2. April 2026, 05:29

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Rabenvögel Schweiz: Intelligenteste Tiere im Fadenkreuz

Rabenvögel gehören zu den intelligentesten Tieren der Erde. Studien der Universität Wien, der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts belegen, dass junge Kolkraben kognitive Fähigkeiten auf dem Niveau erwachsener Menschenaffen besitzen. Krähen können zählen, Werkzeuge herstellen, Gesichter erkennen und sich in Artgenossen hineinversetzen. Die Forschung hat nachgewiesen, dass sie über subjektives Erleben und bewusste Wahrnehmung verfügen. In der Schweiz werden diese Tiere zu Tausenden geschossen. Rabenkrähe, Nebelkrähe, Elster, Eichelhäher und Kolkrabe sind jagdbar. Die Saatkrähe ist geschützt, doch ihre Geschichte zeigt, wie nah Verfolgung und Ausrottung beieinanderliegen. Der NABU stellt fest: «Die Bejagung von Rabenvögeln widerspricht sowohl den Prinzipien der nachhaltigen Nutzung als auch allen seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen.»

Die fünf Arten im Überblick

Rabenkrähe (Corvus corone)

Die Rabenkrähe ist der häufigste Rabenvogel der Schweiz nördlich der Alpen. Sie ist vollständig schwarz gefiedert, rund 47 Zentimeter lang und wiegt 450 bis 600 Gramm. Sie lebt in Paaren oder kleinen Familiengruppen und besiedelt Wälder, Kulturland, Parks und Siedlungsgebiete. Ihre Nahrung ist extrem vielfältig: Insekten, Würmer, Mäuse, Aas, Getreide, Obst, Abfälle und gelegentlich Eier und Jungvögel. Als Allesfresser und Gesundheitspolizei beseitigt sie Aas und reguliert Insekten- und Nagetierpopulationen. Sie ist in der Schweiz jagdbar. Das BUWAL stellte 1998 fest, dass die Hälfte aller erlegten Vögel Rabenkrähen und Eichelhäher waren.

Nebelkrähe (Corvus cornix)

Die Nebelkrähe ist die südalpine und östliche Schwesterart der Rabenkrähe, von der sie sich durch das graue Körpergefieder bei schwarzem Kopf, Kehle, Flügeln und Schwanz unterscheidet. In der Schweiz kommt sie hauptsächlich im Tessin, im Engadin und in Teilen des Wallis vor. In der Hybridzone, wo sich die Verbreitungsgebiete überlappen, kreuzen sich Raben- und Nebelkrähe und bringen fruchtbare Nachkommen hervor. Biologisch und ökologisch sind die beiden Arten gleichwertig. Eine Studie der Lomonossow-Universität Moskau und der University of Bristol (Animal Cognition, 2024) hat nachgewiesen, dass Nebelkrähen «mentale Vorlagen» nutzen können, eine kognitive Fähigkeit, die bisher als für den Menschen einzigartig galt. Die Nebelkrähe ist in der Schweiz jagdbar.

Saatkrähe (Corvus frugilegus)

Die Saatkrähe ist ein Koloniebrüter, der sich durch ein federloses, grauweisses Gesicht am Schnabelgrund von der Rabenkrähe unterscheidet. In der Schweiz war sie durch Verfolgung und Lebensraumverlust lange Zeit verschwunden und hat sich erst dank internationalem Schutz wieder angesiedelt und ausgebreitet. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach bestätigt: «Die Ansiedlung und Ausbreitung von Kormoran und Saatkrähe sind ein Resultat des besseren internationalen Schutzes» (Vogelwarte Sempach, Atlas). Die Saatkrähe ist in der Schweiz in den meisten Kantonen geschützt, wird aber in einzelnen Kantonen wie Baselland dennoch bejagt (Jagdzeiten Kanton BL, 2024/25). Ihre Kolonien in Siedlungsnähe führen zu Konflikten wegen Lärm und Verschmutzung, die mit Prävention und Besucherlenkung lösbar sind.

