Das Wildkaninchen gehört zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren der Schweiz. Auf der Roten Liste ist es als «stark gefährdet» (EN, Endangered) eingestuft. Seine Population ist winzig: Anfang der 1980er-Jahre war die Art im Tessin noch gut vertreten, doch eine Epidemie löschte den Bestand Ende des 20. Jahrhunderts praktisch aus. Heute gibt es in der Schweiz nur noch vereinzelte, isolierte Vorkommen. Dennoch steht das Wildkaninchen im Bundesgesetz über die Jagd als jagdbare Art. Es ist der absurdeste Fall im Schweizer Jagdsystem: Eine Art am Rand des Verschwindens, die per Gesetz weiterhin geschossen werden darf.
Steckbrief
Das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) gehört zur Familie der Hasen (Leporidae) und ist die einzige Art der Gattung Oryctolagus. Es ist das Stammtier aller Hauskaninchen. Mit einer Körperlänge von 40 bis 50 Zentimetern und einem Gewicht von 1,5 bis 2 Kilogramm ist es deutlich kleiner und gedrungener als der Feldhase. Die Ohren sind kürzer, die Hinterbeine weniger lang. Das Fell ist oberseits graubraun, der Nacken rostbraun, die Bauchseite und die Unterseite des kurzen Schwanzes (der «Blume») sind weiss.
Biologie und Sozialstruktur
Im Gegensatz zum Feldhasen, der als Einzelgänger in offenen Landschaften lebt, ist das Wildkaninchen ein ausgesprochen soziales Tier. Es lebt in Kolonien und gräbt komplexe, unterirdische Baue, die über Generationen erweitert und genutzt werden. Innerhalb der Kolonie besteht eine feste Rangordnung. Wildkaninchen sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und entfernen sich bei der Nahrungssuche selten mehr als einige hundert Meter von ihrem Bau. Diese enge Bindung an den Bau unterscheidet sie grundlegend vom Feldhasen, der als Nestflüchter in offenen Sassen ruht.
Wildkaninchen bevorzugen offene Landschaften mit niedrigerer Vegetation, Gebüschinseln und lockeren Böden, die sich zum Graben eignen. Waldränder, Heckenlandschaften, Dünen und Böschungen sind ideale Lebensräume. In intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen finden sie kaum noch geeignete Habitate. Klimatisch ist das Wildkaninchen auf mildere Lagen angewiesen; in höheren Gebirgslagen fehlt es.
Fortpflanzung
Das Wildkaninchen hat unter den einheimischen Säugetieren eine der höchsten Reproduktionsraten. Eine Häsin kann pro Jahr 3 bis 5 Würfe mit jeweils 3 bis 7 Jungen zur Welt bringen. Die Jungen werden nackt und blind geboren (Nesthocker), im Gegensatz zu den Junghasen, die als Nestflüchter bereits behaart und sehend auf die Welt kommen. Diese hohe Reproduktionsrate ist eine Anpassung an die hohe Mortalität: Natürliche Beutegreifer, Krankheiten und Witterung fordern einen grossen Tribut. Unter normalen Bedingungen kompensiert die Fortpflanzung die Verluste. Doch wenn Krankheiten wie Myxomatose oder RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) zuschlagen, bricht auch eine reproduktionsstarke Population innerhalb kurzer Zeit zusammen.
Rote-Liste-Status
Das Wildkaninchen ist in der Schweiz auf der Roten Liste der Säugetiere als «stark gefährdet» (EN, Endangered) eingestuft (BAFU, 2022). Das bedeutet: Es besteht ein hohes Risiko, dass die Art in der Schweiz mittelfristig ausstirbt. Die Population ist sehr klein und fragmentiert. SRF berichtete 2022, die Schweizer Population der Wildkaninchen sei «sehr klein» und die Art im Tessin nach einer Epidemie Ende des 20. Jahrhunderts praktisch verschwunden (SRF, 2022). 20 Minuten und Infosperber bestätigten 2022, dass Wildkaninchen in der Schweiz «besonders stark gefährdet» seien (20 Minuten, Infosperber, 2022).
Die Geschichte: Vom Römerkaninchen zum Seuchenopfer
Herkunft und Ausbreitung
Das Wildkaninchen stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel und aus Nordafrika. Bereits die Römer hielten es als Haustier. Im Mittelalter wurde es in weiten Teilen Europas ausgesetzt und verbreitete sich dank seiner enormen Reproduktionsfähigkeit rasch. In der Schweiz hat es sich vor allem in den klimatisch milderen Regionen, insbesondere im Tessin, im Genferseegebiet und in der Nordwestschweiz, angesiedelt. Es galt nie als häufige Art in der Schweiz, da die alpinen Höhenlagen und das raue Klima weiter Landesteile seine Verbreitung natürlich begrenzen.
Die Katastrophe: Myxomatose und RHD
Die Geschichte des Wildkaninchens in Europa ist untrennbar mit zwei verheerenden Viruserkrankungen verknüpft, die beide vom Menschen verursacht oder verbreitet wurden.
Die Myxomatose wurde 1952 in Frankreich absichtlich in die Wildkaninchenpopulation eingebracht, als der Grundbesitzer Paul-Félix Armand-Delille zwei infizierte Kaninchen auf seinem Landsitz freisetzte, um die Kaninchenpopulation einzudämmen (Wikipedia, Myxomatose). Das Virus breitete sich in rasantem Tempo über ganz Europa aus und wirkte nahezu populationsvernichtend. Die Sterblichkeitsrate lag bei bis zu 99 Prozent. Auch in der Schweiz wurden die Wildkaninchenbestände massiv dezimiert. 2007 wurde ein erneuter Ausbruch in der Schweiz gemeldet (AGES, Myxomatose).
Zusätzlich trat ab den 1980er-Jahren die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD, auch «Chinaseuche» genannt) auf, eine weitere Viruserkrankung mit Mortalitätsraten von über 80 Prozent. Im Tessin, wo Anfang der 1980er-Jahre noch eine nennenswerte Wildkaninchenpopulation bestand, führte diese Epidemie zum praktisch vollständigen Verschwinden der Art (SRF, 2022). 2018 tauchte zudem eine neue Virusrekombinante (ha-MYXV) auf der Iberischen Halbinsel auf, die erstmals auch Feldhasen massenhaft tötete (Vetmeduni Wien, 2025).
Das Wildkaninchen in der Schweiz ist also kein Opfer natürlicher Prozesse, sondern ein Opfer menschlicher Manipulation: Die Seuchen, die es an den Rand der Ausrottung gebracht haben, wurden vom Menschen absichtlich oder fahrlässig verbreitet.
Mehr dazu: Dossier: Jagd und Biodiversität
Die Bejagung: Per Gesetz zum Abschuss einer sterbenden Art
Rechtliche Lage
Das Wildkaninchen ist nach dem Bundesgesetz über die Jagd (JSG, Art. 5 Abs. 1 lit. f) eine jagdbare Art. Die Schonzeit erstreckt sich vom 16. Februar bis zum 30. September. In den Monaten Oktober bis Mitte Februar darf geschossen werden. Die Kantone können die Jagdzeit weiter einschränken oder das Wildkaninchen ganzjährig schützen.
Der Widerspruch ist offenkundig: Das Wildkaninchen ist auf der Roten Liste als «stark gefährdet» eingestuft, also in der zweithöchsten Gefährdungskategorie nach «vom Aussterben bedroht». Gleichzeitig ist es per Bundesgesetz jagdbar. Diese Gleichzeitigkeit von Gefährdungsstatus und Jagdbarkeit ist wildbiologisch und ethisch nicht haltbar. Infosperber kommentierte 2022: «Es ist eine Schande, dass die Wildkaninchen immer noch jagdbar sind, obwohl sie als stark gefährdet gelten» (Infosperber, 2022).
Die Dimension des Abschusses
Die Abschusszahlen sind aufgrund der winzigen Population gering. Die eidgenössische Jagdstatistik weist für die letzten Jahre nur vereinzelte Abschüsse aus. Doch selbst wenige Abschüsse können bei einer Restpopulation am Rand des Verschwindens den Unterschied zwischen Überleben und Aussterben bedeuten. Die Tatsache, dass das Wildkaninchen überhaupt noch auf der Liste der jagdbaren Arten steht, ist nicht Ausdruck einer bewussten Wildtierpolitik, sondern eines Versäumnisses: Das Bundesgesetz wurde nicht an die Realität der Roten Liste angepasst.
Der Vergleich mit dem Feldhasen
Der Feldhase, der als «verletzlich» (VU) eingestuft ist, also eine Kategorie tiefer als das Wildkaninchen, wird von der Hobby-Jägerschaft mit rund 1’600 Abschüssen pro Jahr intensiv bejagt und ist Gegenstand einer breiten öffentlichen Debatte. Das Wildkaninchen, das noch stärker gefährdet ist, wird in dieser Debatte kaum erwähnt, weil seine Population so klein ist, dass es als Jagdbeute faktisch nicht mehr in Erscheinung tritt. Doch gerade das macht den Fall besonders gravierend: Eine Art, die so selten geworden ist, dass sie für die Hobby-Jägerschaft «unsichtbar» wurde, steht weiterhin im Jagdgesetz. Niemand kämpft für ihre Streichung, weil es niemanden interessiert. Das Wildkaninchen stirbt in der Unsichtbarkeit.
Mehr dazu: Dossier: Der Feldhase in der Schweiz
Ökologische Bedeutung: Schlüsselart im Verborgenen
Der Ökosystem-Ingenieur
Das Wildkaninchen ist dort, wo es in gesunden Beständen vorkommt, eine ökologische Schlüsselart. Durch seine Grabtätigkeit belüftet es den Boden, schafft Mikrohabitate für Insekten, Reptilien und Amphibien und fördert die pflanzliche Vielfalt durch selektiven Verbiss. In seiner Heimat auf der Iberischen Halbinsel ist es die Nahrungsgrundlage für eine ganze Kette von Beutegreifern: Der Pardelluchs (Iberischer Luchs) und der Spanische Kaiseradler sind auf Wildkaninchen als Hauptbeute angewiesen. Der dramatische Rückgang des Wildkaninchens durch Myxomatose und RHD hat in Spanien den Pardelluchs an den Rand des Aussterbens gebracht (Deutscher Jagdverband).
In der Schweiz ist die ökologische Bedeutung des Wildkaninchens aufgrund der geringen Populationsgrösse begrenzt. Doch das macht sein Verschwinden nicht weniger bedenklich: Jede Art, die aus einem Ökosystem verschwindet, reisst eine Lücke, deren Folgen oft erst Jahre später sichtbar werden.
Nahrungsquelle für Beutegreifer
In Regionen mit intakten Wildkaninchenpopulationen profitieren Rotfuchs, Uhu, Mäusebussard, Hermelin und weitere Beutegreifer von der hohen Beuteverfügbarkeit. Das Verschwinden des Wildkaninchens erhöht den Prädationsdruck auf andere Beutetiere, etwa den ebenfalls gefährdeten Feldhasen. Die Wiederherstellung einer gesunden Wildkaninchenpopulation hätte damit positive Kaskadeneffekte auf das gesamte Ökosystem.
Was sich ändern müsste
- Sofortige Streichung des Wildkaninchens aus dem Katalog der jagdbaren Arten: Eine Art, die als «stark gefährdet» auf der Roten Liste steht und deren Schweizer Population am Rand des Aussterbens ist, darf unter keinen Umständen jagdbar bleiben. Die Streichung ist nicht eine Frage der Jagdpolitik, sondern des Artenschutzes, und sie muss auf Bundesebene erfolgen.
- Nationales Schutzprogramm für das Wildkaninchen: Die Schweiz benötigt ein aktives Schutz- und Wiederansiedelungsprogramm für das Wildkaninchen. Geeignete Habitate müssen identifiziert, aufgewertet und vernetzt werden. Pionierkolonien müssen vor Störungen geschützt werden. Das Genfer Modell zeigt, dass in einem Kanton ohne Hobby-Jagd die Bedingungen für die Erholung von Kleinwildarten deutlich besser sind.
- Seuchenmonitoring und Prävention: Myxomatose und RHD sind die grössten Bedrohungen für das Wildkaninchen. Ein systematisches Monitoring der Krankheitserreger in der Schweiz und die Entwicklung von Impfstrategien für Wildpopulationen sind dringend nötig. Die neue Virusrekombinante ha-MYXV, die seit 2018 auch Feldhasen befällt, muss besonders aufmerksam überwacht werden.
- Lebensraumaufwertung: Das Wildkaninchen braucht strukturreiche Landschaften mit lockeren Böden, Gebüschinseln, Hecken und extensiv genutzten Grünflächen. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat diese Habitate grossflächig zerstört. Ökologische Ausgleichsflächen, Brachen und Heckenstreifen müssen gezielt in Gebieten mit historischen Kaninchenvorkommen angelegt werden.
- Forschung zu Bestand und Verbreitung: Es gibt keine verlässlichen aktuellen Daten zur Grösse und Verbreitung der Wildkaninchenpopulation in der Schweiz. Ohne diese Daten ist kein Schutzprogramm möglich. Eine systematische Bestandserfassung mit Bauzählung, Fotofallen und genetischen Analysen ist überfällig.
- Aufklärung der Öffentlichkeit: Das Wildkaninchen ist in der Schweiz so selten geworden, dass die meisten Menschen seine Existenz nicht einmal kennen. Öffentlichkeitsarbeit und Bildung über die Gefährdungssituation sind Voraussetzung für gesellschaftlichen Rückhalt für Schutzmassnahmen.
Argumentarium
«Das Wildkaninchen ist zwar jagdbar, wird aber praktisch nicht mehr geschossen.» Das ist kein Argument für die Beibehaltung der Jagdbarkeit, sondern für ihre Abschaffung. Wenn eine Art so selten geworden ist, dass sie als Jagdbeute nicht mehr in Erscheinung tritt, ist ihre Streichung aus dem Jagdgesetz eine Selbstverständlichkeit. Die Jagdbarkeit auf dem Papier beizubehalten, ist ein Signal der Gleichgültigkeit gegenüber dem Artenschutz.
«Die Hauptbedrohung sind Krankheiten, nicht die Hobby-Jagd.» Das stimmt. Doch wenn eine Art durch Myxomatose und RHD an den Rand des Aussterbens gebracht wurde, muss jeder zusätzliche Mortalitätsfaktor eliminiert werden, auch wenn er quantitativ gering ist. Dieses Prinzip gilt für den Feldhasen, und es gilt erst recht für das noch stärker gefährdete Wildkaninchen. Die Hobby-Jagd auf eine Art, die in der Schweiz praktisch verschwunden ist, hat keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes.
«Das Wildkaninchen ist ursprünglich nicht in der Schweiz heimisch und wurde vom Menschen eingeführt.» Das Wildkaninchen lebt seit dem Mittelalter in der Schweiz und ist seit Jahrhunderten Teil der einheimischen Fauna. Es steht auf der Roten Liste der einheimischen Säugetiere. Ob eine Art vor 500 oder vor 5’000 Jahren eingewandert ist, ist für ihren Schutzstatus irrelevant. Entscheidend ist, dass sie Teil des bestehenden Ökosystems ist und dass ihr Verschwinden eine ökologische Lücke hinterlässt.
«Die Kantone können das Wildkaninchen ohnehin schützen.» Der kantonale Flickenteppich ist keine Lösung für eine Art mit derart kleiner und fragmentierter Population. Das Wildkaninchen braucht gesamtschweizerischen Schutz auf Bundesebene. Kantonale Freiwilligkeit hat beim Feldhasen versagt, und sie wird beim Wildkaninchen erst recht versagen, weil die Art zu selten ist, um politische Aufmerksamkeit zu erhalten.
«Es gibt wichtigere Artenschutzprobleme als das Wildkaninchen.» Es gibt viele Artenschutzprobleme. Aber die Streichung einer Art aus dem Jagdgesetz kostet nichts, erfordert keinen administrativen Aufwand und sendet ein Signal: Wer es mit dem Artenschutz ernst meint, beginnt damit, offensichtliche Widersprüche zu beseitigen. Die Jagdbarkeit einer «stark gefährdeten» Art ist ein solcher Widerspruch.
Quicklinks
Beiträge auf Wild beim Wild:
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Quellenangaben
- BAFU (2022): Rote Liste der Säugetiere (ohne Fledermäuse). Gefährdete Arten der Schweiz. Umwelt-Vollzug
- Eidgenössische Jagdstatistik, BAFU/Wildtier Schweiz: http://www.jagdstatistik.ch
- SRF (2022): Rote Liste bedrohter Arten ist so lang wie noch nie (Bild/Text: Wildkaninchen in der Schweiz, Population sehr klein)
- 20 Minuten (2022): Rote Listen, Diese Tiere sind in der Schweiz vom Aussterben bedroht
- Infosperber (2022): Bald nur noch aus Schoggi? Weniger Feldhasen in der Schweiz
- Stadtwildtiere Schweiz (2022): Neue Rote Liste der Säugetiere
- Wikipedia: Myxomatose, Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
- AGES Österreich (2024): Kaninchenseuche, Kaninchenpest, Myxomatose
- Vetmeduni Wien (2025): Myxomatose-Ausbruch in Österreich, neue Virusrekombinante ha-MYXV
- Deutscher Jagdverband: Tiersteckbrief Wildkaninchen
- BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen): Myxomatose (blv.admin.ch)
- Zwangsbejagung-ade.de: Kanton Genf, Schweiz (Wildkaninchen und Feldhasen vor Jagdverbot sehr selten)
- Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)
- Tierschutzgesetz (TSchG, SR 455)
Unser Anspruch
Das Wildkaninchen ist das unsichtbarste Opfer der Schweizer Jagdgesetzgebung. Es ist «stark gefährdet», seine Population verschwindend klein, seine Existenz in der Schweiz akut bedroht. Und trotzdem steht es im Bundesgesetz als jagdbare Art. Niemand braucht den Abschuss des Wildkaninchens. Niemand verlangt ihn. Niemand würde ihn vermissen. Doch niemand streicht ihn. Das Wildkaninchen stirbt im Schatten der grösseren Jagddebatten, unbemerkt von der Öffentlichkeit und ignoriert von einer Politik, die den Artenschutz in Sonntagsreden beschwört und im Alltag vernachlässigt. Die Seuchen, die das Wildkaninchen an den Rand der Ausrottung gebracht haben, wurden vom Menschen verursacht. Die Lebensräume, die es bräuchte, wurden vom Menschen zerstört. Und das Gesetz, das es schützen müsste, erlaubt weiterhin seinen Abschuss. Die Konsequenz ist eindeutig: Das Wildkaninchen muss sofort und gesamtschweizerisch aus dem Katalog der jagdbaren Arten gestrichen und in ein aktives Schutzprogramm aufgenommen werden. Es ist die einfachste und gleichzeitig die überfälligste Massnahme im Schweizer Artenschutz. Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Zahlen, Studien oder politische Entwicklungen es erfordern.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.