Österreich: Weiterer Hobby-Jäger im Endstadium
Am Montagmorgen, dem 28.10.2024, im Bezirk Rohrbach in Österreich, erschoss ein Hobby-Jäger Menschen, darunter den Bürgermeister von Kirchberg ob der Donau.
Die Polizei sucht öffentlich nach dem mutmasslichen Täter, Roland Drexler (56).
Ein zweites Todesopfer wurde bestätigt, während ein drittes nicht offiziell bestätigt werden konnte. Die Anti-Terror-Einheit «Cobra» ist im Einsatz, und die Bewohner verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Die Tat könnte aus einem Streit über die Jagdrechte resultiert haben. Der Hobby-Jäger hat eine Todesliste bei sich. Es ist nicht bekannt, ob er kürzlich eine Hubertusmesse besucht hat. Er gilt laut Polizei als sehr gefährlich.
250 Einsatzkräfte suchen alleine in Österreich, auch die Polizei in Deutschland und Tschechien ist alarmiert. Der erste Tatort liegt nur 22 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
Im Ort sei er als «problematisch» und «jähzornig» bekannt gewesen, sagt die Polizei.
Doch seine Mordpläne scheinen noch lange nicht zu Ende zu sein – das zeigt eine Todesliste, die von den Ermittlern gefunden wurde. 50 Personen aus dem Umfeld des Verdächtigen gelten jetzt als besonders gefährdet. Die meisten von ihnen kommen aus der Hobby-Jägerschaft und erhalten aktuell Personenschutz oder wurden an einen sicheren Ort gebracht. Die Kriminalität im Umfeld der Hobby-Jagd ist ein wiederkehrendes Phänomen.
Laut Polizei soll der Mörder zwei Langwaffen und eine Faustfeuerwaffe bei sich tragen. Auch Roland Drexler wurde offensichtlich im Laufe seiner Hobby-Jagdtätigkeit schwer geistig krank.
18 Katzen sollen verschwunden sein
Als die Polizei die Wohnsitze durchsuchte, stiessen sie auf eine Überraschung: Die zwei Jagdhunde des Gesuchten waren zurückgeblieben. Der passionierte Hobby-Jäger hatte sie innig geliebt, aber seine Methoden bei der Hundezucht, die er früher betrieben hatte, waren umstritten. Auch sein Verhalten im Revier: Ein Altenfeldener erzählt, dass 18 Katzen verschwunden seien, nachdem der 56-Jährige in seiner Nachbarschaft die Hobby-Jagd übernommen hatte.
Der Fall weckt Erinnerungen an den Hobby-Jäger und Wilderer von Annaberg in Niederösterreich – damals erschoss ein 55-jähriger Hobby-Jäger drei Polizisten und einen Sanitäter, bevor er sich selbst in seinem Vierkanthof in Grosspriel (NÖ) richtete.
Hobby-Jäger leben von Fleisch. Deshalb sind sie oft wütend, gewalttätig und aggressiv. Das ist nicht seltsam, sondern ganz natürlich. Wenn man vom Töten lebt, hat man keinen Respekt vor dem Leben. Man ist feindlich gegenüber dem Leben.
Gewalt verändert das Gehirn
An der Stelle, wo Gewalt sich entlädt, werden genauso Schäden verursacht, wie am Punkt, auf den sie gerichtet ist.
Und dies denkbar konkret auf neuronaler Ebene. Wissenschaftler haben dies bei Untersuchungen herausgefunden. Auch Neuropsychologen bestätigen: Die Amygdala, ein Kerngebiet im Gehirn, ist bei Gewalttätern auffällig zurückgebildet oder gestört. Ist dieser zentrale Teil des Gehirns defekt, ist unter anderem das Ekelgefühl ausgeschaltet. Mehr dazu in der Rubrik Psychologie und Hobby-Jagd.
Gewalttätige Handlungen wie das Jagen verändern also das Gehirn. Das Gleichgewicht der intellektuellen Fähigkeiten und der niederen animalischen Triebe wird gestört. Hobby-Jäger fehlt oftmals der Respekt vor Mitlebewesen. Ihre inneren Dämonen reagieren ungehalten auf Einschränkungen, Ratschläge und Kritik von der normalen Bevölkerung. Dies können Bürger im Selbsttest immer wieder in Gesprächen mit Hobby-Jägern feststellen, wenn diese aus dem «Nähkästchen» plaudern.
Wer den Jagdschein macht, erhält immer zweierlei: ein Schein fürs Töten und ein Schein fürs Verblöden.
Mehr dazu im Dossier: Psychologie der Jagd
Studien / Quellen:
- Solothurner Regierung verteidigt Tierquälerei
- Amygdala and violence
- Den Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalt in der Familie verstehen: Das bioökologische Systemmodell
- Kindheit ohne Gewissen
- Warum manche Menschen mörderisch böse werden
- Violence as a source of pleasure or displeasure is associated with specific functional connectivity with the nucleus accumbens
- Menschen die Tiere quälen, belassen es selten dabei
- Jagdfieber
- Serial Killers Have Under-Developed Brains, Says New Study
- Wenn Kinder Tiere quälen – so sollten Eltern reagieren
- Why Men Trophy Hunt: Showing Off and the Psychology of Shame
- „Töten kann Spass machen“
- Hunting and Illegal Violence Against Humans
- Jäger besser verstehen
- Interview: Petra Klages mit dem Serienmörder Frank Gust
- Psychologisch-Soziologische Unterschiede zwischen Hobbyjägern und Nichtjägern
- Anatomie der menschlichen Destruktivität
- Hat der einen Schuss?
- Die Leidenschaft des Jägers
- Hunting and Illegal Violence Against Humans and Other Animals: Exploring the Relationship
- Hunters and molesters
- Ohio data confirms hunting/child abuse
- Michigan stats confirm hunting, child abuse
- Häusliche Gewalt durch Waffen verhindern
- Cazadores deportivos – Mentes criminales?
- Jagd und Jäger: Psychoanalyse
- Ein Forscher findet in den Gehirnen von Serienmördern ein bestimmtes Muster
- Das Gehirn
- Hobby-Jäger und ihr Muster im Gehirn
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