Der Europäische Braunbär (Ursus arctos) gehört zur Schweiz wie der Bär ins Berner Wappen. Über Jahrtausende war er Teil der Alpenlandschaft, von der prähistorischen Zeit bis ins frühe 20. Jahrhundert. 1904 wurde der letzte Braunbär im Val S-charl im Unterengadin erschossen. 1923 erfolgte die letzte Sichtbeobachtung eines vermutlich aus Italien eingewanderten Tieres. Danach war der Bär in der Schweiz ausgerottet. Hundert Jahre lang.
Im Sommer 2005 tauchte im Schweizerischen Nationalpark der erste Braunbär seit einem Jahrhundert auf. Es folgten Fotobeweise, Medienrummel und eine Welle der Begeisterung. Seither sind mindestens 22 Bären in die Schweiz eingewandert, alle aus der Trentiner Population in Norditalien, alle Männchen, alle über den Kanton Graubünden. 90 Prozent von ihnen haben sich unauffällig verhalten, blieben Tage, Wochen oder Monate und zogen weiter. Zwei wurden als «Risikobären» erschossen: JJ3 im April 2008 bei Thusis, M13 im Februar 2013 im Puschlav. Ein weiterer, M29, lebte fast vier Jahre lang in den Kantonen Graubünden, Bern und Uri, ohne je Schäden anzurichten oder Menschen zu nahe zu kommen.
In der Schweiz gilt der Braunbär trotz sporadischem Vorkommen weiterhin als «ausgestorben» (regional ausgestorben), weil keine Reproduktion stattfindet. Es wandern keine Weibchen ein. Ohne Weibchen keine Jungtiere, ohne Jungtiere keine Population. Die Schweiz hat kein Bärenansiedlungsprojekt. Der Bär kommt auf natürlichem Weg, und bisher geht er auch wieder.
Dieses Dossier dokumentiert, was der Braunbär für die Schweiz und den Alpenraum bedeutet: seine Biologie, seine Geschichte, seine Rückkehr, die realen Bedrohungen, das «Problembär»-Label als politische Konstruktion und die Frage, ob eine Gesellschaft, die den Bären im Wappen führt, bereit ist, mit ihm zu leben. Wer tiefer einsteigen will, findet in unserem Dossier zur Jagd in der Schweiz die umfassendste Materialbasis.
Was dich hier erwartet
- Biologie und Lebensweise: Wer der Europäische Braunbär ist, wie er lebt, was er frisst und warum er keine Gefahr für den Menschen darstellt, wenn man ihm den Raum lässt, den er braucht.
- Ökologische Bedeutung: Warum der Braunbär als Allesfresser, Samenverbreiter und Schlüsselart für intakte Alpenökosysteme unverzichtbar ist.
- Geschichte: Von der Ausrottung zur vorsichtigen Rückkehr. Wie die Hobby-Jagd den Bären in der Schweiz vernichtete und warum seine Rückkehr ein Produkt des Schutzes ist, nicht der Hobby-Jagd.
- 20 Jahre Bären in der Schweiz. Von M1 bis heute: Eine Bilanz der Rückkehr, die zeigt, dass Koexistenz möglich ist und nur wenige Individuen Probleme verursachen.
- Das «Problembär»-Label: Politische Konstruktion statt biologische Realität. Warum der Begriff «Problembär» die Verantwortung vom Menschen auf das Tier verschiebt.
- Bedrohungen: Illegale Tötung, Verkehr, Lebensraumzerschneidung, politischer Populismus und Trophäen-Hobby-Jagd.
- Die Hobby-Jagd und der Bär: Warum die Trophäen-Hobby-Jagd, Abschussquoten und das «Management»-Vokabular den Bärenschutz untergraben.
- Slowenien und Trentino: Wie «Management» zum Codewort für Hobby-Jagd wird.
- «Wussten Sie?» 20 Fakten zum Braunbären, die kaum jemand kennt.
- Was sich ändern müsste: Konkrete politische Forderungen.
- Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Behauptungen.
- Quicklinks: Alle relevanten Beiträge, Studien und Dossiers.
Biologie und Lebensweise: Der scheue Riese der Alpen
Der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos) ist das grösste Landraubtier Europas und gehört zur Familie der Bären (Ursidae). Die europäische Unterart erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 170 bis 220 Zentimetern, eine Schulterhöhe von 90 bis 110 Zentimetern und ein Gewicht von 140 bis 320 Kilogramm bei Männchen und 100 bis 200 Kilogramm bei Weibchen. Das Fell variiert von hellblond über zimtbraun bis fast schwarz. Ein markanter Buckel über den Schultern, ein massiger Schädel und kräftige Pranken mit bis zu 10 Zentimeter langen, nicht einziehbaren Krallen kennzeichnen die Art. Die Hinterpfote kann bei erwachsenen Tieren bis zu 22 Zentimeter lang sein. Trotz ihres Gewichts erreichen Braunbären auf kurzen Strecken Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h.
