2. April 2026, 05:37

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Schneehase Schweiz: Klimakrise und Flintenschuss

Der Schneehase ist ein Überlebender der Eiszeit. Als hochspezialisierter Bewohner des Hochgebirges ist er an das Leben über der Baumgrenze angepasst wie kaum ein anderes Säugetier. Doch der Klimawandel raubt ihm den Lebensraum, die Freizeitindustrie stresst ihn nachweislich, und die Hobby-Jägerschaft schiesst jährlich rund 900 Tiere. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat ihn zum Tier des Jahres 2025 ernannt, nicht aus Freude, sondern aus Sorge. In der Schweiz gilt er als «potenziell gefährdet». Geschossen wird er trotzdem.

Steckbrief

Der Schneehase (Lepus timidus), in den Alpen als Alpenschneehase (Lepus timidus varronis) bezeichnet, gehört zur Familie der Hasen (Leporidae). Er ist mit einem Durchschnittsgewicht von rund 3 Kilogramm und einer Körperlänge von 40 bis 60 Zentimetern etwas kleiner und gedrungener als der Feldhase. Seine Ohren sind deutlich kürzer, was der Allenschen Regel entspricht: Je kälter der Lebensraum, desto kürzer die Extremitäten, um Wärmeverluste zu minimieren. Im Winter sind seine Pfoten dicht behaart, was die Auflagefläche vergrössert und ihm das Laufen auf Schneedecken erleichtert.

Der Fellwechsel: Tarnung als Überlebensstrategie

Das bekannteste Merkmal des Schneehasen ist sein jahreszeitlicher Fellwechsel. Im Sommer trägt er ein graubraunes Fell, das ihn zwischen Felsen und Zwergsträuchern tarnt. Im November wechselt er zu einem weissen Winterkleid, nur die schwarzen Ohrspitzen bleiben. Dazwischen zeigt er ein auffällig geschecktes Übergangsfell. Dieser Farbwechsel ist genetisch gesteuert und an die historischen Schneeverhältnisse angepasst. Er war über Jahrtausende eine perfekte Tarnstrategie. Doch der Klimawandel hat das Timing zerstört: Der Schnee schmilzt immer früher, und die Schneehasen sitzen zunehmend mit weissem Fell auf braunem Untergrund. Prof. Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur Wien beschreibt es drastisch: «Wenn man mit weissem Fell auf braunem oder grünem Untergrund ist, sitzt man wirklich auf dem Präsentierteller für Fressfeinde» (National Geographic, 2023). Bei Mondschein würden die Hasen regelrecht leuchten.

Biologie und Fortpflanzung

Der Schneehase ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und lebt als Einzelgänger. Tagsüber ruht er in einer flachen Mulde (Sasse) zwischen Felsen oder unter Zwergsträuchern. Er ernährt sich von Gräsern, Kräutern, Zwergsträuchern, Rinde und Flechten. Im Winter, wenn die Schneedecke die Vegetation bedeckt, weicht er auf Rinde und Triebe von Weiden, Erlen und Heidelbeersträuchern aus.

Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr. Nach einer Tragzeit von rund 50 Tagen wirft die Häsin 1 bis 4 Junge, die als Nestflüchter bereits behaart und sehend zur Welt kommen. Die Fortpflanzungsrate ist niedriger als beim Feldhasen, was den Schneehasen empfindlicher gegenüber Bestandsverlusten macht. Die Populationen unterliegen natürlichen Schwankungen, die durch Nahrungsverfügbarkeit, Witterung, Parasiten und Prädation beeinflusst werden.

Rote-Liste-Status

Der Schneehase wird in der Schweiz auf der Roten Liste der Säugetiere als «potenziell gefährdet» (NT, Near Threatened) eingestuft. Die Alpenpopulation gilt als besonders bedroht, weil sie geographisch isoliert ist und ihr Einwanderungsquellen aus den nördlichen Populationen fehlen (Wikipedia, Schneehase). Dennoch ist der Schneehase im Bundesgesetz über die Jagd (JSG) als jagdbare Art aufgeführt.

