2. April 2026, 09:19

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

Sonderjagden 2025: Mehr Abschüsse statt Wolf

Ab November 2025 beginnen erneut die tierquälerischen Sonderjagden auf Rot- und Rehwild in der Schweiz.

Redaktion Wild beim Wild — 10. Oktober 2025

Offiziell soll sie helfen, die Abschusspläne zu erfüllen und das Geschlechterverhältnis der erlegten Tiere während der erfolglosen Herbstjagd auszugleichen. Doch in Wahrheit zeigt sie vor allem eines: das Festhalten an einer überholten Form des Wildtiermanagements, die die natürliche Regulierung durch Beutegreifer weiterhin ignoriert.

Tatsächlich sind Hobby-Jäger seit Jahrzehnten nicht imstande, etwa Hirschpopulationen sinnvoll zu pflegen, und beanspruchen mit ihrem Hobby immer auch noch Steuergelder. Man implementiert zwar immer neue Tierquälereien wie Sonderjagden gegen den Winter hin, Jungtierschiessen, Muttertierschiessen, Störungen usw., um den Schein zu wahren, aber die Ergebnisse sind seit Jahrzehnten nicht zufriedenstellend und sorgen für heftige Diskussionen. Zudem sind die neuen Jagdmethoden keine modernen wissenschaftlichen wildbiologischen Erkenntnisse, sondern Schandtaten, welche schon früher verpönt waren. Das Ganze hat mit Hobby-Jagd schon lange nichts mehr zu tun.

Die Hobby-Jagd ist kein Wildtiermanagement, sondern eine ethische Bankrotterklärung, ein gesellschaftliches Versagen.

Rekorde und trotzdem «nicht genug»

Mit 2’163 erlegten Hirschen wurde zum Beispiel bei der Hochjagd 2025 im Tessin ein Rekord erzielt. Trotzdem spricht auch dieses Amt für Jagd und Blödsinn von einem «nicht erreichten Abschussplan». Statt sich zu fragen, ob diese Pläne ökologisch sinnvoll sind, wird die Jagdsaison einfach verlängert: vom 15. November bis zum 21. Dezember 2025, an drei Tagen pro Woche (mittwochs, samstags und sonntags).

Das Ziel ist klar: der Wildbestand soll weiter dezimiert werden, vor allem dort, wo die Tiere angeblich «Schäden an Kulturen und der Waldverjüngung» verursachen. Doch dabei wird übersehen, dass die Natur längst einen eigenen Regulierungsmechanismus bereithält: den Wolf und andere Beutegreifer, die allerdings sinnlos und fanatisch unwissenschaftlich bejagt werden.

Dass falsche Jagdplanung und Jagddruck nur die Geburtenraten explodieren lassen, darauf weisen seriöse Wildtierbiologen seit Jahren hin.

Dem Steuerzahler würden Hunderte Millionen von Franken erspart, die der Bund, Kantone und Gemeinden in die Schutzwalderhaltung pumpen, dort, wo die Problem-Hobby-Jäger via kantonaler Jagdverwaltungen Hirsche und Rehe züchten.

Der Wolf: effizienter als jede Abschussquote

Während die Jagdverwaltung weiterhin auf Menschen mit Gewehren setzt, zeigen Studien deutlich, dass Wölfe eine wesentlich natürlichere, selektive und nachhaltigere Regulierung der Beutetiere bewirken.

Ein Rudel Wölfe reduziert Reh- und Rotwildbestände auf natürliche Weise, ohne Bürokratie, ohne Kosten und ohne das Risiko von Fehlschüssen oder ethisch problematischen Situationen. Es entfernt in erster Linie schwache und kranke Tiere und stärkt damit die genetische Gesundheit der Populationen.

Trotzdem halten die Behörden an der manipulativen Idee fest, den Bestand künstlich «nach Plan» zu steuern, ein Ansatz, der längst nicht mehr zeitgemäss ist.

Mehr Bürokratie, weniger Vernunft

Anstatt das Wildtiermanagement an ökologische Realitäten anzupassen, führt die Verwaltung im Kanton Tessin neue Hürden ein:

  • Jagdscheine müssen wieder vor Ort beantragt werden, kein Onlineverfahren mehr.
  • Wer keinen Hochjagdschein besitzt, zahlt dreimal mehr für die tierquälerische Sonderjagd (CHF 600 statt CHF 200).
  • Jagen darf man zwar jetzt «überall», doch zonenbezogene Fangquoten bleiben bestehen, ein bürokratisches Flickwerk.