Der Braunbär ist ein Allesfresser, der sich zu rund 75 Prozent pflanzlich ernährt. Im Frühling stehen Gräser, Kräuter, Wurzeln und Knospen auf dem Speiseplan, ergänzt durch Aas von Fallwild. Im Sommer und Herbst, wenn es gilt, Fettreserven für die Winterruhe anzulegen, werden vor allem Beeren, Früchte, Bucheckern, Eicheln und Nüsse gefressen. Honig ist begehrt. Insekten und deren Larven bilden eine wichtige Proteinquelle. Europäische Braunbären jagen opportunistisch und können gelegentlich ungeschützte Nutztiere erbeuten, doch sie sind keine spezialisierten Prädatoren. KORA stellt klar: Im Magen untersuchter Schweizer Bären fanden sich vorwiegend pflanzliche Reste. Eine Studie der Washington State University bestätigt: Bären sind keine Fleischfresser im engeren Sinne, sie sind Allesfresser mit einer Vorliebe für kohlenhydratreiche Nahrung.
Braunbären leben als Einzelgänger. Im Gegensatz zu Luchs und Wolf sind sie nicht territorial: Sie dulden Artgenossen gleichen Geschlechts in ihrem Lebensraum und verteidigen kein Revier. Die Streifgebiete variieren je nach Nahrungsangebot erheblich: von 130 Quadratkilometern in Kroatien bis 1’600 Quadratkilometern in Skandinavien bei Männchen, bei Weibchen von 60 bis 225 Quadratkilometern. Junge Weibchen siedeln sich oft in der Nähe der Mutter an, junge Männchen wandern weit ab, was Inzucht vermeidet und die Ausbreitung der Art ermöglicht.
Die Paarungszeit fällt in die Monate Mai bis Juli. Nach dem Geschlechtsakt tritt eine Keimruhe ein: Die befruchtete Eizelle nistet sich erst zu Beginn der Winterruhe ein. Die eigentliche Tragzeit beträgt nur 6 bis 8 Wochen, die Gesamtspanne zwischen Paarung und Geburt jedoch 180 bis 270 Tage. Im Januar oder Februar kommen 1 bis 3, selten 4 Jungtiere in der Winterhöhle zur Welt. Die Neugeborenen wiegen nur 340 bis 680 Gramm, sind blind, fast nackt und rattenklein ein extremer Grössenunterschied zur Mutter. Die Jungen bleiben rund zwei Jahre bei der Mutter, die in dieser Zeit keine Mühe scheut, um ihren Nachwuchs zu schützen. Die Geschlechtsreife tritt mit 3 bis 5 Jahren ein. Die Lebenserwartung beträgt 20 bis 30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 50 Jahre. Die Fortpflanzungsrate ist eine der niedrigsten aller Säugetiere.
Die Winterruhe dauert je nach Region 2 bis 7 Monate, typischerweise von Oktober bis März. Anders als bei echten Winterschläfern sinkt die Körpertemperatur des Bären kaum. Er nimmt weder Nahrung noch Wasser auf und lebt von den Fettreserven, die er sich im Herbst angefressen hat. Die Höhle wird selbst gegraben oder unter Wurzelstöcken und Windwürfen angelegt. Bei der geringsten Störung erwacht der Bär, was besonders für Bärinnen mit Jungen fatal sein kann: Es kommt vor, dass gestörte Mütter ihre Neugeborenen verlassen.
Der Braunbär ist von Natur aus ein scheues Tier, das dem Menschen misstraut. Wenn er den Menschen rechtzeitig bemerkt, geht er ihm aus dem Weg. In Europa sind Braunbären aufgrund des häufigeren Kontakts mit Menschen eher nachtaktiv geworden. Junge Bären sind zunächst tagaktiv und lernen offenbar erst durch Störungen, auf die Nacht auszuweichen.
Mehr dazu: Bären sind keine Fleischfresser und 20 Jahre Bären in der Schweiz
Ökologische Bedeutung: Allesfresser, Samenverbreiter, Schlüsselart
Der Braunbär ist eine ökologische Schlüsselart der alpinen und subalpinen Ökosysteme. Seine Funktionen sind vielfältig, wissenschaftlich dokumentiert und durch keine Hobby-Jagd ersetzbar.
Als Samenverbreiter spielt der Bär eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung von Beerensträuchern und Bäumen. Wenn er im Herbst grosse Mengen an Beeren, Früchten und Nüssen frisst, scheidet er die Samen über weite Distanzen an anderen Orten wieder aus. Dieser Prozess der Zoochorie fördert die genetische Vielfalt und Ausbreitung der Pflanzen und gestaltet Waldlandschaften aktiv mit. Der WWF Österreich betont: Bären helfen bei der Verbreitung von Früchten, Nüssen und Samen und beteiligen sich damit an der Verbreitung von Pflanzenarten im Wald.
Als Kadaververwerter räumt der Bär Fallwild und Aas, vor allem nach dem Winter. Diese Funktion ist für den Nährstoffkreislauf im Wald wichtig und verringert das Risiko der Krankheitsübertragung durch verwesende Kadaver.