Kolkrabe (Corvus corax)

Der Kolkrabe ist der grösste Singvogel der Welt. Er erreicht eine Flügelspannweite von über einem Meter und wiegt bis zu 1,5 Kilogramm. Sein tiefes, kehliges «Krock-krock» ist unverwechselbar. Er war in der Schweiz durch intensive Verfolgung stark dezimiert, hat sich nach der Einschränkung der Jagd aber wieder erholt. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach nennt den Kolkraben ausdrücklich unter den Arten, die durch historische Jagd stark dezimiert wurden (Vogelwarte Sempach, Atlas). Er ist in der Schweiz jagdbar, wobei die Kantone die Jagdzeiten festlegen. In Graubünden wurden in einem einzigen Jahr 51 Graureiher und Kolkraben zusammen erlegt (IG Wild beim Wild, Jagdstatistik 2022). Der Kolkrabe ist die vielleicht am besten erforschte Vogelart in Bezug auf Kognition: Er kann zählen, Beziehungen verstehen, kooperiert nur mit ehrlichen Partnern, verwendet Zeigegesten und kann sich in die Perspektive von Artgenossen hineinversetzen (Bugnyar, Universität Wien).

Elster (Pica pica)

Die Elster ist mit ihrem schwarz-weissen Gefieder und dem langen, metallisch grün und blau schimmernden Schwanz unverwechselbar. Sie ist rund 46 Zentimeter lang und wiegt 200 bis 250 Gramm. Sie lebt in offenen und halboffenen Landschaften, häufig in Siedlungsnähe, und baut grosse, kugelige Nester in Bäumen und Hecken. In der Schweiz war die Elster im Tessin durch Verfolgung ausgerottet und hat sich erst nach Schutzbestimmungen wieder angesiedelt (Vogelwarte Sempach, Atlas). Sie ist in der Schweiz jagdbar. Die Elster ist eines der wenigen Nicht-Säugetiere, die den Spiegeltest bestehen: Sie erkennt sich selbst im Spiegel, was als Indikator für Selbstbewusstsein gilt.

Intelligenz: Warum Rabenvögel nicht geschossen werden dürfen

Kognitive Fähigkeiten auf Menschenaffen-Niveau

Die Forschung der letzten zwei Jahrzehnte hat das Bild der Rabenvögel revolutioniert. Eine Studie der Universität Osnabrück und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (Scientific Reports, 2020) zeigte, dass junge Kolkraben bereits im Alter von vier Monaten kognitive Fähigkeiten besitzen, die mit denen erwachsener Schimpansen und Orang-Utans vergleichbar sind. Die Vögel meisterten Tests zum Verstehen von Mengen, Kausalketten, sozialem Lernen und Kommunikation auf dem Niveau der Menschenaffen.

Professor Thomas Bugnyar von der Universität Wien, einer der führenden Rabenvogelforscherinnen und -forscher weltweit, hat in jahrzehntelanger Forschung nachgewiesen, dass Kolkraben über eine «Theory of Mind» verfügen: Sie können sich in die Perspektive anderer hineinversetzen und deren Handlungen vorhersagen (Proceedings of the Royal Society B). Sie kooperieren nur mit ehrlichen Artgenossen, täuschen Futterverstecke vor, manipulieren soziale Beziehungen und verwenden Zeigegesten, die in der Tierwelt ausserordentlich selten sind.

Bewusstsein bei Krähen

Forschende der Universität Tübingen konnten 2020 erstmals den neurowissenschaftlichen Nachweis erbringen, dass Krähen über subjektives Erleben verfügen, also Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen. Bisher war diese Art des Bewusstseins nur bei Menschen und anderen Primaten nachgewiesen worden. Das Vogelgehirn hat keinen Neocortex (Grosshirnrinde), wie er bei Säugetieren für höhere kognitive Leistungen zuständig ist. Dennoch erreichen Rabenvögel vergleichbare oder sogar überlegene Leistungen, weil ihr Pallium (ein analoger Hirnbereich) deutlich mehr Neuronen pro Volumeneinheit enthält als Primatengehirne.

