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Jagd

Hobby-Jäger in Deutschland: Jagdschein vs. Revierarbeit

Die Zahl klingt beeindruckend: Über 460'000 Menschen in Deutschland besitzen einen Jagdschein.

Redaktion Wild beim Wild — 15. August 2025

Diese Zahl wird oft in den Medien genannt und stammt aus den offiziellen Meldungen der Bundesländer an den Deutschen Jagdverband (DJV).

Doch wie viele dieser Inhaber sind tatsächlich regelmässig im Revier unterwegs – und wie viele haben zwar die Prüfung bestanden, lassen das Gewehr aber inzwischen im Schrank?

Woher die Zahl stammt

Laut DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald basiert die Zahl von 460’000 nicht auf Prüfungen, sondern auf den erteilten Jagdscheinen in den einzelnen Bundesländern. Die Zahl der Prüflinge und bestandenen Prüfungen wird separat erfasst und veröffentlicht.

Aktiv oder passiv?

Ob diese Jagdscheininhaber auch wirklich regelmässig zur Hobby-Jagd gehen, ist schwieriger zu ermitteln. Valide bundesweite Daten fehlen. Eine DJV-Mitgliederbefragung aus dem Jahr 2022 liefert immerhin Anhaltspunkte:

  • Rund ein Drittel der Befragten pachtet ein eigenes Revier.
  • Rund zwei Drittel jagen mit Begehungsscheinen, auf Einladung oder sind als Hundeführer aktiv.

Rechnet man diese Werte auf die Gesamtzahl hoch und berücksichtigt, dass nicht alle Jagdscheininhaber Mitglied im DJV sind und manche ihren Schein nur „auf Vorrat“ lösen, ergibt sich eine grobe Schätzung:

  • Aktiv regelmässig jagend: vermutlich 250’000 bis 300’000 Personen.
  • Selten oder gar nicht jagend: vermutlich 160’000 bis 210’000 Personen.

Diese Schätzung berücksichtigt, dass es auch eine kleine Gruppe von Jagdscheininhabern gibt, die zwar keine eigenen Jagdgelegenheiten haben, aber aus persönlichen oder beruflichen Gründen den Schein dennoch behalten.

Wer sind die neuen Hobby-Jäger?

Die Jagd wird in Deutschland weiblicher: Das Durchschnittsalter von Frauen, die die Jägerprüfung ablegen, sank zwischen 2011 und 2021 von 36 auf 33 Jahre. Männer liegen konstant bei 35 Jahren. Pro Jahr absolvieren rund 20’000 Menschen das sogenannte «Grüne Abitur» – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Schwierige Datenerhebung

Warum gibt es keine klaren Zahlen zu den «wirklich aktiven» Hobby-Jägern in Deutschland? Ein Grund ist, dass viele Jagdschulen nach bestandener Prüfung den Kontakt zu ihren Absolventen verlieren. Ausserdem legen manche ihre Prüfung in einem anderen Bundesland ab, als sie später jagen – oder sie hören nach kurzer Zeit mit dem Unsinn wieder auf. Wer sinnvollen Naturschutz machen möchte, braucht kein Gewehr.

Die Zahl von 460’000 Jagdscheininhabern zeigt nur, wie viele Menschen aktuell das Recht zur Jagd haben – nicht aber, wie viele regelmässig im Revier aktiv sind. Eine realistische Betrachtung lässt vermuten: Rund zwei Drittel sind tatsächlich regelmässig unterwegs, während etwa ein Drittel die Jagd nur gelegentlich oder gar nicht ausübt.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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