.
  • Schutz der Dachsbaue: Dachsbaue werden über Generationen genutzt und sind ökologisch wertvolle Strukturen. Sie müssen als schützenswerte Habitate anerkannt und vor Zerstörung, Zuschüttung und Störung geschützt werden, analog zu Höhlen oder Horstbäumen.
  • Förderung tierfreundlicher Schadenverhütung: Elektrozäune um empfindliche Kulturen sind die einzig verhältnismässige Massnahme gegen Dachsschäden. Die Kantone müssen Landwirtinnen und Landwirte bei der Beschaffung und Installation unterstützen, statt Abschussbewilligungen zu erteilen.
  • Reduktion der Strassenmortalität: Über 3’500 Dachse sterben jährlich auf Schweizer Strassen. Kleintierdurchlässe, Warnschilder und Geschwindigkeitsbeschränkungen an bekannten Dachswechseln müssen systematisch umgesetzt werden.
  • Forschung und Monitoring: Es gibt keine verlässlichen Bestandszahlen für den Dachs in der Schweiz. Ein nationales Monitoring nach standardisierter Methodik, etwa durch Zählung besetzter Baue, ist Voraussetzung für eine evidenzbasierte Schutzstrategie.

Argumentarium

«Der Dachs verursacht Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und muss deshalb bejagt werden.» Die Schäden sind real, aber lokal begrenzt und mit Elektrozäunen zuverlässig zu verhindern. Die Bejagung ist kein verhältnismässiges Mittel, zumal sie den Bestand nicht kontrolliert, sondern nur einzelne Tiere entfernt, deren Reviere sofort von Nachbartieren übernommen werden. Im Kanton Genf werden Dachsschäden mit professionellem Wildtiermanagement und Prävention bewältigt, nicht mit Hobby-Jägern.

«Der Dachsbestand hat sich erholt und muss reguliert werden.» Der Bestand hat sich erholt, nachdem er durch die sinnlose Begasung im Rahmen der Tollwutbekämpfung zusammengebrochen war. Dass eine Art nach einer menschengemachten Katastrophe wieder zunimmt, ist kein Argument für erneute Bejagung, sondern ein Zeichen funktionierender Ökosysteme. Dachspopulationen regulieren sich über Nahrungsverfügbarkeit und Revierstrukturen selbst.

«Der Dachs gehört zur Niederjagd und seine Bejagung ist Tradition.» Tradition ist kein Argument für Tierquälerei. Die Niederjagd auf Fuchs, Dachs, Stein- und Baummarder ist wissenschaftlich nicht begründet und dient in erster Linie dem Freizeitvergnügen der Hobby-Jägerschaft. Der Schweizer Tierschutz STS fordert zu Recht, dass Sinn und Zweck der Jagd auf diese Arten kritisch hinterfragt werden und alle Tiere ein Anrecht auf Schonzeiten haben.

«Ohne Bejagung wird der Dachs zum Problem im Siedlungsgebiet.» Der Dachs dringt ins Siedlungsgebiet vor, weil er dort Nahrung findet, nicht weil er nicht genug bejagt wird. Die Lösung liegt in der Beseitigung von Futterquellen (offene Komposthaufen, zugängliche Abfallkübel, Fallobst), nicht im Abschuss. Die Bejagung im Siedlungsgebiet ist ohnehin kaum möglich, wie die kantonalen Behörden selbst einräumen. Dass Dachse Siedlungsnähe suchen, ist Ausdruck ihrer Anpassungsfähigkeit, nicht eines Überbestandes.

«Dachse können nicht verwertet werden, der Abschuss ist dennoch notwendig.» Wenn ein Tier weder als Nahrung noch als Trophäe dient und vollständig in der Kadaversammelstelle entsorgt wird, fehlt der vernünftige Grund für die Tötung im Sinne des Tierschutzgesetzes. Die Formulierung des kantonalen Jagdverwalters von Baselland, Dachse könnten «nicht verwertet werden» und landeten «im Normalfall vollständig in der Kadaversammelstelle», entlarvt die Dachsjagd als das, was sie ist: sinnlose Tötung ohne Zweck.

Quicklinks

Beiträge auf Wild beim Wild:

Verwandte Dossiers

Quellenangaben

  • Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch (Abschuss- und Fallwilddaten)
  • Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt: Porträt Dachs (ag.ch)
  • Waldwissen.net/WSL: Der Dachs im Kanton Luzern (Holzgang/Muggli, 2005, aktualisiert)
  • Stadtwildtiere Schweiz/Wilde Nachbarn: Artporträt Dachs (stadtwildtiere.ch)
  • Umweltberatung Luzern: Dachs, vom Wald in die Stadt (umweltberatung-luzern.ch)
  • BZ Basel (2017): Jagdstatistik, Dachse im Visier der hiesigen Jäger
  • IG Wild beim Wild (2020/2022/2025): Fuchsmassaker in der Schweiz, Jagdstatistik 2022 (wildbeimwild.com)
  • Schweizer Tierschutz STS: Jagd in der Schweiz, Schutz von Wildtieren und Lebensräumen (tierschutz.com)
  • Jägervereinigung: Der Dachs (jvdt.ch)
  • Wikipedia: Europäischer Dachs (Meles meles)
  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)
  • Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455)

Unser Anspruch

Der Dachs ist ein Tier, das im Verborgenen lebt und im Verborgenen stirbt. Seine Bauanlagen, über Generationen gewachsen und ökologisch wertvoll, werden von der Hobby-Jägerschaft als Jagdgelegenheit missbraucht. Seine ökologische Leistung als Bodenbelüfter, Schädlingsregulator und Samenverbreiter wird in keiner Jagdstatistik bilanziert. Stattdessen wird er als «Schadenstifter» abgestempelt, obwohl seine Schäden lokal begrenzt und mit einfachen Mitteln zu verhindern sind. Dass der Dachs nach dem Abschuss vollständig in der Kadaversammelstelle landet, weil er nicht verwertbar ist, macht die Sinnlosigkeit seiner Bejagung besonders deutlich. Ein Tier zu töten, nur weil man es kann, ist kein Wildtiermanagement. Es ist die Bankrotterklärung einer Jagdkultur, die den Abschuss als Selbstzweck betreibt. Die Niederjagd auf den Dachs muss abgeschafft werden. Was der Kanton Genf seit über 50 Jahren vormacht, ist der Massstab. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.

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