Als Bodenbeweger gräbt der Bär nach Wurzeln, Knollen, Insektenlarven und Kleinsäugern. Dabei belüftet er den Boden, fördert die Humusbildung und schafft Mikrohabitate für andere Arten. Ähnlich wie der Dachs, aber in grösserem Massstab, ist der Bär ein natürlicher Bodenbearbeiter.
Als Indikatorart zeigt das Vorkommen des Braunbären die Qualität grossräumiger, störungsarmer Waldlandschaften an. Wo Bären leben, ist der Lebensraum gross genug, vernetzt genug und störungsarm genug, dass auch zahlreiche andere Arten davon profitieren. Der Bär steht an der Spitze der Nahrungspyramide und ist ein Zeiger für die ökologische Integrität ganzer Landschaften.
Als Teil der natürlichen Beutegreifer-Gemeinschaft ergänzt der Bär die Funktionen von Wolf und Luchs. Während der Wolf primär Huftiere reguliert und der Luchs auf Rehe und Gämsen spezialisiert ist, nutzt der Bär als Allesfresser ein viel breiteres Nahrungsspektrum und füllt eine eigene ökologische Nische. Die Rückkehr aller drei Beutegreifer in die Alpen wäre die Wiederherstellung eines Gleichgewichts, das die Hobby-Jagd vor Jahrhunderten zerstört hat.
Mehr dazu: Dossier: Der Luchs in der Schweiz und Dossier: Argumentarium für professionelle Wildhüter
Geschichte: Die Ausrottung und ihre Lehren
Die Geschichte des Braunbären in der Schweiz ist eine Geschichte der systematischen Vernichtung durch den Menschen. In prähistorischer Zeit besiedelte der Braunbär das ganze Land. Bereits um 1500 war er aus dem Mittelland verschwunden, das damals schon durchgehend besiedelt und weitgehend entwaldet war. Zwischen 1800 und 1850 wurden die letzten Braunbären der Nordalpen und des Juras erlegt. Länger überlebte die Art in den Bündner und Tessiner Alpen.
Dann kam das moderne Gewehr. Das Aufkommen verbesserter Feuerwaffen liess die Zahl der Bärenabschüsse im 19. Jahrhundert nochmals hochschnellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Braunbär nur noch im Unterengadin, in der Val Müstair und der Val dal Spöl zugegen. Am 1. September 1904 erschoss ein Hobby-Jäger den letzten Bären in der Val S-charl. 1923 wurde ein vermutlich aus Italien eingewanderter Bär zum letzten Mal in der Schweiz beobachtet. Dann war Stille. Hundert Jahre lang.
Die Ausrottung des Bären ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis einer Kulturgeschichte, in der der Bär als Bedrohung, als Konkurrent, als Trophäe und als Schädling gesehen wurde. Die Hobby-Jagd hat den Bären in der Schweiz vernichtet. Diese Tatsache wird in der aktuellen Debatte um die Rückkehr der Beutegreifer systematisch ausgeblendet.
Erst seit 1962 ist der Braunbär in der Schweiz durch das Jagdgesetz (JSG, Art. 5 und 7) geschützt. International ist er durch die Berner Konvention als «streng geschützte Tierart» (Anhang II) geführt. Die Schweiz hat die Konvention 1981 ratifiziert und ist verpflichtet, Braunbären nicht vorsätzlich einzufangen, zu töten oder ihren Lebensraum zu stören. In der EU-Habitatrichtlinie ist der Braunbär in den Anhängen II (Schutzgebiete) und IV (streng geschützt) gelistet. Im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) steht er in Appendix II. Global wird er von der IUCN als «nicht gefährdet» (Least Concern) geführt, doch vier der zehn europäischen Populationen gelten als «vom Aussterben bedroht», darunter die Alpenpopulation.
Die Rückkehr begann 2005, als ein junger Braunbär aus dem Trentino in den Schweizerischen Nationalpark einwanderte. Dort waren zwischen 1999 und 2002 zehn Bären aus Slowenien umgesiedelt worden, um die letzte Restpopulation von nur noch 3 bis 4 Tieren in den Alpen zu stützen. Die Trentiner Population wuchs auf geschätzt 73 bis 92 Individuen (2021). Aus ihr wandern seither regelmässig junge Männchen nach Norden, einige davon bis in die Schweiz.
Mehr dazu: Bundesrat verabschiedet Bericht über Bären in der Schweiz und Bär im Unterengadin beobachtet
20 Jahre Bären in der Schweiz: Eine Bilanz
Seit 2005 haben mindestens 22 Bären die Schweiz besucht. Sie kamen beinahe jährlich, mit Ausnahme der Jahre 2006, 2009 und 2023. Alle Nachweise stammen aus den warmen Monaten (April bis Oktober), in den Wintermonaten halten die Bären Winterruhe. KORA dokumentiert: Bei allen nachgewiesenen Bären handelte es sich ausschliesslich um Männchen. Die eingewanderten Tiere wurden nach Möglichkeit durch DNA-Analysen genetisch identifiziert. Die meisten blieben nur einige Tage bis wenige Monate und wanderten dann zurück in Richtung Trentino, wo es auch Bärinnen gibt.