Lebensraum: Ein Hochgebirge, das schmilzt

Anpassung an die Extreme

Der Schneehase lebt in der Schweiz in den Alpen ab einer Höhe von rund 1’300 bis über 3’000 Metern. Er bewohnt die alpine und subalpine Stufe: Zwergstrauchgürtel, Geröllhalden, Blockfelder und Grasmatten oberhalb der Baumgrenze. Er ist gemeinsam mit dem Alpenschneehuhn eine der wenigen Tierarten, die an den boreo-alpinen Lebensraum perfekt angepasst sind (Wikipedia, Schneehase). Derzeit leben in der Schweiz schätzungsweise rund 14’000 Schneehasen (Fondation Franz Weber, 2020).

Der Klimawandel als existenzielle Bedrohung

Die Alpen erwärmen sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Für den Schneehasen bedeutet das: weniger Schnee, kürzere Winter, steigende Temperaturen in der Fortpflanzungszeit. Eine Studie der WSL und der Universität Bern (Rehnus et al., Global Change Biology, 2018) hat errechnet, dass die Fläche an geeignetem Lebensraum für den Schneehasen in der Schweiz bis ins Jahr 2100 je nach Szenario um 26 bis 45 Prozent schrumpfen wird. Besonders betroffen sind die nördlichen und südlichen Voralpen. In den Zentralalpen ist der Verlust geringer, aber auch hier nimmt die Anzahl geeigneter Gebiete ab und die Fragmentierung nimmt zu.

WSL-Forscher Maik Rehnus fasst zusammen: «Mit dem Verlust und der steigenden Zerstückelung der Lebensräume ist die Art zunehmend gefährdet» (SWI swissinfo.ch, 2018). Die Fragmentierung führt zur genetischen Verarmung, weil isolierte Populationen keinen Austausch mehr pflegen können.

Die doppelte Bedrohung: Feldhase rückt auf

Der Klimawandel bringt eine weitere Gefahr: Der Feldhase, der normalerweise in tieferen Lagen lebt, siedelt sich zunehmend in höheren Regionen an. Eine Studie aus Graubünden zeigt, dass Schneehasen über 30 Jahre im Schnitt drei Meter pro Jahr höher geschossen wurden, während der Feldhase mit sechs Metern pro Jahr doppelt so schnell nach oben vorrückte (Hackländer, National Geographic, 2023). Die Überlappungszone wächst. Der grössere und dominantere Feldhase verdrängt den Schneehasen bei Nahrungsknappheit. Zudem hybridisieren die beiden Arten: Die Kreuzung bringt fruchtbare Nachkommen hervor, was langfristig zur genetischen Auflösung des Schneehasen führen kann. Hackländer prognostiziert: «Der Schneehase wird zwar aussterben, aber seine Gene nicht» (National Geographic, 2023).

Mehr dazu: Dossier: Jagd und Biodiversität

Die Bejagung: Folklorejagd auf ein Eiszeitrelikt

Rechtliche Lage

Der Schneehase ist nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 1) eine jagdbare Art. Die Schonzeit erstreckt sich vom 1. Januar bis zum 30. September. In den Monaten Oktober bis Dezember darf er geschossen werden. Die Kantone können die Jagdzeit weiter einschränken oder den Schneehasen ganzjährig schützen. In den meisten Kantonen wird er hauptsächlich im Rahmen der Niederjagd bejagt, wobei die Abschüsse überwiegend in den Kantonen Graubünden, Wallis und Tessin stattfinden.

Die Dimension des Abschusses

Zwischen 2014 und 2023 wurden in der Schweiz jährlich durchschnittlich rund 900 Schneehasen erlegt (Wikipedia, Schneehase). BirdLife Schweiz nannte für ein Jahr 868 Abschüsse (BirdLife Schweiz, Jagdstatistik). Die Fondation Franz Weber spricht von rund 1’000 Tieren pro Jahr (FFW, 2020). Im Kanton Uri, wo 2025 über ein Jagdverbot für Schneehuhn und Schneehase abgestimmt wurde, lag die Abschusszahl bei rund 30 Tieren pro Jahr. Die Initiative wurde mit 52,87 Prozent abgelehnt (Aargauer Zeitung, Mai 2025). Die Urner Regierung argumentierte, Tourismus und Klimawandel seien grössere Bedrohungen als die Hobby-Jagd.

