2. April 2026, 05:14

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Alternativen zur Hobby-Jagd

In der Schweiz sind 35 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten gefährdet – in keinem Nachbarland ist der Anteil bedrohter Arten grösser. Die Schweiz besitzt europaweit den kleinsten Anteil an Schutzgebieten: gerade einmal rund 10 Prozent der Landesfläche. Gleichzeitig werden jährlich rund 120’000 Wildtiere durch Hobby-Jagd getötet – darunter 10’000 Rehkitze. Und 64 Prozent der Schweizer Bevölkerung sprechen sich in repräsentativen Umfragen für ein Verbot der Baujagd aus; 79 Prozent stehen der Hobby-Jagd insgesamt kritisch gegenüber.naturschutz+1

Diese Zahlen stehen neben einem hartnäckigen Narrativ: Die Hobby-Jagd sei Naturschutz. Hobby-Jäger seien Hüter der Natur. Ohne sie würden Wildtierbestände explodieren. Wer das Gegenteil behaupte, verstehe die Natur nicht.

Wer die Fakten kennt, versteht das Gegenteil. Dieses Dossier bündelt die wichtigsten wissenschaftlichen, ethischen, gesundheitlichen, gesellschaftlichen und politischen Argumente gegen die Hobby-Jagd in ihrer heutigen Form. Es richtet sich an alle, die das Thema neu entdecken, ihre eigene Haltung schärfen oder faktenbasiert diskutieren wollen. Es ist kein emotionaler Aufschrei. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was die Hobby-Jagd ist, was sie bewirkt – und was stattdessen möglich wäre.

Was dich hier erwartet:

  • Warum die Hobby-Jagd ethisch nicht vertretbar ist: Was es bedeutet, empfindungsfähige Lebewesen aus Freizeitvergnügen zu töten, warum Fehlabschüsse und Nachsuchen strukturelle Probleme sind, und warum «Lust am Töten» kein kultureller Wert ist
  • Warum die Hobby-Jagd ökologisch kontraproduktiv ist: Wie Jagddruck Populationen destabilisiert statt reguliert, warum jagdfreie Gebiete mehr Biodiversität aufweisen, und was die Zerstörung von Sozialstrukturen für Wildtiere bedeutet
  • Warum Wildfleisch kein Naturprodukt ist: Was das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) zu Blei in Wildfleisch empfiehlt, warum Schwangere, Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter kein Wild essen sollten, und was Stresshormone im Fleisch über die letzten Minuten der Beute verraten
  • Warum die Bevölkerung die Hobby-Jagd ablehnt – und die Politik sie trotzdem schützt: Umfragedaten, Lobbystrukturen und warum Jagdverbände seit Jahrzehnten erfolgreich verhindern, was eine breite gesellschaftliche Mehrheit will
  • Warum die Hobby-Jagd psychologisch kein neutrales Hobby ist: Was Verhaltenspsychologie, Tierrechtsforschung und Studien zu Aggression und Trophäenkult über Hobby-Jäger sagen – und warum das relevant für die Gesellschaft ist
  • Warum die Hobby-Jagd die Biodiversitätskrise in der Schweiz mitverantwortet: Ein Drittel der Arten gefährdet, europaweit kleinster Schutzgebietsanteil, jahrzehntelange Lobby-Blockade gegen Nationalpärke und Schutzflächen
  • «Wussten Sie?» – 40 Fakten, die das Jagd-Narrativ widerlegen
  • Warum Alternativen zur Hobby-Jagd vorhanden und erprobt sind: Natürliche Regulation, Beutegreifer-Förderung, Wildhütermodelle, Lebensraumschutz
  • Was sich ändern müsste: Konkrete politische Forderungen
  • Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Rechtfertigungen der Hobby-Jagd-Lobby
  • Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers

Ethik: Wenn Töten kein Naturschutz ist

Wildtiere sind empfindungsfähige Lebewesen. Sie kennen Schmerz, Angst und soziale Bindungen. Sie fliehen, wenn sie eine Bedrohung wahrnehmen. Sie trauern, wenn Sozialverbände auseinandergerissen werden. Das ist keine sentimentale Behauptung, sondern wissenschaftlicher Konsens, der unter anderem in der Cambridge Declaration on Consciousness von 2012 international anerkannt wurde. Auf dieser Basis ist die ethische Ausgangsfrage der Jagdkritik keine schwierige: Welche Rechtfertigung gibt es dafür, empfindungsfähige Lebewesen aus Freizeitvergnügen zu töten?