Die Bilanz ist klar: 90 Prozent der bisherigen Bären in der Schweiz haben sich weitgehend unauffällig verhalten. M29 etwa lebte von 2016 bis 2020 in den Kantonen Bern und Uri, ohne Schäden anzurichten oder Menschen zu nahe zu kommen. Er war der einzige bestätigte Bär ausserhalb des Kantons Graubünden und blieb fast vier Jahre. 2018 und 2019 gab es erstmals auch Bärennachweise im Wallis.
Zwei Bären wurden als «Risikobären» eingestuft und erschossen: JJ3, der im April 2008 bei Thusis von der Wildhut erlegt wurde, nachdem er seine Scheu vor Menschen verloren hatte und wiederholt in bewohnten Gebieten auftauchte, sowie M13, der im Februar 2013 im Puschlav geschossen wurde. M13 war zuvor bei einer Kollision mit einem Zug der Rhätischen Bahn verletzt worden, hatte aber überlebt. Die Abschüsse erfolgten nach dem «Konzept Bär Schweiz», der Vollzugshilfe des BAFU, die strenge Kriterien für die Tötung festlegt. Ein weiterer Bär wurde 2016 im Unterengadin von einem Zug überfahren und getötet.
Das «Konzept Bär Schweiz» baut auf dem Grundsatz auf, dass ein Zusammenleben von Mensch und Bär unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, wobei die Sicherheit des Menschen an erster Stelle steht. Der Bundesrat bestätigte 2021, dass das Konzept den gesamteuropäischen Richtlinien entspricht. Potenzial besteht bei der Schadensprävention: Je besser Bienenhäuser, Nutztiere und Abfallentsorgung geschützt werden, desto geringer ist das Risiko, dass Bären problematisches Verhalten entwickeln.
Die Zukunft hängt davon ab, ob Bärinnen einwandern. Die nächsten sesshaften Weibchen der Trentinopopulation befinden sich rund 40 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. In den letzten vier Jahren haben die Weibchen begonnen, ihr Kerngebiet leicht auszudehnen. KORA urteilt: Wenn die Entwicklung im Trentino so weitergeht, steigt auch die Wahrscheinlichkeit weiblichen Bärenbesuchs in der Schweiz. Doch bis eine stabile Alpenpopulation entsteht, braucht es die Verbindung zwischen der Trentiner Population und der viel grösseren Dinariden-Population in Slowenien und Kroatien.
Mehr dazu: 20 Jahre Bären in der Schweiz und Hinweis auf Braunbär in Bayern
Das «Problembär»-Label: Politische Konstruktion statt biologische Realität
Kaum ein Begriff hat den öffentlichen Diskurs über Beutegreifer so geprägt und zugleich so verzerrt wie das Wort «Problembär». Der Begriff tauchte erstmals prominent 2006 auf, als der Braunbär JJ1, besser bekannt als «Bruno», aus dem Trentino nach Bayern wanderte, dort Schafe riss, Bienenstöcke plünderte und sich in der Nähe von Siedlungen blicken liess. Bayerns damaliger Umweltminister Werner Schnappauf erklärte: «Der Bär ist zu einem Problembären geworden.» Wenige Wochen später war Bruno tot, am 26. Juni 2006 nahe dem Spitzingsee erschossen, 170 Jahre nach dem letzten bayerischen Bären.
Brunos Geschichte ist eine Parabel über das Versagen im Umgang mit Beutegreifern. Brunos Mutter Jurka war durch einen Hotelbesitzer angefüttert worden, der Bären als Attraktion für Gäste nutzen wollte. Bruno hatte von seiner Mutter gelernt, dass in der Nähe von Menschen Nahrung zu finden ist. Das Verhalten, das ihn zum «Problembären» machte, war menschengemacht. Der Bär war das Symptom, nicht die Ursache.
JJ1 war Brunos offizieller Name. JJ4, seine Schwester, wurde 2023 im Trentino zur Täterin erklärt, als sie den 26-jährigen Jogger Andrea Papi tödlich angriff. Es war der erste tödliche Bärenangriff in Italien in der Neuzeit. Auch JJ4 wurde gefangen und eingekerkert. Auch hier wurde das «Problembär»-Etikett aufgeklebt. Die Frage, warum in einem Gebiet mit rund 100 Bären keine angemessene Besucherlenkung, kein Warnsystem und keine konsequente Fütterungsprävention existierten, wurde kaum gestellt.
