Während der Jagdsaison sind solche Szenen keine Seltenheit. Rehe, Wildschweine oder Füchse, die angeschossen wurden, suchen in ihrer Panik Zuflucht auf Privatgrundstücken.
Viele Hausbesitzer erleben dann das Unbehagen, plötzlich Teil einer Jagdszene zu werden. Doch was sagt das Gesetz – und wie steht es um die Ethik hinter diesem Verhalten?
Das Gesetz auf Ihrer Seite
Niemand darf auf fremdem Grund jagen, ohne die Zustimmung des Eigentümers.
Das bedeutet: Ihr Garten, Ihr Haus, Ihr Hof – sie sind keine Freiluft-Schiessbahn. Hobby-Jäger dürfen nicht einfach Ihr Grundstück betreten, auch nicht mit der Begründung, ein Wildtier «schnell erlösen» zu wollen.
Nur in einem engen Ausnahmefall, dem sogenannten Folgerecht, dürfen sie ein bereits tödlich verwundetes Tier weiterverfolgen. Doch auch das ist streng begrenzt: Das Tier muss tatsächlich dem Tod geweiht sein, nicht nur verletzt. In allen anderen Fällen endet die Hobby-Jagd an Ihrer Grundstücksgrenze.
Ethik kontra Jagdtradition
Befürworter der Hobby-Jagd argumentieren, das Folgerecht diene der «Humanität» – das Tier solle nicht unnötig leiden. Doch in der Praxis wirkt dieses Argument oft wie ein Feigenblatt. Viele Tiere fliehen nicht, weil sie «sterben müssen», sondern weil sie schlicht überleben wollen.
Dass sie dann im letzten Moment in einem privaten Garten Schutz suchen, ist kein Zufall: Dort gibt es meist Ruhe, Sicherheit und keine Gewehre.
Die Frage lautet also: Wie human ist ein System, das Wildtiere bis an den Rand der Erschöpfung treibt – und ihnen dann noch das letzte Refugium streitig macht?
Die Grenzen des Hobby-Jägerprivilegs
Das Jagdrecht kennt zwar alte Privilegien, aber auch klare Grenzen. Eingezäunte Grundstücke, Hausnähe und bewohnte Gärten sind ausdrücklich von der Hobby-Jagd ausgenommen.
Wer dennoch eindringt, riskiert eine Strafe.
Auch moralisch ist der Fall eindeutig: Das Eigentumsrecht und das Mitgefühl für ein verletztes Lebewesen wiegen schwerer als das Jagdvergnügen.
Wenn Sie betroffen sind
- Verweigern Sie den Zutritt.
- Dokumentieren Sie den Vorfall (Fotos, Datum, Uhrzeit).
- Informieren Sie die Polizei
Ein Schild mit «Privatbesitz – Jagen verboten» kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden.
Ein Symbol der Wildnis im Rückzugsmodus
Die Szene des verletzten Tieres im Garten steht sinnbildlich für eine tiefere Krise: Wildtiere verlieren immer mehr Lebensraum und werden gleichzeitig gehetzt, kontrolliert und getötet – oft unter dem Deckmantel von «Tradition» und «Bestandsregulierung».
Vielleicht ist es an der Zeit, diese Traditionen zu hinterfragen – und den Tieren wenigstens dort Frieden zu gewähren, wo wir selbst sicher sind: zu Hause.
Ein verletztes Wildtier, das in Ihren Garten flieht, sucht Schutz – nicht den Tod. Das Gesetz schützt Ihr Grundstück, und die Ethik gebietet Mitgefühl. Die Jagd endet an der Gartenpforte. Und genau dort beginnt die Verantwortung des Menschen.
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