Was die Bejagung bedeutet

Tiere zu schiessen, die zählen können, Werkzeuge herstellen, Gesichter erkennen, sich in andere hineinversetzen und über bewusstes Erleben verfügen, ist ethisch nicht vertretbar. Die Bejagung von Rabenvögeln ist keine Wildtierbewirtschaftung, sondern die routinemässige Tötung hochintelligenter, empfindungsfähiger Lebewesen ohne vernünftigen Grund.

Mehr dazu: Dossier: Jagd und Biodiversität

Die Bejagung: Tausende Abschüsse ohne Zweck

Rechtliche Lage

Nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 3) sind Rabenkrähe, Nebelkrähe, Kolkrabe, Elster und Eichelhäher jagdbare Vogelarten. Die Saatkrähe wird in einzelnen Kantonen ebenfalls bejagt (Kanton BL: Jagdzeit 1. August bis 15. Februar). Die Schonzeiten variieren kantonal stark. Im Kanton Bern werden Rabenkrähen, Elstern und Eichelhäher im Rahmen von «Spezialabschüssen» sogar während der Schonzeit erlegt, als Belohnungssystem für Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger, die sich «im Hegebereich engagieren» (IG Wild beim Wild, Fuchsmassaker in der Schweiz).

Die Dimension des Abschusses

Das BUWAL stellte 1998 fest, dass die Hälfte aller in der Schweiz erlegten Vögel, rund 25’000 Tiere, Rabenkrähen und Eichelhäher waren (BUWAL-Medienmitteilung, 1998). Auch heute werden jährlich Tausende Rabenvögel geschossen. Die IG Wild beim Wild dokumentiert, dass neben den offiziellen Abschüssen auf der Niederjagd auch «Krähen, Eichelhäher, Elstern» zu den regelmässig getöteten Arten gehören (IG Wild beim Wild, Jagdstatistik 2022). In Graubünden stieg die Zahl der erlegten Eichelhäher in einem Invasionsjahr von 192 auf 770 (Südostschweiz, 2018). BirdLife Schweiz kommentiert: «Ökologisch ganz unnötig ist nicht nur die Jagd auf Hasen, sondern auch jene auf Vögel» (BirdLife Schweiz, Jagdstatistik).

Die Methoden

Die Rabenvogeljagd wird in der Schweiz hauptsächlich als Ansitzjagd und zunehmend als Lockjagd betrieben. Bei der Lockjagd werden Krähenattrappen auf Feldern aufgestellt, um weitere Krähen anzulocken, die dann aus einem Tarnzelt heraus abgeschossen werden. Wildtierschutz Deutschland bezeichnet diese Methode als «besonders perfide» und vergleicht die Ausrüstung (Tarnzelt, Fleckentarnanzug, Handschuhe, Kriegsbemalung) mit Kriegsspielen (Wildtierschutz Deutschland, 2021). Erbeutete Rabenkrähen und Elstern werden in der Regel nicht verwertet, sondern «wie Müll entsorgt» (Wildtierschutz Deutschland, 2021).

Mehr dazu: Tierschutzproblem: Wildtiere verenden qualvoll wegen Hobby-Jäger

Das «Schädlings»-Narrativ: Wissenschaftlich widerlegt

«Rabenvögel dezimieren die Singvögel»

Das meistverbreitete Argument für die Bejagung von Rabenvögeln lautet, sie seien «Nesträuber», die die Bestände von Singvögeln und Niederwild dezimierten. Der NABU hat diese Behauptung auf Basis umfangreicher wissenschaftlicher Literatur widerlegt. Gutachten unabhängiger Institute, darunter die Arbeiten von Dr. Wolfgang Epple, Dr. Ulrich Mäck und Dr. Hans-Wolfgang Helb (Rabenvogelgutachter des Landes Rheinland-Pfalz), kommen übereinstimmend zum Ergebnis: Es gibt keine wissenschaftlich reproduzierbaren Belege dafür, dass Rabenvögel Singvogel- oder Niederwildpopulationen flächig bedrohen (NABU, Jagd auf Rabenvögel; Wildtierschutz Deutschland, 2021).

