3. April 2026, 11:08

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Jagd

Nacht des Fuchses: 50 tote Füchse in Salzburg

In Scheffau im Tennengau (Salzburg) wurden nach einer Jagdveranstaltung tote Wildtiere öffentlich auf einem Feld präsentiert. Tierschutzorganisationen sprechen von rund 50 Füchsen und zahlreichen Mardern. Es kam zu Protesten, die Polizei begleitete die Situation. Der Fall ist mehr als ein lokaler Aufreger: Er zeigt exemplarisch, wie Freizeitjagd der Gewalttäter als Brauchtum inszeniert wird und wie schnell dabei Ethik, Ökologie und Tierwohl unter die Räder geraten.

Redaktion Wild beim Wild — 21. Januar 2026

Laut dem Bericht von 5min.at fand in Scheffau im Rahmen der Tierquälerei die sogenannte «Nacht des Fuchses» statt.

Anschliessend legten Hobby-Jäger mehrere erlegte Tiere aus, darunter nach Angaben von Tierschutzorganisationen rund 50 Füchse sowie zahlreiche Marder. Die öffentliche Präsentation löste Empörung aus, parallel dazu gab es eine Kundgebung von Tierschützerinnen und Tierschützern. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet, die Polizei war vor Ort.

Heikle Symbolik: Wenn Töten zur Schau wird

Das Auslegen der «Strecke» wird von Jagdseite häufig als Tradition beschrieben. In der öffentlichen Wahrnehmung wirkt es jedoch wie eine Siegesinszenierung über getötete Tiere. Genau hier kippt das Narrativ: Wer behauptet, Hobby-Jagd sei «Dienst an der Natur», aber zugleich Dutzende Kadaver als Kulisse arrangiert, produziert ein Bild der Dominanz, nicht der Verantwortung. Der Protest in Scheffau entzündete sich daher nicht nur an der Anzahl der getöteten Füchse, sondern an der Botschaft, die das Ritual sendet: Töten wird normalisiert, ästhetisiert und sozial belohnt. Würde ein Soldat oder Polizist grinsend derartige Trophäenbilder mit seinen Opfern publizieren, würde er unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und in die psychiatrische Klinik überwiesen.

Die Standardbegründungen wackeln

Die Berichte erwähnen zwei der typischen Rechtfertigungen: Tollwut und Fuchsbandwurm. Kritisierende hielten dagegen, dass Österreich seit Jahren als tollwutfrei gilt und gesundheitliche Gründe kaum mehr tragen. Selbst wenn einzelne Risiken existieren, folgt daraus nicht automatisch, dass massenhaftes Töten notwendig, wirksam oder verhältnismässig ist.

Dazu kommt: Naturschutzfachliche Akteure fordern in Österreich seit Längerem ein modernes, wissenschaftsbasiertes Wildtiermanagement beim Fuchs, inklusive klarer Schonzeiten. Der Naturschutzbund argumentiert dabei explizit für einen respektvollen Umgang und für Schutzphasen, statt Dauerbejagung als Default.

Und: Es gibt Bundesländer, in denen für Füchse praktisch keine Schonzeit vorgesehen ist. Das ist politisch gemacht, nicht naturgegeben.

Was das mit der Schweiz zu tun hat

Solche Bilder entstehen nicht im luftleeren Raum. Auch in der Schweiz wird die Fuchsjagd von der Hobby-Jägerschaft regelmässig als «Regulation» verkauft, obwohl Erfahrungen aus jagdfreien oder jagdarmen Ländern, Regionen, Nationalpärken und städtischen Räumen zeigen, dass die Natur nicht zusammenbricht, wenn man den Abzugsfinger weglässt. Wer den Fuchs pauschal zum «Problem» erklärt, verschiebt Verantwortung weg von Lebensraumverlust, Landwirtschaft, Strukturarmut und Abfallmanagement hin zu einem leicht verfügbaren Sündenbock.

Politischer Hebel statt Empörungsschleife: Mustertext für einen Vorstoss zum Verbot der Fuchsjagd: Link

Einordnung: Warum «Raubwildbejagung» als Dauerlösung nicht überzeugt

Selbst wenn man den Schutz einzelner Arten diskutiert, bleibt die Kernfrage: Welche Massnahme wirkt nachweislich, und zu welchem Preis? Dauerbejagung erzeugt oft kurzfristige Effekte, aber sie löst keine strukturellen Ursachen wie fehlende Deckung, ausgeräumte Landschaften, Pestiziddruck oder Zerschneidung von Lebensräumen. Wer Biodiversität ernst meint, müsste zuerst über Hecken, Brachen, Feuchtgebiete, extensive Bewirtschaftung und sichere Wildtierkorridore sprechen, nicht über Jagdevents mit Trophäenkulisse.

Die eigentliche Nachricht

Der Skandal ist nicht nur «50 tote Füchse». Die eigentliche Nachricht ist die gesellschaftliche Schieflage, die solche Inszenierungen möglich macht: Ein Wildtier wird zum Objekt, sein Tod zum Programmpunkt, Empathie zum Störgeräusch. Der Konflikt in Scheffau ist damit ein Spiegel. Er zeigt, wie dringend eine jagdpolitische Debatte ist, die sich an Wissenschaft, Tierethik und öffentlichem Interesse orientiert, statt an Tradition, Lobbylogik und Gewaltkultur.

Warum Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist

Eine psychologische Einordnung der Hobby-Jagd zwischen Empathiehemmung, lustbasierter Gewalt und gesellschaftlicher Normalisierung.

Menschen, die Freude daran empfinden, Lebewesen zu töten und dafür zu bezahlen, zeigen aus psychologischer Sicht kein normales Freizeitverhalten. Dieses Verhalten widerspricht grundlegenden Mechanismen von Empathie, Mitgefühl und moralischer Hemmung, wie sie beim Grossteil psychisch gesunder Menschen vorhanden sind. Psychologisch handelt es sich um abweichendes Gewaltverhalten, auch wenn es politisch oder kulturell geduldet wird.

Freude am Töten ist ein klassisches Merkmal lustbasierter Gewalt. Der Gewaltakt selbst wirkt belohnend. Nicht das Ergebnis, nicht die Notwendigkeit, sondern das Töten. Das ist kein Randphänomen, sondern in der Gewaltpsychologie klar beschrieben.

Wer die Hobby-Jagd als Freude erlebt, zeigt eine psychologisch problematische Gewaltmotivation, die historisch und strukturell mit autoritären und entwertenden Ideologien verwandt ist.

Mehr dazu im Dossier: Jagd und Tierschutz

Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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