In der Schweiz wurden JJ3 (2008) und M13 (2013) als «Risikobären» eingestuft und erschossen. Das «Konzept Bär Schweiz» definiert eine Eskalationsstufe vom «Schadbär» über den «Problembär» zum «Risikobär». Die Begriffe klingen sachlich, aber sie lenken den Blick auf das Tier und weg vom Kontext. Ein Bär, der in ein Siedlungsgebiet vordringt, weil Abfallcontainer offenstehen, Bienenhäuser nicht gesichert sind und Nutztiere ungeschützt weiden, ist kein «Problembär». Er ist ein Bär in einem Problemlebensraum. KORA formuliert es differenziert: Von den 34 bekannten Todesfällen in der Alpenpopulation von 2003 bis 2019 waren fast die Hälfte vom Menschen verursacht, entweder durch Verkehrskollisionen, illegale Tötungen oder legale Tötungen.
Mehr dazu: Trentino: Bärin greift Hobby-Jäger an und Demo in Trentino: Hunderte fordern Freilassung von Bärin JJ4
Bedrohungen: Was den Braunbären in der Schweiz und den Alpen wirklich gefährdet
Illegale Tötung und politisch motivierte Abschüsse sind nach wie vor eine der grössten Bedrohungen für Braunbären in den Alpen. Die Slowakei beschloss, bis zu 350 Braunbären zu schiessen, offiziell um «die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten». Von rund 1’300 Tieren sollte mehr als ein Viertel fallen. Naturschutzorganisationen werfen Bratislava vor, damit direkt gegen die EU-Habitatrichtlinie zu verstossen. Im Trentino ermöglicht ein neues Gesetz von 2024 den vereinfachten Abschuss von bis zu acht «problematischen» Bären pro Jahr.
Trophäen-Hobby-Jagd bedroht Braunbären vor allem in Osteuropa. In Rumänien erschoss Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein im März 2021 den Braunbären «Arthur», den grössten je in Rumänien dokumentierten Bären, unter fragwürdigen Umständen. Die Abschussbewilligung galt einem ganz anderen, kleineren «Problembären». Die rumänische Umweltorganisation Agent Green bezeichnete den Abschuss als Wilderei und den Fall als vergleichbar mit dem Elfenbeinhandel: «Abschüsse grosser männlicher Tiere schwächen die Bärenpopulation.»
Verkehrsunfälle fordern regelmässig Opfer. In der Schweiz wurde 2016 im Unterengadin ein Bär von einem Zug der Rhätischen Bahn überfahren und getötet. M13 hatte sich 2012 bei einer ähnlichen Kollision Prellungen zugezogen. In den gesamten Alpen und Karpaten sind Strassenkollisionen eine bedeutende Todesursache.
Lebensraumzerschneidung und Isolation bedrohen die genetische Lebensfähigkeit der alpinen Bärenpopulation. Die Trentiner Population stammt von nur zehn Gründertieren ab. Sie ist klein und genetisch isoliert. Eine Verbindung zur viel grösseren Dinariden-Population (rund 2’145 Individuen) ist für das langfristige Überleben des Braunbären in den Alpen von zentraler Bedeutung. Strassen, Autobahnen, Siedlungen und fehlende Wildtierkorridore verhindern den notwendigen genetischen Austausch.
Habituation durch menschliches Fehlverhalten ist die Hauptursache für «Problembären». Offene Abfallcontainer, ungesicherte Bienenhäuser, Anfütterung durch Tourismus und fehlende Besucherlenkung gewöhnen Bären an menschliche Nahrungsquellen. Ein futterkonditionierter Bär sucht gezielt die Nähe von Siedlungen. Das Problem ist menschengemacht und menschenlösbar.
Populistischer Umgang mit Konflikten gefährdet den Bärenschutz politisch. Im Trentino und in der Slowakei nutzen Politiker das Thema Bär, um sich bei ländlichen Wählern zu profilieren. Der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti (Lega) wurde zum prominentesten Befürworter grosszügiger Abschussquoten. Aus einer Schutzgeschichte wird eine Abschussgeschichte, aus «Management» ein Codewort für Hobby-Jagdverwertung.
Mehr dazu: Grösster Braunbär Europas erlegt und Umstrittenes neues Gesetz erlaubt das Abschiessen von Bären in Trentino
Die Hobby-Jagd und der Bär: Historische Schuld, aktuelle Bedrohung
Die Beziehung zwischen der Hobby-Jagd und dem Braunbären lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Hobby-Jagd hat den Bären ausgerottet, und sie verhindert seine Rückkehr.
Erstens: Die Hobby-Jagd hat den Braunbären in der Schweiz und in weiten Teilen Westeuropas vernichtet. Die systematische Bejagung vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, getrieben von Trophäenlust, Angstmacherei und dem Bild des Bären als «Schädling», führte zur Ausrottung einer Art, die Jahrtausende in Europa gelebt hatte. In Bayern wurde der letzte Bär 1835 erlegt, in der Schweiz 1904, in Deutschland war der Bär danach 170 Jahre lang verschwunden. Der erste Rückkehrer, Bruno, wurde nach nur sechs Wochen erschossen.
