Diese Fälle sind keine Randnotizen. Sie zeigen exemplarisch, wie stark sich Jagdpolitik von rechtsstaatlichen und wissenschaftlichen Grundlagen entfernt hat und zunehmend durch Gerichte korrigiert werden muss.
In Norwegen offenbaren die Anklagen ein strukturelles Problem. Die Ermittlungen richten sich nicht gegen einzelne Ausrutscher, sondern gegen organisierte Formen illegaler Jagd. Dass ausgerechnet bei streng geschützten Arten wie Wolf und Luchs systematisch gegen das Gesetz verstossen wird, wirft ein Schlaglicht auf die Akzeptanz des Artenschutzes innerhalb bestimmter jagdlicher Milieus. Die wiederkehrende Rhetorik von „Notwendigkeit“ und „Kontrolle“ kollidiert hier frontal mit dem Strafrecht.
In Schweden verschiebt sich der Konflikt zunehmend von der Jagdverwaltung in die Gerichtssäle. Entscheidungen über Wolfsjagden für das Jahr 2026 werden nicht mehr primär politisch oder fachlich geklärt, sondern juristisch. Gerichte stoppen Jagden, prüfen Bewilligungen und verweisen auf unzureichende rechtliche Grundlagen. Das ist ein deutliches Signal: Die Legitimation der Jagd auf Beutegreifer ist so brüchig geworden, dass sie ohne richterliche Prüfung nicht mehr durchsetzbar ist.
Diese Entwicklung ist kein skandinavisches Sonderphänomen. Sie spiegelt einen europäischen Trend wider, der auch in der Schweiz sichtbar ist. Wo Jagdpolitik zunehmend ideologisch, lobbygetrieben oder symbolisch betrieben wird, verlieren Behörden an Glaubwürdigkeit. Die Folge ist eine Verlagerung der Konflikte in den Rechtsstaat.
Besonders auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen offizieller Kommunikation und tatsächlicher Praxis. Während Jagdverbände weiterhin von nachhaltigem Wildtiermanagement sprechen, zeigen Ermittlungen, Anklagen und gerichtliche Stopps ein anderes Bild: mangelnde Selbstkontrolle, Grenzüberschreitungen und eine systematische Unterschätzung rechtlicher Schranken.
Für den Wildtierschutz ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits belegen Gerichtsentscheide, dass Rechtsstaat und Artenschutz noch greifen. Andererseits zeigen die Fälle, wie fragil diese Schutzmechanismen geworden sind, wenn sie permanent gegen jagdpolitische Interessen verteidigt werden müssen.
Die skandinavischen Entwicklungen machen deutlich, was auch für die Schweiz relevant ist: Jagd auf Beutegreifer ist längst keine fachliche Frage mehr, sondern eine demokratische, rechtliche und gesellschaftliche. Wer weiterhin behauptet, es gehe lediglich um Bestandsregulierung, ignoriert die wachsende Zahl an Strafverfahren, Gerichtsentscheiden und institutionellen Konflikten.
Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/







