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Jagd

Europas Schande: Zwei Waldrappe in Italien erschossen

Kaum eine Stunde nach der Alpenüberquerung endete der Flug zweier Waldrappe in der Lombardei tödlich: erschossen, mitten auf einer Wiese.

Redaktion Wild beim Wild — 4. November 2025

Die bedrohten Zugvögel waren Teil eines EU-Schutzprojekts.

Während Europa Millionen in den Artenschutz steckt, werden dieselben Tiere an anderer Stelle von Hobby-Jägern getötet. Ein Lehrstück über Heuchelei, Tradition und Verantwortungslosigkeit.

Der tödliche Süden: Schutzstatus endet am Gewehrlauf

Zwei Waldrappe, Teil eines EU-Wiederansiedlungsprojekts, starteten ihre Reise in Österreich, machten Rast in der Schweiz und überquerten erfolgreich die Alpen. Kurz nach der Grenze bei Dubino, Lombardei, wurden sie erschossen, vermutlich von Freizeitjägern. Die Kadaver blieben verschwunden, nur ihre GPS-Tracker wurden fünf Tage später vom Militär gefunden.

Einmal mehr zeigt sich: Der gesetzliche Schutzstatus bedrohter Arten ist in Europa das Papier nicht wert, auf dem er steht.

Erschossen wie Abfall – das Ende einer Artenschutz-Illusion

Einer der getöteten Vögel, „Zoppo“, war ein Gründungsmitglied des Projekts. Er diente als Mentor für junge Artgenossen, darunter Zaz, sein Adoptivküken. Beide starben zusammen. „Diese brutale Tat hat dem Projekt nicht nur eines seiner Gründungsmitglieder genommen, sondern auch die internationale Gemeinschaft hinter den Wiederansiedlungsbemühungen zutiefst schockiert“, sagt Roberta Pieroni, Leiterin einer italienischen Anti-Wilderei-Kampagne.

Doch Schock ersetzt keine Konsequenzen. Seit Jahren werden in Südeuropa Millionen Zugvögel geschossen, gefangen oder vergiftet, oft unter dem Deckmantel „Tradition“. Europas Behörden reagieren mit Betroffenheitsrhetorik – und schauen dann wieder weg.

Wenn Tradition zur Lizenz zum Töten wird

In Italien, Frankreich, Malta und Spanien hat die Hobby-Jagd längst folkloristischen Status. Unter dem Deckmantel „Kulturerbe“ werden grausame Praktiken legitimiert, die mit Naturverbundenheit nichts zu tun haben. Dass Zugvögel wie der Waldrapp auf diesen Routen keine Chance haben, ist kein Kollateralschaden, sondern ein systemisches Versagen.

Wer bedrohte Arten schützen will, muss nicht über „nachhaltige Nutzung“ reden, sondern über ein Ende der Jagdprivilegien.

Der Waldrapp, der Italien meidet und überlebt

Während in der Lombardei geschossen wird, zeigt ein Schweizer Waldrapp, dass es auch anders geht. Der Vogel Knuckle blieb in der Schweiz, nachdem er im letzten Jahr den Anschluss an seine Familie verlor. Heute gilt er als Überlebenskünstler: „Da Knuckle den ersten Zug verpasst hat, hat er keine Ambitionen mehr, nach Italien zu fliegen“, sagt Johannes Fritz vom Waldrappteam.

Ironischerweise ist genau das sein Lebensschutz: Er fliegt nicht dorthin, wo Europa seine Wildtiere erschiesst.

Fazit: Artenschutz endet dort, wo die Jagd-Lobby beginnt

Die Erschiessung der beiden Waldrappe ist kein tragischer Einzelfall, sondern Ausdruck eines kranken Systems, das Tiermord als Freizeitgestaltung duldet. Solange Jagd als „Tradition“ verharmlost wird und Behörden wegsehen, bleiben alle Artenschutzprogramme nur ein kostspieliges Feigenblatt.

Wenn Europa es ernst meint mit Biodiversität, braucht es endlich Konsequenz:

  • Jagdverbote entlang der Zugrouten,
  • harte Strafen für Wilderei,
  • und das Ende der romantisierten Jagdpropaganda.

Bis dahin werden Waldrappe weiter fliegen und weiter sterben.

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