Zweitens: Die Trophäen-Hobby-Jagd bedroht Bärenpopulationen in Osteuropa. In Rumänien, einst Europas Hochburg der Bären-Trophäen-Hobby-Jagd, können sich wohlhabende Ausländer trotz strengem Schutz Abschussbewilligungen erkaufen. Der Fall Arthur hat gezeigt, wie das System funktioniert: Ein Prinz reist an, schiesst den grössten Bären statt des freigegebenen Tieres, und die Behörden schauen weg.
Drittens: In Slowenien wird «Bärenmanagement» als Deckmantel für jagdliche Verwertung missbraucht. Die Praxis, Bären gezielt zu füttern, offiziell, um sie von Siedlungen fernzuhalten, führt dazu, dass sich die Population künstlich vergrössert. Dann werden grosszügige Abschussquoten freigegeben, ein politisches Geschenk an eine gut organisierte Hobby-Jagdlobby. Die Bären, die von der Fütterung angezogen wurden, werden als «Problemtiere» deklariert und zum Abschuss freigegeben. Gleichzeitig blendet die Debatte aus, dass Abschüsse das Verhalten der Population verändern können: Werden scheue, vorsichtige Tiere entfernt, bleiben die neugierigeren und konfliktbereiten Individuen übrig.
Viertens: In der Schweiz existiert zwar kein direktes Hobby-Jagdproblem beim Bären, da der Abschuss nur der Wildhut vorbehalten ist. Doch das System der Hobby-Jagd schafft den kulturellen und politischen Rahmen, in dem Beutegreifer als Konkurrenten, Bedrohung und Problem wahrgenommen werden, statt als Bereicherung. Die Lobby der Hobby-Jagd befeuert die Angst vor Beutegreifern, weil deren Rückkehr ihr eigenes Narrativ in Frage stellt: dass nur der Mensch mit der Flinte «Wildtiermanagement» betreiben kann.
Das Genfer Modell zeigt seit 1974, dass professionelles Wildtiermanagement ohne Hobby-Jagd funktioniert. Professionelle Wildhüter, die ausgebildet, unabhängig und dem Artenschutz verpflichtet sind, können auch mit grossen Beutegreifern umgehen, sachlich, kompetent und ohne Trophäeninteressen.
Mehr dazu: Sloweniens Braunbären als Sündenböcke und Dossier: Genf und das Jagdverbot
«Wussten Sie?» 20 Fakten zum Braunbären
- Der Braunbär ist das grösste Landraubtier Europas, ernährt sich aber zu 75 Prozent pflanzlich. Er ist ein Allesfresser, kein Räuber im klassischen Sinne.
- In der Schweiz wurde der letzte Braunbär 1904 im Val S-charl im Unterengadin erschossen. Danach war er hundert Jahre lang ausgerottet.
- 2005 tauchte der erste Braunbär seit einem Jahrhundert im Schweizerischen Nationalpark auf. Alle seither nachgewiesenen Bären stammten aus der Trentiner Population.
- Seit 2005 haben mindestens 22 verschiedene Bären die Schweiz besucht. Alle waren Männchen. Es wanderte bisher kein einziges Weibchen ein.
- 90 Prozent der bisherigen Bären in der Schweiz haben sich unauffällig verhalten, ohne Schäden an Menschen oder Eigentum.
- M29 lebte fast vier Jahre in der Schweiz (2016 bis 2020) in den Kantonen Graubünden, Bern und Uri, ohne je zum Problem zu werden.
- Der Braunbär hält Winterruhe, keinen Winterschlaf. Seine Körpertemperatur sinkt kaum, und er kann bei Störung sofort erwachen.
- Neugeborene Braunbären wiegen nur 340 bis 680 Gramm, etwa so viel wie eine Ratte. Der Grössenunterschied zur Mutter (bis 200 Kilogramm) ist bei keinem anderen Plazentatier so extrem.
- Braunbären sind nicht territorial. Sie dulden Artgenossen im selben Lebensraum und verteidigen kein Revier.
- Die Trentiner Bärenpopulation stammt von nur zehn Gründertieren ab, die zwischen 1999 und 2002 aus Slowenien umgesiedelt wurden. Vorher lebten dort nur noch 3 bis 4 Bären.
- Von den 34 bekannten Todesfällen in der Alpenpopulation (2003 bis 2019) waren fast die Hälfte vom Menschen verursacht: Verkehrsunfälle, illegale Tötungen und legale Abschüsse.
- Der Braunbär kann auf kurzen Strecken bis zu 50 km/h schnell rennen, schneller als ein Pferd.
- «Bruno» (JJ1) war 2006 der erste Braunbär in Deutschland seit 170 Jahren. Er wurde nach nur sechs Wochen als «Problembär» erschossen. Seine Schwester JJ4 tötete 2023 einen Jogger im Trentino und sitzt seither im Gehege.
- Der Bär ist das Wappentier von Bern, Appenzell und zahlreichen Gemeinden. Er prägt die Schweizer Kulturgeschichte seit Jahrhunderten.
- In der Schweiz gibt es kein Bärenansiedlungsprojekt. Die Rückkehr geschieht auf natürlichem Weg, ausschliesslich durch Einwanderung aus Italien.
