Hühner-Betrug: Jetzt werden die Verantwortlichen angezeigt
Jüngst machte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus krasse Missstände in mehreren Schweizer Hühnermast-Anlagen publik. Nun wird die Justiz eingeschaltet. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) reicht gegen fünf Betriebe Strafanzeige wegen Tierquälerei ein.

Jüngst machte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus krasse Missstände in mehreren Schweizer Hühnermast-Anlagen publik. Nun wird die Justiz eingeschaltet. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) reicht gegen fünf Betriebe Strafanzeige wegen Tierquälerei ein.
Krasse Missstände in Schweizer Hühnermast
Anfangs Woche veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus umfangreiche Materialien aus Schweizer Hühner-Mastanlagen. Die Aufnahmen aus fünf verschiedenen Betrieben zeigen krasse Missstände: zahlreiche verletzte, kranke und tote Hühner, die teils von ihren Artgenossen zertrampelt werden. «Das sind die Opfer der Massentierhaltung», sagt Tobias Sennhauser, Präsident von Tier im Fokus. Tatsächlich ist in der Branche eine Mortalitätsrate von ein bis vier Prozent ein offenes Geheimnis.
Gestützt auf die Veröffentlichung von Tier im Fokus hat TIR nun gegen sämtliche Halterinnen und Halter Strafanzeige wegen mehrfacher Tierquälerei bei den zuständigen Staatsanwaltschaften eingereicht. «Die Aufnahmen zeigen klare Verstösse gegen die Grundsätze der Tierschutzgesetzgebung», sagt Vanessa Gerritsen, stv. Geschäftsleiterin von TIR. Das Gesetz verlange, sterbende und verletzte Tiere unverzüglich zu behandeln und, wenn nötig, schmerzlos zu töten. In den gezeigten Betrieben werde diese rechtliche Vorgabe gleich mehrfach missachtet.
Behörden tolerieren Zustände wissentlich
Kranke, verletzte und tote Hühner gibt es in jedem grossen Mastbetrieb – täglich. Juristisch ändert sich deswegen nichts: «Auch flächendeckende Missstände bleiben illegal», sagt Vanessa Gerritsen. TIR kritisiert seit Jahren den Vollzug im Tierschutz. «Die Behörden tolerieren diese üblen Zustände wissentlich.» Zudem habe die kürzlich veröffentlichte Analyse der Schweizer Tierschutzstraffälle von TIR gezeigt, wie lasch die Behörden gerade bei Hühnern durchgreifen. Bloss 1,6 % aller Straffälle der vergangenen zehn Jahre betrafen Hühnerhalterinnen und -halter – dies, obschon allein im Jahr 2016 rund 70 Mio. Mastküken produziert wurden.
Das Unvermögen der Behörden zeigt sich etwa im Kanton Bern. Ein nun angezeigter Betrieb im Berner Seeland wurde bereits 2016 von TIR der kantonalen Veterinärbehörde gemeldet, nachdem Tier im Fokus Aufnahmen aus dem Stallinnern veröffentlicht hatte. Damals hatte der Betreiber die Sitzgelegenheiten für die Hühner entgegen der Vorgaben hochgezogen, so dass die Hühner sie nicht erreichen konnten. 2017 zeigte sich nun dasselbe Bild.
Subventionen für «tierfreundliche» Massentierhaltung
Damit nicht genug: Der Bund bezeichnet diese Massentierhaltung als «besonders tierfreundlich» und fördert sie mit Steuergeldern. Diese Subventionen werden mit der Giesskanne verteilt: 95 Prozent aller Masthühner in der Schweiz leben in sogenannt «besonders tierfreundlicher Stallhaltung».
Für Tier im Fokus werden damit die Bürgerinnen und Bürger getäuscht. «Auf Kosten der Hühner werden wir für dumm verkauft», sagt Tobias Sennhauser. Tier im Fokus lancierte deshalb eine Petition, die die Streichung dieser Subventionen fordert: www.hühner-schwindel.ch
Weitere Informationen: Sendung 10vor10 | 20 Minuten | Mehr zum Tierschutzproblem und Tierrechte
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