Die Antworten der Hobby-Jagd-Lobby – Regulation, Naturschutz, Tradition – sind in anderen Kapiteln dieses Dossiers einzeln widerlegt. Was bleibt, ist der Kern: Die Hobby-Jagd ist heute in der Schweiz keine Überlebensnotwendigkeit. Sie ist ein Hobby. Ein Hobby, das den Tod von rund 120’000 Wildtieren pro Jahr in der Schweiz bedeutet, von denen ein erheblicher Anteil nicht sofort, sondern nach Minuten oder Stunden unter Schmerzen stirbt. Fehlabschüsse – Treffer, die nicht sofort töten – sind im Jagdsystem keine Ausnahme, sondern eine systematisch auftretende Realität: Im Kanton Graubünden führen jährlich rund 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jäger Buch über das Ausmass handwerklicher Fehler und regelwidriger Schüsse.

Eine Gesellschaft, die Tierquälerei im Haushalt unter Strafe stellt, dieselbe Handlung mit Wildtieren im Wald aber als Kulturgut finanziert und politisch schützt, hat ein Konsistenzproblem. Das Tierschutzgesetz der Schweiz gilt an der Waldgrenze nicht. Wer das ändern will, muss zunächst benennen, was die Hobby-Jagd in ihrer heutigen Form tatsächlich ist: ein bewaffnetes Freizeitvergnügen, dessen zentraler Inhalt die Tötung von Lebewesen ist – und dessen Legitimation auf Narrativen beruht, die einer sachlichen Prüfung nicht standhalten.

Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Praxis mit Wildtieren macht und Wildtiere, Todesangst und fehlende Betäubung

Ökologie: Warum Abschüsse keine Regulation sind

Die Hobby-Jagd behauptet, Wildtierpopulationen zu regulieren. Die Verhaltensökologie zeigt: Sie tut das Gegenteil. Kompensatorische Reproduktionsdynamik ist das biologische Grundprinzip, das dieses Argument widerlegt. Wildtiere reagieren auf Bestandsverluste durch Bejagung mit erhöhter Geburtenrate, früherer Geschlechtsreife und grösseren Würfen. Insbesondere bei Wildschweinen ist dieser Mechanismus besonders eindrücklich dokumentiert: Normalerweise pflanzt sich innerhalb einer Rotte nur die Leitbache fort. Wird sie abgeschossen, reproduzieren sich alle weiblichen Tiere der Gruppe. Jagddruck erzeugt mehr Wildtiere, nicht weniger.

Was die Hobby-Jagd ökologisch ausrichtet, ist nicht Regulation, sondern Destabilisierung von Sozialstrukturen. Der Abschuss erfahrener Leittiere – der Leitbache beim Wildschwein, des Platzhirsches beim Rotwild, der dominanten Fuchsmutter – hinterlässt desorganisierte Gruppen mit verändertem Raumnutzungsverhalten, erhöhter Mobilität und verstärktem Verbissdruck auf Waldbäumen, weil Tiere auf engem Raum zusammengedrängt werden. Die Lösung, die die Jagdlobby für das Verbiss-Problem anbietet, erzeugt es strukturell mit. Jagdfreie Gebiete zeigen das Kontrastbild: Im Kanton Genf hat sich die Biodiversität seit dem Jagdverbot 1974 nachweislich verbessert, Wildtierpopulationen haben sich stabilisiert, und die Vogelwelt hat sich von wenigen Hundert auf 30’000 Wintergäste entwickelt.

Mehr dazu: Warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert und Dossier Hobby-Jagd und Klimawandel

Gesundheit: Warum Wildfleisch kein sauberes Produkt ist

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt: Kinder bis zum siebten Lebensjahr, Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch sollten möglichst kein Wild essen, das mit Bleimunition erlegt wurde. Das ist keine jagdkritische Kampagnenaussage. Das ist eine Behördenempfehlung, die auf messbaren Befunden beruht. Der Schweizer Tierschutz (STS) hat Wildfleischprodukte aus einheimischer Hobby-Jagd auf Bleigehalt untersucht: In 5 von 13 Proben wurde Blei in Konzentrationen über dem Referenzwert nachgewiesen. Eine deutsche Untersuchung des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL) fand bei rund drei Vierteln aller untersuchten Wurstwaren mit Wild Bleirückstände.

