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Kriminalität & Jagd

Leben im Einklang mit der Kriminalität

Fuchsjagd ist sinnfrei und Tierquälerei. Luxemburg und andere jagd freie Regionen beweisen es.

Redaktion Wild beim Wild — 18. Januar 2026

In der Jagdkommunikation klingt es oft wie eine Naturmeditation: stilles Warten, verantwortungsvolle «Regulation», angeblich zum Schutz von Arten und Ökosystemen.

Genau in diesem Ton erzählt die Davoser Zeitung die Passjagd als «Leben im Einklang mit der Natur», wenn Füchse von der Hobby-Jägerschaft «reguliert» werden.

Das Problem ist nicht nur die Wortwahl. Das Problem ist das System dahinter. Denn während «Einklang» suggeriert, es gehe um Wissenschaft und Gemeinwohl, läuft in der Praxis eine Freizeitjagd, die Leid produziert, Risiken schafft und ökologisch kaum das einlöst, was sie verspricht.

Laut dem Amt für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden gibt es jedes Jahr über 1’000 Anzeigen und/oder Bussen gegen Hobby-Jäger nur in dem Kanton, weil sie gegen Jagdgesetze verstossen oder in andere kriminelle Aktivitäten involviert sind.

Wer «im Einklang mit der Natur» leben will, baut Lebensräume, reduziert Störungen, schützt Wildtiere und sorgt für wirksamen Herdenschutz. Wer hingegen mit dem Gewehr auf Passjagd unterwegs ist, lebt nicht im Einklang, sondern im System einer normalisierten Gewaltpraxis, die regelmässig in Rechtsverletzungen, Fehlabschüssen und Ausreden endet.

Fuchsjagd: viel Behauptung, wenig Wirkung

Der Kernmythos lautet: Füchse müssten geschossen werden, sonst «nehmen sie überhand». Genau das wird seit Jahrzehnten behauptet, aber immer wieder widerlegt. Biologisch ist der Rotfuchs hochflexibel. Wo Jagddruck herrscht, reagieren Populationen oft mit Ausgleichseffekten: mehr Zuwanderung, höhere Reproduktion, frühere Fortpflanzung. Ein Factsheet fasst es klar zusammen: In der Fläche lässt sich die Dichte durch Hobby-Jagd häufig nicht dauerhaft senken, weil Verluste kompensiert werden. Wenn das Ziel also «Bestände reduzieren» lautet, ist die Fuchsjagd in vielen Fällen nicht nur grausam, sondern schlicht ineffektiv.

Luxemburg zeigt, wie dünn die Rechtfertigungen sind

Besonders entlarvend sind reale Gegenbeispiele. Luxemburg hat die Fuchsjagd seit 2015 untersagt. Laut einer naturwissenschaftlichen Zusammenstellung gibt es dort keine Anzeichen für einen explodierenden Fuchsbestand und keinen Einbruch seltener Tierarten, auch die oft bemühte Parasitenkarte liefert keine «Katastrophe».

Jagdfreie Regionen: Das stärkste Argument ist die Realität

Wer wissen will, ob Natur ohne Hobby-Jagd funktioniert, muss nicht spekulieren. Der Kanton Genf ist seit 1974 jagdfrei. Das ist kein romantisches Experiment, sondern ein Langzeitfall, der zeigt: Wildtiermanagement ist auch ohne private Schiesslust möglich. Und wenn Regulation wirklich nötig ist, dann als staatliche, eng begründete Massnahme, nicht als Freizeitbeschäftigung mit Trophäenlogik und «Saison». Genau dazu finden sich bei Wild beim Wild auch konkrete politische Vorstossideen, die das Genfer Modell als Pilotgebiet denken.

Wenn «Regulation» in der Praxis Verwechslung und Rechtsbruch bedeutet

Noch härter wird der Widerspruch zwischen Erzählung und Realität dort, wo geschützte Tiere sterben, weil geschossen wird, obwohl Unsicherheit besteht.

