Der Deutsche Jagdverband (DJV) fungiert als Dachorganisation für 15 Landesjagdverbände mit Ausnahme Bayerns und vertritt Hobby-Jäger.
In einem Interview mit dem DJV-Präsidenten Helmut Dammann-Tamke hat prisma über die Bedeutung der Hobby-Jägerschaft sowie über den zunehmenden ungesunden Trend zu Wildfleisch gesprochen.
Die Jagdlobby präsentiert Wildfleisch gerne als „das natürlichste Lebensmittel überhaupt“, regional, gesund und nachhaltig.
Doch ein Blick in unabhängige Studien, Bewertungen von Behörden und Untersuchungen der letzten Jahre zeichnet ein weit weniger romantisches Bild. Tatsächlich ist Wildbret eine der am wenigsten kontrollierten Fleischkategorien Europas, und die Risiken reichen von Schadstoffbelastungen über Krankheitserreger bis hin zu hygienischen Mängeln in der Verarbeitung.
Trotzdem verbreitet der Deutsche Jagdverband (DJV) ein Narrativ, das diese Risiken weitgehend ausblendet, relativiert oder verharmlost. Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann das gefährlich werden.
Bleibelastung: Ein altbekanntes Problem, das gerne kleingeredet wird
Eines der am besten dokumentierten Risiken ist die Kontamination mit Blei aus jagdlicher Munition. Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus Deutschland und Europa zeigen, dass Wildfleisch, vor allem von Tieren, die mit bleihaltiger Büchsenmunition erlegt wurden, häufig erhöhte Bleikonzentrationen aufweist.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt seit Jahren, dass insbesondere Kinder, Schwangere und Vielverzehrer gefährdet sind. In Pilotstudien wurden bei Menschen, die häufig Wildfleisch essen, deutlich höhere Bleikonzentrationen im Blut festgestellt als bei Nichtverzehrern.
Der DJV betont gerne, Wildfleisch sei „gesund und unbelastet“. Dass der Verband gleichzeitig jahrzehntelang gegen ein Bleimunitionsverbot lobbyiert hat und bis heute die Risiken relativiert, wirkt wie eine Gefährdung der Verbraucher und ist in erster Linie Interessenvertretung der Jagdlobby, nicht des Verbraucherschutzes.
Hygieneprobleme: Fleisch aus der freien Wildbahn – ohne die Kontrolle der Fleischwirtschaft
Der Jagdverband vermittelt das Bild, Wildbret sei besonders „natürlich“. Was der DJV kaum erwähnt:
Wildtiere werden nicht in kontrollierter Umgebung geschlachtet, sondern im Wald, unter wechselhaften hygienischen Bedingungen, ohne professionelle Infrastruktur.
Die Kühlkette ist oft unzureichend:
- Wild wird teilweise stundenlang warm im Kofferraum transportiert.
- Aufbrechen und Zerwirken finden häufig in Hobbyräumen statt.
- Viele Hobby-Jäger verfügen weder über professionelle Kühlanlagen noch über Routine im Umgang mit Lebensmitteln.
Lebensmittelkontrollen, wie sie in der Fleischindustrie selbstverständlich sind, fehlen weitgehend. Das bestätigen auch veterinärmedizinische Studien: Wildbret zeigt immer wieder Belastungen mit Salmonellen, Trichinen, Hepatitis-E-Viren und anderen Zoonosen.
Dass der DJV solche Probleme häufig als „Einzelfälle“ darstellt, widerspricht den Befunden unabhängiger Untersuchungen.
Schadstoffe aus der Umwelt: Wildtiere sind keine Bio-Tiere
Wildtiere sind Umweltbelastungen ungefiltert ausgesetzt: Schwermetalle aus Böden, Pestizidrückstände, PFAS-Belastungen aus Gewässern, Mikroplastik. Unabhängige Untersuchungen – u. a. aus Deutschland der Schweiz und Österreich, zeigen immer wieder erhöhte Werte von Cadmium, Quecksilber und sogar radioaktiven Nukliden in Wildbret.
Trotzdem behauptet der DJV, Wildfleisch sei ein „Premiumprodukt“. Die Realität ist komplexer – und oftmals unbequemer für die Jagdverbände.
Das Märchen vom „regionalen und nachhaltigen“ Lebensmittel
Der DJV stilisiert Wildbret zur nachhaltigen Alternative zur Massentierhaltung. Doch die Fakten:
- Der Grossteil des in Deutschland verzehrten Reh-, Hirsch- und Wildschweinfleisches ist Importware, oft aus Osteuropa, wo die Jagdpraxis und Kontrollstandards massiv variieren.
- Die Hobby-Jagd erzeugt keine planbaren Mengen, weshalb der angeblich regionale Markt ausserhalb der Saison kaum existiert.
- „Regional“ bedeutet nicht automatisch „gesund“, insbesondere dann, wenn munitionelle Kontamination, Parasitenbefall oder schlechte Verarbeitung eine Rolle spielen.
Wildbret ist kein kontrolliertes Bio-Produkt – auch wenn der DJV diese Assoziation gern bedient.
Verharmlosung durch die Jagdlobby: Ein strukturelles Problem
Der DJV verfolgt klare wirtschaftliche und politische Interessen: Die Jagd soll gesellschaftlich akzeptiert bleiben; Wildfleisch soll als hochwertiges Produkt gelten. Dieses Interesse führt dazu, dass Risiken regelmässig heruntergespielt werden.
Beispiele:
- Der DJV betont niedrigere Fettgehalte von Wildfleisch, aber kaum die realen Schadstoffbelastungen.
- Er verweist auf „amtliche Fleischuntersuchungen“, obwohl diese nur Teilbereiche abdecken (z. B. Trichinen bei Wildschwein).
- Er wirbt offensiv mit „Premiumqualität“, obwohl die Produktionskette oft weit von professionellen Standards entfernt ist.
Es handelt sich um klassische Imagekommunikation, nicht um objektive Verbraucherinformation. Die Risiken sind real, wissenschaftlich gut dokumentiert und werden von der Jagdlobby systematisch verharmlost.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist entscheidend:
- Die Hobby-Jäger sollen das Aas selber essen.
Statt romantischer Naturmetaphern bräuchte es ehrliche Aufklärung, strengere Regeln und unabhängige Kontrollen.
Solange der DJV jedoch versucht, Wildbret als bedenkenloses Naturprodukt zu verkaufen, bleibt der Verbraucherschutz auf der Strecke.
Mehrwert:
- Wildfleisch: Natürlich, gesund – oder gefährlich?
- Wildfleisch vom Hobby-Jäger? – Aas auf dem Teller!
- Gemäss Studien bestehen gesundheitliche Risiken im Kontext des Verzehrs von Wildfleisch
- Ernährung: Der zivilisierte Geschmack
- Wildfleisch vom Jäger ist Aas
- Wildfleisch kann nicht BIO sein
- Fleisch von wild lebenden Tieren ist kein Bio-Wild
- Demenz: Wie schädlich ist Wildbret?
- Wildbret macht krank
- Bleirückstände in Wildfleischprodukten
- Wildfleisch: Risiken, Blei und Jagdmythen
- Achtung: Warnung vor Wildfleisch vom Hobby-Jäger
- Jäger lügen auch beim Verkauf von Fleisch