Die tatsächlichen Ursachen für den Rückgang von Singvögeln und Niederwild sind der Lebensraumverlust durch Landwirtschaftsintensivierung, der Pestizideinsatz (der die Insektennahrung vernichtet), die Flurbereinigung (die Hecken und Brachen beseitigt), Glasfassaden, Hauskatzen und der Strassenverkehr. Rabenvögel leben seit Jahrtausenden in denselben Ökosystemen wie Singvögel und Niederwild, ohne deren Bestände zu gefährden. Der Rückgang dieser Arten korreliert nicht mit der Bestandsentwicklung der Rabenvögel, sondern mit der Intensivierung der Landnutzung.

«Rabenvögel verursachen Schäden in der Landwirtschaft»

Rabenkrähen können lokal Schäden an Silofolien, Maiskulturen und Obst verursachen. Diese Schäden sind real, aber begrenzt und mit Vergrämungsmassnahmen (Vogelscheuchen, Ablenkfütterung, Netze) handhabbar. Die Monitoring-Ergebnisse aus Oberösterreich zeigen, dass der Abschuss von 19’000 Rabenkrähen pro Jahr zu keiner Reduktion des Bestandes führte (OÖ Landesjagdverband, 2015). Die Bejagung ist als Schadenverhütungsmassnahme wirkungslos.

«Kolkraben töten Lämmer und Kälber»

Der Kolkrabe wird von der Hobby-Jagd-Lobby als «Lammkiller» und «Kälbertöter» diffamiert. In der Realität frisst der Kolkrabe bevorzugt Aas. Angriffe auf lebende Nutztiere kommen selten vor und betreffen fast ausschliesslich bereits geschwächte oder sterbende Tiere. Die Behauptung, Kolkraben würden gesunde Lämmer auf der Weide töten, ist wissenschaftlich nicht belegt und gehört ins Reich des Jägerlateins (Wildtierschutz Deutschland, 2021).

Ökologische Bedeutung: Gesundheitspolizei, Regulierer, Samenverbreiter

Aasbeseitigung

Rabenkrähen und Kolkraben sind die wichtigsten Aasbeseitiger der Schweizer Kulturlandschaft. Sie entsorgen tote Tiere auf Strassen, Feldern und Weiden und verhindern damit die Ausbreitung von Krankheitserregern. Ohne Rabenvögel würde die Seuchenhygiene im Offenland massiv verschlechtert.

Regulierung von Schädlingen

Alle fünf Arten fressen in erheblichem Umfang Mäuse, Schnecken, Engerlinge und andere landwirtschaftliche Schädlinge. Die Rabenkrähe allein beseitigt pro Revier Tausende von Insekten und Mäusen pro Jahr. Dieser Nutzen für die Landwirtschaft übersteigt die Schäden an Kulturen bei weitem, wird aber in keiner Schadensberechnung berücksichtigt.

Samenverbreitung

Elstern und Eichelhäher (als Teil der Rabenvogelfamilie) tragen massgeblich zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Die Hähersaat ist forstwirtschaftlich anerkannt (siehe Dossier: Der Eichelhäher in der Schweiz).

Indikatorart

Rabenvögel sind Indikatoren für die Qualität einer Landschaft. Wo Rabenvögel fehlen, fehlt es an Nahrungsvielfalt und Strukturreichtum. Ihre Verfolgung zu propagieren, während gleichzeitig der Rückgang der Biodiversität beklagt wird, ist ein Widerspruch, den die Hobby-Jagd-Lobby nicht auflösen kann.

