1. Mai 2026, 09:55

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Mustertexte für jagdkritische Vorstösse

Immer mehr Politikerinnen und Politiker möchten eine moderne, tier- und naturschutzgerechte Jagdpolitik. Häufig scheitert es nicht am Willen, sondern an der Zeit, konkrete Vorstösse auszuformulieren. Diese Seite schliesst diese Lücke: mit fertig formulierten Mustertexten für Motionen, Postulate und andere Parlamentsvorlagen – für den gesamten DACH-Raum, kontinuierlich ergänzt.

Das Instrument des parlamentarischen Vorstosses – ob Motion, Postulat oder Interpellation – ist das direkteste Mittel, um Jagdpolitik auf Kanton- oder Gemeindeebene zu verändern. Gleichzeitig ist die Ausarbeitung rechtlich sattelfester, politisch schlagkräftiger Texte aufwendig. Diese Mustertexte stehen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern, Parteien, Organisationen und engagierten Privatpersonen frei zur Verfügung – zur direkten Übernahme, Anpassung und Einreichung.

Wichtige Hinweise vor der Einreichung

Die Mustertexte sind als Vorlagen konzipiert. Vor jeder Einreichung sind drei Schritte notwendig:

  • Juristische Prüfung: Die Texte müssen auf die Rechtsgrundlagen des jeweiligen Kantons angepasst werden. Gesetzesbezeichnungen, Artikelnummern und Verfahrensbezeichnungen variieren kantonal.
  • Formale Anpassung: Kantonsparlamente haben unterschiedliche Formvorschriften für Motionen, Postulate, Anfragen und Interpellationen. Format, Länge und Einreichungsfristen sind kantonal zu prüfen.
  • Politische Kontextualisierung: Ein Mustertext ist stärker, wenn er mit lokalen Beispielen, kantonalen Statistiken und regionalen Verweisen ergänzt wird.

Die IG Wild beim Wild übernimmt keine Haftung für die rechtliche Korrektheit eingereichter Texte. Für Unterstützung bei der kantonsspezifischen Anpassung: Kontakt aufnehmen

Wozu dienen parlamentarische Vorstösse?

Ein parlamentarischer Vorstoss ist kein Gesetz – aber er erzwingt eine Antwort, erzeugt öffentliche Aufmerksamkeit und setzt Themen auf die politische Agenda. Die Schweizer Bundesversammlung kennt Motion, Postulat, Interpellation, Anfrage und parlamentarische Initiative als Instrumente. Auf Kantonsebene sind die Bezeichnungen und Verfahren ähnlich, aber nicht einheitlich.

Eine Motion beauftragt die Exekutive, einen Gesetzesentwurf vorzulegen oder eine konkrete Massnahme zu ergreifen. Sie ist das verbindlichste Instrument. Ein Postulat beauftragt die Regierung, die Zweckmässigkeit einer Massnahme zu prüfen und darüber zu berichten. Es ist weniger verbindlich, aber niederschwelliger einzureichen. Eine Interpellation oder parlamentarische Anfrage fordert Auskunft von der Regierung. Sie erzeugt keine Handlungspflicht, aber politischen Druck und Transparenz.

Für jagdkritische Anliegen empfiehlt sich je nach Ziel: Motionen für Verbote und Regulierungen, Postulate für Studien, Berichte und Pilotprojekte, Anfragen für Daten und Transparenz.

Tierschutz und Jagdpraxis

Erlegerbilder regulieren: Tierwürde über den Tod hinaus schützen
Jagdtrophäenfotos in öffentlichen Medien, sozialen Netzwerken und Schulkommunikation regulieren: Wann ist die Zurschaustellung toter Wildtiere mit Tierwürde und Jugendschutz vereinbar?

Schutz von Jungtieren und Elterntieren: konsequente Schonzeiten und Ruhezonen
Gesetzlich verankerte Schonzeiten für Jungtiere und Elterntiere in der Aufzuchtperiode, verbindliche Ruhezonen und Kontrolle ihrer Einhaltung.

Verbot tierquälerischer Fallen- und Lockjagd
Verbot von Lebendfall- und Schlagfallenjagd, die Tiere über Stunden leiden lässt, sowie Verbot von akustischer Lockjagd auf bestimmte Arten.

Verbot für Kinder und Jugendliche auf der Jagd
Mindestalter für die Teilnahme an Jagden, Verbot der Teilnahme Minderjähriger an Treibjagden, Drückjagden und Grossjagden.

Jagdpropaganda mit toten Tieren eindämmen
Regulierung der öffentlichen Zurschaustellung erlegter Wildtiere auf Jagdausstellungen, Streckenlegungen und in sozialen Medien.

Alkohol- und Drogenkonsum auf der Hobby-Jagd wirksam unterbinden
Klare Promillegrenzen bei der Jagdausübung, Stichprobenkontrollen und empfindliche Sanktionen bei Verstössen analog zur Strassenverkehrsgesetzgebung.

Jagdfreie Zonen und Systemalternativen

Jagdverbot nach Vorbild Genf: Hobby-Jagd durch professionelles Wildtiermanagement ersetzen
Der Kanton Genf zeigt seit 1974, dass professionelles Wildtiermanagement durch staatliche Wildhüter besser funktioniert als flächendeckende Hobby-Jagd. Dieser Vorstoss fordert eine Prüfung desselben Modells im einreichenden Kanton.

Jagdfreie Zonen und Pilotgebiet nach Genfer Vorbild
Ausweisung eines oder mehrerer jagdfreier Pilotgebiete zur wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation, als Grundlage für eine faktenbasierte Entscheidung über die Zukunft der kantonalen Jagdpolitik.

Jagdruhe auf Privatwald: Befriedung von Privatgrundstücken aus ethischen Gründen
Eigentumsrechte und Gewissensfreiheit von Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern stärken: Das Recht, die eigene Parzelle aus ethischen Gründen jagdfrei zu halten.

Schutzwald vor Hobby-Jagd schützen und Beutegreifer integrieren
Jagdfreie Zonen in Schutzwäldern und Naturwaldreservaten, kombiniert mit gezielter Förderung natürlicher Regulierung durch Beutegreifer.

Spezifische Jagdformen

Verbot von Bewegungsjagden
Drückjagden und Treibjagden verursachen nachweislich höheren Stress, mehr Fehlabschüsse und grössere ökologische Störungen als Ansitzjagden. Dieser Vorstoss fordert ein kantonales Verbot oder eine starke Einschränkung dieser Jagdformen.

Verbot der Fuchsjagd: Wissenschaftsbasierte und tierethische Neuausrichtung der kantonalen Jagdpolitik
Luxemburg verzichtet seit 2015 auf jede Fuchsjagd – ohne die prophezeiten Probleme. Dieser Vorstoss fordert ein kantonales Fuchsjagdverbot und die Umstellung auf nicht-letale Regulierungsmethoden.

Abschaffung der Niederwildjagd: Schutz bedrohter Arten vor Freizeitjagd
Feldhasen, Rebhühner, Fasane: Niederwildarten sind vielerorts in der Schweiz stark rückläufig. Dieser Vorstoss fordert ein sofortiges Moratorium und eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, bevor weitere Abschüsse bewilligt werden.

Moratorium beziehungsweise Verbot der Wolfsjagd
Im Licht des laufenden Untersuchungsverfahrens der Berner Konvention gegen die Schweiz fordert dieser Vorstoss ein kantonales Moratorium auf präventive Wolfsabschüsse bis zur rechtlichen Klärung.

Transparenz und Kontrolle

Transparente Jagdstatistik: Abschüsse, Nachsuchen und Fehlabschüsse offenlegen
Vollständige, jährlich publizierte Statistik zu Abschüssen, Fehlabschüssen, Nachsuchen und Tierschutzmeldungen – als Grundlage für eine faktenbasierte Jagdpolitik.

Unabhängige Jagdaufsicht: Externe Kontrolle statt Selbstkontrolle
Aufbau einer unabhängigen Jagdaufsicht ohne strukturelle Nähe zum Hobby-Jagd-Milieu, mit klaren Melde-, Kontroll- und Sanktionsmechanismen.

Hobby-Jagd und Kriminalität: Eignungskontrollen, Meldepflichten und Konsequenzen verschärfen
Verschärfte Eignungsprüfung vor Jagdpatenterwerb, Meldepflicht für Verurteilungen und konsequenter Patententzug bei Gewalt- und Tierschutzdelikten.

Entzug von Umweltprivilegien für Jagdverbände
Überprüfung und Beendigung von Steuerbefreiungen, Subventionen und privilegiertem Behördenzugang für Jagdverbände, die nicht nachweislich im öffentlichen Naturschutzinteresse handeln.

Keine Jagdpropaganda durch Hobby-Jäger in Schulen
Verbot von jagdlichen Schulbesuchen, Lehrpfaden und Unterrichtsmaterialien aus Jagdverbänden ohne unabhängige pädagogische und tierschutzrechtliche Prüfung.

Gesundheit, Sicherheit und Waffen

Bleifreie Jagd: Verbot von bleihaltiger Munition im Kanton
Das BLV empfiehlt Schwangeren, Kindern und Stillenden, kein Wild zu essen, das mit Bleimunition erlegt wurde. Der Kanton Bern hat das Verbot auf 2027 vorgezogen. Dieser Vorstoss fordert dasselbe in anderen Kantonen – vor dem nationalen Verbot 2030.

Gesundheitsrisiken von Wildbret transparent machen
Obligatorische Deklarationspflicht für Munitionsart, Herkunft und Verarbeitungsstandards bei Wildfleisch in Gastronomie und Detailhandel.

Sicherheit der Bevölkerung: Mindestabstände, Sperrzonen, Meldepflicht
Verbindliche Mindestabstände zu Wohngebäuden, Wanderwegen, Bikepfaden und Erholungsgebieten, öffentliche Jagdankündigung und Meldepflicht bei jagdlichen Vorfällen.

Schutz vor häuslicher Waffengewalt: Jagdwaffen, Hobby-Jäger und Femizide
Konsequente Überprüfung der Waffenaufbewahrung bei Hobby-Jägern in häuslichen Gewaltsituationen, Meldepflicht für Strafverfolgungsbehörden und rascherer Waffentzug bei Gefährdungshinweisen.

Illegale Hochsitze: Wälder vom jagdlichen Wildwuchs befreien
Systematische Bestandsaufnahme und Entfernung nicht bewilligter Hochsitze und jagdlicher Infrastruktur im öffentlichen Wald, mit Kostenpflicht für die verursachenden Reviere.

Tierschutzkonforme Zaun- und Weidenetzvorgaben
Verpflichtende Standards für Weidezäune, die Wildtiere nicht behindern, verletzen oder töten – als Beitrag zu echter Koexistenz zwischen Landwirtschaft und Wildtieren.

Wolf und Beutegreifer

Herdenschutz statt Wolfsabschüsse: Umgang mit dem Wolf im Kanton
Verbindliche Vorgaben für Herdenschutzmassnahmen als Voraussetzung für Abschussbewilligungen, kombiniert mit kantonaler Finanzierung professioneller Herdenschutzberatung.

Tierquälerische Freizeitformate und Terraristik-Messen
Kantonale Regulierung von Veranstaltungen, auf denen Tiere als Dekoration, Trophäe oder Handelsware eingesetzt werden – gestützt auf Tierschutzgesetz und Tierwürde.

Wie du zur Erweiterung der Sammlung beiträgst

Die Sammlung der Mustertexte wird kontinuierlich ergänzt. Drei Wege zur Mitarbeit:

Vorstoss eingereicht? Teile das Ergebnis mit uns – Einreichungstext, Reaktion der Regierung, allfällige Debatten. Wir dokumentieren und machen daraus einen öffentlichen Bericht.

Thema fehlt? Wenn ein politisches Anliegen fehlt, das deiner Meinung nach als Vorstoss formuliert werden sollte, schreib uns: wildbeimwild.com/kontakt

Kantonales Beispiel vorhanden? Eingereichte, angepasste oder erfolgreich behandelte Vorstösse aus deinem Kanton helfen anderen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern. Schick uns den Text – wir ergänzen die Sammlung.

Hintergrund und Einordnung

Die Schweizer Jagdgesetzgebung ist primär kantonal. Der Bund setzt Mindeststandards über das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel – aber Abschusszeiten, Jagdarten, Kontrollmechanismen und Vollzug liegen weitgehend in Kantonshand. Das bedeutet: Kantonsparlamente sind der wirksamste Hebel für jagdpolitische Veränderungen – und parlamentarische Vorstösse sind das Standardwerkzeug.

Das revidierte Jagdgesetz, das am 1. Februar 2025 in Kraft trat, hat den Kantonen zusätzliche Spielräume bei der präventiven Wolfsregulierung eingeräumt. Es hat gleichzeitig den Druck auf Tierschutz- und Naturschutzorganisationen erhöht, auf kantonaler Ebene gegenzusteuern. Die Mustertexte auf dieser Seite sind eine direkte Antwort auf diese Situation: Sie übersetzen jagdkritische Anliegen in parlamentarisch verwertbare Sprache.

Für weitere Hintergrundinformationen, wissenschaftliche Quellen und Unterstützung bei der Ausarbeitung kantonsspezifischer Vorstösse steht die IG Wild beim Wild zur Verfügung. Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, die konkrete Unterstützung bei der Anpassung eines Mustertextes benötigen, können uns direkt kontaktieren: wildbeimwild.com/kontakt

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.