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Jagd

EU warnt vor giftigem Fleisch der Hobby-Jäger

90 % des erlegten Wildes in Spanien werden aus dem Land exportiert. Ein Teil dieses Fleisches ist jedoch mit Schwermetallen aus der für den Abschuss der Tiere verwendeten Munition belastet. Italien und Portugal haben aus diesem Grund gerade einen grossen Teil des Wildschweinfleisches zurückgewiesen.

Redaktion Wild beim Wild — 19. März 2024

Bis zu 110-fach erhöhte Bleikonzentration

In den letzten Monaten haben die italienischen und portugiesischen Behörden grosse Mengen an Wildschweinfleisch aus Spanien zurückgewiesen und die dafür zuständige europäische Kommission informiert.

Der Grund: Sie fanden zu hohe Bleikonzentrationen im Fleisch. Das Schwermetall ist in der Munition enthalten, die zum Töten der Tiere verwendet wird, und die Werte lagen bis zum 110-fachen des zulässigen Höchstwerts. Die spanische Behörde für Lebensmittelsicherheit leitete eine Untersuchung ein, laut einer spanischen Zeitung.

Bereits im Jahr 2022 haben Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei usw. sehr hohe Bleikonzentrationen in Salamis von Hobby-Jägern bereitgestellten Zutaten aus Spanien festgestellt.

Blei reichert sich im Gewebe an

Blei ist ein Schwermetall, das sich in unseren Geweben anreichert und die neuronale Entwicklung von Kindern beeinträchtigt. Bei Erwachsenen verursacht es u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenprobleme. Die Wirkung ist kumulativ. Man sollte also meinen, dass eine geringe Exposition keinen Schaden anrichtet, aber Blei gelangt bereits über andere Wege in die Umwelt.

Ein Experte und Mitautor einer 2019 veröffentlichten Studie mit dem Titel Toxic Risks of Lead Ammunition and its Alternatives in Hunting Activity erklärt, dass «jede Art von Bleimunition nach dem Aufprall des Projektils zersplittert, was zu einer Streuung von Blei im Gewebe des getöteten Tieres führt.» Das Dokument warnt vor einigen Risiken: «Man geht davon aus, dass diese Fragmente aus dem Kadaver des getöteten Tieres entfernt und somit entsorgt werden können.» Dies würde jedoch nur für relativ grosse Fragmente gelten, die nachgewiesen werden können. Die Realität sieht jedoch anders aus, da sich gezeigt hat, dass Bleifragmente in Form kleiner mikroskopischer Partikel (manchmal Nanopartikel) im gesamten Gewebe verteilt sind; «Eine vollständige Entfernung aus dem Kadaver ist nicht möglich.»

90 % des Wildbrets für den Export

Nach den Erkenntnissen in Italien und Portugal verteidigt die Asociación Interprofesional de la Carne de Caza ihr Anliegen. «In den Verarbeitungsräumen setzen wir Metalldetektoren ein und das gesamte Fleisch wird nach strengen Kriterien kontrolliert.» Dem Verband zufolge kann die Bleiverunreinigung auch aus der Umgebung der Tiere stammen, wenn sich dort zum Beispiel alte Minen oder Lagerstätte befinden.

Spanien ist kein grosser Verbraucher von Wildbret, auch wenn es viel gejagt wird. 90 % des Wildes sind für den Export bestimmt. In den Jahren 2017-18 wurden etwa 650’000 Tiere erlegt, was einem Marktwert von über 57 Millionen Euro entspricht. Darunter waren 355’000 Wildschweine und 182’000 Rehe.

Laut einer Studie essen drei von vier Spaniern kein Wildfleisch. Aus der Studie entnommenen Daten geht hervor, dass das Haupthindernis für den Verzehr von Wildfleisch mit 42,3 % der Geschmack, die Schwierigkeit beim Zugang zu dieser Fleischsorte (22,8 %) und die Ablehnung der Hobby-Jagd aus persönlichen Gründen (12,3 %) und mangelnde Gewohnheit, diese Art von Produkten zu konsumieren (9,3 %) sind.

Mehrwert:

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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