Solche Fälle sind keine Nebensache. Sie sind eine direkte Folge davon, dass Schusswaffen in ein komplexes, dynamisches System getragen werden, in dem Sekundenentscheide über Leben und Tod fallen. Das ist kein «Einklang». Das ist ein Risiko mit vorhersehbaren Opfern.

Die Passjagd ist dafür ein Symbol: unsichtbare Hobby-Jäger, unsichtbare Konsequenzen

Die Davoser Zeitung beschreibt die Zeit nach der Hochjagd als scheinbare Ruhe, in der Hobby-Jäger weiterhin präsent sind, «einzeln, still, unscheinbar», und nun der Fuchs «in den Fokus» rückt. Genau diese Unsichtbarkeit ist Teil des Problems. Denn je «unscheinbarer» gejagt wird, desto leichter wird verdrängt, dass es sich nicht um Naturschutzarbeit handelt, sondern um das gezielte Töten eines fühlenden Wildtiers, häufig ohne belastbaren Nutzen, aber mit messbaren Nebenwirkungen: verletzte Tiere, Fehlabschüsse, gestörte Sozialstrukturen, Normalisierung von Gewalt in der Landschaft.

Was wäre ehrlich?

Ehrlich wäre es, die Fuchsjagd nicht als «Regulation» zu verkaufen, sondern als das zu benennen, was sie oft ist: Freizeitjagd auf ein Tier, das in vielen Ökosystemen eine wichtige Rolle spielt, und dessen «Problemstatus» regelmässig politisch und kulturell produziert wird. Ehrlich wäre auch, von den Orten zu lernen, die längst weiter sind: Luxemburg ohne Fuchsjagd, Genf ohne Hobby-Jagd dazu viele Nationalpärke. Nicht als Utopie, sondern als überprüfbare Praxis.

Warum Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist

Eine psychologische Einordnung der Hobby-Jagd zwischen Empathiehemmung, lustbasierter Gewalt und gesellschaftlicher Normalisierung.

Menschen, die Freude daran empfinden, Lebewesen zu töten und dafür zu bezahlen, zeigen aus psychologischer Sicht kein normales Freizeitverhalten. Dieses Verhalten widerspricht grundlegenden Mechanismen von Empathie, Mitgefühl und moralischer Hemmung, wie sie beim Grossteil psychisch gesunder Menschen vorhanden sind. Psychologisch handelt es sich um abweichendes Gewaltverhalten, auch wenn es politisch oder kulturell geduldet wird.

Freude am Töten ist ein klassisches Merkmal lustbasierter Gewalt. Der Gewaltakt selbst wirkt belohnend. Nicht das Ergebnis, nicht die Notwendigkeit, sondern das Töten. Das ist kein Randphänomen, sondern in der Gewaltpsychologie klar beschrieben.

Wer die Hobby-Jagd als Freude erlebt, zeigt eine psychologisch problematische Gewaltmotivation, die historisch und strukturell mit autoritären und entwertenden Ideologien verwandt ist.

Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

Weiterführende Artikel

  • Fred Kurt: Das Reh in der Kulturlandschaft. Ökologie, Sozialverhalten, Jagd und Hege. Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, S. 83.
  • Eidgenössische Jagdstatistik Link
  • Erläuterungen und Quellenangaben Link
  • Wissenschaftliche Literatur: Studien Rotfuchs
  • Jäger verbreiten Krankheiten: Studie
  • Jagd fördert Krankheiten: Studie
  • Hobby-Jäger in der Kriminalität: Die Liste
  • Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig: Artikel
  • Luxemburg verlängert Fuchsjagdverbot: Artikel
  • Niederjagd und Wildkrankheiten: Artikel
  • Vergrämung von Wildtieren: Artikel

Grundlagen und Einordnungen zur Passjagd sind im Dossier.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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