Die Absurdität: Klimaopfer bejagen

Die Bejagung des Schneehasen ist ökologisch nicht zu rechtfertigen. Pro Natura stellte im Rahmen der Revision des Jagdgesetzes (2020) fest: Für die Folklorejagd auf Schneehuhn, Birkhahn, Waldschnepfe und Feldhasen gibt es aus wildbiologischer Sicht keinen Grund. Die Tiere verursachen keine Schäden und müssen nicht im Bestand kontrolliert werden. Dasselbe gilt für den Schneehasen. Er richtet keinen Wildschaden an. Er steht mit keinem wirtschaftlichen Interesse in Konflikt. Er lebt oberhalb der Baumgrenze, wo er weder Wald noch Landwirtschaft beeinträchtigt. Der einzige Grund für seine Bejagung ist die Tradition der Hochgebirgsjagd, ein Freizeitvergnügen der Hobby-Jägerschaft.

Dass eine potenziell gefährdete Art, die durch Klimawandel, Lebensraumverlust, Fragmentierung, Hybridisierung und Freizeitstörung bereits unter massivem Druck steht, zusätzlich bejagt wird, ist ein Verstoss gegen das Vorsorgeprinzip. Die Fondation Franz Weber formuliert: «Es wäre im Sinne des Vorsorgeprinzips schon lange angebracht, die Art durch eine Unterschutzstellung von unnötigem Druck zu entlasten, statt sie zusätzlich noch durch die Jagd zu dezimieren» (FFW, 2020).

Mehr dazu: Dossier: Jagdmythen

Freizeitstörung: Stress, der tötet

Wintersport und Energieverbrauch

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Kot von Schneehasen in Tourismusregionen deutlich mehr Stresshormone enthält als in ruhigeren Lebensräumen (Rehnus und Bollmann, WSL, 2021). Gestresste Schneehasen benötigen rund 20 Prozent mehr Energie, was ihre Überlebenschancen im ohnehin energetisch kritischen Winter massiv beeinträchtigt (FFW, 2020). Schneeschuhwandern, Freeriden, Tourenskifahren und Drohnenflüge abseits der markierten Pisten zwingen die Tiere zur Flucht und treiben ihren Energieverbrauch in die Höhe.

Der Schneehase hat im Winter keine Reserven zu verschenken. Jede Störung kostet ihn Kalorien, die er in einer Umgebung mit knappem Nahrungsangebot nicht ersetzen kann. Die kumulative Wirkung von Klimastress, Freizeitstörung und Bejagung kann das Fass zum Überlaufen bringen, auch wenn jeder einzelne Faktor für sich genommen nicht tödlich wäre.

Der Vergleich mit dem Alpenschneehuhn

Im Kanton Tessin wurde 2019 erstmals die Jagd auf das Alpenschneehuhn wegen dessen Gefährdung durch den Klimawandel verboten (BirdLife Schweiz, 2020). Im Kanton Uri wurde 2025 über ein Jagdverbot für Schneehuhn und Schneehase abgestimmt. Die Initiative scheiterte knapp. Was für das Schneehuhn in einzelnen Kantonen bereits gilt, wird dem Schneehasen verweigert, obwohl beide Arten denselben Lebensraum teilen, denselben Bedrohungen ausgesetzt sind und denselben Rote-Liste-Status haben.