Blei ist für den menschlichen Organismus bereits in geringen Mengen toxisch: Es schädigt Blutbildung, Leber, Nieren und das zentrale Nervensystem. Für Kinder im Wachstum sind die Folgen besonders gravierend – Nervenschäden und Störungen der Hirnentwicklung sind dokumentiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält fest: «Blei ist schon in geringen Mengen schädlich.» Hinzu kommen Stresshormone: Wildtiere, die vor ihrem Tod gejagt, aufgescheucht oder angeschossen wurden, zeigen drastisch erhöhte Kortisolwerte im Blut und Fleisch. Was als «naturnahes Produkt» vermarktet wird, ist biologisch betrachtet das Endprodukt eines akuten Angst- und Sterbeprozesses.

Mehr dazu: Wildfleisch vom Jäger ist Aas und Bleirückstände in Wildfleischprodukten und Hobby-Jäger vergiften Greifvögel

Gesellschaft: Warum die Mehrheit nein sagt – und die Politik trotzdem schützt

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Hobby-Jagd sinkt. Das ist keine Behauptung von Jagdgegnern, sondern ein empirisch belegter Befund. Die WaMoS-2-Umfrage zeigt, dass 79 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Jagd in irgendeiner Form kritisieren – 19 Prozent sind grundsätzlich dagegen oder für ihre Abschaffung. Die Demoscope-Umfrage im Auftrag des Schweizer Tierschutzes zeigt, dass 64 Prozent ein Verbot der Baujagd befürworten, nur 21 Prozent wünschen, sie beizubehalten. Die Ablehnung ist generationsübergreifend, ohne Röstigraben, und bei Frauen und Jüngeren besonders ausgeprägt.

Gleichzeitig schützt die Politik die Hobby-Jagd mit bemerkenswerter Konstanz. Jagdverbände sichern sich über politischen Einfluss, Verfassungsaufträge und mediale Präsenz Privilegien, die dem Willen der Bevölkerungsmehrheit widersprechen. Im Kanton Zürich scheiterte die Initiative «Wildhüter statt Jäger» 2022 mit 16,1 Prozent Ja-Stimmen: nicht wegen der argumentativen Überzeugungskraft der Jagdlobby, sondern wegen einer Mobilisierungslücke bei einer bisher wenig politisierten Bevölkerungsmehrheit. Die Debatte ist asymmetrisch: Hobby-Jäger sind organisiert, finanziert und politisch vernetzt. Wildtiere haben keine Stimme. Und die grosse Mehrheit, die kein Interesse an Jagd hat, hat bisher kein politisches Organ, das ihre Haltung konsequent vertritt.

Mehr dazu: Jagd Schweiz: Schweizer Bevölkerung ist schlecht informiert und Mustertexte für jagdkritische Vorstösse in Kantonsparlamenten

Psychologie: Was Trophäenkult und Lust am Töten sagen

Die Hobby-Jagd ist die einzige gesellschaftlich akzeptierte Freizeitaktivität, deren zentraler Inhalt die Tötung eines Lebewesens ist. Dass dieser Inhalt einer psychologischen Einordnung bedarf, ist keine Unterstellung, sondern wissenschaftliche Neugier. Verhaltenspsychologinnen und Kriminalpsychologen, die Tierquälerei als Frühindikator für Gewalt gegen Menschen beschreiben, tun das auf Basis eines gut dokumentierten Befunds: Die Fähigkeit, die Qualen anderer zu ignorieren oder als irrelevant zu behandeln, ist eine kognitive Fertigkeit – und sie ist nicht auf eine Tierart beschränkt.

Trophäenkult ist die sichtbare Ausdrucksform dieser Struktur: das Präparieren und zur Schau stellen des getöteten Tieres als Demonstration von Jagderfolg, Status und Kontrolle. Fachleute aus der Sozialpsychologie beschreiben diese Praxis als Ausdruck von Aggression, Machtstreben und dem Wunsch, über Leben und Tod eines anderen Lebewesens zu verfügen. Die jägerliche «Tier- und Naturliebe» zielt nicht auf das Dasein des geliebten Objekts, sondern auf seinen Besitz – und gipfelt im Akt der Tötung. Das ist keine Pauschalverurteilung aller Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger. Es ist die strukturelle Logik des Systems, in dem sie sich bewegen. Dazu kommt eine konkrete Sicherheitsdimension: Jagdwaffen sind an Suiziden, Drohungen und Gewalttaten beteiligt. Ein psychologischer Wesenstest für Hobby-Jäger existiert in der Schweiz nicht. Ein Alkoholverbot während der Jagdausübung ebenfalls nicht.

Mehr dazu: Psychologie der Jagd und Studien über die Auswirkung der Jagd auf Wildtiere und Jäger

Biodiversität: Die Schweiz als Schlusslicht – mit Mitverantwortung der Hobby-Jagd

Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten der Schweiz ist gefährdet. Die Hälfte aller Lebensraumtypen steht unter Druck. 47 Prozent der untersuchten Arten haben laut BAFU Handlungsbedarf. Die Schweiz hat den kleinsten Anteil an Schutzgebieten in Europa – rund 10 Prozent der Landesfläche, weit unter dem globalen Ziel von 30 Prozent. Der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz (Phase 2, 2025–2030) hält fest: «In der Schweiz gilt fast die Hälfte der Lebensräume als gefährdet; zudem sind 17 Prozent aller Arten vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.»

Die Hobby-Jagd-Lobby ist strukturell mitverantwortlich für diesen Zustand. Nicht allein, aber konsequent: Jagdverbände haben jahrzehntelang Nationalpärke blockiert, weil Schutzgebiete die Jagdfläche einschränken. Sie haben sich gegen strengere Schutzflächen-Ausweisungen eingesetzt. Sie betreiben politische Lobbykampagnen gegen Beutegreifer – Wolf, Luchs, Wildkatze –, die ökologisch stabilisierende Funktionen haben, die kein Hobby-Jäger ersetzen kann. Und sie definieren erfolgreich den politischen Rahmen für Wildtierrecht, Jagdgesetz und Schutzgebiete in einem System, das ihre eigenen Interessen schützt, nicht jene der Natur. Naturschutz und Hobby-Jagd-Lobby verfolgen strukturell entgegengesetzte Ziele – auch dort, wo ihre Rhetorik sich gelegentlich berührt.

Mehr dazu: Nationalpark Locarnese kommt nicht und Der Wolf in Europa – wie Politik und Hobby-Jagd den Artenschutz aushöhlen

«Wussten Sie?» – 40 Fakten, die das Jagd-Narrativ widerlegen

  1. Jährlich werden in der Schweiz rund 120’000 Wildtiere durch Hobby-Jagd getötet – darunter rund 10’000 Rehkitze
  2. Ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten der Schweiz ist gefährdet. In keinem Nachbarland ist der Anteil bedrohter Arten grösser
  3. Die Schweiz besitzt europaweit den kleinsten Anteil an Schutzgebieten – rund 10 Prozent der Landesfläche
  4. Bleibelastung in Steinadlern und Bartgeiern ist in den Schweizer Alpen laut Studie am höchsten – durch Munitionsrückstände der Hobby-Jagd
  5. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit empfiehlt: Kinder, Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten kein Wild essen, das mit Bleimunition erlegt wurde
  6. Bei rund drei Vierteln aller untersuchten Wildfleisch-Wurstwaren wurden in Deutschland Bleirückstände gefunden
  7. 79 Prozent der Schweizer Bevölkerung stehen der Hobby-Jagd kritisch gegenüber
  8. 64 Prozent befürworten ein Verbot der Baujagd, nur 21 Prozent wünschen, sie beizubehalten
  9. Im Kanton Graubünden werden jährlich rund 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jäger verhängt
  10. Drückjagden und Treibjagden scheuchen Wildtiere auf und treiben sie in Todesangst über Strassen – Jagddruck ist eine direkte Mitursache von Wildunfällen
  11. Bei Wildschweinen reproduziert sich nach dem Abschuss der Leitbache die gesamte Rotte – Jagddruck erzeugt mehr Wildtiere, nicht weniger
  12. Im Kanton Genf, der seit 1974 keine Milizjagd kennt, hat sich die Vogelpopulation von wenigen Hundert auf 30’000 Wintergäste entwickelt
  13. Jagdfreie Gebiete zeigen gemäss Langzeitstudien durchgängig höhere Biodiversität als stark bejagte Vergleichsregionen
  14. Hobby-Jäger lehnen regelmässig Nationalpärke und Schutzflächen-Ausweisungen ab, weil diese ihre Jagdfläche einschränken
  15. Ein psychologischer Wesenstest für Hobby-Jäger existiert in der Schweiz nicht
  16. Ein Alkoholverbot während der bewaffneten Jagdausübung existiert in der Schweiz nicht flächendeckend
  17. Es gibt keine einheitliche schweizweite Regelung für Sehtest und Schiesspraxis von Hobby-Jägern
  18. Tiere, die bei Drückjagden aufgescheucht werden, weisen nachweislich drastisch erhöhte Stresshormonspiegel im Fleisch auf
  19. Schrotladungen auf Hasen und Niederwild bewirken häufig keine sofortige Tötung, sondern Verletzungen, die zu langsamem Tod führen
  20. Hobby-Jäger erlegen bevorzugt die stärksten, erfahrensten Individuen – genau jene, die für die Stabilität sozialer Strukturen und genetische Resilienz entscheidend sind
  21. Waidgerechtigkeit – das jagdethische Kodex-System – widerspricht dem Tierschutzgesetz in zentralen Punkten
  22. Ein Gericht in Bellinzona hat bestätigt, dass Jagdvereine praktisch alles, was grausam, unnötig und herzlos ist, fördern
  23. Füchse werden nach der Hobby-Jagd meist im Abfall entsorgt – nicht gegessen. Sie werden gejagt, um Konkurrenz für jagdbares Wild zu eliminieren
  24. Füchse ernähren sich zu über 90 Prozent nicht von Hasen und erbeuten gesunde Hasen praktisch nie. Die Jagdbegründung «Hasenschutz» ist faktisch falsch
  25. Hobby-Jäger locken im strengen Winter hungernde Tiere mit Futter an – um sie dann abzuschiessen. Das ist mit «Hege und Pflege» schwer vereinbar
  26. Die Baujagd hetzt scharf gemachte Hunde in Fuchs- und Dachshöhlen – aus Sicht des Tierschutzes eine der grausamsten Jagdmethoden
  27. Die Fallenjagd lässt Wildtiere in Käfigfallen unter Umständen tagelang warten, bis der Hobby-Jäger sie tötet
  28. Minderjährige Schulkinder erhalten durch Hobby-Jäger Schusswaffen in die Hände – unter dem Label «Jagdausbildung»
  29. Hobby-Jäger fahren ins Ausland zu Trophäenjagden in Länder ohne vergleichbare Tier- und Artenschutzstandards
  30. Aktionen wie «Rehkitzrettung» dienen als Alibi-Naturschutz – unmittelbar danach werden dieselben Kitze im Herbst abgeschossen
  31. Weidetiere wie Rehe und Hirsche waren ursprünglich hauptsächlich tagaktiv auf Feldern und Wiesen. Hobby-Jagd drängt sie in Wälder und Nachtaktivität – mit Folgen für Verbiss und Verkehrssicherheit
  32. Der Wolf erbeutet mit weit höherer Präzision kranke und schwache Tiere als jeder Hobby-Jäger – und stabilisiert damit Populationen nachhaltig
  33. Nur rund 0,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Hobby-Jäger. 99,7 Prozent haben kein Interesse daran, Wildtiere zu töten
  34. Geschützte Arten auf der Roten Liste – Luchs, Wolf, Feldhase, Rebhuhn – werden immer wieder illegal von Hobby-Jägern geschossen
  35. Illegale und nicht gekennzeichnete Hochsitze in Wäldern stellen teils eine reale Sicherheitsgefahr für Kinder und Wandernde dar
  36. Hobby-Jäger decken seit Jahrzehnten zeitgemässe Tierschutzverbesserungen politisch ab und blockieren seriösen Tier- und Artenschutz
  37. Jagdwaffen sind in der Schweiz in Suiziden, Drohungen und Gewalttaten involviert – ohne Wesenstest, ohne Alkoholverbot, ohne einheitliche psychologische Mindestanforderungen
  38. Das Jägerlatein – die mythologisierende Sprache der Jagdkultur – dient der Verschleierung von Tötungsrealitäten durch romantisierende Begriffe
  39. Hobby-Jagd ist die mit Abstand kostspieligste Form, das Problem Wildtierpopulation nicht zu lösen
  40. Hobby-Jäger fügen Tieren – ausser der Vivisektion – am meisten Qualen und Missbrauch zu, auch durch die Art des Tötens

Alternativen: Was stattdessen möglich ist

Natürliche Regulation ist kein Wunschdenken. Wildtierpopulationen regulieren sich über Nahrungsverfügbarkeit, Klima, Krankheiten, Territorialität und soziale Strukturen – wenn man sie lässt. Der Kanton Genf ist seit 50 Jahren der empirische Beleg dafür, dass diese Regulation ohne Milizjagd funktioniert. Was sie ergänzt und verbessert, ist die konsequente Förderung von Beutegreifern: Der Wolf erbeutet kranke und schwache Tiere mit einer Präzision, die kein Hobby-Jäger erreicht. Der Luchs reguliert Rehpopulationen räumlich und sozialverträglich. Wildkatze und Fuchs kontrollieren Nagetier- und Kleintierpopulationen ohne menschlichen Eingriff.

Wildhüterstrukturen nach Genfer Vorbild ersetzen die bewaffnete Miliz durch staatlich angestelltes Fachpersonal, das nach klaren ökologischen Kriterien, transparent, tierschutzgerecht und ohne Trophäenlogik handelt. Biotoppflege, Lebensraumvernetzung, Wildtierkorridore, Amphibienschutz, Renaturierung: Das sind Formen von Naturschutz, die ohne Waffen auskommen – und die messbar, kontrollierbar und langfristig wirksam sind. Wo gezielte Eingriffe nötig sind – aus Tierschutzgründen, bei Unfallhotspots, bei nachgewiesenem Schadensdruck – erledigt professionelles Personal diese Aufgabe effizienter, sicherer und transparenter als eine dezentralisierte Miliz ohne einheitliche Standards, Wesenstests und Alkoholverbote.

Mehr dazu: Alternativen zur Jagd: Was wirklich hilft, ohne Tiere zu töten und Wildtierkorridore und Lebensraumvernetzung und Initiative fordert «Wildhüter statt Jäger»

Was sich ändern müsste

Erstens: Gesetzliche Gleichstellung von Wildtieren mit anderen Tieren im Tierschutzrecht. Was im Haushalt Tierquälerei ist, darf im Wald kein Kulturgut sein. Das Tierschutzgesetz muss lückenlos auf Wildtiere angewendet werden – auch im Kontext der Hobby-Jagd. Das bedeutet Mindesttötungsstandards, Nachsuche-Pflicht mit messbaren Quoten und strafrechtliche Konsequenzen für Fehlabschüsse.

Zweitens: Sofortiges Verbot der grausamsten Jagdmethoden. Baujagd, Fallenjagd mit Lebendfallen ohne tägliche Kontrolle, Treibjagden auf trächtige oder jungenführende Tiere: Diese Praktiken sind mit einem minimalen Tierschutzverständnis unvereinbar und müssen bundesrechtlich verboten werden. Die Bevölkerungsmehrheit hat das bereits entschieden – die Politik muss folgen.

Drittens: Verbot bleihaltiger Jagdmunition. Blei in Wildfleisch gefährdet Konsumenten, Beutegreifer und die Umwelt. Das Verbot ist technisch problemlos umsetzbar – bleifreie Munition ist verfügbar. Österreich und mehrere deutsche Bundesländer haben diesen Schritt bereits gemacht. Die Schweiz muss folgen.

Viertens: Obligatorischer psychologischer Wesenstest und Alkoholverbot bei der Jagdausübung. Wer mit scharfen Waffen in öffentlichen Wäldern tätig ist, muss psychologischen Mindestanforderungen genügen. Ein Alkoholverbot während der Jagdausübung ist das Minimum, das jedes andere bewaffnete Berufsfeld selbstverständlich kennt.

Fünftens: Konsequente Ausweitung von Schutzgebieten und Nationalpärken. Die Schweiz muss ihren Schutzgebietsanteil von rund 10 auf mindestens 30 Prozent erhöhen – das internationale Biodiversitätsziel bindet auch die Schweiz. Jagdlobby-Widerstand gegen Nationalpärke und Schutzflächen-Ausweisungen darf kein politisch bindendes Veto mehr sein.

Sechstens: Schrittweise Überführung der Milizjagd in professionelle Wildhüterstrukturen. Nach Genfer Vorbild, mit kantonalen Pilotprojekten, transparenter Kostenkalkulation und wissenschaftlicher Evaluation. Der erste Schritt: Bundesrechtliche Anerkennung des Wildhütermodells als gleichwertige Alternative zur Milizjagd.