Statt auf ökologische Intelligenz und natürliche Regulation zu setzen, zementiert das System alte Strukturen.

Die tierquälerische Sonderjagd soll angeblich dem «Waldschutz» dienen. Doch die Waldverjüngung leidet nicht am Rehwild allein, sondern oft an Monokulturen, fehlender Vielfalt und menschlicher Landnutzung. Ein gesunder Wald braucht Beutegreifer ebenso wie Pflanzenfresser. Wo der Wolf präsent ist, verändern Beutetiere ihr Verhalten, ein Effekt, den kein Hobby-Jäger mit Büchse nachahmen kann.

Die Hobby-Jagd allein schafft es seit Jahrzehnten nicht, Wildbestände konstant zu halten. Die Wildbestände nehmen stetig zu und daher auch die Schäden, nicht nur im Wald.

Alte Denkmuster statt neues Wildtiermanagement

Die Sonderjagden 2025 zeigen, wie schwer sich Politik und Verwaltung damit tun, das Zusammenleben mit Beutegreifern in ein modernes Wildtierkonzept zu integrieren. Anstatt den Wolf als Verbündeten zu begreifen, wird weiterhin auf menschliche Kontrolle gesetzt, koste es, was es wolle.

Dabei könnte die Natur längst übernehmen, was die Verwaltung Jahr für Jahr durch Abschusslisten erzwingen will: ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen Wald, Wild und Mensch.

Wo Luchs und Wolf regelmässig vorkommen, werden weniger Schäden an der Waldverjüngung festgestellt.

Am Calanda-Massiv zwischen Churer Rheintal und St. Galler Taminatal bildete sich 2011 das erste Wolfsrudel der Schweiz. Seither nahm die Zahl der Hirsche im Jagdgebiet der Wölfe nach Angaben des zuständigen Bündner Amtes um ein geschätztes Drittel ab, während sie im ganzen Kanton um 18 % zunahm.

In dem Durcheinander, in dem sich die Natur nach jahrzehntelanger Hege und Pflege der Hobby-Jäger befindet, ist der Anteil der bedrohten Arten laut der UNO in keinem Land der Welt so gross wie in der Schweiz. Die Auftragskiller schaffen seit Jahrzehnten ein ökologisches Ungleichgewicht in der Kulturlandschaft mit teils dramatischen Folgen (Schutzwald, Krankheiten, landwirtschaftliche Schäden u. v. m.).

Wälder sind essenziell für den Klimaschutz. Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern es langfristig. Eine Studie der University of Leeds zeigt, dass sich mit der Rückkehr der Wölfe pro Jahr eine zusätzliche Million Tonnen CO₂ binden liesse. Besonders bemerkenswert: Die Forscher haben berechnet, dass jeder einzelne Wolf zur Speicherung von 6’080 Tonnen CO₂ jährlich beitragen würde. Basierend auf aktuellen Berechnungen zum Wert von CO₂ wäre jedes Tier damit theoretisch rund 170’000 Franken «wert».

Fast die Hälfte der Wälder in der Schweiz schützt Menschen, Siedlungen und Verkehrswege vor Naturgefahren. Damit sie stabil bleiben, müssen sie sorgfältig gepflegt werden. Für die Schutzwalderhaltung und für Lawinenverbauungen leistet der Bund jährlich Millionensubventionen. Von 2008 bis 2012 subventionierte der Bund z. B. die Schutzwaldpflege im Kanton Wallis mit 40 Millionen Franken. Der Kanton zahlte 44 Millionen und die Gemeinden weitere 16 Millionen. Insgesamt wurden in vier Jahren also 100 Millionen Franken nur im Wallis investiert.

Im Kanton Genf wünschen sich die Einwohner seit Jahrzehnten kein Blutgeld von den Tierquälereien der Hobby-Jäger in der kantonalen Staatskasse. Was dort früher hunderte Hobby-Jäger ebenfalls minderwertig gemacht haben, erledigen heute, nebst vielen anderen Aufgaben, ein paar Wildhüter vorbildlicher.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden