Die Waldschnepfe steht auf der Roten Liste der Schweiz als «verletzlich» (VU). Ihr Brutbestand hat seit 1990 um mehr als 30 Prozent abgenommen. Aus dem Mittelland ist sie fast vollständig verschwunden. Der Bund investiert 500’000 Franken in ein Artenförderprojekt, das ihren Rückgang aufklären soll. Gleichzeitig werden in der Schweiz jährlich zwischen 1’500 und 2’500 Waldschnepfen geschossen. Eine BAFU-Studie (Bohnenstengel et al., 2020) hat nachgewiesen, dass die Schweizer Brutvögel bis weit in die Jagdsaison hinein im Land bleiben und der Anteil einheimischer Vögel an der Jagdstrecke deutlich höher ist als bisher angenommen. Die Fondation Franz Weber kommentiert: «Die Jagd auf die Waldschnepfe ist eine reine Sport- und Freizeitaktivität. Eine Notwendigkeit zur Bestandsregulierung besteht nicht, da es auch keine Konflikte zwischen Menschen und Tieren gibt.» BirdLife Schweiz vergleicht die Situation mit Alkohol am Steuer: «Es ist ein bisschen so, als würde man Alkohol am Steuer nicht verbieten, weil diese Ursache nicht an erster Stelle der Zahl der Verkehrstoten steht.»
Steckbrief
Die Waldschnepfe (Scolopax rusticola) gehört zur Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) und ist damit ein Watvogel, der entgegen der Gewohnheiten seiner Familie nicht an Gewässern, sondern im Wald lebt. Sie ist etwa so gross wie eine Haustaube, mit einer Körperlänge von 33 bis 38 Zentimetern und einem Gewicht von 250 bis 420 Gramm. Ihr Gefieder ist ein Meisterwerk der Tarnung: ein komplexes Muster aus Braun-, Schwarz-, Grau- und Beigetönen, das die Waldschnepfe am Waldboden praktisch unsichtbar macht. Der lange, gerade Schnabel (6 bis 8 Zentimeter) ist ihr wichtigstes Werkzeug: Mit ihm stochert sie im weichen, feuchten Waldboden nach Regenwürmern, die bis zu 90 Prozent ihrer Nahrung ausmachen.
Biologie und Lebensweise
Die Waldschnepfe ist ein nachtaktiver Einzelgänger. Tagsüber sitzt sie reglos am Waldboden und verlässt sich auf ihre Tarnung. In der Dämmerung und nachts fliegt sie auf offene Flächen (Wiesen, Waldlichtungen), um Nahrung zu suchen. Im Frühling führen die Männchen spektakuläre Balzflüge (den «Schnepfenstrich») durch: In der Abenddämmerung fliegen sie über die Baumkronen und stossen dabei das charakteristische tiefe «Quorren» und hohe «Puitzen» aus. Das Weibchen brütet allein und legt 4 Eier in eine Bodenmulde im Laub. Die Brutdauer beträgt 21 bis 24 Tage. Bei Gefahr kann das Weibchen ein Küken zwischen Körper und Oberschenkel klemmen und damit wegfliegen, ein einzigartiges Verhalten unter den Vögeln.
Das grösste Sehfeld aller Vögel
Die Waldschnepfe besitzt die wohl bemerkenswerteste Augenstellung aller Vögel. Ihre grossen, dunkelbraunen Augen sitzen weit oben und seitlich am Kopf, was ihr ein nahezu vollständiges 360-Grad-Sehfeld ermöglicht. Sie kann gleichzeitig nach vorne, hinten und oben sehen, ohne den Kopf zu bewegen (Umweltnetz Schweiz, 2023). Diese Anpassung erlaubt es ihr, am Boden sitzend Feinde aus jeder Richtung zu erkennen, während sie mit dem Schnabel im Boden nach Würmern stochert. Dieses aussergewöhnliche Sinnesorgan, das über Jahrmillionen der Evolution entstanden ist, wird von der Hobby-Jägerschaft mit einem Schrotschuss in der Abenddämmerung beantwortet.
Bestand und Verbreitung: Ein Vogel verschwindet
Rote-Liste-Status
Die Waldschnepfe ist auf der Roten Liste der Brutvögel der Schweiz (BAFU/Schweizerische Vogelwarte, 2021) als «verletzlich» (VU) eingestuft. Sie ist damit die einzige jagdbare Vogelart der Schweiz, die als «gefährdet» im Sinne der Roten Liste gilt (Freiburger Nachrichten, 2024). Der Schweizer Brutbestand wird auf 1’000 bis 4’000 singende (also männliche) Tiere geschätzt (Umweltnetz Schweiz, 2023). Die Bestände sind seit 1990 um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach stellt fest: «Als Brutvogel ist die Waldschnepfe in der Schweiz seit 1993–1996 unterhalb von 900 Metern fast vollständig verschwunden» (Vogelwarte Sempach, Atlas).
Verbreitung in der Schweiz
Die Waldschnepfe ist entlang des Alpen-Nordrands und in den Zentralalpen Graubündens noch weit verbreitet. Aus dem Mittelland ist sie fast vollständig verschwunden. Für den Jura gibt es Hinweise auf ein leicht geschrumpftes Verbreitungsgebiet (Vogelwarte Sempach, Vogeljagd in der Schweiz, 2024). Sie bevorzugt feuchte, lichte Wälder mit gut entwickelter Strauch- und Krautschicht und weichem, humusreichem Boden. Der Verlust dieser Lebensräume durch Waldverdichtung, Austrocknung infolge des Klimawandels und Lichtverschmutzung sind die Hauptursachen ihres Rückgangs.
Europäischer Kontext
Europaweit ist der Bestand der Waldschnepfe mit 12 bis 18 Millionen Brutvögeln noch stabil. Die Art gilt global als «nicht gefährdet» (LC). Die Gefährdung ist ein spezifisch schweizerisches und westeuropäisches Problem: Die Bruthabitate verschlechtern sich, und die Bejagung auf dem Durchzug und in den Überwinterungsgebieten addiert sich zur Habitatverschlechterung. In Frankreich werden jährlich rund 1 Million Waldschnepfen geschossen. Die Schweiz ist Teil eines Zugwegs, auf dem die Vögel von Nordosteuropa über Mitteleuropa in den Mittelmeerraum und an die Atlantikküste ziehen. Jeder Abschuss in der Schweiz addiert sich zur kumulativen Mortalität entlang dieses Zugwegs.
Mehr dazu: Dossier: Jagd und Biodiversität
Die Bejagung: Sportjagd auf eine gefährdete Art
Rechtliche Lage
Die Waldschnepfe ist nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 1) eine jagdbare Art. Sie wird in sieben Kantonen bejagt: Tessin, Wallis, Waadt, Freiburg, Neuenburg, Jura und Bern. Alle deutschsprachigen Kantone haben die Jagd auf die Waldschnepfe abgeschafft (Freiburger Nachrichten, 2024). Die Jagdzeit variiert kantonal, beginnt aber in den meisten Kantonen Mitte September oder Mitte Oktober. Im Kanton Freiburg dauert die Jagdzeit vom 20. Oktober bis zum 14. Dezember. In einigen Kantonen gibt es eine Beschränkung auf zwei Vögel pro Hobby-Jägerin oder Hobby-Jäger und Jagdtag (Fondation Franz Weber, 2020).
Die Dimension des Abschusses
Die jährliche Jagdstrecke betrug zwischen 2003 und 2022 im Durchschnitt 1’911 Waldschnepfen (Spannbreite: 1’062 bis 2’508). Im Jahr 2016 wurden 1’906 Waldschnepfen erlegt (Pro Natura, JSG kurz erklärt). 2019 waren es 1’819 Vögel in sieben Kantonen (BirdLife Schweiz, Jagdstatistik). 85 Prozent aller Abschüsse erfolgen im Kanton Tessin (Umweltnetz Schweiz, 2023). Die Waldschnepfe ist damit nach der Stockente der am stärksten bejagte Wildvogel der Schweiz und gleichzeitig die einzige gefährdete Art, die in diesem Umfang bejagt wird. Die Fondation Franz Weber stellt fest: «Die Jagd auf die Waldschnepfe ist eine reine Sport- und Freizeitaktivität. Eine Notwendigkeit zur Bestandsregulierung besteht nicht» (Fondation Franz Weber, 2020).
Die BAFU-Studie: Schweizer Brutvögel werden geschossen
Die entscheidende Frage der Waldschnepfenjagd lautete lange: Werden bei der Herbstjagd einheimische Brutvögel oder nur Durchzügler aus Nordosteuropa geschossen? Die Hobby-Jagd-Lobby argumentierte, die Schweizer Brutvögel seien längst abgezogen, wenn die Jagd beginne. Eine vom BAFU in Auftrag gegebene Studie (Bohnenstengel et al., 2020; Vogelwarte Sempach/CSCF Neuenburg) hat diese Behauptung widerlegt. Die Studie rüstete Waldschnepfen im Neuenburger Jura mit Satellitensendern aus und stellte fest: Die Schweizer Brutvögel machen sich erst ab Mitte Oktober auf den Weg ins Winterquartier. Anfang November ist noch immer gut die Hälfte im Brutgebiet anwesend. Erst Ende November sind die allermeisten Vögel abgewandert (Vogelwarte Sempach, Vogeljagd in der Schweiz, 2024).
Da über 90 Prozent aller Abschüsse zwischen Mitte Oktober und Ende November fallen, ist der Anteil einheimischer Waldschnepfen an der Jagdstrecke deutlich höher als bisher angenommen. Eine ergänzende Isotopenanalyse ergab, dass je nach Methodik zwischen 14 und 33 Prozent der erlegten Schnepfen einheimisch sind. Bei 19 Prozent der untersuchten Tiere war die Herkunft unklar (Umweltnetz Schweiz, 2023). Die Vogelwarte Sempach schliesst: «Der Jagddruck auf die Waldschnepfe muss verringert werden» (Vogelwarte Sempach, 2024).
Die gescheiterte JSG-Revision: Kosmetik statt Schutz
Das 2020 vom Stimmvolk abgelehnte revidierte Jagdgesetz hätte die Schonzeit der Waldschnepfe um einen Monat verlängert (Jagdbeginn neu ab 16. Oktober statt Mitte September). BirdLife Schweiz kritisierte: «Diese Anpassung ist nur Kosmetik: 96 Prozent der Waldschnepfen können auch mit dem neuen Jagdgesetz gejagt werden, darunter unsere Schweizer Brutvögel, die bis weit in die Jagdzeit im Land bleiben» (BirdLife Schweiz, Jagdstatistik). Die Fondation Franz Weber rechnete vor: Im Zeitraum, der durch die verlängerte Schonzeit geschützt worden wäre, fallen lediglich 4 Prozent der Abschüsse. Die Revision war eine verpasste Chance, die Waldschnepfe endlich unter Schutz zu stellen.
Die groteske Doppelfinanzierung
Das BAFU finanziert einerseits Artenförderungsprojekte für die Waldschnepfe mit 500’000 Franken (einmalig) und beteiligt sich jährlich mit rund 200’000 Franken an den Kosten von Vogelschutzprojekten. Gleichzeitig erlaubt es die Bejagung derselben Art in sieben Kantonen. Das Konsumentenmagazin Saldo kommentiert: «Grotesk: Die Waldschnepfe ist eine Prioritätsart für die Artenförderung. Bund und Kantone finanzieren Projekte, um die Bestände zu vergrössern, gleichzeitig gibt der Bund die Tiere zum Abschuss frei» (Saldo, 2021).
Mehr dazu: Warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert
Ökologische Bedeutung
Bodenpfleger und Indikatorart
Die Waldschnepfe ist ein Spezialist für feuchte, strukturreiche Wälder mit weichem Boden. Durch ihre intensive Nahrungssuche (Stochern im Boden nach Regenwürmern und Insektenlarven) lockert sie den Waldboden auf und fördert die Durchlüftung und Drainage. Ihr Vorkommen zeigt intakte Bodenverhältnisse, ausreichende Feuchtigkeit und einen gesunden Regenwurmbestand an. Wo die Waldschnepfe verschwindet, verschwindet ein Indikator für die Qualität des Waldökosystems.
Nahrungsnetz
Die Waldschnepfe ist Beute von Habicht, Uhu, Waldkauz und Fuchs. Ihre Eier und Küken werden von Mardern, Krähen und Wildschweinen erbeutet. Als Bindeglied zwischen dem Bodenökosystem (Regenwürmer, Insektenlarven) und den Waldprädatoren erfüllt sie eine wichtige Funktion im Nahrungsnetz des Waldes.
Kulturgeschichte
Die Waldschnepfe ist seit Jahrhunderten ein zentrales Motiv der europäischen Jagdkultur und Literatur. Der «Schnepfenstrich», der Balzflug in der Abenddämmerung, wurde von Dichtern und Naturforschern von Johann Peter Eckermann bis Peter Berthold beschrieben. Die Jagd auf die Waldschnepfe galt als «Königsdisziplin» der Niederjagd. Heute ist sie das Symbol einer Hobby-Jagd, die nicht anerkennen will, dass sich die Zeiten geändert haben und eine gefährdete Art nicht mehr als Sportbeute zur Verfügung steht.
Was sich ändern müsste
- Sofortiger gesamtschweizerischer Schutz der Waldschnepfe: Die Waldschnepfe steht auf der Roten Liste als «verletzlich» (VU). Ihr Brutbestand ist seit 1990 um über 30 Prozent zurückgegangen. Aus dem Mittelland ist sie fast verschwunden. Die Hobby-Jagd ist nachweislich ein zusätzlicher Mortalitätsfaktor, der einheimische Brutvögel betrifft. Die Waldschnepfe muss aus dem Katalog der jagdbaren Arten gestrichen werden. Was alle deutschsprachigen Kantone bereits umgesetzt haben, muss in den sieben verbleibenden Kantonen und auf Bundesebene nachvollzogen werden.
- Sofortige Verschiebung der Jagdzeit bis mindestens 1. Dezember: Solange die Waldschnepfe jagdbar bleibt, muss die Schonzeit so verlängert werden, dass die einheimischen Brutvögel nicht mehr betroffen sind. Die BAFU-Studie zeigt, dass erst Ende November die meisten Schweizer Brutvögel abgezogen sind. Eine Verlängerung der Schonzeit bis zum 15. November würde rund 95 Prozent der Schweizer Brutvögel verschonen (Vogelwarte Sempach, 2024).
- Beendigung der grotesken Doppelfinanzierung: Der Bund darf nicht gleichzeitig die Artenförderung der Waldschnepfe finanzieren und ihre Bejagung erlauben. Dies ist eine Verschwendung von Steuergeldern und ein Widerspruch, der jede Glaubwürdigkeit der Biodiversitätspolitik untergräbt.
- Lebensraumaufwertung: Feuchte, lichte Wälder mit gut entwickelter Krautschicht und weichem Boden müssen gezielt gefördert werden. Die Entwässerung von Waldböden und die Verdunkelung durch Unterlassung von Durchforstungen sind die Hauptursachen des Habitatverlusts. Das BAFU-Projekt zur Habitatpräferenz der Waldschnepfe (Vogelwarte Sempach/CSCF) liefert die Grundlagen dafür.
- Internationaler Einsatz für eine Reduktion der Jagd auf dem Zugweg: Die Schweiz muss sich im Rahmen der Berner Konvention und des AEWA-Abkommens (Afrikanisch-Eurasisches Wasservogelabkommen) für eine Reduktion der kumulativen Jagdmortalität auf dem Zugweg einsetzen. Die jährlich rund 1 Million in Frankreich geschossenen Waldschnepfen betreffen auch Vögel, die durch die Schweiz ziehen oder in der Schweiz brüten.
Argumentarium
«Die meisten in der Schweiz erlegten Waldschnepfen sind Durchzügler, die Jagd schadet dem Schweizer Bestand nicht.» Die BAFU-Studie (Bohnenstengel et al., 2020) hat diese Behauptung widerlegt. Die Schweizer Brutvögel bleiben bis weit in die Jagdsaison im Land: Anfang November ist noch die Hälfte im Brutgebiet. Je nach Methodik sind 14 bis 33 Prozent der erlegten Schnepfen einheimisch. Bei 19 Prozent ist die Herkunft unklar. Die Vogelwarte Sempach fordert daher eine Reduktion des Jagddrucks. Dass Durchzügler geschossen werden, macht die Jagd nicht akzeptabler: Diese Vögel werden auch auf dem weiteren Zugweg in Frankreich, Spanien und Italien bejagt. Jeder Abschuss in der Schweiz addiert sich zur kumulativen Mortalität.
«Die Waldschnepfe ist europaweit nicht gefährdet, ihr Abschuss ist verantwortbar.» Der europäische Gesamtbestand ist kein Argument für die Bejagung einer Art, die in der Schweiz als «verletzlich» gilt. Die Rote Liste bewertet den nationalen Zustand. Die Schweiz hat eine eigenständige Verpflichtung, ihre Brutpopulationen zu erhalten. Wenn eine Art national gefährdet ist, darf sie national nicht bejagt werden, unabhängig von ihrem globalen Status. Alles andere ist eine Abschiebung der Verantwortung.
«Die Kantone werden die Jagdzeit anpassen, das reicht zum Schutz.» Die bisherigen Anpassungen sind Kosmetik. Die verlängerte Schonzeit im gescheiterten revidierten Jagdgesetz hätte lediglich 4 Prozent der Abschüsse verhindert. Auch der Kanton Freiburg plant nur eine «Verschiebung der Jagdzeit auf einen späteren Zeitpunkt», schliesst aber ein Jagdverbot ausdrücklich aus und beruft sich auf die «traditionsreiche Schnepfenjagd» (Freiburger Nachrichten, 2024). Solange die Jagd grundsätzlich erlaubt bleibt, ist die Waldschnepfe nicht geschützt. Nur ein vollständiges Jagdverbot gibt der Art die Sicherheit, die ihr Rote-Liste-Status verlangt.
«Die Hobby-Jagd auf die Waldschnepfe hat eine lange Tradition.» Die Tradition der Schnepfenjagd ist eine Tradition der Oberschicht, die mit der Erhaltung der Artenvielfalt nichts zu tun hat. Der Schnepfenstrich galt als «Königsdisziplin» der Niederjagd. Diese Tradition darf nicht über dem Überleben einer Art stehen. Tradition ist kein Argument für die Fortführung einer Praxis, die eine gefährdete Art zusätzlich unter Druck setzt. Alle deutschsprachigen Kantone haben die Jagd auf die Waldschnepfe bereits abgeschafft und zeigen, dass es ohne geht.
«Der Bund investiert in die Artenförderung der Waldschnepfe, also ist das Problem erkannt.» Das Problem ist erkannt, aber die Lösung wird verweigert. Der Bund investiert 500’000 Franken in die Erforschung der Waldschnepfe und gibt gleichzeitig jährlich 1’500 bis 2’500 Exemplare zum Abschuss frei. Das ist, als würde man ein Leck im Boot reparieren, während man gleichzeitig neue Löcher bohrt. Die Artenförderung verliert jede Glaubwürdigkeit, solange die Bejagung der geförderten Art nicht beendet wird.
Quicklinks
Beiträge auf Wild beim Wild:
- Studien über die Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere
- Warum die Hobby-Jagd als Populationskontrolle scheitert
- Tierschutzproblem: Wildtiere verenden qualvoll wegen Hobby-Jäger
- Tierquälerei: Fuchsmassaker in der Schweiz
Verwandte Dossiers
- Der Steinbock in der Schweiz: Geschmuggelt, gerettet und wieder zur Trophäe degradiert
- Der Biber in der Schweiz: Ausgerottet, wieder angesiedelt und neu zum Abschuss freigegeben
- Die Waldschnepfe in der Schweiz: Gefährdet, gejagt und politisch ignoriert
- Wasservögel in der Schweiz: Wintergäste im Schussfeld
- Tauben in der Schweiz: Zwischen Friedenssymbol, Massenabschuss und behördlichem Verhungernlassen
- Rabenvögel in der Schweiz: Die intelligentesten Tiere im Fadenkreuz
- Der Eichelhäher in der Schweiz: Förster des Waldes im Fadenkreuz der Niederjagd
- Das Murmeltier in der Schweiz: Eiszeitrelikt im Klimastress, Touristenattraktion und Massenabschuss
- Das Wildkaninchen in der Schweiz: stark gefährdet, trotzdem jagdbar
- Der Schneehase in der Schweiz: Eiszeitrelikt zwischen Klimakrise und Flintenschuss
- Der Waschbär in der Schweiz: Zum Abschuss freigegeben, weil er die falsche Herkunft hat
- Der Steinmarder in der Schweiz: Kulturfolger zwischen Dachstock und Flintenschuss
- Der Baummarder in der Schweiz: Scheuer Waldbewohner unter Jagddruck
- Der Dachs in der Schweiz: Ökosystem-Ingenieur im Fadenkreuz der Niederjagd
- Der Rothirsch in der Schweiz: Ausgerottet, zurückgekehrt und zum Abschussobjekt degradiert
- Das Reh in der Schweiz: meistgeschossenes Wildtier und Opfer einer fehlgeleiteten Jagdpolitik
- Das Wildschwein in der Schweiz: Warum die Hobby-Jagd das Problem verschärft, statt es zu lösen
- Die Gämse in der Schweiz: Zwischen Hochjagd, Klimastress und dem Mythos der Überpopulation
- Der Feldhase in der Schweiz: Gefährdet, bejagt und politisch ignoriert
Quellenangaben
- Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch
- Schweizerische Vogelwarte Sempach (2024): Vogeljagd in der Schweiz, Standpunkt (vogelwarte.ch)
- Schweizerische Vogelwarte Sempach: Habitatpräferenzen und Start des Zugverhaltens bei der Waldschnepfe, Projekt (vogelwarte.ch)
- Schweizerische Vogelwarte Sempach: Atlas der Schweizer Brutvögel, Jagd und Verfolgung durch den Menschen (vogelwarte.ch)
- Bohnenstengel, T. et al. (2020): BAFU-Studie Waldschnepfe, Abzugszeitpunkte und Herkunft erlegter Vögel (CSCF/Vogelwarte Sempach, im Auftrag des BAFU)
- BAFU / Schweizerische Vogelwarte (2021): Rote Liste der Brutvögel Schweiz (Waldschnepfe: VU)
- BirdLife Schweiz: Die aktuelle Jagdstatistik und das revidierte Jagdgesetz (birdlife.ch, 2020)
- BirdLife Schweiz (2023): Jagd auf bedrohte Tiere, Eine Anomalie besteht im Kanton Waadt fort (birdlife.ch)
- Pro Natura (2018): Das eidgenössische Jagd- und Schutzgesetz kurz erklärt (Abschusszahl 2016: 1’906 Waldschnepfen)
- Fondation Franz Weber (2020): Die Waldschnepfe, Verletzliche Art zum Sport gejagt (ffw.ch)
- Freiburger Nachrichten (2024): Staatsrat will Jagd auf den gefährdeten Vogel nicht verbieten (freiburger-nachrichten.ch)
- Umweltnetz Schweiz (2023): Der Vogel mit Panoramablick (umweltnetz-schweiz.ch)
- Saldo (2021): Bedrohte Vögel, zum Abschuss freigegeben (saldo.ch)
- Naturschutz.ch (2020): JSG: NEIN zur Jagd auf gefährdete Arten (naturschutz.ch)
- NABU NRW: Die Waldschnepfe, Gefährdung und Jagdrecht (nabu.de)
- CH-Wildinfo Nr. 1 (2018): BAFU-Forschungsprojekt Waldschnepfe, ARGOS-Sender (wildtier.ch)
- Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)
- Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455)
- Berner Konvention: Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere
Unser Anspruch
Die Waldschnepfe ist einer der geheimnisvollsten Vögel der Schweiz. Nachtaktiv, perfekt getarnt, mit dem grössten Sehfeld aller Vögel ausgestattet, lebt sie verborgen in unseren Wäldern und stochert mit ihrem langen Schnabel nach Regenwürmern im feuchten Boden. Wer sie im Schnepfenstrich über den Wipfeln fliegen sieht, das tiefe Quorren und das hohe Puitzen in der Abenddämmerung hört, erlebt einen der letzten Momente unberührter Wildnis in der Schweiz.
Dieser Vogel steht auf der Roten Liste. Sein Bestand hat sich um über 30 Prozent verringert. Aus dem Mittelland ist er verschwunden. Der Bund investiert Hunderttausende in seine Erforschung und Förderung. Und trotzdem werden jedes Jahr 1’500 bis 2’500 Waldschnepfen geschossen, in der Dämmerung, mit der Schrotflinte, aufgespürt von Jagdhunden. Darunter nachweislich Schweizer Brutvögel, die eigentlich gefördert werden sollen. Kein Hobby-Jäger und keine Hobby-Jägerin braucht eine Waldschnepfe. Es gibt keinen Schaden, den sie verursacht. Es gibt keinen Konflikt zwischen Mensch und Tier. Es gibt nur eine Tradition, die älter ist als die Einsicht, dass eine gefährdete Art nicht zum Abschuss freigegeben werden darf. Alle deutschsprachigen Kantone haben diese Einsicht bereits umgesetzt. Es fehlen noch sieben Kantone und der Bund.
Die Konsequenz ist eindeutig: Die Waldschnepfe muss in der gesamten Schweiz geschützt werden. Die Jagd auf eine gefährdete Art ist mit dem Tierschutzgesetz, der Roten Liste und jeder Form von ökologischer Vernunft unvereinbar. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.