Es klingt nach einem alltäglichen Familienmoment: Eine Mutter fährt mit ihrer kleinen Tochter auf dem Trotti durch die Landschaft im Kanton Thurgau.
Die Sonne scheint, das Kind lacht. Doch diese Idylle endet abrupt, als das Mädchen plötzlich stehen bleibt und mit freudigen Augen ruft: „Mama, schau mal, Füchse! Darf ich sie streicheln?“
Was die Mutter sieht, ist das Gegenteil dessen, was das Kind erwartet: In einer Kiste liegen mehrere tote Füchse. Blutverschmiert. Aufgestapelt wie Abfall. Daneben ein Schild: „Treibjagd“.
Was für die Jägerschaft ein „normaler“ Anblick ist, bricht für ein Kind eine Welt auf. Und damit beginnt eine Szene, die in ihrer Klarheit gnadenlos offenlegt, was moderne Jagdpolitik verdrängt.
Die Frage, die alles entlarvt: „Warum haben die Menschen die Füchse getötet?“
Die Mutter ringt um Worte. Denn was soll man einem Kind sagen?
- Dass Füchse „reguliert“ werden müssen? Obwohl sie sich wissenschaftlich nachweisbar selbst regulieren, wenn man sie in Ruhe lässt.
- Dass sie „krank“ gewesen seien? Obwohl die Tiere augenscheinlich gesund sind, sogar ein Jungfuchs liegt darunter.
- Dass die Hobby-Jagd notwendig sei, um „Schäden zu verhindern“? Ein Märchen, das längst widerlegt ist.
Nichts davon trifft zu. Nichts davon würde ein Kind je glauben. Ein Kind sieht nur eins: Ein Tier, das leben wollte und ein Mensch, der diesem Leben ein Ende gesetzt hat.
Die unbequeme Wahrheit hinter der Treibjagd
Wer Treibjagden kennt, weiss: Die Realität ist weit brutaler als das Bild der „waidgerechten Jagd“, das Verbände so hartnäckig kommunizieren.
- Tiere werden panisch aus dem Wald getrieben.
- Jagdhunde jagen sie durch Unterholz, Schneisen, über Felder.
- Viele Füchse sterben nicht sofort, sondern verbluten langsam, getroffen von Schrot, das ihren Körper zerfetzt.
- Sozialstrukturen reissen auseinander, was zu mehr Jungfüchsen führt. Ein Effekt, der den Mythos der „Bestandsregulierung“ selbst widerlegt.
Es ist ein System, das mit Ökologie wenig, mit Tradition nur noch rhetorisch und mit Notwendigkeit gar nichts mehr zu tun hat.
Jägerargumente halten wissenschaftlicher Prüfung nicht stand
Moderne Wildtierforschung zeigt:
- Das Ökosystem reguliert Fuchsbestände selbst, ohne menschliche Eingriffe.
- Die Hobby-Jagd reduziert Krankheiten nicht, sondern kann sie durch Druck auf die Population sogar fördern.
- Die Behauptung, der Fuchs gefährde andere Arten, ist in der Breite nicht haltbar. Lebensraumverlust, Landwirtschaft und menschliche Eingriffe haben einen weit grösseren Einfluss.
Und doch wird weiter geschossen. Weil man es darf. Weil es Tradition ist. Weil es ein Hobby ist.
Ein Kind als moralische Instanz
Die Reaktion des Mädchens auf die Kiste voller toter Füchse ist entlarvend: „Wenn ich gross bin, werde ich den Jägern sagen, dass sie aufhören sollen. Ich bringe sie ins Gefängnis.“
Natürlich spricht aus diesem Satz kindliche Empathie. Doch er ist moralisch klarer als jeder jagdpolitische Bericht: Wer anderen Lebewesen ohne Not Leid zufügt, handelt falsch. Punkt.
Kinder erkennen, was viele Erwachsene verlernt haben: Die Fähigkeit, Leben als schutzwürdig zu betrachten, ohne Wenn und Aber.
Die grösste Frage: Warum akzeptieren wir das überhaupt noch?
Die Szene zeigt, was in der Jagddiskussion oft fehlt: echte Empathie. Während Hobby-Jäger in Daten, Jagdquoten und Gebietsplänen sprechen, sehen Kinder nur das Offensichtliche: ein fühlendes Wesen, dem Gewalt angetan wurde.
Und vielleicht ist es genau diese Perspektive, die uns fehlt. Nicht mehr fragen, ob etwas Tradition ist, sondern ob es richtig ist. Nicht mehr akzeptieren, dass Tiere sterben, weil es „immer so war“. Sondern endlich darüber sprechen, wie viel Leid wir verhindern könnten, wenn wir mit Wildtieren anders umgehen würden.
Fazit: Ein Appell, der uns alle etwas angeht
Eine Kiste toter Füchse am Wegrand, ein Kind, das verstehen will und eine Mutter, die keine Antwort findet, die nicht weh tut. Dieser Moment erzählt mehr über die Hobby-Jagd in der Schweiz als viele politische Debatten:
- Er zeigt die Kluft zwischen Propaganda und Realität.
- Er zeigt, wie tief Gewalt gegen Tiere gesellschaftlich verankert ist.
- Und er zeigt, wie klar die Welt aussehen könnte, wenn wir wieder mit kindlichem Mitgefühl auf sie blicken würden.
Vielleicht wird die Hobby-Jagd erst dann aufhören, ein Hobby zu sein, wenn wir es schaffen, den Blick unserer Kinder ernst zu nehmen. Denn sie wissen intuitiv, was wir als Erwachsene gerne vergessen: Echte Menschlichkeit beginnt dort, wo wir aufhören, Leid zu verursachen.