Was sich ändern müsste

  • Sofortiges und gesamtschweizerisches Jagdverbot auf den Schneehasen: Eine potenziell gefährdete Art, die durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Hybridisierung existenziell bedroht ist, keinen Wildschaden verursacht und nicht reguliert werden muss, darf nicht bejagt werden. Was der Kanton Tessin für das Schneehuhn umgesetzt hat, muss bundesrechtlich auch für den Schneehasen gelten.
  • Nationales Schneehasen-Monitoring: Die WSL empfiehlt ausdrücklich die Einrichtung eines nationalen Monitorings (Rehnus et al., 2018). Aktuell gibt es keine verlässlichen Bestandszahlen. Die Schätzung von rund 14’000 Tieren beruht auf groben Hochrechnungen. Ohne belastbare Daten ist jede Aussage über «nachhaltige» Bejagung wissenschaftlich nicht haltbar.
  • Wirksame Wildruhegebiete im Hochgebirge: Der Schneehase braucht im Winter ungestörte Rückzugsräume. Wildruhegebiete oberhalb der Baumgrenze müssen grossflächig ausgewiesen und durchgesetzt werden. Schneeschuhwandern, Tourenskifahren und Freeriden abseits markierter Routen müssen in diesen Gebieten verboten sein.
  • Drohnenflugverbote über alpinen Lebensräumen: Drohnen sind eine zunehmende Störungsquelle für Wildtiere im Hochgebirge. Ein flächendeckendes Drohnenflugverbot über Schneehasen- und Schneehuhn-Habitaten ist dringend erforderlich.
  • Schutz der Vernetzungskorridore: Die zunehmende Fragmentierung der Schneehase-Habitate droht isolierte Populationen genetisch verarmen zu lassen. Die von der WSL identifizierten Vernetzungsgebiete müssen als prioritäre Schutzgebiete ausgewiesen werden.
  • Forschung zu Hybridisierung und Klimaanpassung: Das Vorrücken des Feldhasen in höhere Lagen und die zunehmende Hybridisierung sind eine langfristige Bedrohung für den Schneehasen. Forschung zu Ausmass und Folgen der Hybridisierung ist dringend nötig, um Schutzmassnahmen gezielt einsetzen zu können.

Argumentarium

«Der Schneehase ist nicht durch die Hobby-Jagd gefährdet, der Klimawandel ist das Hauptproblem.» Dass der Klimawandel die Hauptbedrohung ist, stimmt. Doch genau deshalb muss jeder zusätzliche Mortalitätsfaktor eliminiert werden. Wenn eine Art durch Lebensraumverlust, Fragmentierung und Hybridisierung bereits unter Druck steht, ist es ökologisch fahrlässig, sie zusätzlich zu bejagen. Die Fondation Franz Weber fordert zu Recht die Anwendung des Vorsorgeprinzips.

«Die Abschusszahlen sind gering und haben keinen Einfluss auf die Gesamtpopulation.» Bei einer geschätzten Gesamtpopulation von 14’000 Tieren und rund 900 Abschüssen pro Jahr wird jährlich rund 6 Prozent des Bestandes erlegt. Bei einer Art mit niedriger Reproduktionsrate und hoher natürlicher Mortalität ist das kein vernachlässigbarer Eingriff. Zudem fehlen verlässliche Bestandszahlen: Die Hobby-Jägerschaft schiesst auf eine Art, deren tatsächliche Populationsentwicklung sie nicht kennt.

«Die Bejagung des Schneehasen ist Tradition und Teil der Hochgebirgsjagd.» Tradition ist kein Argument für die Bejagung einer potenziell gefährdeten Art, die keinen Schaden verursacht und nicht reguliert werden muss. Pro Natura hat festgestellt, dass es für die Folklorejagd auf diese Arten aus wildbiologischer Sicht keinen Grund gibt. Die Hochgebirgsjagd auf den Schneehasen ist ein Freizeitvergnügen, kein Wildtiermanagement.

«Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger liefern durch ihre Abschüsse wertvolle Daten für das Monitoring.» Dieses Argument ist ein Zirkelschluss: Man bejagt eine Art, um Daten über ihren Zustand zu sammeln, und rechtfertigt die Bejagung mit den gesammelten Daten. Monitoring ist auch ohne Abschuss möglich: Fotofallen, Spurenerhebungen, Kotanalysen und genetische Methoden liefern dieselben Informationen, ohne ein einziges Tier zu töten. Die WSL betreibt ihre Forschung im Schweizerischen Nationalpark, wo nicht gejagt wird.

