Volksinitiative: Graubünden und das Hobby-Jäger-Problem
Der Wildtierschutz Schweiz hat am 12.9.2013 die Volksinitiative «für eine naturverträgliche und ethische Jagd» in Graubünden lanciert.
Volksinitiative: Graubünden und das Jäger Problem
Zum einen unterstützt die Volksinitiative die Gegner der Sonderjagd, geht aber konsequenterweise weiter und will die veralteten und überholten, tierquälerischen Jagdmethoden im Kanton Graubünden abschaffen.
«Genug ist genug!», sagt der Wildtierschutz Schweiz über die unnötigen Tötungen und überholten Ansichten der Hobby-Jagd und Hege. Die Hobby-Jagd muss humaner und umsichtiger werden und die natürlichen Bedürfnisse der Wildtiere respektieren. Seit Längerem geht das Jagdfieber in eine immer brutalere und unverantwortlichere Richtung. Die Wildtiere sind keine Nutztiere oder Jagdtrophäen und dienen so nur einem blutigen Hobby, das mit Hege nichts gemeinsam hat. Die Wildtiere gehören allen Bündnerinnen und Bündnern, erfreuen unsere Gäste und dürfen nicht der Hobby-Jagd schutzlos ausgeliefert sein.
Neueste Erkenntnisse zeigen unter anderem, dass mehr Jagddruck eine höhere Reproduktion zur Folge hat, weshalb der unangebrachte Jagddruck gesenkt werden muss. Der Dachverband der Hobby-Jäger unterstützt diese Fakten mit der Aussage: «Auch JagdSchweiz weiss, dass sich Wildtierbestände grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selbst regulieren würden» (1). Die Wildtiere brauchen Stimmen in Kommissionen und Ämtern, um pragmatische Lösungen zu ihrem Schutz zu finden.
Notwendigkeit der Volksinitiative
Im Kanton Graubünden wurden in der Jagdsaison 2012 wegen Verstössen gegen die Jagdgesetzgebung 964 Ordnungsbussen ausgesprochen und 125 Anzeigen an die Kreisämter erstattet (2). Diese Zustände sind alarmierend und zu einem guten Teil mit den 9 Punkten der Initiative reduzierbar.
- Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen sind generell zu schützen.
- Fallen zum Töten und das Anfüttern von Tieren sind zu verbieten.
- Alle nicht vom Bundesrecht geschützten Vögel sind nicht jagdbar.
- Generelle Winterruhe für alle Wildtiere vom 1. November bis zum Beginn der Hochjagd.
- Im Amt für Jagd und Fischerei, sowie in der Jagdkommission müssen Tierschützer sowie Nichtjäger paritätisch vertreten sein.
- Bei der Ausübung der Hobby-Jagd gelten die Blutalkoholgrenzen gemäss der Strassenverkehrsgesetzgebung.
- Die Jagdeignung und Treffsicherheit sind periodisch zu überprüfen (analog zur Fahreignung im Strassenverkehr). Ab 2016 darf nur bleifreie Munition verwendet werden.
- Kinder bis zu 12 Jahren dürfen nicht auf die Hobby-Jagd mitgenommen und dürfen schulisch nicht zur Hobby-Jagd motiviert werden.
- Bei allen ausserordentlichen Schäden kann die Wildhut nur dann Regulierungen vornehmen, wenn alle anderen erdenklichen Schutzmassnahmen nicht zielführend sind.
Für eine naturverträgliche und ethische Jagd
Der Wildtierschutz Schweiz will, dass Wildtiere in unserer Tourismusregion wieder sichtbar werden und dass Muttertiere ihre Hirschkälber und Rehkitze ohne Hatz und Todesangst aufziehen dürfen. In der Winterzeit sollen Wildtiere ihre Energie möglichst reduziert nutzen können. Zu guter Letzt müssen Tierschützerinnen und Tierschützer ihre Argumente öffentlich machen können. Der Wildtierschutz Schweiz ist überzeugt, dass die Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste von Graubünden eine naturverträgliche und ethische Jagd mit dieser Volksinitiative breit unterstützen werden.
Quellenangaben:
(1) http://www.jagdschweiz.ch (wurde von JagdSchweiz gelöscht)
(2) Jahresbericht Amt für Jagd und Fischerei Graubünden 2012 (PDF, nicht mehr online verfügbar)
Update 1.4.2016: Sonderjagd-Ungültigkeit der Hobby-Jäger wird ein Fall fürs Bundesgericht
Update März 2026: Viele der neun Forderungen dieser Volksinitiative sind inzwischen als Mustertexte für jagdkritische Vorstösse verfügbar und können in jedem Kanton eingereicht werden. Die IG Wild beim Wild hat zudem einen Mustertext für eine kantonale Volksinitiative veröffentlicht.
Verwandte Dossiers und Beiträge:
- Dossier: Sonderjagd in Graubünden
- Dossier: Hochjagd in der Schweiz
- Dossier: Jagd und Tierschutz
- Dossier: Jagd und Kinder
- Dossier: Bleimunition und Umweltgifte
- Mustertext: Abschaffung der Sonderjagd
- Mustertext: Reform der kantonalen Hochjagd
- Mustertext: Alkohol und Drogenkonsum auf der Hobby-Jagd
LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!
Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →