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Jagd

Walliser Metzger boykottieren Hobby-Jäger

Kommende Woche startet im Wallis die Hochjagd auf Hirsch und Gämse. Rund 2'000 Hobby-Jäger gehen dann zwischen Furkapass und Genfersee wieder auf die Jagd und schaffen Leiden.

Redaktion Wild beim Wild — 13. September 2024

Aus dem Hobby-Jäger befreiten Kanton Genf weiss man, dass Wildhüter die viel besseren Schützen sind.

Die Abschüsse erfolgen, sobald das Ziel identifiziert ist, mit der Garantie, dass das Tier sofort getötet wird, was nach Angaben des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und Natur in Genf bei 99 % der Abschüsse der Fall ist.

Fehlschüsse mit Verletzungsfolge für das Wildtier sind auf der Hobby-Jagd am häufigsten.  Das zeigt die Statistik bereits 2016 in Graubünden: Auf 5’440 erlegte Hirsche kamen 564 Hirsche mit einer Schussverletzung. Jeder zehnte Hirsch wird in Graubünden also nur angeschossen, statt erlegt. Im Kanton Wallis sind es offensichtlich 30 % Wildtiere, die nicht sauber geschossen werden.

Eine gesamtschweizerische Statistik über Nachsuchen auf verletztes Wild gibt es nicht. Graubünden ist einer der wenigen Kantone, die über das Nachsuchen Buch führen. Weitere Kantone sind Appenzell Ausserhoden, Freiburg, Glarus, Nidwalden, Tessin, Uri und Waadt. Eine Nachsuche gibt es nur bei wenigen Tierarten.

Die Hobby-Jäger schiessen versehentlich auf Pferde, Kühe, Esel, Lamas, Hunde, Luchse und manchmal auch auf Menschen.

Alkoholisierte Hobby-Jäger prügeln sich in Jagdlokalen. Sie jagen in der Nähe von Fussballplätzen, Kinderspielplätze und Quartieren.

Walliser Metzger boykottieren unsauber geschossenes Wild

Im Wallis lehnen nun Metzger Wildfleisch ab, weil die Flintenfuchtler oft nicht gut zielen.

Viele Metzger weigern sich, geschossenes Wild anzunehmen, da der Arbeitsaufwand zu gross sei, schreibt srf.ch. Oft treffen Hobby-Jäger die Tiere nicht tödlich, was zu verunreinigtem Fleisch führt.

Der Präsident der Oberwalliser Metzgerinnen und Metzger, Willy Stocker, erklärt, dass viele Tiere nicht direkt getötet werden und leiden, was das Wildfleisch verunreinigt. 70 % der Jagenden seien zwar sehr gut. Aber: «Die anderen machen alles kaputt», klagt Stocker. 

Hobby-Jäger drückten halt manchmal auch ab, wenn sie das Tier nicht genau im Visier hätten. «Heute sind einfach zu viele Jäger unterwegs – und zu wenig Wild», sagt Stocker. Hobby-Jäger zahlen im Wallis jährlich über 1’300 Franken für das Jagdpatent, um Hirsche, Gämsen und Rehe jagen zu dürfen.

Zu viele Schüsse gingen nicht ins Herz der Tiere. «Häufig haben Tiere Bauchschüsse, dann verteilt sich der Mageninhalt im Körper. Das ist keine schöne Arbeit», sagt der Präsident der Oberwalliser Metzgerinnen und Metzger, Willy Stocker.

Aus Sicht der IG Wild beim Wild muss die Grenze für den Umgang mit Waffen unter Alkoholeinfluss bei Hobby-Jägern konsequent bei 0,0 Promille Blutalkohol liegen. Dasselbe gilt bei der Wildhut sowie im Militär- und Polizeidienst und dies aus gutem Grund. Niemand darf im alkoholisierten Zustand mit einer Schusswaffe hantieren oder schiessen.

Die Hobby-Jagd dient dem Töten von Tieren. Wer dabei eine Waffe führt, trägt eine besondere Verantwortung gegenüber Mensch und Tier. Alkohol oder Drogen sind damit unvereinbar. Personen mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit müssen ihren Jagd– und Waffenschein umgehend verlieren.

Nach Jagdunfällen sind obligatorische Alkoholtests zwingend einzuführen. Zusätzlich braucht es nach dem Vorbild der Niederlande regelmässige medizinisch-psychologische Gutachten für Hobby-Jäger sowie eine verbindliche Altersobergrenze.

Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist 65+. Genau in dieser Gruppe treten vermehrt altersbedingte Einschränkungen bei Sehvermögen, Konzentration, Reaktionsfähigkeit sowie Defizite in Ausbildung und Training auf. Gleichzeitig ist bekannt, dass Alkohol konsumiert wird, um einen vermeintlich ruhigen Finger zu haben. Andere verzichten auf Alkohol, sind den körperlichen Anforderungen jedoch dennoch nicht mehr gewachsen.

Die zahlreichen Fehlschüsse, Nachsuchen und das damit verbundene massive Tierleid lassen sich anders kaum erklären.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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