Was sich ändern müsste

  • Gesamtschweizerischer Schutz aller Rabenvögel: Die Bejagung von Rabenkrähe, Nebelkrähe, Kolkrabe und Elster hat keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Sie widerspricht den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Intelligenz und Empfindungsfähigkeit dieser Tiere. Alle Rabenvögel müssen aus dem Katalog der jagdbaren Arten gestrichen werden.
  • Sofortige Abschaffung der «Spezialabschüsse» während der Schonzeit: Die Praxis einzelner Kantone, Rabenvögel als «Belohnung» für engagierte Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger auch während der Schonzeit zum Abschuss freizugeben, ist ein Skandal und muss sofort beendet werden.
  • Verbot der Lockjagd auf Rabenvögel: Die Lockjagd mit Attrappen und Tarnzelten ist eine besonders perfide Jagdmethode, die Tiere durch Ausnutzung ihres Sozialverhaltens (Neugier, Solidarität mit Artgenossen) in den Tod lockt. Sie muss verboten werden.
  • Prävention statt Abschuss bei landwirtschaftlichen Konflikten: Wo Rabenkrähen lokal Schäden an Kulturen verursachen, müssen Vergrämungsmassnahmen, Ablenkfütterung und technische Schutzvorrichtungen eingesetzt werden. Der Abschuss ist nachweislich wirkungslos, wie die Erfahrungen aus Oberösterreich zeigen.
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Rehabilitation der Rabenvögel: Das «Raubzeug»-Narrativ, das Rabenvögel als Schädlinge diffamiert, muss durch sachliche Information über ihre Intelligenz, ihre ökologische Bedeutung und ihre Schutzbedürftigkeit ersetzt werden.

Argumentarium

«Rabenvögel dezimieren die Singvogelpopulationen und müssen deshalb bejagt werden.» Gutachten unabhängiger Institute und die Position des NABU widerlegen diese Behauptung eindeutig. Der Rückgang der Singvögel korreliert nicht mit der Bestandsentwicklung der Rabenvögel, sondern mit der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Pestizideinsatz und dem Lebensraumverlust. Rabenvögel leben seit Jahrtausenden in denselben Ökosystemen wie Singvögel, ohne deren Bestände zu gefährden. Die Hobby-Jägerschaft will einen unliebsamen Beutekonkurrenten loswerden, um mehr Niederwild schiessen zu können.

«Die Rabenkrähe ist ein Massentier und ihre Bejagung schadet dem Bestand nicht.» Wenn die Bejagung keinen Einfluss auf den Bestand hat, hat sie auch keinen Zweck. Die Erfahrung aus Oberösterreich belegt, dass der Abschuss von 19’000 Rabenkrähen pro Jahr zu keiner Bestandsreduktion führte. Ein Abschuss ohne Wirkung und ohne Verwertung ist sinnlose Tötung. Sie widerspricht dem Tierschutzgesetz, das einen vernünftigen Grund für die Tötung eines Tieres verlangt.

«Rabenvögel sind ‹Schädlinge›, die in der Landwirtschaft Probleme verursachen.» Die Einteilung von Tieren in «nützlich» und «schädlich» ist ein überholtes Konzept des 19. Jahrhunderts. In Deutschland wurde der Begriff «Raubzeug» 1976 als «verketzernder und unnötiger Ausdruck» aus dem Bundesjagdgesetz gestrichen. Rabenvögel beseitigen Aas, regulieren Mäuse und Insekten und verbreiten Pflanzensamen. Ihr ökologischer Nutzen übersteigt die lokalen Schäden an Kulturen bei weitem.

«Der Kolkrabe tötet Lämmer und muss deshalb bejagt werden.» Der Kolkrabe frisst bevorzugt Aas. Angriffe auf lebende Nutztiere sind nicht wissenschaftlich belegt. Die Diffamierung des Kolkraben als «Lammkiller» ist Jägerlatein, das dazu dient, die Bejagung einer Art zu legitimieren, die in der Schweiz historisch fast ausgerottet wurde und sich erst durch Schutzbestimmungen erholt hat.

«Die Bejagung von Rabenvögeln hat Tradition und gehört zur Niederjagd.» Die Verfolgung von Rabenvögeln hat eine lange Geschichte, die mit Aberglauben, Vorurteilen und pseudobiologischen Vorstellungen durchsetzt ist. In der Vergangenheit wurden Bartgeier, Fischadler, Steinadler und Kolkrabe fast ausgerottet, weil sie als «schädlich» galten. Die Wissenschaft hat diese Einschätzung längst korrigiert. Tradition ist kein Argument für die Fortführung einer erwiesenermassen sinnlosen und ethisch fragwürdigen Praxis.