- Die Fortpflanzungsrate des Braunbären ist eine der niedrigsten aller Säugetiere. Weibchen bekommen nur alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs, mit Wurfgrössen von meist 1 bis 3 Jungtieren.
- Die alpine Gesamtpopulation ist «vom Aussterben bedroht». Nur die Verbindung zur Dinariden-Population in Slowenien und Kroatien kann das langfristige Überleben sichern.
- In Rumänien erschoss Prinz Emanuel von Liechtenstein 2021 den grössten je dokumentierten Braunbären Europas, «Arthur», unter fragwürdigen Umständen. Die Abschussbewilligung galt einem anderen Tier.
- Bärinnen mit Jungtieren können bei Störung aggressiv reagieren. Die übergrosse Mehrheit der Bärenangriffe auf Menschen steht in Zusammenhang mit Müttern, die ihre Jungen verteidigen.
- KORA dokumentiert: Die Schweizer Bevölkerung hat sich seit 2005 im Umgang mit Bären beruhigt. Die anfängliche Aufregung ist einer sachlicheren Haltung gewichen. Die naturnahe Landschaft der Schweiz bietet dem Braunbären in vielen Regionen geeigneten Lebensraum. Die Frage ist nicht, ob der Lebensraum vorhanden ist, sondern ob die Gesellschaft bereit ist, ihn zu teilen.
Was sich ändern müsste: Politische Forderungen
Die IG Wild beim Wild fordert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Braunbären in der Schweiz und im Alpenraum. Statt reaktiver Abschusspolitik braucht es präventive Koexistenzstrategien:
Erstens: Konsequente Schadensprävention statt «Problembär»-Rhetorik. Bärensichere Abfallentsorgung in allen potenziellen Bärengebieten (Graubünden, Wallis, Tessin, Innerschweiz). Obligatorischer Elektrozaunschutz für Bienenhäuser. Bärensichere Container in Siedlungen und an Wanderwegen. Die Prävention muss vor dem nächsten Bärenbesuch stehen, nicht danach.
Zweitens: Kein Abschuss ohne unabhängige Überprüfung. Die Entscheidung, einen Bären zu töten, darf nicht allein bei kantonalen Jagdbehörden liegen, die unter politischem Druck stehen. Eine unabhängige Fachkommission unter Einbezug von KORA, Tierschutzorganisationen und Wildbiologie muss jede Abschussverfügung vorgängig prüfen.
Drittens: Professionelle Wildhüter statt Hobby-Jagdstrukturen. Der Umgang mit Beutegreifern muss in den Händen von spezialisierten Fachleuten liegen, nicht in den Händen eines Systems, das auf Trophäen und Fleischgewinnung ausgerichtet ist. Das Genfer Modell zeigt, wie es geht.
Viertens: Wildtierkorridore zwischen dem Trentino und der Schweiz sichern und ausbauen. Die Verbindung der alpinen Teilpopulationen ist überlebenswichtig. Die Schweiz muss sich aktiv an der internationalen Koordination zwischen den Alpenländern beteiligen und Wanderkorridore raumplanerisch sichern.
Fünftens: Verbot der Trophäen-Hobby-Jagd auf Bären in ganz Europa. Die Schweiz sollte sich in internationalen Gremien dafür einsetzen, dass die Trophäen-Hobby-Jagd auf streng geschützte Beutegreifer europaweit geächtet und verboten wird.
Sechstens: Aufklärung und Bildung. Die Bevölkerung in potenziellen Bärengebieten muss sachlich informiert werden: über das Verhalten bei Bärenbegegnungen, über die geringe tatsächliche Gefahr und über die ökologische Bedeutung des Bären. Angstmacherei durch Medien und Hobby-Jagdlobby muss mit Fakten begegnet werden.
Argumentarium: Antworten auf die häufigsten Behauptungen
«Der Bär ist gefährlich und hat in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft nichts verloren.» Die Erfahrung der letzten 20 Jahre in der Schweiz zeigt das Gegenteil: 90 Prozent der eingewanderten Bären haben sich unauffällig verhalten. In ganz Europa lebten 2024 rund 20’400 Braunbären, auch in relativ dicht besiedelten Ländern wie Slowenien, Kroatien und der Slowakei. Die Beispiele in Italien, Österreich und Slowenien zeigen, dass der Braunbär auch in Kulturlandschaften Lebensraum finden kann. Pro Natura stellt fest: Die meisten Bären leben scheu und zurückgezogen fernab von Siedlungen in Wäldern. Die Schweiz hat verlernt, mit dem Bären zu leben, aber das lässt sich wieder erlernen.
«Man muss Problembären abschiessen, sonst gefährden sie Menschen.» Im äussersten Einzelfall kann ein Abschuss unvermeidbar sein. Aber das Etikett «Problembär» verschleiert die Ursache: Fast immer liegt das Problem nicht beim Bären, sondern beim Menschen. Futterkonditionierung durch offene Abfälle, ungesicherte Bienenstöcke und Anfütterung schaffen «Problembären». Konsequente Prävention würde die meisten Konflikte verhindern. In Nordamerika und Skandinavien funktionieren bärensichere Müllsysteme seit Jahrzehnten.
