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Jagd

Tierquälerei: Fuchsmassaker in der Schweiz

Der Fuchs ist ein sehr anschauliches (und trauriges) Beispiel dafür, wie der Hobby-Jäger mit seiner Unkenntnis Tierquälerei begeht und mit seinem zwanghaften Kontrollbedürfnis gegenüber der Natur Probleme selbst kreiert und natürliche regulative Mechanismen auslöscht.

Redaktion Wild beim Wild — 24. November 2025

Füchse sind als Mäusejäger sowohl für die Land- als auch die Forstwirtschaft essenziell und haben einen wesentlichen Anteil an der Eindämmung der von «Nagetier-übertragenen Pathogenen», wie Hantaviren oder Borrelien.

Aus diesen Gründen sollten wir den Fuchs als das sehen, was er ist – nämlich als einen wichtigen Bestandteil des Ökosystems und eine Bereicherung der heimischen Fauna.

Recherchen der IG Wild beim Wild bei den kantonalen Ämtern für Jagd und Fischerei förderten erstaunliche Fakten zutage. Einzig der Kanton Luzern führt etwa eine Statistik über Krankheiten beim Fuchs. So hatten von den 2’217 sinnlos abgeschossenen Füchsen im Kanton Luzern im Jagdjahr 2018/19 nur gerade mal 39 Füchse eine Krankheit (Räude 32, Staupe 1, andere Krankheiten 6). Alle anderen Füchse wurden auf Kosten der Steuerzahler entsorgt.

In der Schweiz fallen besonders die Kantone Bern, Aargau, Graubünden, St. Gallen, Wallis, Luzern und Zürich mit einer überproportionalen Jagd auf Fuchs und Dachs bzw. der Tierquälerei negativ auf.

Im Kanton Bern werden laut der eidgenössischen Jagdstatistik rund ein Fünftel aller Rotfüchse in der Schweiz abgeschossen, obwohl Fachleute keinen Sinn darin sehen.

Spezialabschüsse in der eidgenössischen Jagdstatistik

Definition Spezialabschuss: Abschuss innerhalb des Schutzgebietes oder während der Schonzeit in Folge Krankheit oder Verletzung. Diese Abschüsse erfolgten von den kantonalen Wildhütern in einem Schutzgebiet oder durch die Jagdaufsicht in den Revieren.

Im Kanton Bern sind die Spezialabschüsse jedoch eine Art Belohnungssystem für Hobby-Jäger. 800 Berner Hobby-Jäger im Kanton Bern, die sich speziell im Hegebereich engagieren, erhalten jährlich Spezialbewilligungen. Die in dieser Periode vom 16. Juni bis 31. August freigegebenen Tierarten wie Rabenkrähen, Saatkrähen, Eichelhäher, Elstern, verwilderte Hauskatzen, Waschbären, Marderhunde, Füchse und Dachse werden, obwohl sie eine Schonzeit bis 31.8. haben, einfach so abgeschossen. Obwohl auf Kantonsebene diese Wildtiere geschont werden müssten, wurden 2018 mit diesen Spezialbewilligungen zum Beispiel 300 Füchse und 371 Dachse erschossen. Sogar Eichelhäher werden von der Schiesswut der Hobby-Jäger nicht verschont.

Zustände wie im tiefsten Mittelalter in Graubünden! Gemäss Beschluss des Gemeindevorstandes Laax wird eine Kopfgeldprämie von Fr. 40.– für jeden Fuchs und jeden Dachs bezahlt, der während der Niederjagd von den einheimischen Jägern auf dem Gemeindegebiet von Laax erlegt wird.

In einem Schreiben an alle Gemeinden im Kanton Zürich bezüglich der neu eingeführten Nachtjagd auf Füchse und Dachse behauptet der umstrittene Urs Philipp vom Amt für Jagd und Fischerei, Füchse würden Tollwut übertragen, obwohl die schweizerische Tollwutzentrale mahnt, dass eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen nicht möglich und die Hobby-Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraproduktiv ist. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die terrestrische Tollwut besiegen – sie gilt in der Schweiz seit 1999 und in weiten Teilen Europas als ausgerottet!

Ganze 5 1/2 Monate wird den Füchsen im Kanton Appenzell Ausserrhoden, laut der eidgenössischen Jagdstatistik, nachgestellt – Dachs sind es 6 Monate. Bei dem Stress und Jagddruck muss man sich nicht fragen, weshalb diese Tiere krank werden. In ganz Europa liegt das Epizentrum der Fuchsbandwurm-Meldungen seit Jahren in der Ostschweiz! Obwohl unsere Hobby-Jäger immer behaupten, sie sorgten für gesunde Wildbestände, praktizieren sie doch hauptsächlich eine Tierquälerei.

Im Kanton Solothurn wurden in der Jagdsaison 2018 meist gesunde 658 Füchse und 222 Dachse auf nicht wissenschaftlicher Basis und ohne wildbiologisches Fachwissen von militanten Hobby-Jägern getötet.

Die Fuchsjagd ist laut der modernen Wissenschaft ökologisch, ökonomisch und epidemiologisch sinnlos – ja, sogar kontraproduktiv! Grundsätzlich produzieren wenig bejagte Fuchspopulationen auch weniger Nachkommen. 

Die IG Wild beim Wild findet, dass diese sinnfreien Massaker und Tierquälerei in unser aller Lebensraum nicht zeitgemäss sind, und fordert ein Verbot der gesamten Niederjagd!

Quellen und Studien:

  1. Eidgenössische Jagdstatistik
  2. Bern: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker
  3. Graubünden: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker
  4. Appenzell Ausserrhoden: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker
  5. Zürich: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker
  6. Solothurn: Stoppt das Fuchs- und Dachsmassaker

Update 2025: Neue Entwicklungen zu Fuchsjagd und Fuchsbandwurm

Seit der Veröffentlichung im Februar 2020 haben sich die zentralen Aussagen des Artikels bestätigt:

  • Jagdzahlen
    Die eidgenössische Jagdstatistik zeigt weiterhin hohe Abschusszahlen. Allein im Jagdjahr 2022/23 wurden auf der Niederjagd knapp 19 000 Beutegreifer wie Füchse zum Vergnügen getötet. Ein nachhaltiger regulierender Effekt auf Fuchspopulationen oder Konflikte ist weiterhin nicht belegt.
  • Fuchsbandwurm
    Neue Studien stufen die Schweiz als einen europäischen Hotspot der alveolären Echinokokkose ein. Die Zunahme der Fallzahlen wird vor allem mit hoher Fuchsdichte, engerem Kontakt zwischen Wildtieren, Haustieren und Menschen sowie besserer Diagnostik erklärt. Fachstellen empfehlen nach wie vor Hygiene, regelmässige Entwurmung von Hunden und Aufklärung, nicht aber Fuchsmassaker.
  • Modelle ohne Hobby-Jagd
    Der Kanton Genf bleibt ein wichtiges Gegenbeispiel: Seit Jahrzehnten funktioniert dort ein System ohne Hobby-Jagd, mit behördlich kontrollierten Eingriffen als letztem Mittel. Ein Zusammenbruch von Ökosystemen oder ein Seuchendesaster ist ausgeblieben.

Die aktuellen Daten stützen somit die Kritik an der sinnlosen und tierschutzwidrigen Tötung von Füchsen in der Schweiz.

Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

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