Quicklinks

Beiträge auf Wild beim Wild:

Verwandte Dossiers

Quellenangaben

  • Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch
  • BUWAL-Medienmitteilung (1998): Eidgenössische Jagdstatistik 1997 (Hälfte der erlegten Vögel waren Rabenkrähen und Eichelhäher)
  • Schweizerische Vogelwarte Sempach: Atlas der Schweizer Brutvögel, Jagd und Verfolgung durch den Menschen (vogelwarte.ch)
  • BirdLife Schweiz: Die aktuelle Jagdstatistik und das revidierte Jagdgesetz (birdlife.ch)
  • NABU Deutschland: Jagd auf Rabenvögel (nabu.de)
  • Wildtierschutz Deutschland (2021): Jagd auf Rabenvögel, Kein vernünftiger Grund (wildtierschutz-deutschland.de)
  • Pika, S. et al. (2020): Ravens parallel great apes in physical and social cognitive skills. Scientific Reports, Universität Osnabrück/Max-Planck-Institut
  • Bugnyar, T. (diverse): Forschung zur Rabenkognition, Theory of Mind bei Kolkraben. Universität Wien, Proceedings of the Royal Society B
  • Nieder, A. et al. (2020): Bewusstsein bei Krähen, Universität Tübingen
  • Smirnova, A. A. und Jelbert, S. (2024): Mentale Vorlagen bei Nebelkrähen. Animal Cognition
  • OÖ Landesjagdverband (2015): Monitoring Rabenkrähenbestand Oberösterreich (19’000 Abschüsse ohne Bestandsreduktion)
  • Kanton Basel-Landschaft: Jagdzeiten 2024/25 (Rabenkrähe, Saatkrähe, Nebelkrähe, Kolkrabe, Elster, Eichelhäher)
  • Südostschweiz (2018): Jäger stellen einen neuen Rekord auf (770 Eichelhäher in Graubünden)
  • IG Wild beim Wild (2020/2022/2025): Jagdstatistik 2022, Fuchsmassaker in der Schweiz (wildbeimwild.com)
  • taz (2022): Jagd auf Krähen, Zum Abschuss freigegeben
  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)
  • Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455)

Unser Anspruch

Rabenvögel sind die Primatinnen und Primaten unter den Vögeln. Sie verfügen über kognitive Fähigkeiten, die die Wissenschaft in Staunen versetzen und die erst in den letzten zwei Jahrzehnten annähernd verstanden wurden. Sie können zählen, Werkzeuge herstellen und benutzen, sich in die Perspektive anderer hineinversetzen, soziale Beziehungen manipulieren, Gesichter erkennen und jahrelang Groll hegen. Sie trauern um tote Artgenossen. Sie verfügen nachweislich über bewusstes Erleben. Und sie werden in der Schweiz zu Tausenden geschossen, nicht weil sie eine Bedrohung darstellen, sondern weil sie seit dem 19. Jahrhundert als «Raubzeug» gelten und weil die Hobby-Jägerschaft sie als Beutekonkurrenten betrachtet. Die Verfolgung der Rabenvögel hat in der Schweiz zur fast vollständigen Ausrottung des Kolkraben, zur Ausrottung der Elster im Tessin und zur schweren Dezimierung der Rabenkrähe geführt. Erst der gesetzliche Schutz hat die Erholung ermöglicht. Dass dieselben Arten, deren Überleben dem Schutz zu verdanken ist, heute wieder bejagt werden, ist ein historischer Rückfall. Die Konsequenz ist eindeutig: Alle Rabenvögel müssen in der Schweiz gesamtschweizerisch geschützt werden. Die Bejagung ist wissenschaftlich unbegründet, ökologisch schädlich und ethisch nicht zu verantworten. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.