«Im Kanton Uri wurde das Jagdverbot demokratisch abgelehnt, das Volk hat entschieden.» Die knappe Ablehnung (52,87 Prozent) zeigt, dass die Gesellschaft in dieser Frage gespalten ist. Dass die Urner Regierung ursprünglich selbst ein Jagdverbot befürwortete und sich erst unter dem Druck der Hobby-Jagd-Lobby umstimmen liess, spricht Bände. Artenschutz darf nicht an kantonalen Abstimmungen scheitern, wenn die wissenschaftliche Evidenz eindeutig ist. Der Bund ist in der Pflicht, den Schutz des Schneehasen auf nationaler Ebene zu verankern.

Quicklinks

Beiträge auf Wild beim Wild:

Verwandte Dossiers

Quellenangaben

  • Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch (Abschussdaten Schneehase)
  • Rehnus, M. et al. (2018): Habitat suitability modelling of the Alpine mountain hare. Global Change Biology, WSL/Universität Bern/Universität für Bodenkultur Wien
  • Rehnus, M. und Bollmann, K. (2021): Stressbelastung von Schneehasen in Tourismusregionen. WSL
  • Fondation Franz Weber (2020): Schneehase, Der Verlierer des Klimawandels. Faktenblatt (ffw.ch)
  • BirdLife Schweiz: Die aktuelle Jagdstatistik und das revidierte Jagdgesetz (birdlife.ch)
  • National Geographic (2023): Zu weiss für die Alpen, Kann der Schneehase dem Klimawandel trotzen? (nationalgeographic.de)
  • SWI swissinfo.ch (2018): Für Schneehasen wird es mit dem Klimawandel eng in den Alpen
  • Naturschutz.ch (2018): Für Schneehasen wird es mit dem Klimawandel eng
  • Wikipedia: Schneehase (Lepus timidus)
  • Aargauer Zeitung (Mai 2025): Uri, Schneehase und Schneehuhn dürfen weiterhin gejagt werden
  • NZZ (Mai 2025): Jagd-Lobby versus Naturschützer, Uri stimmt über ein Jagdverbot ab
  • JagdSchweiz/Wildtier Schweiz: Auswirkungen der Jagdbarkeit auf Birkhuhn, Alpenschneehuhn, Waldschnepfe, Feld- und Schneehase
  • Deutsche Wildtier Stiftung: Tier des Jahres 2025, Alpenschneehase
  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)

Unser Anspruch

Der Schneehase ist ein lebendes Relikt der Eiszeit, ein Tier, das seit dem Ende der letzten Vergletscherung in den Schweizer Alpen überlebt hat. Er hat Jahrtausende des Klimawandels überdauert, doch die Geschwindigkeit der aktuellen Erwärmung ist beispiellos. Sein Lebensraum schrumpft, sein Tarnkleid versagt, sein Konkurrent rückt auf, seine Gene lösen sich durch Hybridisierung auf. In dieser Situation wird er von der Hobby-Jägerschaft als Freizeitbeute behandelt: rund 900 Tiere pro Jahr, geschossen auf dem Rückzugsgebiet einer Art, die nirgendwohin mehr ausweichen kann. Der Schneehase verursacht keine Schäden. Er steht mit keinem menschlichen Interesse in Konflikt. Der einzige Grund für seine Bejagung ist die Tradition, und Tradition ist das schwächste aller Argumente, wenn eine Art vor dem Verschwinden steht. Die Konsequenz ist eindeutig: Die Schneehase-Jagd muss sofort und gesamtschweizerisch eingestellt werden. Was die Wissenschaft empfiehlt und das Vorsorgeprinzip gebietet, darf nicht länger am Widerstand der Hobby-Jagd-Lobby scheitern. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.