Argumentarium

«Ohne Hobby-Jagd würden Wildtierbestände unkontrolliert wachsen.»
Wildtierpopulationen regulieren sich über Nahrungsverfügbarkeit, Lebensraumkapazität, Klima und soziale Mechanismen. Jagddruck löst kompensatorische Reproduktion aus – mehr Abschüsse erzeugen mehr Jungtiere. Kanton Genf: keine Milizjagd seit 1974, stabile bis wachsende Wildtierpopulationen, mehr Biodiversität. Die einfachste Widerlegung des Arguments ist eine Adresse: Genf.

«Hobby-Jäger leisten Naturschutzarbeit.»
Naturschutz ist messbar: betreute Flächen, konkrete Massnahmen, überprüfbare Wirkungen, Zeitraum. Das Jagd-System in seiner heutigen Form – insbesondere die Patentjagd, in der 65 Prozent der Hobby-Jäger aktiv sind – enthält keine institutionelle Grundlage für dauerhaften Lebensraumschutz. Was geleistet wird, ist selektiv, nicht kontrolliert und nicht evaluiert. Wer Natur schützen will, braucht keine Jagdberechtigung.

«Wildfleisch ist gesünder als Supermarktfleisch.»
Das BLV empfiehlt vulnerable Gruppen ausdrücklich, auf Wild zu verzichten. In der Mehrheit der untersuchten Wildfleisch-Wurstwaren sind Bleirückstände nachweisbar. Stresshormone im Fleisch gejagter Tiere sind messbar höher als in ruhig gestorbenen Tieren. Wildfleisch ist kein Bionahrungsmittel. Es ist das Endprodukt eines gewaltsamen Sterbeprozesses, das häufig mit Blei und Stresshormonen belastet ist.

«Die Jagd ist ein Kulturgut und Teil der Schweizer Tradition.»
Kulturgut ist keine rechtlich schützende Kategorie, wenn es Tierleid erzeugt, die Bevölkerungsmehrheit ablehnt und ökologisch kontraproduktiv ist. Auch Hundekämpfe, Bärenhetzen und andere historische Praktiken waren Traditionen. Die Gesellschaft hat sie abgeschafft – auf Basis von Wertewandel, Empathieentwicklung und Wissen. Derselbe Massstab gilt für die Hobby-Jagd.

«Hobby-Jäger tragen zur Verkehrssicherheit bei, indem sie Wildbestände reduzieren.»
Kanton Genf widerlegt das Argument empirisch: Wildunfallzahlen dort sind nicht höher als in bejagten Kantonen. Drückjagden und Treibjagden scheuchen Wildtiere aktiv auf und erhöhen Wildunfälle kausal. Wirksame Massnahmen sind Wildbrücken, Wildwarnanlagen, Temporeduktionen und Lebensraumvernetzung – nicht Abschüsse.

«Hobby-Jäger finanzieren sich selbst – sie kosten die Gesellschaft nichts.»
Diese Rechnung ignoriert externe Kosten: Wildschadenentschädigungen, Jagdunfall-Versicherungsleistungen, staatliche Kontrollkosten, Biodiversitätsverluste durch Lobby-blockierte Schutzflächen, Kosten durch Verbissdruck infolge von Wildtierkonzentration durch Jagddruck. Eine ehrliche Gesamtrechnung steht aus – und die Jagdlobby hat kein Interesse daran, dass sie gemacht wird.

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Unser Anspruch

Die Hobby-Jagd ist ethisch nicht vertretbar, ökologisch kontraproduktiv, gesundheitlich gefährlich, gesellschaftlich mehrheitlich abgelehnt und politisch von Lobbyinteressen geschützt. Kein einzelnes dieser Argumente steht allein. Zusammen ergeben sie ein klares Bild: Die Hobby-Jagd in ihrer heutigen Form hat in einer aufgeklärten, wissenschaftsorientierten Gesellschaft keine Zukunft mehr. Was sie ersetzt, ist vorhanden und erprobt: professionelle Wildhüterstrukturen, konsequenter Lebensraumschutz, Beutegreiferförderung und die ernsthafte Anerkennung der Tatsache, dass Wildtiere keine Ernteprodukte sind.

IG Wild beim Wild dokumentiert diese Realität – mit Zahlen, Studien, Fallberichten und politischen Analysen. Wir tun das, weil 120’000 Wildtiere pro Jahr in der Schweiz keine Stimme haben. Und weil die 99,7 Prozent der Bevölkerung, die kein Interesse daran haben, Wildtiere zu töten, einen Anspruch darauf haben, dass ihre Haltung politisch vertreten wird. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Studien, Zahlen oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.