«Bären reissen Nutztiere. Das ist für Bergbauern nicht tragbar.» Bärenschäden konzentrieren sich auf Bienenhäuser, Obstkulturen, Kleinvieh und selten Rinder. Die Schäden werden gemäss geltendem Recht zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Kanton vergütet. Andere direkte Schäden bezahlt der Bund zu 100 Prozent. Der Bundesrat bestätigte 2021, dass das Entschädigungssystem funktioniert. Prävention (Elektrozäune, bärensichere Bienenhäuser, Herdenschutz) ist der wirksamere Weg als der Abschuss.
«Die Hobby-Jagd hat nichts mit dem Bär zu tun, in der Schweiz darf ohnehin nur die Wildhut schiessen.» Das stimmt formal, greift aber zu kurz. Die Hobby-Jagd hat den Bären in der Schweiz ausgerottet. Das System Hobby-Jagd prägt nach wie vor den kulturellen und politischen Rahmen, in dem Beutegreifer als Konkurrenten und Bedrohung wahrgenommen werden. Die Lobby der Hobby-Jagd befeuert die Angst vor Beutegreifern, weil deren Rückkehr das eigene Narrativ in Frage stellt. Im Trentino und in Slowenien zeigt sich, wie «Management» zum Vehikel der Hobby-Jagdlobby wird.
«Es gibt schon genug Bären in Europa, die Schweiz muss keine aufnehmen.» Die alpine Bärenpopulation ist eine der am stärksten gefährdeten in Europa. Sie ist klein, genetisch isoliert und langfristig nicht überlebensfähig. Die Schweiz liegt im Zentrum des Alpenbogens und ist für die natürliche Verbreitung und Vernetzung der Bärenpopulationen von entscheidender Bedeutung. Wer sagt, es gäbe «genug» Bären, ignoriert die Realität der alpinen Fragmentierung.
«Das Konzept Bär der Schweiz funktioniert doch. Wozu mehr?» Das Konzept Bär hat sich grundsätzlich bewährt, so der Bundesrat. Doch es wurde für eine Situation geschrieben, in der einzelne Bären durchziehen. Wenn sich die Trentiner Population weiter ausdehnt und Weibchen in die Schweiz einwandern, steigen die Anforderungen an Prävention, Aufklärung und Management erheblich. Die Schweiz muss sich jetzt vorbereiten, nicht erst, wenn der erste Konflikt eskaliert.
Quicklinks
Beiträge zum Thema Bär auf wildbeimwild.com:
- 20 Jahre Bären in der Schweiz
- Bär im Unterengadin beobachtet
- Grösster Braunbär Europas erlegt
- Bären sind keine Fleischfresser
- Bär tötet Jogger auf Waldweg in Norditalien
- Trentino: Bär M49 gefangen
- Trentino: Bärin greift Hobby-Jäger an
- Demo in Trentino: Hunderte fordern Freilassung von Bärin JJ4
- Umstrittenes neues Gesetz erlaubt das Abschiessen von Bären in Trentino
- In Italien wurde ein als gefährlich eingestufter Bär von Forstbehörden erlegt
- Italienisches Gericht setzt Anordnung zur Tötung des Bären aus
- Sloweniens Braunbären als Sündenböcke
- Bären-Wilderei im karpatischen Biosphären-Reservat
- Bundesrat verabschiedet Bericht über Bären in der Schweiz
- Hinweis auf Braunbär in Bayern
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Unser Anspruch
Der Braunbär gehört zur Schweiz. Nicht als Wappentier, nicht als Touristenattraktion, nicht als Folklore, sondern als lebendiger Teil eines Ökosystems, das ohne ihn unvollständig ist. Die Hobby-Jagd hat ihn ausgerottet. Der Schutz hat seine Rückkehr ermöglicht. Die Frage ist jetzt, ob die Schweiz bereit ist, diese Rückkehr zuzulassen und zu gestalten, oder ob sie den Bären ein zweites Mal vertreibt, diesmal nicht mit der Flinte, sondern mit Gleichgültigkeit, mangelnder Prävention und populistischem «Problembär»-Gerede.
20 Jahre Bärenpräsenz in der Schweiz haben gezeigt: Koexistenz ist möglich. Die grosse Mehrheit der Bären verhält sich unauffällig. Die wenigen Konflikte sind menschengemacht und menschenlösbar. Was fehlt, ist nicht der Lebensraum, es sind der politische Wille, die konsequente Prävention und die Bereitschaft, das System der Hobby-Jagd als das zu erkennen, was es im Umgang mit Beutegreifern ist: Teil des Problems, nicht der Lösung.
Wer den Bären im Wappen führt, muss bereit sein, mit dem Bären zu leben. Alles andere ist Heuchelei.
Dieses Dossier wird laufend aktualisiert, wenn neue Studien, Zahlen oder politische Entwicklungen es erfordern.
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